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20 0. Jahrgang.

anauer 8 Anzeiger

GesreraZ-AnzsLger für Sie Kreise Kanau Sla-l und Land.

Erscheint täglich mit Ausnabme der Sonn- und Feiertage. / Fernfprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238,

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Nr. 85 Samstag den 11. April 1925

Das Neueste.

Das Kabinett Herriot hat gestern nach «iner im Senat mit 132 gegen 156 Stimmen er- littenen Niederlage demissioniert. Der Präsi­dent hat die Demission angenommen.

Der Hamburger Verkehrsstreik ist be- mdet.

In Spanien hat sich ein schweres Eisen­bahnunglück ereignet. Bis jetzt wurden 26 Leichen geborgen. 105 Reisende sind verletzt, zum Teil sehr schwer.

In Bergen (Norwegen) brach gestern ein Großfeuer aus. 16 Häuser wurden zerstört. Man veranschlagt den Schaden auf 35 Millionen Kronen.

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Das Echo -sr Kindenburg- San-i-arur.

Stresemanns Antwort.

Die Aufstellung des Feldmarschalls v. Hin­denburg zum Kandidaten des Reichsblocks für die Präsidentenwahl ist den Linksparteien er= Mich auf die Nerven gefallen. Die Linkspresse stellt deshalb ihre Polemik daraus ein,- daß sie Hindenburg als dasSymbol des Krieges und der Monarchie" bezeichnet und vor allem einen etwaigen Sieg Hindenburgs als eine Gefähr­dung der außenpolitischen Lage Deutschlands hinzustellen versucht. DieGermania" stellt an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann die Frage,ob sich die außenpolitische Situation, die für sein Urteil bei dem ersten Wahlgang ausschlaggebend gewesen ist, seit gestern so ge­ändert hat, daß nun alle seine Gegengründe gegen solche Kandidatur weggefallen sind und er sie öffentlich zu unterstützen vermag?"

Eine klare Antwort mir diese Fragen uyn dem Blatt des Außenministers, decZeit", an hervorragender Stelle zu finden. Es heißt dort:

Die Außenpolitik der Reichsregierung ist international festgelegt, und es ist ganz selbst- aerstäMich, daß diese Außenpolitik fortgeführt werden wird und fortgeführt werden muß. Das Reichskabinett kann in dieser Politik vom Reichstag desavouiert werden, dem die letzte Entscheidung über die Verträge zu- steht, die sich aus der Außenpolitik ergeben können, sofern die eingeleiteten Verhandlungen MM Ziele führen und nicht von irgendeiner Entente-Macht in Betracht kommen wohl nur gewisse französische Bestrebungen durch­kreuzt werden. Inwiefern Hindenburg im Falle einer Wahl diese Politik durchkreuzen sollte, ist nicht erfindlich.

Wer sich das Leben des Eeneralfeldmar- challs von Hindenburg vor Augen hält, wird finden, daß Hindenburg es peinlich vermieden

hat, die große Stellung, die er im öffentlichen Leben Deutschlands einnimmt, zur Beein­flussung außenpolitischer Fragen jemals aus­zunutzen. Auch seine Zurückhaltung in innerpolitischen Fragen hat sich in erfreulicher Weise unterschieden von dem poli­tischen Draufgängertum mancher seiner Kame­raden, die glauben, die Politik meistern zu können. Wir dürfen speziell in dieser Beziehung auf die Rolle hinweisen, die Hindenburg lndenTagenderRevolution gespielt hat. Damals war der Begriff der Republik für Deutschland den meisten Deutschen wesens­fremd, vielleicht kaum von denen als praktisch angenommen, die sich plötzlich in dem repu­blikanischen Deutschland befanden. Wie damals

Mann, wie der verstorbene Reichspräsident Ebert, die Frage Monarchie oder Republik als praktische Frage angesehen hat, wissen diejeni­gen, die die Stellung kennen, die er noch in den letzten Tagen vor dem Sturz der Monarchie eingenommen hat. Wenn damals der General- selumarschall von Hindenburg s ' grundsätzlichen Einstellung gefolgt hatten wir vor einem Bürgèrkr

seiner inneren

t wäre, dann

vwt einem Bürgerkrieg mit allen innen entsetzlichen Folgen gestanden. Der Ge- Neralfeldmarschall Hindenburg hat damals, ob­wohl ihm die neue Staatsform innerlich wider- brebte Las Heer in die Heimat zurückgeführt, dadurch dem Bürgerkrieg vorgebeugt und als dann von seinem Führeramt zurücktrat, hat Reichspräsident Ebert ihm den Dank der für Liefe Haltung ausgesprochen. Sich dtzt vorzustellen, Last Hindenburg im Falle Mner Wahl eine andere als eine konstitutionelle treiben wolle und persönlich in die Außenpolitik eingreifen würde, ist ein Ding völliger Unmöglichkeit. Wer unsere Außenpolitik nützen will, wird gut daran tun, gerade auf diese Charaktereigenschaften Hinden- urgs hinzuweisen, anstatt durch eine Frage- L,,un0 Mißtrauen im Auslande in einem Augenblick zu nähren, der der denkbar ungeeig-

Deutsche Ostern.

Frühlingsodem geht über Feld und Wald. Die Natur wird lebendig und mit ihr werden Sehnsüchte, Hoffnungen wach ... Die Osterglocken klingen durch die Lande und verkünden den Sieg des Lichts über die Nacht. Triumph­gesang ertönt: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! und findet vielmillionenfachen Widerhall in den Herzen christlicher Menschen­kinder ...

Ostern! Deutsche Ostern! Kann man von deutschen Ostern sprechen? Gewiß haben die christlichen Feste an sich nichts gemein mit dem politischen Weltenlauf und den staatlichen Schicksalen. Aber das deutsche Volksempfinden liebt es, den heiligen Sinn der christlichen Festtage in Beziehung zu bringen mit den Schicksalen des Vaterlandes und da unser deutsches Vaterland schwer geknechtet darniederliegt, so findet das Osterevangelium: Der Herr ist aufer­standen! nicht nur Widerhall in den christlichen Menschenherzen, sondern auch in den Tiefen der gequälten deutschen Volksseele. Und wie das Christenherz aus dieser Siegesbotschaft des Heilandes Trost und neue Kraft schöpft, so tröstet und stärkt sie auch eine gequälte Volksseele und gibt dem Kampf ums Vaterland neuen geistigen Inhalt und das herrliche Ziel: A u f e r st e h u n g. Die Aufer- stehungs g e w i ß h e i t der Jünger wird zum Sinn- und Vorbild des uner­schütterlichen Glaubens an dis Rettung aus dem Chaos, an die Auferstehung des Vaterlandes.

Manchem von uns freilich mag dieser Glaube als ein Trugbild erscheinen, denn die Belastungsproben sind zu niederziehend. Doch mußten die Jünger des Auferstandenen nicht auch unzählige Schläge und Martern ertragen? Laa es bei ihnen nicht viel näher an dem Glauben irre zu werden als sie das willige Uebernehmen all der Leiden und Qualen, diese Hingabe am Kreuze sahen? Sie hielten aber stand und dieser feste Glaube machte sie reif zu dem Oster^lebnis. Gewiß haben wir bei unserer staatlichen Wiederaufrichtung nicht auf Wunder zu rechnen; erst recht nicht nach tausendfachen Enttänichunaen auf die Hilfe der Umwelt. Aus eigener Kraft muß sich Deutschland aus seiner Totenstarre smoorarbesten gu^ eigener Ir mfe seine Zukunft und fein staatliches Leben schmieden. Werden wir" sind heute Gottseidank vorhanden. Es geht ein Sehnen durch unser Volk Nach Wiederaufstieg unseres Vaterlandes und der Glaube an diesen wird immer stärker und stärker. Dieser Glaube hat starke Stützen; er ist nicht nur ein bloßes Meinen, ein Fürmöglichhhalten, sondern einer, der Berge versetzen kann.

Die Stützen dieses Glaubens an den deutschen Auferstehungstag liegen ein­mal in der Erkenntnis, daß die materialistische Einstellung unseres Volkes, die unsere Einheitsfront im Kriege zerbrach und dann zum Kampfe aller Volks­schichten gegeneinander führte, dem hohen sittlichen Idealismus, von dem Goethe sagte:Laß der Sonne Glanz verschwinden, wenn es in der Seele tagt, wir im eigenen Herzen finden, was die ganze Welt versagt" weichen muß. Dieser alte Idealismus beginnt wieder zu leben. Er war verschüttet. Furchtbar war es zuzusehen, wie der ehrenwerten Arbeit gespottet wurde, wie der feste Sinn immer tiefer im Kurs sank und dafür das Schieber- und Prasserlsben sich breit machte, das auf die Mitmenschen, die bei kargem Brot noch ehrliche Arbeit leisteteten, mit spöttischem Lächeln blickte. Ungeheuerlich waren die tollen Orgien, die Unredlichkeit, Lüge, Selbstsucht, Schwindel und Gaunerei feierten. Aus dem Volke voll Idealismus, voll Ueberzeugungstreue war nach und nach ein Volk der Lüge, der Korruption geworden. Gottseidank befinden wir uns auf dem Wege der Besserung. Man hat bereits .Hand angelegt, um das Morsche und Welke zu zerbrechen. Wir sind als Volk dabei, von uns zu werfen, was un­deutsch und gemein ist, wir beginnen, wie nach dem Zusammenbruch vor hun­dert Jahren, uns wieder innerlich aufzurichten, uns aus der katastrophalen Depression wieder seelisch zu erheben.

Eine weitere Stütze des Glaubens an den Auferstehungstag unseres Vater­landes liegt in der Geschichte unseres staatlichen Lebens. Sehr oft haben Kriege und Niederlagen, Not und Bedrängnis unser Volk heimgesucht, oft schon hat sich unser Volk in verzweifelten Lagen befunden, aber stets ist es ihm gelungen, sich wieder aufzurichten und zu Glanz und Blüte zu gelangen, immer wurde aus der Nacht das Licht geboren. Und so wird auch die heutige Generation des deutschen Volkes auf Grund des zähen Lebenswillens aus Grabesnacht zur Auferstehung gelangen.

Die dritte Stütze unseres Auferstehungsglaubens liegt in der Mission, die dem deutschen Volk in der Weltgeschichte zugesprochen ist.Wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederher­stellung". So schloß Fichte seine Reden an die deutsche Nation. Wir begreifen heute den Sinn dieser Worte. Bei allen Völ­kern herrscht Depression, und wenn Deutschland nicht wieder in die Höhe käme, wahrhaftig das Wort Fichtes könnte in Erfüllung gehen. Nicht geographisch allein, wirklich leiblich und geistig ist Deutschland das Herz Europas und hörte dieses Herz zu schlagen auf, so stände das Ganze still. Versagten die aus seinem Geiste geborenen wirtschaftlichen Kräfte, so wäre es der Niedergang für alle. Eine große Mission ist es, die das deutsche Volk in der Weltgeschichte zu erfüllen hat, und diese Aufgabe stützt den vaterländischen Glauben an unsere Auferstehung.

Die finsteren Mächte in unserem Volksleben werden überwunden werden, dafür bürgen die starken und lebendigen Kräfte, die sich heute zeigen, die auch jene noch zur Mitarbeit zwingen werden, die heute noch verzagt auf der Trüm­merstätte deutschen Lebens stehen und vorläufig noch nicht Kraft und Entschluß zu einem herzhaften Verein der Wollenden finden und noch nicht wagen an einen neuen Lebenstag für die Deutschen ?u glauben. Die Uhr Gottes zeigt die Stunde, da der Tag am tiefsten in die Nacht sinkt, da das Licht am schwäch­sten ist und die Finsternis am mächtigsten. Aber wir wissen, daß der Tag wieder ans Licht steigen wird und daß die Helle wieder mächtiger sein wird als das Dunkel. Die Uhr ist Gottes, aber die Stunde ist unser, sie zu füllen mit unserem Werk. Das deutsche Volk wird die Stunde der Auferstehung erleben, wenn es sie erleben will, wenn es zu den ^ohen sittlichen Idealen zurückkehrt, wenn es daran denkt, daß es l e b e n m u ß. R. H.

netste ist, um diesem Mißtrauen Nahrung g« geben.

Italienische Verehrung für Hindenburg.

Kam, 9. April. Mussolinis Organ, Popol» d'Jtalia, begrüßt die Kandidatur Hindenburgs in einer Haltung, die wahrhaft erhebend wirkt angesichts der Kleinlichkeit und Gehässigkeit, die sich hie und da sogar in Deutschland gegen den Heros der hundert Schlachten erhebt. Das Blatt der Regierung erklärt, es handle sich um ein Ereignis von außerordentlicher Wichtigkeit, dessen politische Tragweite in der Ueberlegen» heit dieses einzigen Mannes liege. Nach einer Schilderung des grandiosen unvergleichlichen Sieges über Rußland fährt Popolo d'Jtalia wörtlich fort:Nach der Uebernahme der ei­gentlichen Heeresleitung durch Ludendorff stand Hindenburg wie ein Symbol über den Dingen. Es kamen die traurigen Ereignisse des Waffen- stillstandes, der Revolution, des finanziellen Zusammenbruches. Ein Sattler folgt auf der Kaiser. Der Bolschewismus wütet. Die Fran­zosen überschreiten den Rhein und die Ruhr. Fremde Kommissare kontrollieren den Staat. Es ist etwas Eisernes in dieser Figur eines Mannes, der inmitten beispiellos bitterer Jahr« dasteht als ein Wächter der großen Vergangen­heit, vielleicht in der Hoffnung auf deren Wie- dererstehung. Jedenfalls beweist das leiden- Stliche Eintreten für seine Person, daß der

ere Test der germanischen Welt des Sozia­lismus, der Demokratie und der Demütigungen müde ist. Wenn die republikanischen Strömun­gen von einer nationalen Hochflut zurückge­worfen werden, wenn die alten kaiserlichen Banner wieder über Paraden flattern werden, dann nur deshalb, weil die Republik ihr Pre- e -eingebüßt hat und dem Volk nicht den so gen Frieden zu geben vermochte. Mik Schuld daran sind aber alle jene Konferenzen, jene Kommissionen, jene Invasionen und Be­setzungen."

Das Pariser Echo.

Paris, 9. April. Die Aufstellung Hinden» burgs zum Präsidentschaftskandidaten findet in der Pariser Presse im allgemeinen ein ungün­stiges Echo. Viele Blätter sehen in Hindenburg lediglich einen Statthalter für die Monarchie. DasI o u r n a l" sagt: Wenn Hindenburg gegen Marx gewählt würde, so würde dies be­deuten, daß Deutschland einer schweren inneren Krise entgegengehe und daß die Welt mit ge­schlossenen Augen in einen neuen Krieg hinein­marschiere. DerG a u l o i s" meint, die Her­ausforderung, die in der AufstellungHinden­burgs liege, kennzeichne eine tatsächliche Rat­losigkeit bei den Rechtsparteien.Ech o de Paris" schreibt: Auf welchen Standpunkt man sich auch stellen mag, so muß man zu dem Schluß kommen, daß diese Kandidatur eine Un­geschicklichkeit ist, und die Rechte wird diese Un­geschicklichkeit zu bezahlen haben, wenn sie Er­folg hat, aber auch dann, wenn sie nicht Erfolg hat. Durch die bloße Tatsache, daß die Deutsch­nationalen und die Volkspartei eine Kandida­tur Hindenburgs unterstützen, sind sie gezwun­gen, in Zukunft auf die vorsichtige Politik zu verzichten, die sie seit 1923 befolgt haben. Der T e m p s" schreibt: Die Lage ist jetzt wenig­stens klar geworden. Am 26. April wird durch Volksabstimmung entschieden werden, zwischen der Republik und der Monarchie, zwischen bei Konsolidierung der Verfassung von Weima; und der Wiederaufrichtung des Kaisertum« zum Schutze der Hohenzollern.

Wie man Hindenburgs Handidafur in Ungarn beurteilt

Budapest, 9. April. Zu der Kandidatur Hindenburg schreibt derPester Lloyd", Hin­denburgs Name sei das Symbol der deutschen Ge chichte geworden und bedeute für weite Kreise des deutschen Volkes mehr als einen bloßen Exponenten von Parteiinteressen. Hindenburgs Name sei eine Fahne, die der deutschen monarchistischen Bewegung erhalten geblieben sei. Ob es klug von den Deutsch- nationalen gewesen sei, den offenbar wider­strebenden greifen Heerführer vor eine Zwangslage zu stellen, wird sich noch zu erwei- sen haben. Jedenfalls wird der Prästdenr- schaftswahlkampf, der im ersten Wahlgang mit imponierender Ruhe und Besonnenheit vor sich ging, jetzt mit neuer Heftigkeit auflodcrn. Der Name Hindenburg werde sicherlich auf jene Wähler einen suggestiven Eindruck ausüben, die, über die Parteizersplitterung des deutschen Volkes verzweifelt, sich bisher von den Wahlen fernaehalten haben. Diese Massen werden am