zoo. Jahrgang«
Sanauer« Anzeiger
General-Anzeiger / Zugleich amtliches Organ für den Landkreis Kana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. * Nernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.
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Samstaa èen 28. Mörz
1925
Auf zur Reichspräsidentenwahl!
Keiner darf an der 5
ut
ahlurne fehlen!
Morgen schreitet das deutsche VE an die Wahlurne, um sich seinen Reichspräsidenten auf sieben Jahre zu küren. Seit 1919 stand ein So- Memokrat an der Spitze des Volkes, ein Mann aus dem Arbeiterstand. Das entsprach her gesamten Situation der Nachkriegszeit. Das Bürgertum war gelähmt; es schien Kraft und Willen verloren zu haben. Die sozialistische Arbeiterschaft erhob siegreich das Haupt. Sie beherrschte die Lage. Wenn nicht durch parla- kentarische Mehrheiten, dann durch Streiks !«nö andere Gewaltmaßregeln. Es war folgerichtig, daß einer ter ihrigen das Reich darstellte. Und es war gut, daß es einer, ihrer Besten war.
Allmählich ha-t sich das Bürgertum aufgerafft. Der Jahre Lauf hat bewiesen: E s geht nichtohne das BürgertunuAuch ganz demokratisch gemessen: Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat nicht die MehrheitümVolk. Also wäre es jetzt ein falsches Aushängeschild, wollte das Volk sich einen Präsidenten aus [Eberts Partei setzen. Wenn manche Bürger das dennoch wollen, so tun sie es aus ter Sorge heraus, daß eine aus ter Herrschaft ent« lernte Sozialdemokratie das Interesse an der .Matsordnung.. MWÜaupr . verliere und dann
diese Angst wirkuch den Ausschlag Wen? Ein Bürgertum, das sich von der Angst regieren läßt, wäre wert, unterzugehen. Eine Sozialdemokratie, die den Staat nur dann bejaht, wenn sie ihn parteimäßig beherrscht, ist für Ben Staat unerträglich. Ein Staat, der einer Minderheit die Herrschaft zugestcht, weil sonst Bemalt droht, gäbe sich selbst auf. Nein: jetzt muß ein deutscher Bürger an die Spitze!
Und dieser deutsche Bürger muß Karl harr es heißen. Warum ist es dieser Mann mb kein anderer, den ter überparteiliche Neichsblock für die Präfkdentschaftswahl als Kandidaten ausgestellt hat, den er nach langer hub sorgfältiger Prüfung für den geeigneten hält, an die Spitze des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes zu treten?
Ein Mann, mitten aus dem politischen Ge- Äebe genommen und mit tausend Fäden inne» fer Anteilnahme mit der Tagespolitik verknüpft, wäre nicht die gegebene Persönlichkeit Sr das Amt des Reichspräsidenten. Der Mann, . r dieses Amt verwaltet, muß die Gabe be- Wen, dem politischen Leben und Treiben zuzuschauen, ohne sich einzumischen. Von ihm verlangt man ganz andere Gaben trab Eigenschaf- M. Er ist Oberbefehlshaber ter deutschen Streitkräfte, er vertritt das Reich nach außen Md er beruft den Reichskanzler. Alles das find Amtspflichten, die einen Mann verlangen, der unbeirrbaren Sinnes kraft des ihm innewoh- Nèân Verantwortungsbewußtseins seine Ent- Ichèidungen trifft, ohne sich durch äußere Ein- ssusse und Einwirkungen wankend machen zu taffen. Eine ganze, in sich selbst gefestigte Per- suulichkeit — das muß ter Präsident des Deut- Ichen Reiches in erster Linie sein, Als es sich «aram handelte, die Reichswehr im Jahre 1923 Wn die Kommunistenherrschaft in Sachsen 'M Thüringen einzusetzen, hat es sich erwie- !A bis zu welchem Grade das Schicksal des Deutschen Reiches von dem Ja oder Nein des Reichspräsidenten abhängen kann.
v Als Mann des unbeugsamen Willens und entschlossenen Tat hat Karl Jarres wahr- mh die Probe bestanden. Im Januar 1919 re= stierte Spartakus am Niederrhein und als auf °°n Kapp-Putsch die Reaktion folgte, erhob der Kommunismus in Duisburg ebenso wie in an» Rheinstädten zum zweitenmal drohend blutig sein Haupt. Damals hat Karl Jar- res als Oberbürgermeister von Duisburg mirN 'N wie ein Fels in der brandenden roten Flut gestanden. Die Kommunisten wollten Jarres Wingen, Vollmachtsscheine zu unterschreiben, ohne die sie nicht an die städtischen Kassen franko,inte,,. Als Jarres sich weigerte, droh- sie ihn an die Wand zu stellen. Das waren VWlK keine.leeren Drohungem Es gibt am
Niederrhein Friedhöfe, auf denen Hunderte ruhen, die im Kampfe gegen die Kommunisten gefallen sind. Jarres aber sah dem Tode ruhig ins Auge. Seine ständige Antwort war: „Er- chießen könnt Ihr mich, aber meine Unter- christ bekommt Ihr nicht." Und dabei blieb er. Aus solchem Holze muß der Mann geschnitzt sein, den wir an die Spitze des Reiches stellen. Das Volk ist in schwierigen Zeiten immer geneigt, nach oben zu sehen. Sieht es an der Spitze das Vorbild der Charakterfestigkeit und der Unbeugsamkeit, so wirkt das mehr, als Worte und Aufrufe je vermögen. Wir wissen, daß wir uns auf Jarres verlassen können, wenn er an der Spitze des Reichs steht.
Die gleiche Festigkeit gegen die Franzosen! Als ter Ruhreinbruch kam, war der aufrechte und volksbeliebte Duisburger Oberbürgermeister den Franzosen ein Dorn im Auge. Am 29. Januar 1923 wurde er ausgewiesen. Aber Jarres fügte sich nicht und kehrte auf seinen Posten zurück. Ich bin in Duisburg traft meines Amtes — das war seine Ueberzeugung — und- keine fremde Gewalt hat das Recht, mich zu entfernen. Zum zweiten Male ausgewiesen, kam er zum zweiten Male MrüL Er hätte ^ leichter gehabt, wenn er
HM Er war der
Mann, den Franzosen zu trotzen, wie er den Kommunisten getrotzt hatte. Und wie damals fein Leben, so setzte er jetzt seine Freiheit aufs Spiel, denn er lief Gefahr, auf Jahre in das Gefängnis zu manbern. Die Franzosen begnügten sich mit einer Strafe von zwei Monaten, die Jarres hinter Gittern verbüßte. Unmittelbar darauf wurde er ins unbesetzte Gebiet abgeschoben, wodurch man seiner Wiederkehr einen Riegel vorschob.
Ein dritter bezeichnender Zug möge dieses Charakterbild' ergänzen. Als im Jahre 1924 nach den Dezemberwahlen Marx zurücktrat, wurde auch Karl Jarres, der bis dahin Reichsinnenminister gewesen war, für die Neubildung des Kabinetts vorgeschlagen. Der Reichspräsident war einverstanden und Jarres wurde gefragt, ob er bereit fei, das Reichskanzleramt zu übernehmen. Er hätte die besten Aussichten gehabt, da das Zentrum mit seiner Berufung einverstanden war. Jarres überlegte und lehme ab. Und welches waren feine Gründe? Ihn reizte es vor allen Dingen, nach Duisburg in sein Amt als Oberbürgermeister der Stadt zurückzukehren. Ich will wieder Oberbürgermeister von Duisburg fein, so sagte er, um nicht nur meinen Mitbürgern, sondern auch den Besetzungsbehörden zum Bewußt- sein zu bringen, daß wir unsern Willen doch noch durch gesetzt haben. Ich will wieder in mein Amt zurück- kehren, damit alle Welt erbennt, daß Deutschland allein das Recht hat zu bestimmen, wer in Duisburg Oberbürgermeister sein soll. Das war für ihn entscheidend. Aus diesem Grunde schlug er den Posten des Reichskanzlers aus, um schlichter Oberbürgermeister in Duisburg zu werden. Und nun besteht kein Grund für ihn mehr, sich dem Ruf derjenigen zu versagen, die ihn für die Reichspräsidentenwahl als überparteilichen Kandidaten aufgestellt haben.
Für die Parteikandidaten ist in ter letzten Woche die Reklametrommel nach Kräften gerührt worden. Für die überparteiliche Kandidatur spricht der Mann Jarres. Große Propagandareden sind hier überflüssig. Wer diesen Mann wählt, der kann gewiß sein, daß ein Reichspräsident an die Spitze des Reiches tritt, ber kraft der Unerschütterlichkeit seines Willens jeder Lage gewachsen ist und der so restlos in der,Sache feines Vaterlandes aufgeht, daß er sie jederzeit über feine Person stellt. Einen besseren Mann finden wir nicht. Deshalb rufen wir alle deutschfühlenden Männer und Frauen an die Wahlurne, damit sie am morgigen Sonntag ihre Stimme für den Kandidaten des Reichsblocks abgeben:
Wr dea MijM^MMp Larl Iarves.
Warum Jarres?
Eine Reihe namhafter Politiker hat auf die ihnen von der Schriftleitung der „Zett" vorgelegte Frage: „Warum Jarres?" Am- morten gesandt. Wir veröffentlichen irc Antwort Dr. v. Campes:
WarumJarres? — weil er ein ganzer Mann ist, ein Mann, der Leben und Freiheit einsetzts und eins essen wird für seine Ueberzeugung und die ihm anvertrauten Interessen.
WarumJarres? — weil er eine Persönlichkeit ist; in sich ausgeglichen und abgeklärt, nicht den wechselnden Strömungen des Tages nach geb end', keiner Gewalt sich beugend faßte er Entschlüsse nur aus sich, nur seinem Gewissen unterworfen.
Warum Jarres? — weil dieser Mann nichts scheinen, nuretwas sein will, weil er das,,was er ist, ganz sein, aber nicht für sich, sondern für sein deutsches Volk sein, diesem seinem Volke sein Alles geben will.
Warum Jarres? — weil er klaren Blickes sich weite, aber immer nur erreichbare Ziele setzt, weil er mit eisernem Willen diese seine Ziele verfolgt, weil er Mittel und Wege seinen Zielen anzupassèn weiß, und so stets noch seine Ziele erreichte.
'von politischen Ueberzeugungen, laber kein Partei mann gewöhnlichen Schlages, weil er eilte gefestigte politische Persönlichkeit ist, die mit staatsmännischem Blick stets noch über die Parteigrenzen hinweg nur das Gemeinwohl im Auge hatte.
WarumJarres? — weil er ein Realpolitiker ist, der weltoffen, oergänz e n h eit s sto lz, aber zukunfts- freudig der Gegenwart gibt, was dieser zukommt, ohne der Vergangenheit innerlich un= treu zu werden.
Warum Jarres? — weil er lauter und uneigennützig nur Ueberzeugungs- treue und Vaterlandsliebe als Triebfedern feines öffentlichen Handelns kennt.
WarumJarres? — weil er ein fern- d eu t f ch e r M a n n ist, der seines Volkes Not und Weh wie eigene Not, wie eigenes Weh empfindet, der nicht einen Fußbreit deutscher Erde, nicht das winzigste deutsche Recht preisgeben wird, der alles setzen wird an seines Volkes Ehre und Freiheit.
Warum Jarres? — weil Jarres der Manu ist. unter dessen Führung unser deutsches Volk sich aus Schmutz, Schande und Unehre wieder zur Reinheit seines Wesens, zu Ansehen und Macht emporringen wird.
D. Dr. v. Campe.
Das Merlenbacher Grubenunglück.
Paris, 27. März. Heute vormittag hat ein Ministerrat stattgefunden, in dessen Verlauf Ministerpräsident Herriot über die Bergwerks- katastrophs in Merlenbach Bericht erstattete. Der Ministerrat hat beschloßen, .heute in der Kammer ISO 000 Franken Kredite zu fordern, die als erfte Unterstützung an die Familien der verunglückten Bergleute'zur Verteilung tum= men sollen. Die Regierung hat den Minister für öffentliche Arbeiten, Peytral, und den Ar- beitsminister, Godard, mit der Untersuchung über die Ursachen des Unglücks beauftragt. Die beiden Minister werden gleichzeitig den Hinterbliebenen und Verunglückten die Unterstützungen überbringen. Sie haben bereits heute mittag Paris verlaßen, um sich nach Merlenbach zu begeben. Sie überbringen namens des Präsidenten der Republik 5000 Franken und namens der Regierung 10 000 Franken.
Saarbrücken, 27. März. Sämtliche Opfer der Grubenkatastrophe in Merlenbach sind nunmehr geborgen. Es sind im ganzen 51 T o k e u n d 28 V e r l e tz t e. Im ganzen befinden sich unter den Opfern 20 Saarländer, von denen neun auch tatsächlich ihren Wohnsitz im Saaegebiet haben, während die anderen in Lothringen wohnen. Anter den übrigen Opfern sind unter anderem 4 Pfälzer, 34 L-tbrinaer.
5 Polen, 4 Serben. 3 Oesterreicher, 2 Italiener, 1 Böhme, 1 Tscheche und 1 Russe. Die Ramen der Opfer konnten meist nur an den Erkennungsmarken. die jeder Bergmann bei sich führen muß, und an den Wummern der Gru benlampen festgestellt werden. Ein Toter ip noch nicht ermittelt da er eine blutige Masse ist
Der preußische Verfassungskonflikl.
Parteiherrschaft.
Berlin, 27. März. Der ständige Aus» schuß des Preußischen Landtags trat heute nachmittag unter dem Vorsitz des Landtagspräsidenten Bartels zu einer Sitzung zusammen. Auch die Vertreter der Rechtsparteien waren erschienen. Der volksparteilichs Abg. E a r n i ch erklärte, die Rechtsparteien würden auch heute den sachlichen Beratungen fern bleiben. Marx äußerte sodann sein Bedauern darüber, daß er gestern verhindert gewesen sei an der Sitzung teilzunehmen. Die Gründe seien rein bürgerlicher Art. Er habe seinerzeit aus dienstlichen Gründen nicht an der Hochzeit seiner Tochter teilnehmen können und habe nun bei der Taufe nicht fehlen wollen. Der Mniisterpräsident warf bann dir Frage auf, was man eigentlich unter „laufen' teu .GeickätwUMS- verstehe Rach jeucer ââ. die Geschäfte zu erledigen, die im wohlverstandenen Sinne des Staatswohles erledigt wer- den müßten. Von diesem Standpunkt lasse er sich nicht abbringen, selbst wenn ein Beschluß gefaßt werden sollte, ihn vor den Staatsgerichtshof zu stellen. Er würde einem solchen Beschluß mit großer Ruhe entgegensetzen und mit reiner Seele die Verantwortung für seine auf Grund reiflicher Lieberlegung gefaßte Auffassung tragen. Wenn der ständige Ausschuß, der ein Glied der Verfassung sei, im Sinne der Verfassung berufen werde, dann bewege man sich auf dem Boden der Verfassung. Wenn jemals die Notwendigkeit bestanden habe, den ständigen Ausschuß einzu- berufen, dann — jetzt. Die Regierung habe eine schwere Verantwortung gegenüber dem Lande und könne nicht zülassen, daß die Steuergesetzgebung nicht über den 1. April hinaus verlängert werde. Man könne nich warten, bis die norm die Gesetzgebung in Gans gebracht werde.
Jin weiteren Verlauf der Sitzung erklärt« Dr. Marx weiter, er wolle die Schuldfrag« nicht erörtern; doch fei es Tatsache, daß bei Präsident des Landtages selbst die nächst« Sitzung für den 31. März anberaumt habe Die Regierung habe aber nicht gulaffer können, daß am 1. April die Gesetze, derer Fortdauer sie für lebensnotwendig Halle außer Kraft treten. Von einer vorgefaßter Absicht, diesen Weg zu gehen, könne kein« Rede sein. Vor der Landtagsvertagung hab'
Jarres wählen,
Ht Meloni) Mhlen!
„Wir am Rhein vor allem kennen Dr. Jarreit ksrrnen seine Art, feine Besonnenheit und feinen politischen Weitblick. Dr. Jarres an der Spitze des, Deutschen Reiches ist wahrhaftige Verkörperung besten deutschen Mannestums, Mu und Können, Vaterlandsliebe und Charakter feffigfeit, Klugheit und edle Gesinnung. Dr Jarres wählen, heißt Deutschland dienen!"
Das ruft allen Deutschen im unbesetzten Gebiet zu
ÄtüW Ml-Men.