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SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger / Zugleich amtliches Organ für den Landkreis Kanan.

General-Anzeiger

Erscheint "iglich mit Ausnahme Ler Conn, und Feiertage. , ^ernsprech-Anschlutz Nr. 1287 und 1238.

Das Neueste.

Reichskanzler Dr. Luther weilte gestern in Stuttgart und sprach über seine Tendenz: Zu- Mmensassung aller staatsbejabenden Elemente.

Auf der ZecheMinister Stein" bei Dortmund -reignete sich gestern abend eine schwere Schlagwetter- kkploswn. 100 Bergleute werden vermißt.

Die griechische Regierung hat im Vatriarchen- lmM mit der Türkei an den Völkerbund appelliert.

Cooldige bat den Marincetat unterzeichnet, in btm die Forderung einer neuen Abrüstungskonferenz enthalten ist.

Eines der Flugzeuge der französischen Expedition, die nach dem Tschat-See unterwegs ist, ist gestern bei Mnich abgestürzt. Ein Flieger ist getötet und drei »eitere verwundet worden.

Der von dem Abg. Agatharo Lano einqebrachte Mißtrauensantrag gegen die portugiesische Regiemng ist von der Kammer mit 65 gegen 45 Stimmen an- zenommen worden. Das Kabinett hat hierauf demissioniert.

Nach einer Meldung aus Washington ist gestern ein amerikanisch-polnisches Handelsabkommen unter­zeichnet worden. Durch eine besondere Vertragsbe­stimmung ist auch Danzig in diesen Vertrag einge- zogt» worden.

Eine neue Rede des Reichs­kanzlers.

Stuttgart, 11. Febr. Aus Anlaß des Be­suches des Reichskanzlers bei der württembergi- schen Staatsregierung fand heute nachmittag im Weißen Saale des Residenzschlosses ein ge- feHiges Zusammensein statt, um dem Reichs­kanzler Gelegenheit zu geben, mit geladenen Gästen aus allen Berufszweigen Fühlung zu nehmen, Cs waren etwa 400 Personen erschie-

K AMes WemM

136 Tole. Bisher 36 Tote geborgen.

DvlckMUUd, 12. Febr. Im Südostfeld der ZecheMinister Stein*, Schacht 3, ist gestern abend 8,10 Uhr eine Schlagwetterexplosion erfolgt, die einen außer­ordentlich heftigen Charakter hatte. Die Streckengelände auf der dritten wie auf der ersten und zweiten Sohle sind durch Brüche gesperrt. Die gleich nach der Explosion eingesetzten Rettungstruppen versuchen den Bruch durchzutreiben, um an die hinter dem Bruch befindlichen Leute heranzukommen. Nur vereinzelte Leute sind gleich nach der Explosion gerettet. Es ist mit dem Verlust von 1 OO Bergleuten zu rechnen, zumal die Ease nicht in dem erforderlichen Maße abziehen konnten. Die Veranlassung der Explosion ist noch dunkel, darüber werden erst Angaben gemacht werden können, wenn die Brüche ausgeräumt sein werden und die geretteten Leute Auskunft erteilen können.

Bis morgens 5 Uhr wurden 30 Tote geborgen und 8 lebende Bergleute. Nach dem bisherigen Befund hat eine große Anzahl den Tod auf der Flucht gefunden. Verschiedene Arbeitsstätten wurden nach der Explosion unberührt vorgefunden. Die Kaffeeflaschen der Bergleute befanden sich an den Frühstücksplätzen noch unberührt und unversehrt. Eine große Zahl von Bergleuten konnte ohne äußere Verletzungen tot geborgen werden.

Die Gesamtzahl der Tolen 136.

DvriMANd, 12. Febr. Die Gesamtzahl der Toten bei der Schlagwetterkatastrophe

bar wären. Die Deutsche Volkspartei hält av ihrem Standpunkt fest, sich an einer Koalition, wie sie die frühere große Koalition darstellte, nicht zu beteiligen. Auf die Anregung des Mi­nisterpräsidenten, in Erwägungen einzutreten« ob die Fraktion an den Verhandlungen über eine Regierungsbasis von den Sozialdemokra­ten bis zu den Deutschnationalen beteiligen würde, wurde die Erklärung abgegeben, daß man keine unüberwindlichen Schwierigkeiten in der Zustimmung der Fraktion dazu sehe.

Die Antersuchung gegen Dr. Poesie

Berlin, 11. Febr. Die Verhaftung des frühe­ren Reichspostministers Höfle stützt sich bet B. Z." zufolge auf die Annahme persön­licher Vorteile für pflichtwidrige Hand­lungen. So soll Höfle die Sicherstellung von Postgeldern bei der Depositen- und Handels- bank A.-G. unterlassen haben, obwohl ein Auf­sichtsratsmitglied dieser Bank auf die bedenk­lichen Zustände des Geldinstituts aufmerksam machte. Die Leistung einer Zahlung von 50 000 Mark seitens dieser Sant' an den Midister per- önlich soll zeitlich unmittelbar damit zu- ammenhängen. Außerdem soll Höfle in dem zweiten ihm zur Last gelegten Fall derAmexima 125 000 Mark vergütet bekommen haben. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde nach derB. Z." auch eine Untersuchung gegen die Depositen- und Handelsbank A.-G. ausge­nommen. Sämtliches Material und die Bücher der Sans wurden beschlagnahmt. Die Aufgabe der Bücherrevisoren erscheint aber dadurch sehr erschwert, daß der allergrößte Teil der Bücher von den damaligen Direktoren Wolpe und Kli- kottka vernichtet wurde. Gegen Höfle wird trieb

wehr, der Stadt Stuttgart, der Geistlichkeit so­wie die führenden Männer aus Handel, Ge­werbe, Industrie, Landwirtschaft, Kunst und Wissenschaft und der Berusorganisationen. Gegen 5 Uhr erschien der Reichskanzler, beglei­tet vom Staatspräsidenten und den Herren der üeidevseiitgen nächsten Umgebung. Eine Schar junger Mädchen in Landestracht betrat den Saal und überreichte dem Reichskanzler durch eine Sprecherin mit liebenswürdigen Worten einen Blumenstrauß. Daraus begrüßte Staats­präsident Bazille den Reichskanzler im Na­men des Württembergischen Landes.

Reichskanzler Dr. Luther ergriff darauf das Wort und führte aus: Der Herr Staats­präsident hat in seiner Begrüßungsrede er­wähnt, daß der Name Berlin nicht überall in Deutschland einen besonders guten Klang ge­nieße. Auch ich habe in der Zeit, wo ich Bürger­meister von Esten war, das kennen gelernt, daß die Liebe für die Reichshauptstadt nicht überall gleichmäßig entwickelt ist. (Heiterkeit.) Habe dabei allerdings auch auf der anderen Seite ge­sunden,daß das doch nur so kleine Störungen sind, wie sie auch bei sonst wohl begründeten gegenseitigen Beziehungen vorkommen. Der Herr Staatspräsident hat sehr richtig daraus Yingewiesen, daß ich alsbald nach meiner An­kunft in Stuttgart inamtliche Bearbeitung" genommen worden bin. Es sind eine ganze Reihe von wichtigen Fragen im Schoße des «taatsministeriums mit mir besprochen worden und ich muß da zugeben, daß diese Art der Be­handlung der Dinge genau dem Gedanken ent- ipricht, nach dem ich selber die Reichsregierung

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über alles zu stellen. Aber die sachliche Arbeit muß auch gewisse Grundlagen haben. Einmal politische Grundlagen und dann auch Ätre Grundlagen, die über das einfach ^erstandesmäßige und Arbeitsmäßige hinaus- Men und die sich darauf stützen, daß wir gegen- n m "ollem Einverständnis und auch etwas einem Einschlag von Zuneigung einander M.^ubèr stehen müssen. Was zunächst die po- iwn Grundlagen anbetrifft, so kennen Sie m mancherlei Aeußerungen, die ich als . lchskanzler getan habe. Die Tendenz, auf der H gegenwärtige Reichsregierung aufgebaut Äs' ist eine Mehrheitsregierung und als eigentlich die allein in Betracht Regierungsform für den parlamen- Staat. Wir wissen alle hier in Amberg wissen Sie es aus praktischer Er- J9- daß man mit einer Minderheit ge- ^gieren kann. Das Reich hat ja auch Mae verantwortlichen Mitwirkung t mit einer Minderheitsregierung ge- Setor^ glaube, daß für die schweren W $e? Aufgaben, die wir im Reiche jetzt lagen n Oaben, solche feste tragfähige Grund- dty 3B>?k^5en müssen. Nun bedeutet aber ^urüeitsregierung nicht den Gedanken

das habe ich immer wieder ausgesprochen, daß nun der Teil des Reichstages, der hinter der Mehrheit steht, sich zusammengefunden hätte, um das Regieren für sich allein in An­spruch zu nehmen und den andern allein den Widerspruch zu überlassen. Ich weiß zwar mit Ihnen allen, daß im parlamentarischen System zur Mehrheit auf der einen Seite die parlamen- tarifch-technische Opposition auf der anderen Seite gehört, aber wir bleiben darum doch ein einheitliches Volk. Deshalb darf diese Opposition natürlich nie bedeuten, daß nun etwa das Volk sich in verschiedene einander gegenüberstehende Heerlager verteilt, sondern die Tendenz der Re­gierung, die ich zu führen die Ehre habe, wird immer sein, für die bevorstehenden schweren Entscheidungen auch in der Jnnenwolitik eine so breite Grundlage zu finden, wie wir sie nur irgend zustande bringen können, die alle staats­bejahenden Kräfte und ich glaube dabei, daß der ganz überwiegende Teil des deutschen Vol­kes aus solchen staatsbejahenden Kräften besteht, mit einander vereinigt.

Der Reichskanzler wies dann daraus hin, daß er in der schönen, von ihm sehr geliebten Stadt Stuttgart, die er seit langer Zeit kenne, vor einigen Jahren auf der ersten Hauptver­sammlung des Deutschen Städtetages nach dem Kriegsende über die Zukunftsaufgaben der deutschen Städte einen Vortrag gehalten habe. In meiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, so fuhr der Reichskanz­ler fort, habe ich etwas kennen gelernt, das für mich immer die Richtschnur meines Handelns geworden ist. Ich habe auf der einen Seite ge= ! ehen und erlebt, daß wir ein kraftvolles deut- ches Volk nach außen und nach innen nur dar- tellen, wenn wir uns zu einer starken Einheit zusammenschließen. Ich habe auf der anderen Seite aber auch als Geschäftsführer des Deut­schen Städtetages gesehen, daß, um diese Ein­heit zu erzielen, wir das, was in den einzelnen Teilen Deutschlands als gewachsener Boden unseres politischen Seitens vorhanden ist, nicht auslöschen dürfen, sondern daß wir auf diese tatsächlichen Entwicklungen, wie sie in den ein­

zelnen Teilen Deutschlands gegeben sind, auf­bauen müssen, um das Ergebnis den Zu­sammenschluß des ganzen deutschen Volkes zu erreichen. In dieser Bemerkung, sehr verehrter Herr Staatspräsident, liegt, allgemein gespro­chen, meine Antwort auf die von Ihnen ge­stellte Frage über das Verhältnis von Reich und Ländern. Alle Einzelheiten gehören in die Amtsstube, wo wir gemeinschaftlich verhandeln wollen. Das Große und Ganze aber muß ge­tragen werden von einer Auffassung, wie ich , ... ... _____ _________

sie hier im Bilde ausgesprochen habe und wie iVolk/gen.ein chafl stützen, ein solches der'Wei- ich sie in nüchternen politischen Worten in der .m ar er Koalition jedoch ab lehnen Regierungserklärung, niedergelegt habe. Zu die- würde, insbesondere deshalb, weil für sie Mini- ier Auftaklung gehört selbstverständlich auch. I fter wie Severina und Hirtüeser nickt annebm-

daß die Reichsregierung es sich aufs stärkste an­gelegen sein läßt, für die Notwendigkeiten und Lebensgrundlagen aller Teile des deutschen Volkes gleichmäßig zu sorgen. Sie haben die Frage der Verkehrsverhältnisse angeschnitten. Ich kann heute hierzu nur versichern, daß alle Einflußnahme, die die Regierung jetzt auf die Verkehrsverhältnisse hat, im Sinne einer gleich­mäßigen Berücksichtigung aller Reichsteile statt­finden wird und daß die Einzelheiten, die der Herr Staatspräsident über diese Frage mitge­teilt hat, zu ernstlicher Erörterung kommen werden. (Beifall.)

Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte der Reichskanzler die Bedeutung Württembergs im geistigen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben und die Tatsache, daß das Schwabenland seinen Reichtum immer wieder für ganz Deutschland hat abgeben können. Schließlich wies der Reichskanzler darauf hin, für ihn stehe im BordergruiÄ das Denken an das Ganze, das Denken daran, daß wir nur be- tehen können, wenn wir uns fest zufammen- chließen als einiges Volk. Der Reichskanzler chloß mit einem Hoch auf das deutsche Volk und das deutsche Vaterland!

Die Seite wurde mit stürmischem Beifall und Händeklatschen ausgenommen.

Die Regierungskrise in Preußen.

Marx versucht ein volksgemeinschaflskabinelt.

Berlin. 11. Febr. Der preußische Minister­präsident Dr. Marx beabsichtigt, wie aus par­lamentarischen Kreisen des Landtags verlautet, zunächst zu versuchen, ein Volksgemeinschafts­kabinett zustande zu bringen. Er ist der Ansicht, daß dieser Gedanke, wenn er auch im Reich ge­scheitert sei, doch damit nicht ohne weiteres bei der Kabinettsbildung in Preußen ausscheide. Der Ministerpräsident ließ zunächst an die Deutschnotionale Partei eine Ein­ladung zu einer Besprechung ergehen. Zu die­ser Besprechung waren die Abgeordneten G r a e f - A n k l a m, v. Kries und Weiß- e r m e l erschienen. Sie erklärten, sie würden den Vorschlag auf Bildung eines Volksgemein­schaftskabinetts ihrer Fraktion unterbreiten. Da die meisten Herren des Vorstandes jedoch zur­zeit nicht anwesend seien, könnte eine solche Sitzung nicht vor Donnerstag abend stattfinden. Dr. Marx hatte weiter Besprechungen mit der Wirtschaftlichen Vereinigung und mit der Deutschen Volkspartei. Die Wirtschaftliche Vereinigung vertritt in voller Einmütigkeit den Standpunkt, daß sie grund- fätzlich ein Kabinett auf der Grundlage der

worden seien. Die Zentrumspartei selbst habe aber bisher keine Kenntnis von der Art der Ver­wendung dieser Gelder schalten. Höfles Ver­fehlungen sollen nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft unter den § 332 des Straf­gesetzbuches (B e a m t e n b e st e ch u n g) fallen.

Berlin, 11. Febr. Den Blättern zufolge hat das Reichspostministerium auf die Villa des früheren Reichspostministers Dr. Höfle in Lich­terfelde bei Berlin eine Sicherungshypothek von mehreren hunderttausend Mark eintragen lassen, sodaß Höfle über seine Villa, die den Hauptbestandteil seines Vermögens ausmacht, nicht mehr frei verfügen kann. Gegen den noch in Deutschland befindlichen verantwortlichen ehemaligen Leiter der Depositen« und Handels­bank ist ein Verfahren eingeleitet worden, um über die Geschäfte der Bank, namentlich über die Goldankäufe für die Reichspost und Reichs­bahn Aufklärung zu schaffen. Die Staats­anwaltschaft hat für diesen Fall ein Sonder- dezernat errichtet. Es wird ferner versucht wer­den, die Auslieferung der Direktoren der Bank, Wolpe und Klikottka, die sich nach Lettland bezw. nach Holland geflüchtet haben, zu er- reichen.

Die Dernokralsn für Beibehaltung Severings.

Berlin, 11. Febr. Wie au? parlamentarische« Kreisen Ber laut-t, bat die demokratische Fraktion in ihrer heutig-n B uchung mit Ministerpräsident Marx rOärt, baß ne auf d e Beibehaltung Severing bestehen müsse und den Anèfpiu» der Sosialdemokratiichen anet auf winden ens zwei Mimüeisitze im Kabinett a .erkenne, sowie, dak sie IN dem Kandidaten Dr. Becker für das Kultusministerium einen Vertreter ihrer Partei nicht erblicken tonne.

Neue UuregelmäßigkeUen bei -er Preußische« Staalsbauk.

Wie dieVoss. Ztg." meldet ist in bef Preußischen Staatsbank eine neue Verfehlung eines Beamten aufgedeckt worden. Der Kassen­direktor Triebel steht in dringendem Verdacht, bereits vor längerer Zeit eine große Zahl von Jndustrieobligationen und Staatsanleihen aus Kundenkreisen der Bank zurückgekauft, tue Werte jedoch nicht in die Depots der Bank ein« geliefert, sondern für sich selbst verwandt zu haben. Triebel ist einstweilen seines Postens enthoben worden. Die Untersuchung der An­gelegenheit wird fortgeführt. Es ist möglich, daß noch andere Beamte der Staatsbank darin verwickelt sind. . . .

Berlin, 11. Febr. Die m einer Abendzei­tung gebrachte Mitteilung über die Aufdeckung neuer Unregelmäßigkeiten von Saffenbeamten, ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst von der Preußischen Staatsbank erfährt, im wesentlichen richtig. Im Sommer 1923 haben einige Beamte sich für befugt gehalten, ausge» loste oder ungekündigte Wertpapiere gegen Zahlung des Einlösungsbetrages an sich zu