200. Jahrgang
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General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land
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Ö
Nr. 89
Freilag Den 17. April
1925
Das Neueste.
— Das neue französische Kabinett ist gebildet.
— Außenminister Dr. Stresemann sprach gestern in Hamburg über Weltwirtschaft und Weltpolitik.
— Bei der Reichsbahngesellschaft wird ernstlich der Gedanke einer 20prozentigen Tariferhöhung erwogen, die wahrscheinlich in erster Linie den Personenverkehr treffen soll.
— Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat die Lage an der Mosulgrenze einen bedrohlichen Charakter angenommen.
— Der neue deutsche Botschafter in Amerika D. Maltzan sprach gestern auf einem Frühstück über die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Verwerfliche Agitation gegen Äindenburg.
Die Preffe des Linksblockes sucht die Kandidatur des Feldmarschalls Hindenburg durch ein verwerfliches Agitationsmanöver in den Augen des deutschen Volkes zu diskreditieren. Sie behauptet, gestützt auf zweifelhafte Meldungen aller Art, daß ein Erfolg der Kandidatur Deutschland die Gunst des Auslandes kosten werde und daß in der bisherigen außenpolitischen Entwicklungslinie ein Bruch ein« treten werde, wenn Hindenburg die Präsidentschaft des Deutschen Reiches übernehme. Bei diesem Manöver wiederholt sich ein Doppelspiel, das wir von früher her leider nur allzu sehr gewohnt sind. Die Presse des Linksblockes posaunt mit allen Kräften in die Welt, die Kandidatur Hindenburgs fei nichts weiter als der erste Schritt zur Wiederherstellung der Monarchie und zum Widererwachen des deutschen Militarismus. EsM Gest duMs.Mejs«, die in der letzten Zeit vor dem Weltkriege durch ihre tendenziöse Verzerrung und Entstellung des deutschen Müirärweiens das Meiste dazu beigetragen hat, den angeblichen deutschen Militarisnius Im Auslande verhaßt zu machen. So wie damals, so nimmt das Ausland auch heute das Echo dieser Linkspresse willig auf. Wenn dann Blätter wie der „Vorwärts und das „Berliner Tageblatt" Stimmen der ausländischen Presse zitieren, so setzen sie dem deutschen Volke in den meisten Fällen nur das vor, was die ausländische Presse erst aus deutschen Quellen geschöpft hat. Die Tendenzmache geht aber noch weiter. Sie scheut auch vor offenkundigen Unwahrheiten nicht zurück. So wurde gestern in einem demokratischen Berliner Blatte in einem Stimmungsbild aus Newyork behauptet, die Kandidatur Hindenburg habe alle deutschen An- leihèverhandlungen ze^chlagen. Dabei ist es eine bekannte Tatsache, daß nach dem ersten ueberschwang - amerikanischer Kreditfreudig- si>t schon seit einiger Zeit auf amerikanischer deile eine ebenso große Abneigung gegen weitere Kreditgewährung eingetreten ist. Es ist übelste Tendenzmache, wenn man diese Er- Ichemung mit der Kandidatur Hindenburg in Verbindung bringt. Tatsächlich hat sie nicht das geringste damit zu tun.
Die Parteileidenschaft macht die Presse des Linksblockes blind. Selbst wenn sie noch so von der Schwungkraft der Kandidatur »iarx überzeugt sind, müssen diese Blätter mit der Möglichkeit eines Sieges der «vT11,. ur Hindenburg rechnen. Wie aber mird sich dann das Geschrei der Linkspresse im Auslande auswirken? In Wirklichkeit ist ^ Präsidentschaft des Feldmarschalls von Hindenburg außenpolitisch genau so gut trag» m .jede andere. Es ist bekannt, daß Mussolini die Kandidatur Hindenburg durch- begrüßt hat. Aber auch dort, wo man mcyt dieselben persönlichen Sympathien für ^eldmarschall hegt, wird man doch genau i|fen, daß die Reichspräsidentschaft Hinden- °urgs an dem bisherigen Kurse unserer Utznpolitik nichts ändern würde. Wer ^^nburgs Osterbotschaft gelesen hat und dpi. *ru.9erc Haltung dieses Mannes kennt, „,,l^mß ganz genau, daß er in seiner klaren ..nüchternen Denkungsart sich auf die Real- Poutik einstellen würde, die zur Zeit die ein» y Mögliche ist. Außenpolitisch würde sein an sich nicht die geringsten Schwie-
■ bereiten. Ganz sicher aber ist es, daß an in den uns mißgünstigen Äuslands- h- "NH einem Wahlerfolg Hindenburgs
"Partikel der Linkspresse wie eine der Welt vorbeten würde, um damit gegen Deutschland zu machen, tis^^rhängnisvolle Wirkung ihrer fana-
Agitation verliert die Linkspresse voll- ^men aus dem Auge. Trotzdem darf nicht
Menmil über WeltVirWast n. WkUolitil
Hamburg, 16. April. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach Außenminister Dr. Stresemann heute abend im Ueberseeklub über „Weltwirtschaft und Weltpolitik". In einer Sitzung des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Hamburg, so führte der Minister aus, fiel seinerzeit das Wort: „Die Wirtschaft ist unser Schicksal". Diese These war sicherlich unrichtig, denn letzten Endes entscheiden die großen Grundfragen der Politik über die Völkerschicksale. Aber zu keiner Zeit ist wohl diese Politik mehr von den Wirtschaftsfragen beeinflußt worden, als in der Gegenwart. Schon vor dem Weltkrieg war der Futterplatz für die um den Absatz ringenden Völker sehr arg geworden. Mitte der 90er Jahre bis 1914 stieg der Wert des Welthandels von 71,5 auf 170 Milliarden Goldmark. Rang man früher um Kolonialgebiete, so ringt man jetzt um Absatzgebiete. Schiffahrtssubventionen zeigten den Einfluß des Staates im wirtschaftlichen Imperialismus. Während des Krieges versuchte die Pariser Wirtschaftskonferenz durch ihre Beschlüsse die Weltwirtschaft in zwei von einander unabhängige Teile zu trennen und jede Abhängigkeit von Deutschland und der mit ihm kämpfenden Völker aufzuheben.
Die dritte Periode des Kampfes gegen Deutschland
nach seinem Unterliegen war der Versuch des Versailler Vertrages, Deutschland wirtschaftlick soweit wie möglich unschädlich zu machen. Die Geschichte der Nachkriegszeit zeigt deshalb naturgemäß die engste Wechselwirkung zwischen
beim Ruhreinbruch, den als führender Gedanke die Zwangsehe zwischen der Ruhrkohle und dem lothringischen Erz zugrunde lag. In dem Geheimbericht Daciacs über den Pfand- wert der Ruhrindustrie, auch außerhalb der Reparationsfrage sehen wir die Wechselwirkung im Kampf um das Erdöl, sowie im russisch-japanischen Sachalinvertrag. Der stärkste Ausdruck dieser Verbindung zeigte sich beim Dawesgutachten. Sein Zweck war die Freimachung der Weltwirtschaft von fortgesetzter Bedrückung durch die politische Spannung der Reparationsfrage. In dem Bestreben der Vereinigten Staaten, zu einer internationalen Abrüstung zu gelangen, kommt ebenfalls der Gedanke zum Ausdruck, durch Verminderung her unproduktiven Ausgaben der Völker zu einer Besserung der weltwirtschaftlichen Entwicklung zu gelangen.
Deutschlands Stellung in dieser Situation
ist dadurch gekennzeichnet, daß wir heute noch viel enger mit dem Ausland verflochten sind als früher. Unsere Umwelt ändert sich dabei seit dem Weltkrieg entscheidend. Die Vereinigten Staaten sind Weltgläubiger und Weltbankier geworden. In Europa sind große Wirtschaftsgebiete in kleinere Komplexe zerlegt worden und dabei sind die ökonomischen Kraftquellen unwirtschaftlich verteilt. Frankreich ist der größte Eczbesitzer, hat aber dabei die geringsten Kohlenlager. Paßschwierigkeiten, Zolltarife und NiederlassungÄjemmungen sind weiter Barrieren für die Entwicklung der europäischen Wirtschaft. Es all' nähme in dem Bi
Ibt seine unprobuttioere Ein
iubgef eines Staates, als die Einnahmen aus den Paßaebühren. ~ " Europa nach dem Kriege die Kräfte zum gemeinsamen Wiederaufbau zusammenzufassen, wurde der Krieg mit allen Mitteln fortgesetzt, mit dem Erfolg der Zertrümmerung fast aller europäischer Währung und mit einer Dauerkrise, die seit Jahren auf Europa und dec Weltwirtschaft lastet. Während die internationale Kaufkraft weit hinter der Vorkriegszeit zurück- gsieben ist, hat die Produktionsfähigkeit der ltindustrie eine erhebliche Steigerung erfahren. Die deutsche Produktion sicht dabei vor
Statt in
der schwersten Aufgabe. Sie soll die höchsten Überschüsse erzielen, hat aber doch die wich- ügften Rohstoffgebiete verloren. Mit ernstester Sorge müssen wir die Vorgänge »erfolgen, die darauf hindeuten, daß
Zusammenfassung unerläßlicher Rohfiofsgebiete im Machtbereich weniger Staaten anaestcebt Ueber die früheren machtpolltischen verfugen wir nicht mehr; wir können nicht mehr wie früher dem Kaufmann die M9«n lassen. Das einzige wirkliche Machtinstrument, das wir noch besitzen. U
unsere Konsumkraft. Die Versuche der Ausschaltung Deutschlands aus dem Weltwirt- schiaftsverkehr haben zu dessen Verkümmerung geführt. Die anderen Länder sind durch unsere Armut nicht reicher geworden. Es wohnen vom Rhein bis zum Ural nur kaufarme Völker. So ist die gesteigerte Weltproduktion nur die Anhäufung toter Kapitalien und unbrauchbarer Reichtümer. Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge hat entschieden zu einer Aenderung in der Einstellung zu der hier behandelten Frage geführt. Es scheint, als wenn an Stelle der bisherigen Parole Krieg und Untergang bei den Konkurrenten sich das Bestreben durchgesetzt hätte: Zusammenarbeit mit den Konkurrenten. Der Gedanke des Zusammenwirkens zeigt sich zwischen der deutschen und amerikanischen Schiffahrt, der deutschen und französischen Kaliindustrie, in dem Plan eines europäischen Stahlverbandes und in dem finanziellen Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Ländern.
Deutschland gewann am 10. 1. seine
Handlungsfreiheit auf handelspolitischem Gebiet wieder und wird die Verhandlungen mit den Staaten, mit denen es in neue Beziehungen eintritt, unter Festhalten am Prinzip der Meistbegünstigung führen. Dabei ist das Prinzip einer Abschließung des deutschen Marktes durch Hochschutzzölle völlig unmöglich. Die Verarmung des deutschen Volkes gibt keine genügende Basis für den Absatz der deutschen Produktion, und ohne Steigerung des Exports
erhebt sich die Frage der Vergrößerung einheitlicher Wirtschaftsgebiete als entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft. Wir können auch nicht ohne den frischen Wind des frem» den Wettbewerbes zur höchsten Entfaltung der technischen Möglichkeiten kommen. Nichts war verderblicher für die deutsche Industrie als die Kriegswirtschaft und die konkurrenzlose erste Nachkriegszeit. Auch Zollunionen haben wir nach meiner persönlichen Meinung weniger zu ftirchten als die Abschließung Europas in eigene ökonomische Wirtschaftsgebiete. Letzten Endes bleibt auch unsere wirtschaftliche Entwickelung abhängig von der Gestaltung der Weltpolitik.
Mr sind durch die Wachtpolitik anderer bis auf die heutige Stunde bedroht.
Die Richtlinien unserer Außenpolitik können nur sein: Sicherung der Grenzen des Reiches, freie Entwickelung im Innern und Sicherung des Friedens zur Konsolidierung der deutschen Verhältnisse. Macht- politische Gesten waren schon zu einer Zeit verfehlt, wo wir die Macht besaßen; eine Geste, der die Tat nicht zu folgen vermag, schlägt gegen den, der sie ausübt. Ehre und Würde des Deutschen Reiches haben nichts zu tun mit starken Worten, sondern werden am besten gewahrt durch sachliche Arbeit und Pflichterftillung. Was wir wollen ist, daß man uns in Frieden läßt, daß wir uns in Ruhe wieder aufrichten können, um die Wohlfahrt unseres Volkes zu sichern und um die über» nommenen Pflichten gegen die andern aus« führen zu können.
Die Grundlagen dieser AutzeapolM könne» auch durch das Volksvotum über tanetpofi- kifchs Anschauungen nicht geändert werden. Ein solches Inuetpontifches Votum gibt den Chn-
ichsuunaen Ausdruck. Es ist kein Abwagen der Starke der Anschauungen über die künftige Gestaltung der Staateform; bk mirk- schaskstche und polttische Entwickelung, die wir
verteidigen gegen Jeden, der ^ verbißt, uns in den Kampf einer Abänderung Hmsimreibe» zu wollen, werden auch Millionen von denen bereit fein, die au» patriotischen Gründe» für die heutige Staateform als der einzigen Grundlage einer gesunden deutschen Snkwicke- tung ein treten. Das Ausland braucht weder m fürchten, »och zu hoffen, daß eine inner« Zerreißung in Deutschland einiritt, sondern sann unbeschadet um den Streik der Parteien auf eine gesunde und vernünftige Entwickelung der deutschen Verhältnisse vertrauen.
versäumt werden, sie und ihre Trabanten immer wieder energi ch zur Ordnung zu rufen.
Der unbefangene, denkende deutsche Wähler wird das Verwerfliche dieser Art Prapaganda und ihre Folgen erkennen und seine Stimm« für Hindenburg abgeben.
„3d) gehe zu Älndenburg!"
Stimme eines sozialdemokratischen Führers.
Leider hatten am Ende des Krieges viele nur zu schnell jene Lektüre vergessen, die ein sozialdemokratischer Abgeordneter, Ernst Hellmann, Ende Juli 1915 aus dem Felde in der „Chemnitzer Bolksstimme" Nr. 174 vom 30. Juli geschrieben hatte:
„Es gibt keine sozialistische Verständigung^ die diesen furchtbaren Mordkrieg bülegen könnte — ihn endet nur der Sieg der stärkere« Gewalt! . . ."
„Die Internationale ist heute tot und Mars regiert die Stunde. Nicht Vernunft und Ge- red)tigteit, sondern nur siegreiche Waffen und politische Klugheit werden uns den Frieden bringen und seinen Inhalt bestimmen . . ."
„Wir wollen weiter aus eigenem Recht, nicht von fremder Gnade in Bothaland oder Greyland leben. Dazu hilft uns gegen dies« Feinde nur eines: den Daumen aufs Aug« und das Knie auf die B>-ust . . ."
Der Sozialdemokrat Ernst 5)eilmann hat sich in jenem Sonimer aus dem politischen Parteigezänk der Heimat in die Talenklarheit des Feldes geflüchtet.
„Mögen die ewig schwankenden Gestalten plötzlich den Verrina der Internationale spie« len wollen — ich gehe zum Hindenburg!" . ..
Und heute? Heute bringt es z. B. die Berliner „Morgenpost" fertig, inbezug auf die 1808 555 Toten des Weltkrieges zu schreiben: Die 1 808 555 Tote weckt freilich niemand krank und ve t ein ' , n Schmerzen führen, sind aber allem Volke lebende Wahrzeichen der Schrecken des Krieges, und wenn jetzt Hindenburg wiederum vor die Nation tritt mit dem Ansprüche, der höchste Beamte der Nation zu sein, dann kann die wohlwollende Schonung, die man ihm bislang hat angedeihen lassen, nicht aufrechterhab ten werden, sondern es erwacht die Erinnerung an unser Unglück und an den Schuldanteil dieses Mannes. . . .
Enie bessere Werbung für Hindenburg als die Bekanntgabe dieser Gemeinheit gibt es nicht.
Die Reichspräsidentschastskandidalen.
Berlin, 16. April. Amtlich. Ium zweiten Dahlaang für die Reicbspräsidentenwahl sind bis 2wlauf der Einreichungsfrist, Mitternachl den 16. April, drei Kandidaten nominiert worden und zwar
1. Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall, Hannover
2. Wilhelm Marx, Reichskanzler
a. D., Bertin
ff Thaelmann, Transportart itafled des Reichstages, Hamburg,
3. Ern beiter, Mit . ,
Der Reichswahlleiter hat diese drei Kandidaten zugelassen. Die Anwärter werden in dieser Reihenfolge auf dem amtlichen Dahlzettel erscheinen. Wie beim ersten Wahlgang enthält der amtliche Stimmzettel außerdem ein freies Feld zur Einzeichnung eventueller anderer Kandidaten.
Freigabe des Rundfunks für die Reichspritst-enischafiskandiSalen.
Berlin, 16. April. Die Reichsregierung Hal auf Anregung des Reichsministers des Innern beschlossen, den Bewerbern um das Amt des Reichspräsidenten den Rundfunk zu Anspra< chen an das deutsche Volk freizugeben. Vor. aussatzung ist selbstverständlich, daß die hinter den Bewerbern stehenden Parteien odei Gruppen keine gewaltsame Aenderung bef
hindeuburg spricht im Rundfunk.
Vom Reichsblock wird mitgeteilt: Nachdem die Reichsregierung den Rundfunk für die Bewerber des Postens des Reichspräsidenten Im zweiten Wahlgang freigegeben hat, wird Generalfeldmarschall v. Hindenburg am Freh tag vor der Wahl abends in einer Rede, di< über sämtliche deutsche Sender verbreitet wird, sprechen.
Eine Falschmeldung.
Dortmund, 16. April. Zu der geftr^en Mellums über das vom UnfallauSschutz der Grubensicherun»s kommission in Dortmund angeblich festgestellte end gültige UntettnchungSergebniS über das Brubenunglüri ans der Zecke .Mmster String in der t» heißt, d«;