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General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sla-l und Sand.

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Nr. 103

Montag den 4. Mai

1925

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Wien, 3. Mai. Als Höhepunkt der Rhein- landfeier in Wien fand heute ein Festakt statt, der durch die glänzende Ausstattung des bis auf den letzten Platz gefüllten Feftsaales, des Großen Musikvereinssaales, und durch den Aufmarsch der Chargierten der studentischen Körperschaften sowie zahlreicher Vereine mit Fahnen und Standarten einen besorchers wir­kungsvollen äußeren Rahmen erhielt. In den Logen hatten zahlreiche Ehrengäste, darunter Gesandtschaftsrat v. Scharfenderg mit mehre­ren Herren der deutschen Gesandtschaft, Platz genommen. Vizekanzler Weber hielt die Fest­rede, der sich eine Reihe von Ansprachen und Erklärungen von Vertretern der politischen Parteien und Stände Wiens anschlossen, die sämtlich ihrer Huldigung für das Rheinland als deutsche Westmark und dem Gedanken des Wiederan­schlusses Oesterreichs als Ostmark b tt Deutschland unter begeisterter allge­meiner Zustimmung eindringlichen Ausdruck verliehen.

' In seiner Rede erklärte Weber nach einem Rückblick auf die geschichtliche und kulturelle Bedeutung des Rheinlandes für Deutschland km Westen und unter Hinweis auf die histo­rische Aufgabe Deutsch-Oesterreichs im Osten, daß nur der Anschluß au ein großes einheit­liches deutsches Wirtschaftsgebiet die Entwick­lung des deutschen Volkes in Oesterreich för­dern konnte. Bundesrat Hugelmann legte namens taufender christlich-sozialer Parteige­nossen das Bekenntnis der Zugehö­

rigkeit Deutsch-Oesterreichs zum Deutschen Reich ab und betonte, daß die nationale Sache über allen Parteigegensätzen stehen müsse. Der Führer der Deutschnationa-- len Partei, Staatsrat Karl Hermann Wolf, begrüßte unter großem Beifall die Wahl Hindenburgs alsein Symboldes wiedererwachenden Selbstbe­wußtseins im deutschen Volke. Der Obmann der Großdeutschen Volkspartei, Wo- tawa, verlas eine Erklärung feiner Partei, worin es heißt, daß sich die Großdeutsche Volks-

Partei

worin es heißt, daß sich die Großdeutsche Volks­partei von Der planmäßigen Verfolgung des Anschlußgödankens nicht abbringen lasse. Sie erwarte von den Regierungen des Deutschen Reiches und Oesterreichs, daß sie alle Vorbe­reitungen für die große Stunde treffe und alle diplomatischen und publizistischen Mittel in den Dienst dieses Gedankens stellen. Für den Landbund gab Abg. SchLnbauer dem Gedanken Ausdruck, daß Deutsch Oesterreichs Schicksal mit dem des deutschen Vaterlandes aufs innigste verknüpft sei. Der Vertreter der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Schulz erklärte, auch die österreichischen Arbeiter woll­ten in diesem feierlichen Augenblick ihre unzer­trennbare Einigkeit mit den Brüdern im Reiche feststellen. Für den Rektor der Universi­tät versicherte Prof. Voltolini, daß die Hochschulen Oesterreichs sich die Aufgabe ge­stellt hatten, den Anschluß durch die Pflege deutscher Wissenschaft und deutschen Geistes an den Hochschulen vorzubereiten. Nach Anspra­chen der Vertreter der Bürgerschaft und der Gewerkschaften wies namens der deutschen Studentenschaft Deutsch-Oesterreichs der Stu- ® r $ °? e r darauf hin, daß in dieser Kör- ^perschaft der großdeutsche Gedanke bisher allein verwirklicht worden sei. Er fordere die Par- au 9$eF Einigkeit, seine Kommilitonen auf, auch, wenn nötig, S ® Zusatz 'hrer ganzen Person f ü r d a s

1 rutsche Reich einzutreten. Gesang derWacht am Rhein" schloß die machtvolle Kundgebung.

Eine Kundgebung der Auslands- Deuifchen.

Berlin, 3. Mai. Heute abend fand im Relchstagsgebaude eine vom Bund der Aus­ländsdeutschen veranstaltete Kundgebung statt, der u. a. Vertreter der preußischen Statsmini- sterien sowie der städtischen Behörden, der Prä- sldlen des Reichs- und des Landtags, eine Reche Reichstagsabgeordneter, Mitglieder h?« Reichswirtschaftsrats, Vertreter der deutscheu Lander und ferner die Gesandten von Oester­reich, Ungarn und Mexiko beiwohnten Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten des Bundes der Ausländsdeutschen, Dr.S ch e l- l e r t, der die Bedeutung der Bestrebungen des Bundes hervorhob, sprach Reichstagsabqe- orbneter Geheimrat Runkel, der allen Grenz- und Ausländsdeutschen Treue aelobte.

Vaterland am Rhein und insbesondere die deutsche Pfalz nicht nur nach dem Willen ihrer Bevölkerung, der unerschütterlich ist, wieder rein deutsche Gebiete geworden sind. Wenn gerade die Pfälzer soviel in den letzten Jahren für das deutsche Volk getragen und gelitten haben, das deutsche Volk tauscht mit Ihnen in seiner Gesamtheit Treue um Treue Fröhliche Pfalz, Gott erhalts!"

Bad Dürkheim, 3. Mai. Im Anschluß an das am Samstag in Neustadt a. d. H. statt­gefundene pfälzische Pressefest erfolgte heute im Beisein des Reichskanzlers Dr. Luther und der anderen anwesenden Minister und Regie­rungsoertreter ein Ausflug nach Bad Dürk­heim, zu dem die pfälzische Industrie und die pfälzischen Zeitungsverleger eingeladen hat­ten. Am nachmittag hielt Dr. Luther noch ver­schiedene Ansprachen und sprach der gesamten pfälzischen Bevölkerung den Dank für die gute Aufnahme in der Pfalz aus. Der Reichs­kanzler wird sich heute abend wieder nach Berlin zurückbegeben.

Das Eisenbahnunglück im polnischen Korridor.

Warschau, 2. Mai. Zur Entgleisung des Zuges KönigsbergBerlin bei Preußisch- Stargard erklärte der Wojewobs von Thorn, Wachowiak, einem Mitarbeiter desKurjer PolÄki", er fei überzeugt, daß das Unglück auf ein Verbrechen von staatsfeindlichen Elementen zurückzuführen fei, die ein Interesse daran hätten, Polen in Europa zu diskreditieren und zu beweisen, daß die Deutschen sich keiner Durchreise durch den Korridor erfreuen könnten.

Die nationaldemokratischeGazeta Po- ranna" behauptet, man könne schon vor der Untersuchung getrost sagen, daß das Ver­brechen von denjenigen begangen worden ist, denen es Nutzen bringen soll. Die heftige Art, mit der sich die deutsche Presse auf den Vorfall geworfen habe und der fieberhafte Versuch, daraus politisches Kapital zu schlagen für die korridorfeindliche Politik Deutschlands, müsse zu denken geben.

Die hier unternommenen Versuche, die Ver­antwortung für das entsetzliche Unglück abzu­wälzen, müssen auf das Schärfste zurückgewie­sen werden. Diese Versuche sind um so plum­per, als ganz offen zugegeben wird, daß da­durch dem Ergebnis der Untersuchung vorge­griffen werden soll. Von polnischer Seite wurde auffallend schnell nach dem Unglück die Version verbreitet, daß ein verbrecherischer An­schlag vorliege. Demgegenüber wird von Augenzeugen berichtet, daß die Entgleisung des Zuges auf den mangelhaften Zustand der Bahnanlagen zurückzuführen ist. Am 22. April ist der Schnellzug KrackauWarschau und wenige Tage vorher der Schnellzug Warschau- Kraèau entgleist. Sollen vielleicht auch hier­für Deutsche verantwortlich sein. Ein polnisches Blatt stellte damals fest, daß die Entgleisung die Folge des verbrecherischen Leichtsinns und beispielloser Nachlässigkeit der polnischen Eisen­bahnverwaltung war, die die Eisenbahn­schwellen verfaulen ließ. Die deutsche Presse würde ihre Pflicht gegenüber der Oeffentlich- keit vernachlässigen, wenn sie nicht diese Uebel­stände geißeln und eine größere Sicherheit für die hauptsächlich von Deutschen befahrene Strecke fordern würde. Unter diesen Umstän­den können die Versuche der Polen, die Ver­antwortung für das Unglück, die unzweifelhaft der polnischen Eisenbahnvevwaltung zur Last fällt, den Deutschen in die Schuhe zu schieben, nur als unerhörte Verleumdung bezeichnet werden.

Rom, 2. Wai. Zu dem Eisenbahnunglück im polnischen Korridor schreibt derMondo": dieses Unglück lenke die Aufmerksamkeit Euro­pas auf Danzig und auf den polnischen Korri­dor der, wie das Blatt erklärt, eine gefährliche Absurdität darstelle. Das Blatt fragt, ob die Aufüechterhaltunq des durch den polnischen Korridor geschaffenen Zustandes noch ange- zeigt sei und ob Königsberg von dem übrigen Deutschland getrennt bleiben könne, nur, um Polen einen Zugang zum Meere zu ver­schaffen. Der gegenivärtige Zustand bilde eine Gefahr für den Frieden Europas.

Verhaftungen wegen Landesverrat.

Breslau, 2. Mai. Unter dem Verdacht des Landesverrates verhaftete die Politische Poli­zei zehn Personen aus Breslau und Carlowitz, die in das Untersuchungsgefängnis eingelie­fert wurden. Die Verhafteten gehören ver­schiedenen Ständen an, auch einiae Kaufleute

Prof. Könnemann von der Universität Breslau hielt darauf einen längeren Vortrag, worin er erklärte, das deutsche Leben spiele sich nicht nur auf deutschem Boden ab. Ein magi­scher Kreis des großdeutschen Gedankens um­spanne die Ausländsdeutschen. Der deutsche Kaufmann, der Techniker und der Wissenschaft­ler seien Pioniere der deutschen Kultur. Jeder Ausländsdeutsche bedeute ein Stück deutschen Lebens. Das Großdeutschtum in Nordamerika stelle ein Symbol für Deutschlands Weltgeltung dar. Die große Katastrophe des Weltkrieges habe alle Ausländsdeutschen zu einer einzigen großen Schicksalsgemeinschaft gemacht. Deutsch­lands Sendung im Ausland sei nicht vorbei. Deutschland habe im Auslande noch eine große Aufgabe zu erfüllen. Sein Kampf um die Wahrheit und gegen das ent­setzliche Unrecht, das ihm die Welt angetan habe, dieser Kampf der Ausländsdeutschen gegenüber der ganzen Welt, müsse auch vom Stammvaterland aus unterstützt werden. Ge­heimrat Grosse führte in einer Rede aus, daß der Bund der Auslandsdeuschen zum über­wiegenden Teil aus vertriebenen Ausländs­deutschen bestehe, deren Zahl rund 100 000 be­trage, und die ihres Vermögens und ihrer Exi­stenz beraubt feien. Trotzdem hätten sie den Willen, mitzuarbeiten am wirtschaftlichen Wie­deraufbau der Heimat, weil sie besser als alle anderen die Not des Vaterlandes kennengelernt hätten. Die stark besuchte Veranstaltung war

Der Reichskanzler in der Pfalz.

Neustadt a. H., 2. Mai. Heute abend fand in den Räumen des Saalbaus zu Neustadt an der Haardt ein Pressefest statt, an dem außer Reichskanzler Dr. Luther der Reichs- justizminister und der Minister für die be­setzten Gebiete, Frencken, der bayerische Mini­sterpräsident Dr. Held, der bayerische Innen­minister Stützel, der bayerische Gesandte in »eriin von Preger, der Regierungspräsident der Pfalz, Matheus, der Bischof von Speyer, eine Reihe hoher Reichs- und Staatsbeamten, ferner die Spitzen der Behörden, der In­dustrie, des Handels, des Gewerbes und der Landwirtschaft und die gesamte Presse der benachbarten Länder, von der Saar, aus Hes­sen und Baden erschienen waren. Die Feier wurde durch verschiedene musikalische und ge­sangliche Darbietungen eingeleitet. Nach einer Begrüßungsansprache nahm Reichskanzler Dr. Luther das Wort und führte u. a. aus: Der Weinbau, die Landwirtschaft, alles was zur Landwirtschaft gehört, die Mühlenindu- stne, die Zuckerraffinerien, alles hat feine Kraft und feine Not. Den Uebergang zu den eigentlich städtischen Betrieben bilden dann die großen Stickstoffwerke in Oppau, durch die ich heute zum ersten Male Hindurchoeganren bin, voll Bewunderung für die Leistungen menschlichen Geistes und menschlicher Kraft. Aber auch andere Industrien sind in der Pfalz vorhanden, jede mit ihrer Not. Die Indu­strien der Bergwerkmaschinen haben durch die Abtrennung des Saargebietes viel von ihrer Absatzgrundlage verloren. Andere haben anderes verloren, die Nähmaschinenindustrie die Schuhwarenindustrie, die Textilindustrie, die eine so große Rolle in der gesamten In­dustrie der Pfalz spielen. Die Reichsregierung kennt diese Dinge von der wirtschaftlichen Seite, sie kennt diese Dinge auch besonders von ihrer sozialen Seite, und Sie können überzeugt sein, daß die Aufmerksamkeit der Reichsregierung nicht nachlassen wird, hier zu lindern, zu helfen und zu schützen, soweit es ihr möglich ist. Aber das Schicksal der Pfalz ist im ganzen gesehen eingespannt in den Ge­samtlauf unseres deutschen Schicksals über­haupt. Sie wissen, meine Damen und Herren, daß die d e u t s ch e Reichsregierung e i n e P o l i t i k t r e i b t, die darauf abzielt, auf dem Wege derVerständiquna den wirklichen Frieden herbei- z u f uhren. Die Reichsregierung tut dies, weil sie überzeugt ist, damit den gesamten Interessen Europas zu dienen. Aber insbe­sondere tut sie es, weil sie glaubt, damit die deutschen Interessen wahrzunehmen. Die deutsche Regierung will mit ihrer Politik ins­besondere das Ziel erstreben, daß sie nach Maß und Zeit die Lasten, die auf dem Rheinland, und insbesondere auf der Pfalz liegen, er­leichtere. Die deutsche Regierung stellt ihre Arbeit auf den Augenblick ein, wo das deutsche

befinden sich unter ihnen. Weitere Angaben sollen im Interesse der Voruntersuchung vor­läufig nicht veröffentlicht werden.

Senator Borah über Frankreichs Schulden.

London, 4. Mai. Nach einem Bericht der Morning Post" aus Washington schreibt Senator Borah in einem Zeitungsartikel. Frankreich könne und müsse seine Schulden an die Vereinigten Staaten be­zahlen. Infolge seiner Weigerung zahle der ameri­kanische Steuerzahler für die Aufrechterhaltung des großen französischen Heeres. Borah zufolge bedeutet die Sprache der führenden Männer Frankreichs, daß sie die Schulden nicht anerkennen. Wenn die feier­lichsten bindenden Verpflichtungen nicht anerkannt würden, gäbe cs in internationalen Angelegenheiten keinen anderen Ausweg als Gewalt.

Die französischen Munizipalwahlen.

Paris, 3. Mai. Die Munizipalwahlen, die heute in Frankreich stattgesunden haben, haben sich, soweit um 7 Uhr abends bekannt geworden ist, in der größten Ruhe vollzogen. Die Wahlhandlung ist um 6 Uhr abends ge­schlossen worden. Da sich in den meisten Kom­munen viele Kandidaten um die frei gewor­denen Sitze beworben haben, dürfte das Er­gebnis erst spät in der Nacht bekannt werden. Man rechnet übrigens mit vielen Stichwahlen, da die Wahlbeteiligung im allgemeinen eine außerordentlich starke gewesen sein soll. Paris hat 80 Munizipalräte gewählt. Der Kampf war in einzelnen Bezirken, namentlich in der Bannmeile, in der die Agitation der Kommu­nisten stark in die Erscheinung trat, ein sehr heftiger. Eine starke Propagandatätigkeit Hal namentlich inParis die nationalrepublikanische Liga Millerands entfaltet.

Die, HapasagMrur schließt aus den bis 6 Uhr abends vorliegenden Ergebnissen aus 10 Wahldistrikten, daß mit der Wiederwahl vieler linksrepublikanischer Munizipalräte zu rechnen ist.

Paris, 4. Mai. Die Munizipalwahler haben für die Stadt Paris die Wahl von 4G Delegierten ergeben. In 31 Wahlbezirker hat eine Stichwahl stattzufinden. Von der 49 Gewählten gehören 39 Mitglieder der ehe­maligen Mehrheit und 10 dem Kartell bet Linken an. Das Ergebnis zeigt im ganzer einen Rückgang der kommunistischen Stim­men. Von den 49 Gewählten gehören an der Konservativen 3, der radikalen Partei 1, bei nationalrepublikanischen Partei 30, den Links­republikanern 10, den unabhängigen Radi­kalen 4 und den unabhängigen Sozialisten, 1.

Paris, 4. Mai. Um 6 Uhr vormittags ver­öffentlicht die Havasagentur einzelne Ergeb­nisse aus dem ganzen Lande, aus denen her­vorgeht, daß sehr viele Stichwahlen vorgenom­men werden müssen, aber es scheint, daß die Regierung ihre Stellung ziemlich behauptet. Es scheint jetzt schon als sicher, daß die Linke den Sieg erhalten wird. Um 1 Uhr waren 100 Stadträte des Kartells der Linken gewählt.

DieEre Novelle" schreibt: Ueberall sind die Nationalisten im Rückgang und das Kartell der Linken im Fortschreiten. Unbestreitbar ver­stärkt die Wahl die Bedeutung der Wahlen vom Mai 1924. Unsere Gegner haben gehofft, daß sie das Urteil des Volkes revidieren könn- ten. Heute müssen sie erkennen, daß ihre Be­rufung verworfen worden ist.

Paris, 4. Mai. Nach einer Havasmeldung aus Ajaccio (Korsika) ist es dort infolge der Wahl zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Ein Wähler hatte zwei Wahlscheine in die Urne geworfen, infolgedessen kam es zu Aus­schreitungen, bei denen zwei Personen getötet und mehrere verwundet wurden.

Die belgische Kabinettskrise.

Paris, 3. Mai. Zu dem Verzicht de Brocquevillek, die Kabinettsbildung zu übernehmen, schreibt der BrüsselerSteile Belge", es scheine, daß es zu einer neuen Auflösung deS Parlaments kommen werde.

Ernste Lage in Marokko.

London, 4. Mai. Der Berichterstatter derTimes» drahtet aus Rabat: Unvermeidliches fei geschehen. Die Zurückziehung der spanischen Truppen nach der Hüfte habe er Absul Krim ermöglichst m die fran- zöstsche Zone einzudringen. Er besindet sich jetzt tat­sächlich im Krieg mit Frankreich. Er würde unklu, fein, die Tatsache zu verheimlichen, daß die Lage zu Anfang der letzten Woche ernst geworden sei. Seit Mittwoch habe die Besorgnis jedoch nachgelassen. Pir Kolonnen operierten jetzt gegen! die Riffleute U0 deren Anhänger, und zwar seien gegenwärtig an der gefaulten Front 18 Bataillonen Infanterie, 6 Schwg, breiten Kavallerie und 12 Batterien Artillerie tätig, Die Gesamtzahl der Niffleute beträgt ungefähr 40Äs Mann. Doch sollen sich innerhalb der spanischen Zo»^ in der Nähe der Greuze noch weiterc>lX>0,.WsM in Reserve befinden.