SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger / Zugleich amtliches Organ für den Landkreis Kanan.
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MUlwoch den 25. MSrz
1925
Lhamberlain vor Sem Unterhaus
London, 24. März. Die außenpolitische De° fotte der heutigen Unterhaussitzung wurde durch eine Rede Hendersons eingeleitet. Sein Festreden war offenbar, die Nachteile des Wni-Mächte-Paktes den Vortellen gegenüberzustellen. die das Genfer Protokoll mit sich n^war aber immerhin bemerkenswert, daß euch er zum mindesten eine Aenderung des Ar- Ms 19 der Dölkerbumdssatzungen forderte, M dieser Artikel sich für Grenzänderungen als unMlänglich erweisen sollte und daß er u. a. ^klärte, eg würde der Tod des Völkerbundes â wenn die Friedensverträge verewigt wür-
Ehamberlaia
Me gegenüber den hauptfächNch auf logische HMcktionsn begründeten Ausführungen seines Vorredners keinen allzu schweren Stand. Er lehnte für sich die behandelten politischen Fra- PN nach formal logischen Gesichtspunkten ab Md zog sich auf die politischen Begebenheiten zurück. Bon da kam er zum
deutschen Angebot.
Er gestand, daß er dieses Angtzböt, das nicht m einer starren definitiven Form, sondern als Basis für eine Diskussion ihm nahe gebracht worden wäre, zunächst mit Mißtrauen betrachtet habe, daß er sich aber durch die folgenden Ereignisse von der Aufrichtigkeit der deutschen Lorschläge überzeugt habe. Hier sei der Weg erwiesen zu besseren Zuständen, und das lutsche Angebot verdiene di« allerernsthasteste ZMägung. Es wurde aus seinen folgenden ÄsWrungen voM-ommen deutlich, daß die
Verpflichtungen Chamberlains gegenüber Polen?
Warschau. 24. März. Der Minister des Aeußeren, Graf S k r z y n s k i, eröffnete heute in einer längeren Rede vor dem auswärtigen Ausschuß des polnischen Landtages die internationale Lage mit besonderer Berücksichtigung der Stellungnahme Polens zur Sicher- Heits- und Garantiefrage. Das Projekt des Garantitzpaktes, so führte der Minister aus, wurde durch die deutsche Regierung vorge- fchlagen, von der englischen und französischen Regierung in Rechnung gestellt und von der englischen Presse unterstützt. Diese Vorschläge haben in der öffentlichen Meinung Polens Unruhs hervorgerufen und die größte Aufmerksamkeit der polnischen Regierung auf sich gelenkt. Der deutsche Entwurf garantiert die Unverletzlichkeit der Westgrenzen, ja sogar den Verzicht auf Elsaß-Lothringen. Was aber die deutschen Ostgrenzen anlangt, so behalt er sich ^die Möglichkeit vor, eine friedliche Aenderung durchzuführen. Wenn Polen auch aufrichtig 'wünsche, daß Frankreich starke Garantien erhält, die endgültig seine Grenze sichern, so könne es doch unter keinen Bedingungen eine Diskussion über die Revision seiner Landesgrenzen zulassen. Er Habe sich in Paris überzeugt, daß die Stellung der französischen Regierung eine deutliche und klare sei. In seiner Unterredung mit Herriot habe er sich über das tiefe Verständnis für die Gemeinsamkeit der französischen und polnischen Interessen vergewissern können.
Dos Märchen der Kriegsmalertal- Fabrikalto«.
Esten. 24. März. Bei einem Esten, das die Friedrich-Krupp - A.-G- heute den ausländische «Journalisten gab, führte Geheimrat Baur vom Direktorium in einer Rede u. a. aus: Den Pariser Behauptungen, daß Krupp noch keine der Forderungen auf Zerstörung von großen Maschinen ausgeführt habe, und dem Artikel der „Daily News", es hätte ein Sachverständiger auf die Frage, was denn in der Richtung der Zerstörung der Anlagen zur Herstellung von Kanonen geschehen sei, geantwortet: „Praktisch nichts", möchte ich noch einige Tatsachen entgegenstellen und über das was w i r z e r- stört haben, insbesondere über die Zer
störung großer Maschinen für die Herstellung großer Geschütze sprechen. Bei Kriegsende, am 1. November 1918 bestand der Maschinenpark der Essener Werke aus 20 696 Maschinen. Am 1. Januar 1925 waren auf Airordnung der interalliierten Militärkontrollkomnrission zerst ö r t u n d z e r st Für unsere Umstel
reut 9173 Maschinen.
Umstellung haben wir natürüch neue Maschinen anschaffen müssen, aber ich
erkläre ausdrücklich, daß wir nicht eine Maschine für die Anfertigung von Kriegsmaterial angeschafft haben. Die interalliierte Militär- kontrollkommission hat seit Mai 1920 die Beseitigung der Maschinen überwacht, und zwar sehr scharf. Gegenüber der großen Zahl von über 9000 bereits zerstörten Maschinen handelt es sich jetzt nur um die geringfügige Zahl von 34 großen Maschinen, deren Zerstörung die interalliierte MMärkontrollkommission noch wünscht. Außer den 9173 Maschinen sind noch 379 Anlagen, die bisher der Herstellung und Montage von Stiegern nie
Warum Jarres?
Son Reichstagsabgeordneten Dr. M o ft.
I.
In den ersten Jahren der Republik ist st? weiten Kreisen des deutschen Volkes die Ansicht vertreten gewesen, als handele es sich bei dem Reichspräsidenten um eine Stelle vorwiegend repräsentativen Charakters, ohne wesentlichen politischen Inhalt. Inzwischen ist auch dem einfachst Denkenden die ganz außerordentlich große
ferner stehen, ist dies namentlich bei den verschiedenen Regierungskrisen der letzten Jahr« zum Bewußtsein gekommen. Der Reichspräsident ist nicht nur Symbol, nicht nur Repräsentant; er ist ein politischer Faktor, von desien persönlicher Sir" ~ " - —
unserer Zeit nii
'Hung zu den großen Fragen „ . selten die letzte Entscherdunp
über die tzinzuschlageNde Richtung abhängt' Ueber die Auswirkung dieser persönlichen Einstellung des oerstocbeycn Reichspräsidenten Ebert sei ein Urteil hier nicht abgegeben. Aiu' jeden Fall lehrt aber die Geschichte seiner Präsidentschaft, daß auch sein Nachfolger berufen ist, gerade in den wichtigsten Entscheidungsstunden auf Deutschlands politisches, wirtschaftliches und allgemeinnationales Geschick maßgebendsten Einfluß zu gewinnen. Nicht weniger ernst, ja mit noch verstärktem Gewicht wie bei den Reichstagswahltzn, muh darum bei jedem Deutschen, Mann und Frau, an staatsbürgerliches Pflichtgefühl uni) an vaterländisches Verantwortungsbewußtsein appelliert werden: Wähle am 29. März!
n. k
Man laste sich bei der Ausübung der Wahl- Pflicht am 29. März nicht etwa durch den 6fr nyemen churweis dar
P lassen gedenke. Sie att, deutschen Vorschlages seien: Ein auf gegenseitigen Verpflichtungen beruhender
Pakt im Weske»
mit Garantie des Status quo und Anerkennung M Garantierung der Artikel 42 und 43 des Zevsailler Diktates, ferner eine
Verpflichtung auch im Osten,
Seine Kriegshandlungen vornehmen zu wollen. Hier aber gebe die deutsche Regierung die Hoff- Mg auf Grenzänderungen nicht auf. Sie sei zu Schiedsgerichtsverträgen mit allen Staaten M allen ihren Grenzen bereit. Don Lloyd George zu näheren Ausführungen über dis Mischen Vorschläge betreffend den Osten ge- Dngt, erklärte Chamberlain, die deutsche Re- Äerung gedenke zu irgendeiner Zeit, sei es Mrch direkte Verhandlungen, oder auf diplo- Eiischsm Wege, oder durch Inanspruchnahme des guten Dienstes des Völkerbundes, mit den Eichen Nachbarn zu einem friedlichen Ueber- emkommen zu gelangen. England werde Ver- Mchümgen eingehen können:
1. die definitiver Art seien.
2. im Seifte und in enger Harmonie mit Sem Völkerbund ständen, wenn möglich unter
Führung.
Solche Verpflichtungen könne England aber nur auf einem begrenzten Gebiete eingehen, "ilurlich der französischen Ostgrenze, aber nicht aus allen, wie das Protokoll es wolle.
Durch das Fünf-Mächte-Wkommen solle Völkerbund untermauert werden, während -a? Protokoll einem Völkerbund, der der Stützung bedürfe, Lasten aufbürde, denen er ^ gar keinem Falle gewachsen sei. Der gegenwärtige Zustand Europas.
dränge über kurz oder lang zum Kriege.
Mu/- Englands Hilfe sei eine Wendung zum Aperen nicht zu erreichen. Von England werde Hilfe geleistet werden.
. Chamberlain schloß: Wenn es uns nicht ge- M, aus dec Atmosphäre von Argwohn und üurcht herauszuk-ommen, so wird Europa ^lleßliih einem neuen Kriege preisgegeben werden. Großbritannien hat infolge des Zau- rns und der Unbeständigkeit feiner Politik von seinem Einfluß verloren. Aber die Küchen Vorschläge bieten dem Britischen : eich eine neue Chance, den dieses Reich, das E) feine Dominions von Europa getrennt und doch durch diese Inseln an Europa gekettet C "ann etwas tun, was keine andere Nation i^èlt tun kann: Wenn das Britische Reich es soll kein Krieg sein, so wird es keinen
ß die englische Regierung keinerlei Reviflonsplâne auffammen lassen werde und mit Sympathie die inneren Konso- lrdieruagsarbeiken in Polen verfolge. Sie eng- lifche Regierung, so versicherte ihm der eng- tische Außenminister, sei sich dessen benmßt, daß keine polnische Regierung, ja keine Demo- krakie überhaupt, die geringste Aenderung ihrer Grenzen vornehmen lassen und unterzeichnen konnte. Sie konservative englische Regierung wisse, daß jede Diskussion über die Grenze einem Spiel mit dem Jener im Puh verturme glekchkomme und einen Krieg herauf- beschwören müsse. Dies könne niemand in Europa, am allerwenigsten die konservative englische Regierung wünschen.
Der Standpunkt Polens in dieser Frage fei, so fuhr der Minister fort, daß Polen ' auf dem Boden der Verträge,stebe und niemals zulassen könne, daß auch nur die : Möglichkeit einer Diskussion über seine Gren- : zen ins Auge gefaßt werde. Polen fei der Meinung, daß die Sicherheit nur durch die Solidarität aller gewährleistet werden könne. Oert- lich oder zeitlich begrenzte Kriege gäbe es nicht mehr, denn der Zukunftskrieg werde ein Welt- ■ krieg fein. Deshalb fei auch das Problem des Friedens ein Weltproblem, und der Friede müsse durch alle konsolidiert werden. Polen ■ glaube an die Möglichkeit und an die Zweck- : Mäßigkeit einer solchen Organisation, da sich Polen lmf die Ueberzeugung stütze, daß ein Angriffskrieg ein Verbrechen sei und Verbrecher durch die zivilisierten Staaten bestraft werden müßten. Wenn aber Großbritannien mit anderen Vorschlägen und Plänen hervortreten sollte, die, wenn auch in anderer Form, ebenso zur Sicherung des Friedens beitragen, so sei Polen, ebenso wie Frankreich und die anderen Staaten bereit, alle diese Vorschläge zu prüfen und sich das Nützliche aus ihnen zu eigen machen.
Zusammenfassend könne über die gegenwärtige Lage gesagt werden, daß sich dèr politische Horizont wenig aufgehellt habe. Noch sehe man schwarze Wolken, die aber im Verschwinden begriffen seien. Neues Gewölk könne sich zeigen. Doch sei auf keinen 1 Fall Anlaß zur Unruhe vorhanden, die immer ' als Schwäche gedeutet werden müsse. Die Unruhe wäre erst dann gerechtfertigt, wenn man zu zweifeln beginne. Aber Polen wolle und • könne nicht zweifeln an dec Heiligkeit seiner Rechte, an der bedingungslosen Loyalität Frankreichs und an der Kraft seiner eigenen Bevölkerung, die entschlossen sei, innerhalb dieser 1 Grenzen zu leben und nötigenfalls für die Aufrechterhaltung der Grenzen der Republik zu Mrben,,
brauchbar gemacht worden und über 800 000 Spezialwerkzeuge für Kriegsmaterialfabrikation. Auf den Schießplätzen und der Feuer- werkersi des Werkes „Wälle" sind über 100000 Kubikmeter Endmasse und über 22000 Kubikmeter Mauerwerk niedergerissen worden. Daß nach solchen Zerstörungen auf unserem WerkeinegeheimeKriegs- materialfabrikation unmöglich ist, wird Ihnen klar geworden sein.
Senk Veröffentlichung des Auf- wsângserrSWurfs.
Die „Voss. Ztg." meldet, daß der Gesetzentwurf der Reichsregierung über die Aufwertung heute veröffentlicht werden dürfte. Dem Gesetz-
entwurf sei eine ausführliche Begründung beigegeben. Aus dem Inhalt des Auftversilngs- planes weiß das „Berl. Tagebl." folgendes mitzuteilen: An der Unterscheidung zwischen altem und neuem Besitz werde sestgehalten. Der Besitz an Kriegsanleihe, der vor dem 1. Januar 1920 erworben worden ist und dessen Existenz durch die Vermögenssteuer- erklärung vom 31. Dezember 1919 nachgewiesen ist, gelte schlechthin als alter Besitz. Ausnahmen würden nur bezüglich mündelsicherer Anleihen, Kirchengelder und Wohltätigkeits- fonds gemacht. Die generelle Aufwertung erfolge auf 5 Prozent. Die Aufwertung werde theoretisch auch auf neuen Besitz vorgenommen, jedoch erfolge die Aufnahme des Zinsendienstes bei neuem Anleihebesitz erst, nachdem sämtliche Reparationszahlungen' geleistet worden sind. Für die Verzinsung des alten Besitzes werde eine jährliche Summe von 40 Millionen Mark
vor dem
Summe von 40 Millionen Mark
zur Verfügung gestellt. Die Höhe des Zinssatzes dürfte sich also nach der Höhe des alten Besitzes und der eben genannten, für die Zin- senleistunq zur Verfügung stehenden Summe richten. Für sozial Bedürftige würden 2 Pro
eine solche Meinung. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß, wenn all die Parteigruppen, die sich auf die Kandidatur Jarres geeinigt haben, bis zum Letzten ihre Pflicht tun, schon der erste Wahlgang den Sieg bringt Wenn « aber nicht gelingt dann ist die Aussicht, auxi noch andere, die beim ersten Wahlgang einer Sonderkandidaten unterstützten, beim zweiter und entscheidenden Wahlgang ebenfalls für Jarres zu gewinnen, natürlich umso größer, st größer und überragender sein Erfolg schon bei» ersten Wahlgange war.
Die Fülle der Kaididateu um das Höchste, vom Volk zu vergebende Amt, ist nicht erfreulich. Sie recht unzweckmäßigen gesetzlichen Bestimmungen über das Wahloerfahren haben diese Zersplitterung zweifellos begünstigt. Wir wollen schlechtem Beispiel nicht folgen und ver- suchen, die Kandidaten anderer Sruppen hsr- unteczureißen und schlecht zu machen. Dastolze und im tiefsten Sinne jo deutsche Wort, das Jacres am 18. Mä-^ in Berlin gebraucht hat: „Je vornehmer der Kampf, desto sicherer ter S 'g!" zeigt, wie er i^sh darüber denkt Cut Feststellung aber ,K gestattet! Sieben Kü»l ibaten sind ausgestellt Hinter sechs von ihnen steht je eine sparet oder gar nur ein Teil tr, on. Der einzig; überparteiliche San, >.DGt, hinter dem eine gange Re'he von Rich- ungen und Parteien stebt, ist Dr. Jarres. Es ist bc*um wohl nur ein Witz, wenn ein sichren- des Blatt des Westens den Sonderkandidaten feiner Partei als den Vertreter der „Volksgemeinschaft" anpreist und die Sanbibahir Jarres als eine Parteikandidatur bezeichnet. Selbst im eigenen Laaer wird es nicht viele Leichtgläubige geben, die eine derartige, her allgemein bekannten Tatsachen ins Gosich schlagende Behauptungen ernst nehmen.
zent des gezeichneten Nominalbetrages ausgeworfen. Hierfür seien gleichfalls 40 Millionen Mark ausgeworfen. 'Hieraus ergebe sich, daß die Reichsregierung den Betrag von Kriegsanleihe, der sich im Besitze von sozial Bedürftigen befinde, auf zwei Milliarden schätzt.
Neuregelung der Gewerbesteuer.
Im vreußil»tn Finanzminisiermm ist laut „Berl. Tageblatt" der Entwurf einer zweiten Ergänzunas- vkiorbming zur vorläufigen Neuregelung der Ec- nurdenener selbstgestellt und dem vreuniicken Landtao zngcsteüt worden. Der ständige AuSichuß des Lanv- tone?, der während der Vertagung der Plenums tagt, wird sich am kommenden DonnerStao mit dem Entwurf benbäft gen, der sodann als V rordnung mit öleietzeskrast vom StaatSÈisttrium in Mrwag g& vteti Wirtz.
Von mancher airderen Seite wird auch fonfi der Wahlkampf nicht so geführt und ist bislang nicht überall so geführt worden, wie es der Würde des Amtes, um das es sich handelt, entspricht. Viel freilich hat man auch beim „besten" Willen gegen Jarres nicht ans übten können. Im wesentlichen sind zwei Momente immer wieder in den Vordergrund getreten: erstens dir Behauptung, daß Jarres dem Gesamtvolk zu unbekannt sei, um für die Wahl in Betracht zu kommen; Weitens das Serumreiten auf der berühmten „Versackungspolitik".
Was das erste anlangt, so ist zuzugeben, daß der eine oder andere Kandidatennome tr
manchen Reichsteilen geläufiger ist oder bis jetzt war, als Jarres. Für mindestens die Hälfte aber trifft dies nicht zu, und für die anderen sei die Frage gestattet: Sind heute
'ârklich die bekanntesten Namen, d, H. Mè