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ßanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stahl und Land.

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Nr. 102

Samstag den 2. Mai

1925

Das Neueste

Dte Vereidigung des neuen Reichs- Sröfibenten v. Hindenburg erfolgt am 1 Mai 12 Uhr mittags im Reichstag.

Der Reichstagsausschuß zur Unter­suchung der Ruhrkredite hat gestern Reichs­kanzler Dr.

vernommen.

im polnischen Korridor sind bis jetzt 28 Tote gezählt worden. Amundsen drahtet von Spitzbergen, daß der Start zum Nordpolfug bei günstiger Witterung Ende nächster Woche erfolgt.

Ei« grotzer Tag im Ruhr- Anisrsachungsausschub.

Berlin, 1. Mai. Der Reichstagsausschuß zur

Untersuchung der Ruhrkredite begann mit den Vernehmungen zu der Frage, ob das Schrei­ben des Reichskanzlers Stresemann vom 1. November 1923 gemäß dem Kabinettsbeschluß vom gleichen Tage, d. h. unter Zuziehung eines Ausschusses, in dem die Reichskanzlei, das Wirtschaftsministerium und das Wieder- aufbauminifterium vertreten waren, abgefaßt churde. Dies wird von dem ersten Zeugen Ministerialdirektor Ritter vom Auswärti­gen Amt bestätigt, der hinzufügt, daß das da­mals in dieser Angelegenheit federführende Auswärtige Amt an der Abfassung des Schrei­bens beteiligt gewesen sei. Später sei die Federführung an das Wiederaufbauministe- fium und das Reichsfinanzministerium über« gegangen. Auf eine Frage des Zentrumsabge- drdneten Esser erklärte der Zeuge, daß für hn sowohl nach dem Gang der Kabinetts- sitzung als auch nach Art, m

Abmachung mit den Ruhrindustriellen war nicht eine politische in dem Sinne, daß man über die Sache in Wirklichkeit erst später ent­scheiden wollte, sondern sie war eine Ab­machung, die die Grundlage für ein Geldge­schäft darstellen sollte, die ihrer Idee nach die Zurückgewährung von Leistungen darstellen sollte, die die Ruhrindustriellen für das Reich machten. Auf den Borhalt eines Ausschußmit­gliedes, daß einige Monate nach dem Zustande­kommen des Briefwechsels mit Stinnes ein­zelne Minister und überhaupt die Reichsregie­rung, öffentlich den Standpunkt vertreten habe, daß von einer Tragung der Micumlasten durch das Reich nicht die Rede sein könne, und daß der finanzielle Zustand des Reiches einen Bei­trag zur Milderung der Micumlasten schlechter­dings unmöglich mache, erklärte der Reichs­kanzler, das habe nur für damalige Zeit ge­golten, man habe die Berpflichtung ja auch für die Zukunft übernommen. Auf die Frage des Kommunisten Stöcker, ob die vertrags­schließenden Herren bei dem Abschluß von der Voraussetzung ausgegangen seien, daß Zah­lungen erst beim Erfolgen der Gutschrift auf Reparationskonto in Frage kämen, antwortet Reichskanzler Dr. Luther, daß alles benutzt werden sollte, um eine Gutschrift auf Repa­rationskonto zu erreichen, daß aber auf der anderen Seite der Gedanke nicht maßgebend gewesen sei für Leistungen, ob diese Gutschrift erreicht würde oder nicht.

Als nächster Zeuge wird der Abgeordnete Robert Schmidt vernommen, der in der

ung als auch nach Art, wie das Schreiben ^^Vorverbandu Ä£MÄ4 5 SC®

standen

tische Verpflichtung, sondern eine rechtlich bin- dende und gegebenenfalls einklagbare B e r p f l k ch t u n g zu übernehmen. Auf An- fragen erklärte der Zeuge weiter, Stinnes habe die Meinung geäußert, man müsse das Ab- kommen derartig abfassen, daß zum Ausdruck komme, daß das Reich die Verpflichtungen nur unter der Voraussetzung übernehme, daß die Leistungen auf Reparationskonto gutgeschrie­ben würden. Die Bergindustrie hätte auf bas. Schreiben so großen Wert gelegt, weil sie der Meinung gewesen sei, durch die Vorlegung eines solchen rechtlich bindenden Dokumentes wurde ihr die Erreichung ausländischen Kre­dites erleichtert werden.

Auf die Frage des kommunistischen Abge- ordneten Stöcker, ob es den Zeugen he« rannt sei, daß der Reichsfinanzminister am Vorabend der Kabinettssitzung vom 1. Novem­ber m einer Ministerbesprechung erklärt habe, Zustimmung zu den Vorschlägen für ^möglich halte, wenn zum Ausdruck gebracht 'werde, daß es sich lediglich um eine vorläufige Anerkennung handele, und daß von einer Zah- ungsfahigkeit des Reiches vor mindestens zwei Jahren nicht die Rede fein könne, er- Ministerialdirektor Ritter, daß er an der Mimsterbefprechung nicht teilgenommen. M Lichen Thema erklärt Ministerial- direktor Kiep, der damals der Reichskanzlei angehorte er müsse hinsichtlich dieser Frage Üs ?^lokoll verweisen. Der Vorsitzende d°ß diese Frage über das Beweis­thema hinausgehe.

wurde Reichskanzler bie bie P°^ gehört, welcher Art

gewesen seien, die damals zwi- Reichsregierung und den Ruhrindu- '^euen eingegangen worden sind. Hierzu er- K 'S- «WS«: Der 8n,«J ^ Llig-N ÄB ""* d-n au-dâllch-n. oon M.^^ern der Sechserkommission geäußer- eu^uuschen, eine Erklärung der Reichsregie- rung herbeizuführen, auf Grund deren der Nlenbergbau sich Kredite beschaffen konnte. Was Mr damals wollten, heißt in der Sprache ^^^rudenz:Priratrechtliche Bindung" Wir haben ohne leben Zweifel nach Lage der Dinge der anderen Seite den Anspruch geben wollen, der unmittelbar klagbare Rechte zeugte ; denn der Zweck war ja, etwas Dis

3U Waffen, auf dessen Grundlage man Geld bekommen konnte. Auf die Fragen des Volffitzenden fügt der Reichskanzler noch hinzu: Nach dem Inhalt der damaligen Erörterungen wurde die Möglichekit gar nicht erwogen, daß die Reichsregierung bei der Wahl eines ande- ren Reichstags diese Versprechung etwa nicht erfüllen könnte. Die Zahlungen sollten nach der Sanierung der Reichsfinanzen erfolgen. Die

angegangen worden sind. Hierzu er- r ucher: Der Zweck des damaligen

er-

Diskont-

fraglichen Zeit Minister für den Wiederaufbau war. Auf die Frage des Abg. Stöcker (Komm.), weshalb die sozialdemokratischen Minister zu den Vorverhandlungen nicht zugezogen wor- ldet Schmidt, daß er an den ' indlungen mit der Sechser- teilgenommâ habe und des-

halb in der entscheidenden Kabinettssitzung gegen den Abschluß der Abmachungen Ein­spruch erheben wollt«, weil er als zuständiger Wiederaufbauminister nicht hinzugezogen worden sei. Eine Ablehnung wollte er nicht aussprechen, weil er natürlich auch ein Inter­esse an dem Jngangkommen der Industrie hatte. Innenminister S o l l m a n n schloß sich seinem Standpunkt an, daß er und seine sozialdemokratischen Kollegen auch den Vor­besprechungen nicht hinzugezogen worden waren, sei ihm nicht aufgefallen, da seine Kolle­gen mit der Sache nichts zu tun gehabt hätten. Die Frage, ob in der Kabinettssitzung am 1. November von irgendeiner Seite positiv

noch einige Jahre würden gedulden müssen. Es wird dann beschlossen, Reichsfinanzminister v. Schlieben und Ministerialdirektor v. Brandt zu vernehmen. Die nächste Sitzung ist vor­aussichtlich Donnerstag.

*

Diese Sitzung darf im Grunde genommen als ein Nachspiel jener Reichstagssitzung be­zeichnet werden, in der Dr. Luther und Dr. Stresemann auf die Interpellationen roegen der Ruhrentschädigung Rede und Antwort standen. Der Unterschieb ist nur der, daß bei der Jnterpellationsdebatte die Politik im Vor­dergrund stand, während es sich gestern um eine Rechtsfrage gehandelt hat. Wie damals die politische Seite der Angelegenheit, so ist gestern auch die Rechtsfrage vollständig geklärt worden. Bei der politischen Rechnungslegung konnte überzeugerch nachgewiesen werden, daß die damalige Regierung unbedingt die Aust rechterhaltunq der Arbeitsbetriebe im Ruhr­gebiet sichern mußte, daß sie deshalb aus rein politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Gründen die V-crpslichtung auf sich nehmen mußte, der Sechserkommission der Ruhr­industrie einen Abschluß mit der Micum zu er­möglichen. Es ist damals auch klar gestellt worden, daß die sozialdemokratischen Minister, und zwar Herr Sollmann als Innenminister, Herr Radbruch als Justizminister und Herr Robert Schmibt als Wiederaufbauminister grundsätzlich ihre Zustimmung zu einer Ver­einbarung des Kabinetts mit den Industriellen in diesem Sinne gegeben haben. Hatte doch der Vorsitzende des sozialdemokratischen Verg- arbeiterverbandes noch viel schärfer als die Sechserkommission selbst an die Regierung appelliert, um sie vor einer Preisgabe des Ruhrgebietes zu warnsu. Ueber die Unmög« ..lichtest der Finanzierung kam die Regierung nicht hinweg, sie übernahm aber die Rück­erstattungsverpflichtung, so illusorisch sie da­mals auch erscheinen niochte. Die sozialdemo­kratischen Kabinettsmitglieder waren grund­sätzlich damit einverstanden und an dieser poli­tischen Bilanz ist damals in der Jnterpellations- debatte auch von sozialdemokratischer Seite nicht gerüttelt worden.

Gestern ist die Fragestellung in einem ganz bestimmten Sinne beschränkt gewesen. Es hat Sh darum gehandelt, um seslzusteüen, ob der rief, den der Reichskanzler am 1. November an Herrn Stinnes gerichtet hat, von dem Ka­binett als eine privatrechtliche Bindung der Regierung aufgefaßt worden ist, oder nur als eine politisch moralische Verpflichtung. Als

genbeiner Seite positiv Endergebnis der Zeugenvernehmung kann oder negativ davon gesprochen worden sei, daß man ganz klipp und klar fesfftellen, daß nach die Auszahlung von Ansprüchen ohne weitere Auffassung des Kabinetts unbedingt eine Prüfung durch den Reichstag vorgenommen privatrechtliche Bindung vorlag, die den Ruhr­werden könnte, sei seines Wissens nicht er- industriellen das Recht gegeben hätte, ihre For-

Auffassung des Kabinetts unbedingt eine

_____ i privatrechtliche Bindung vorlag, die den Rühr­ei seines Wissens nicht er industriellen das Recht gegeben hätte, ihre For- Man habe allgemein unter derung gegen das Reich gegebenenfalls einzu- dem Eindruck gestanden, daß sich die Herren s klugen.

örtert worden.

Die WOMMGMe im Korridor

Wie bereits gestern gemeldet, ereignete sich gestern im polnischen Korridor zwischen den Stationen Swaroschin und Preußifch- Stargard ein schweres Eisenbahnunglück. Nach den heute vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Toten 28. Ein Augenzeuge gibt derKönigsberger Allgem. Ztg." über das Unglück folgenden Bericht:

Der auf den ersten Schlafwagen dritter Klasse folgende, sowie der nächste Wagen britter Klasse sind tneinandergeschoben wor­den und in der Mitte durchgebrochen. Sie sind dann die zwei bis drei Meter hohe Böschung, die sich an der Unfallstelle befindet, herabgestürzt, der fünfte Wagen, sowie die übrigen Wagen stehen auf den Schienen. Es sind dies haupffachlich die Wagen zweiter Klasse, der Schlafwagen, zweiter Klaffe und der Postwagen. Die Lokomotive ist ebenfalls die zwei Meter hohe Böschung binabgestürzt. Der Lokomotivführer konnte sich durch Ab­springen retten. Er trug lediglich einige leichte Verletzungen davon. Der Heizer ist unversehrt geblieben. Die Toten sind also hauptsächlich unter den Insassen der auf den Schlafwagen dritter Klasse folgenden Wagen zu suchen. Nicht gering ist auch die Zahl der Verletzten, die sich Arm- oder Beinbrüche zugezogen haben. Ungefähr um 1 Uhr, eine Stunde nach dem Unglück, kam aus dem etwa 1iS Klm. entfernten Preußifch-Stargard die erste Loko­motive, die einen Arzt mitbrachte. Dieser leistete mit Unterstützung eines im Zuge fah­renden Arztes die erste Hilfe. Da kein Äer- bandsmaterial vorhanden war, wurden die

Bettbezüge aus dem Schlafwagen zweiter Klasse als Verbandszeug benutzt. Es kamen dann zwei Personenwagen aus Preußisch-

Stargard, die zunächst einen Teil der Ver­wundeten nach dort brachten. Die übrigen Reisenden aus den zerstörten Wagen wurden von den sich dort kreuzenden internationalen D-Zügen nach Königsberg bezw. Berlin mit­genommen. Bis '3 Uhr nachts habe ich Sani­tätspersonal nicht gesehen. Um diese Zeit er« schien auf dem Bahnhof Preußifch-Stargard der erste Feuerwehrmann. Dann fanden sich auch allmählich Rote-Kreuz-Kolonnen ein. Um %4 Uhr erschien der Präsident der pol­nischen Eisenbahn im Extrazuge aus Danzig.

Ein anderer Augenzeuge, ein Oberinge- ' Danzig, schreibt:Ich saß im D-Zug 3. Klasse. Kurz vor dem Einfahrts-

nieur aus

vor

eine

Böschung von 6 Meter Höhe befindet, spürte ich plötzlich einen kräftigen Ruck. Ich war in dem Glauben, daß die Lokomotive unseres Zuges auf einen Güterzug aufgefahren sei. Der Wagen, in dem ins C"

. i ich mich befand, geriet Schwanken und stürzte die sechs Meter hohe Böschung hinab. Die übrigen Wagen standen wirr durcheinander in einer Neigung von 45 Grad. In den zersplitterten Wagen waren verschiedene Personen eingeklemmt, die mittelst Stahlsägen aus ihrer Lage befreit werden mußten. Im ersten Augenblick des Anpralls waren uns allen die Sinne ge­schwunden. Nachdem ich mein Bewußtsein wieder erlangt hatte, schritt ich über 6 bis Tote hinweg und ging zur

umgekehrt nach dem Böschungswinkel zu lag, die Räder nach oben. Bedauerlicherweise war dreiviertel Stunden nach dem Unglück noch kein Rettungskommando zur Stelle. Es waren nur einige Fackeln

_ _ vorhanden, die aber bald ausbrannten. Die Unglücksstelle war in völ­liges Dunkel gehüllt. Wir fuhren mit einem polnischen Hilfszug nach Preußifch-Stargard und gelangten von dort mit dem Ost-Expreß nach Schneidemühl."

Nach weiteren Erzählungen von Augen-

zeugen müssen sich zum Teil ganz jammer­volle Szenen abgespielt haben. Ein Mann, der die Toilette aufgesucht hatte, soll während der Katastrophe zwischen die zwei Wagen gequetscht worden sein, und es soll 2 Stunden gedauert haben, bis man ihn, mehr tot als lebendig, herausholen konnte. Ein etwa drei-

gedauert hab lebendig, her< jähriges Kinè

. . _ nd soll auf der Strecke verlassen und verwaist nach den Eltern geschrien haben.

Verbrecherischer Anschlag ober polnische Schlamperei.

Ueber die Ursachen des Eisenbahnunglücks liegen zwei Versionen vor. Einmal heißt es. daß es sich um einen verbrecherische,, Anschlag handeln soll. Die diesbezüglich Meldung lautet:

Danzig, 1. Mai. Als Ergebnis der Unter­suchung hat sich herausgestellt, daß es sich um einen verbrecherischen Anschlag handelt. Mehrere Attentäter hatten die Laschen unk Bolzen an den Eisenbahnschienen gelöst. Dei Schnellzug, der vor dem Unglückszuge diese Streck« passierte, stand auch bereits in Gefahr zu entgleisen. Erst nachdem dieser Schnellzug diese Stelle passiert hatte, setzten die Attentäter ihr ruchloses Werk an der Lockerung der Schie­nen fort. Obwohl mehrere Polizeihunds die Spuren der Verbrecher ausnahmen, war es nicht möglich, sie weiter zu verfolgen, da durck das Hinzutreten von Hunderten von Zw schauern alle Spuren verwischt wurden.

Die andere Version spricht von einer mangelicken Unterhaltung der Eisenbahn­anlage durch die Polen. Diese Meldung lautet:

Berlin, 1. Mai. Die Untersuchung über die Ursache der Eisenbahnkatastrophe bei Preußisch Stargard ist noch nicht abgeschlossen. Sins läßt sich jedoch bereits mit ziemlicher Sicherheit fesfftellen: Das Zugpersonal trifft keine Schuld. Im Gegensatz zu einer Version, daß das Un­glück auf einen Anschlag zurückzuführen sei der möglicherweise aus politischen Motiven verübt wurde, erklärt imBerliner Tageblatt" ein ausländischer Journalist, der sich in dem Unglückszuge befand, daß die Ursachen der Katastrophe in einem Geisdefekt zu suchen sein sollen. Nach einer Aeußerung des Lokomotivführers soll der Zustand des Gleises an der Unglücksstelle schon seit längerer Zeit so schlecht gewesen sein, daß die Züge nur in langsamer Fahrt passieren konnten. Trotz wiederholter Meldungen des Führerpersonals der Züge war die Instandsetzung der schad­haften Stelle noch nicht erfolgt. Schon am Tage vorher hätten sich polnische Lokomotiv- Wrer geweigert, die Strecke zu befahren. Der Geistesgegenwart des Lokomotivführers und Hetzers des verunglückten Zuges sei es zu danken, daß die Katastrophe nicht noch schreck­licher wurde. Mit großer Geistesgegenwart hätten sie die Feuer gelöscht und so eine Kessel­explosion verhütet sowie auch die Heizung ab«

Aoch nicht aufgeklärt.

Nach der neuesten Meldung ist die Ursache der Katastrophe noch nicht aufgeklärt. Die drei aus Berlin stammenden Schlafwagenschaffner, die unverletzt geblieben sind, führen das Un­glück auf einen Anschlag zurück. Die von den Schienen gelösten Laschen sollen im nahen Walde aufgefunden worden sein. Nach einer Meldung aus Danzig ist der Danziger Polizei- Präsident von den polnischen Behörden tele- graphisch ersucht worden, einen Polizeihund und Kriminalbeamte an die Unfallstelle zu ent- senden. Der Polizeipräsident hat hn Einver­nehmen mit dem Senat beschlossen, diesem Er- suchen zu entsprechen. Der polnische Eisen-

bahnvtzeminifter Eberhardt und eine besondere Unterjuchungskommission des polnischen Eisen- babnministeriums haben sich an die Unglücks« stelle begeben. Aber auch für die aridere Ver­sion, daß das Unglück auf die mangelhafte Unterhaltung her Eisenbahnanlagen durch Die Polen zurückzufâbren ist, werden von den Blättern eine Reihe von Tatsachen angeführt. So teilt derLotalanzeiger" mit, daß 20 Mi- nuten vorher ein anderer D-Zug die U

ich über 6 bis 8 nuten vorher ein anderer D-Zug die Unglücks- Lokomotive, die stelle ohne Unfall passiert hat Wh daßerksut«