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Hanauer S Anzeiger

General-Anzeiger / Zugleich amtliches Organ für Den Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. * Hernsprech-Änschluß Nr. 1237 und 1 238.

Nr. 50

Samslag den 28. Februar

1925

Das Neueste.

Die Vertreter der km Steuerausschuß des Reichsrats vertretenen Länder lehnten nach armÄsätzlichen Ausführungen des preußischen ManMinisters den geplanten Steuerausgleich ^ Der Verein zur Wahrung der Rhein- tchiffahrtsirrtevessen veranstaltete in Mannheim K eindrucksvolle Kundgebung gegen den französischen Plan eines Rheinkanals Basel-

Der neuernannte deutsche Botschafter in Washington, Frhr. v. Maltzan, ist gestern Nach Newyork abgefahren,

Das RotorschiffBuckau" rst gestern nachmittag %2 Uhr in Cuxhaven eingetroffen. Sonntag nachmittag wird das Schiff im Ham­burger Hasen erwartet. An Bord ist alles wohl.

Die Botschafterkonferenz, die heute zu- Sientreten sollte, ist auf Montag verschoben. hofft, daß....... .

Versailles die P

die Militärkommission von

w_____ ___ Prüfung des Kontrollberichtes beendet haben wird und ein Gutachten unter«

breiten wird.

Der Ausstand der Kurden in der Türkei.

In einer Reihe von Verwaltungsbezirken des östlichen Kleinasten ist ein Aufstand der kurdischen Bevölkerung ausgebrochen. Der Ursprung der Rebellen scheint in dem Vilajet Arghana zu liegen. Don dort hat der Aufstand auf die Bilajets Diarbekr, Mamoret el Azit und Günj übergegriffen. Im Anfang hat man in der Türkei den Ernst der Ausstandsbewe­gung zu verhüllen gesucht. Man sprach von lokalen Unruhen. In den ersten Tagen dieser Woche aber richtete der Ministerpräsident Fechi £ei/«irtë.^ sammlung, in der er die Gefahr zugob und mit­teilte, daß man in den oben erwähnten Vila- jets und in einer Anzahl von Nachbarbezirken das Kriegsrecht verkündigt habe. Der türki­sche Mnister des Innern hat der Presse mit­geteilt, daß die Regierung den Aufstand erst für Ende März erwartet habe, daß die Un­ruhen aber vorzeitig ausgebrochen seien und zwar im Anschluß an den Versuch, zwei An­hänger des Rebellenführers Sheikh Said zu verhaften. Die Gendarmerie, die man gegen die Rebellen ausschickte, soll zu den Aufstän­dischen übergegangen sein. Es wird auch be­hauptet, daß ein Sohn des ehemaligen Sul­tans Abdul Hamid die Bewegung unterstütze. Der Rebellenführer Sheikh Said hat eine Pro­klamation erlassen, in der er ein unabhängiges kurdisches Reich ausruft und die Ernennung eines neuen Kalifen in Aussicht stellt.

Das Aufstandsgebiet deckt sich im Großen und Ganzen mit dem Gebiet, das früher unter dem Namen Armenien bekannt war. Es ist häufig der Schauplatz blutiger Unruhen ge« wesen, da die Kurden, die dieses Gebiet be­wohnen, ständig mit den Armeniern in Fehde lagen. Heute gibt es dort so gut wie keine Ar- menier mehr. Die Kämpfe spielen sich jetzt Mischen den Türken und Kurden ab. Wenn die f.roklamation des Rebellenführers tatsächlich richtig wiedergegeben ist, so handelt es sich um eine politisch recht ernst zu nehmende Ange- 6unz einerlei, ob die militärische MA der Rebellen groß oder gering ist. Die Abjt^f, einen neuen Kalifen einzusetzen, und lc Teilnahme eines Sohnes des früheren Sultans an dem Aufstand, scheinen zu bewei­nn. daß in den östlichen Dilazets tpr neuen -urfet der republikanische Gedanke und der jtn?6 westlichen türkischen Reiches nicht Wurzel gefaßt haben, baß iMf telmebr eine heftige Reaktion gegen das Re- ungRRtcm der neuen Türkei einjetzt. Die sind offenbar nicht damit eino-stau- man Religion und Politik von einan- liltWar" huldigen der uralten orienta- Anschauung, daß beides untrennbar i Jian mn n offenbar in Angora be en- an, kungen der aufständischen Bewe- ^u'gen zu glauben. Die extremen Rcpub.cki- en in der Ratio wir- >...nlluna die z-,^ugung des Ausnah! ezustavdes r »er »nt und Konstantinopel.

Au^Ä^erständlich spielen in die türkische bi^ °?- Regung auch internationale Bezie­hn hinein. In Mossul, das von dem Vila- Lf°" Dwrbekr nicht allzu weit entfernt liegt, 8?-n?^'t die Völkerbundskommission, die die ^" Türkei und dem Gebiete froL hn&UL 3i$etl sE. Die Annahme liegt daß die Anwesenheit dieser Kommission

Unseren Gefallenen zum Grutz.

Das deutsche Volk chrt das Gedächtnis feiner Gefallenen. Für einen Tag ist alle Torheit der Gegenwart, alle Wirrnis und Not untergegangen in dem einen großen, heiligen Gefühl dieser Dankbarkeit gegenüber allen, die einst ihr Leben gaben für Heimat und Volk. Lichtumflossen, totverklärt, stehen sie wieder alle vor uns, die fielen in Polen oder in Flandern, die im Wüstensand Mesopota­miens oder auf dem Grund des Meeres ruhen. Es ist viel Leid, das wieder lebendig wird, wenn sie uns grüßen jeder weiß ja seins, jeder spürt noch ein« mal, was ihm verloren ging, als der herzfrische Junge sein blutjunges Leben lassen mußte, als der ernste, treue Vater nimmer heimkehrte, als der geliebte Mann seine strahlenden Augen schloß, als der beste Kamerad von der tätlichen Kugel getroffen war. Die! Leid, das der hastende Tag und die Unruhe des Schaffens zurückgedrängt, wird wieder lebendig, manche stille Zähne rinnt manch schwerer Gedanke legt sich lastend aus die Seele. Und das ist gut so: aus dem Brunnen des Leides quillt ja Ewigkeit. Wir wissens doch längst und vermessens nur immer wieder im Lärm der Tag«: wer seine Toten ruft zu stiller Gemeinschaft, den segnen sie; denn sie tun ihm die Augen auf für das, was bleibt im Wandel der Tag«, für alles Lebensechte und Wahre, für alles Tiefe und Große. Hörst du die Stimmen der Toten, deutsches Volk? Sie mahnen dich an die alte Tage, deren köstlichen Wert du hast zerbrechen lassen von unreinen Handen, sie reden dir von deiner alten Innerlichkeit und Treue, die du für das Linsengericht der Moderne verkauft hast, sie flüstern dir leise vom Zauber lichter Jugendzeit, die du dir zertreten ließest von der Brutalität oberflächlicher, spottender Gesellen, denen um Gold alles feil ist Hörst du die Stimmen der Toten, deutsches Volk? Sie reden herb und schwer­mütig von Volk und Vaterlarch, für die einst zu sterben als höchste Mannestugend galt, sie raunen etwas von der Seligkeit des Todes auf dem grünen Rasen, sie schwärmen von Treue und Opferbereitschaft als dem tiefsten Sinn alles Lebens und Sterbens. Ich glaube freilich, wir müssen voll Scham die Augen miederschlagen, wenn die Toten reden. Wem unter uns, der einmal schweren ÄbsHred nahm von jungem oder reifem Leben in des Krieges .Milden usÄ-doch stolzen TSgâ^ käme nicht die heißeste Bitterkeit, wenn er dasJetzt und das Einst vergleicht, wenn er spüren muß, was aus demselben Volke ward, das damals den Krieg wie ein hehres Schicksal durchlebt fast als wären die Opfer umsonst gewesen.

Dennoch, wir rufen am Volkstrauertag, gerade in der tiefen völkischen Not, in der wir fast untergehen, unsere Gefallenen zu stiller Gemeinschaft, daß wieder Glanz von ihren Fahnen leuchte, daß wieder Glut aus ihren Seelen zu uns herüberflamme, daß wieder die stählende Kraft ihrer Tapferkeit statt der Memmen und Schwächlinge Männer schaffe, daß wieder ihr hoher Sinn und ihr Glaube an Deutschland die Macht des Kleinmuts und der Erbärmlichkeit ver­scheuche. Auch aus dem Tod quillt ja dann Leben: wie wir einst unsere Söhne und Brüder um Deutschlands willen gaben, so lernen wir jetzt, wenn ihre Bilder durch das Dunkel der Tage uns grüßen, immer wieder um Deutschlands willen zu leben, zu leben in heiligem Ernst, auch wenn um uns die Masse oben wie unten im Tanztaumel untergeht, zu leben in Lauterkeit der Hände, auch wenn draußen wie drinnen allerlei Totengräber bereit stehen für seine letzte Stunde. Wie ist so oft draußen im Felde vor dem brechenden Auge unserer Helden die Heimat emporgestiegen in Glanz und Frieden Glanz und Glück ist dahin, aber was unsere Gefallenen als Trost in letzter Not geschaut, das müssen unsere Hände und Herzen wiederschaffen, das muß als leuchtendes Ziel ewig vor unserer Seele stehen. Darum auch am Volkstrauertag nicht versinken in Weh die in den Gräbern schlafen, wollen träumen von neuen jungen Kameraden, die hellen Sinnes und blitzenden Auges marschieren über das Feld, von freiem, frohem Deutschland, das die Sonne seliger Tage wieder küßt.

auf die Aufstandsbewegung der Kurden nicht ganz ohne Einfluß gewesen ist, wenn auch nur insofern, als sie auf den Unabhängigkeitssinn der Kurden anreizend gewirkt hat. Türkische Blätter behaupten allerdings, daß der Aufstand von England direkt hervorgerufen worden sei,

wobei es nicht an Andeutungen fehlt, daß Eng­land jeder Anlaß recht ist, um sich die Oelfel- der von Mossul und der angrenzenden Gebiete zu sichern. Andere behaupten, Sowjetrußland habe seine Hand im Spiele, was aber bei den Beziehungen zwischen Moskau und Angora weniger wahrscheinlich ist. Jedenfalls bringt der Kurdenaufstand wieder einmal den ganzen m ,, r ~ .

nahen Orient in Bewegung und man kann Eschen Verfassung. Er bedauert, der Fraktion heute noch nicht übersetzen, welche Folgen daraus erwachsen werden.

Teilmsbilifterung der Mrk. Armee.

London, 27. Febr. Die türkische National­versammlung nahm einstimmig den Vorschlag der Regierung an, den Belagerungszustand in dem Gebiet zu verhängen, das von den Kurden besetzt wurde. Ferner wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, in Anatolien die teilweise Mobilisierung anzuordnen und 5 Jahrgänge einzuberufen.

Einbruch der Wahhabiten in Trans- jordanien.

London, 27. Febr. Aus Jerusalem wird ge­meldet, daß 10000 Wahhabiten unter dem

Kommando des Emir Abd el Asis die Grenze überschritten und nach Transjordanien einge- drungen sind. Sie scheinen auf die Hauptstadt Amman vorzurücken.

Loennartz* Antwort.

Essen, 26. Febr. Der preußische Landtags- abgeordnste Landrat Loennartz veröffentlicht in derBitburger Zeitung" feinen Antwort- brlef auf die Aufforderung des Vorsitzenden der Zentrumsfraktion auf Niederlegung seines Landtagsmandates. Loennartz verweigert ebenso wie v. Papen die Niederlegung seines Mandates unter Berufung auf § 10 der preu-

nicht das Recht zugestehen zu können, über das ihm gegebene Mandat zu verfügen. Er habe die Fraktion niemals darüber im Zweifel gelassen, daß es für ihn aus grundsätzlichen Erwägungen heraus unmöglich sei, eine nur von Zentrum, Demokraten und Sozialdemo­kraten getragene Regierung zu verantworten. Er sei überzeugt, daß diese Auffassung von vielen Wählerkreisen der Partei, insbesondere auf dem Lande, gebilligt werde. Morgen findet in Trier eine Tagung der Vertrauens­leute der Zentrumspartei des Wahlkreises KoblenzTrierBirkenfeld statt, die sich mit dem Fall Loennartz beschäftigen wird.

MMM Verl gessorven.

Berlin, 28. Februar. Reichs- Präsident Eber! ist heute vormittag 10 Uhr 15 Min. ohne das Bewirbt- fein miedererlangt zu haben, faust entschlafen. Am Sterbebett tu eilten Frau Ebert, ihre Kinder und ihr Schwiegersohn Dr. Jänicke, ferner Staatssekretär Dr. Deisser.

Reichspräsident Ebert f.

Dieser Trauerbotschaft gingen folgend«

Berlin, 27. Febr. Wie die Blätter über das Befinden des Reichspräsidenten noch mitteilen, hat sich sein Zustand heute vormittag weiter ge­bessert. Der Patient hat etwas Nahrung zu sich genommen und fühlt sich im allgemeinen etwas wohler. Wenngleich der Zustand des Reichs­präsidenten noch immer als ernst angesehen werden muß, so hoffen die Aerzte doch, daß der Höhepunkt der Krise überwunden ist. Es muß damit gerechnet werden, daß auch bei normal fortschreitender Genesung bis zur end­gültigen Wiederherstellung geraume Zeit ver­gehen wird, sodaß der Reichspräsident kaum vor Mitte April die Führung seines Amtes wieder übernehmen dürfte. Ab heute werden, den Blättern zufolge, über den Gesundheit^ zustand des Erkrankten nur noch zwei ärztlich, Berichte täglich ausgegeben werden.

Berlin, 27. Febr. Nach dem heute abend 7 Uhr ausgegebenen ärztlichen Bericht dauert die Besserung im Befinden des Reichspräsiden­den an. Gegenüber den teilweise auch in der Presse verbreiteten Gerüchten wird festgestellt, daß eine neue Operation weder stattgefunden hat noch beabsichtigt ist.

Berlin, 28. Febr. (vormittags 10 Uhr).

Die den Reichspräsidenten behandelnden Aerzte haben Heuke morgen folgenden krank Heitsberichk herausgegeben:

heule morgen gegen 5 Uhr machte die Bauchfellentzündung plötzlich Fortschritte. Di« Kräfte des Reichspräsidenten nahmen ab. Au« Zeit schläft der Reichspräsident. Die behandeln, den Aerzte halten seinen Au st and für hoff­nungslos.

Die Konferenz der Länderverlreler«

Berlin, 27. Febr. Die Vertreter der im Steuerausschuß des Reichsrats vertretenen Länder hatten sich gestern im preußischen Finanzministerium zu einer Besprechung zusammengefunden. Im Laufe der Beratungen führte der preußische Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f, dem Preußischen Pressedienst zufolge, u. a. aus: Die Länder sind bereit, die Lage aller Wirt­schaftskreise zil berücksichtigen, die Verwirklich­ung der Pläne des Reiches würde in­dessen die Länder bei dem Ausbau ihrer Steuern zu Wegen zwingen, die für die Wirt­schaft außerordentlich gefährlich sind. Die Berechnungen des Reiches, daß di« heutigen Ausgaben der Länder und Gemein­den die Friedenssätze um 45 bezw. 50 Prozent übersteigen, beruhen auf unzulänglichen Grundlagen; die unabweislichen Bedürfniffi sind höher. Die Länder und Gemeinden er­halten für 1924 von den Einkommen- und Körperschaftssteuern 90 Prozent, von der Um­satzsteuer 20 Prozent, zusammen sind dies letma 2740 Millionen. Für 1925 will das Reich