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200. Sa^tgan»

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General-Anzeiger / Zugleich amtliches Orga« für den Landkreis Kanan

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Nr. 29

Mittwoch den 4. Februar

1923

Der lürkisch-gril

Me türkische Regierung hat Konstantin VI., ten ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel cm setzten Januartage ausgewiesen. Er wurde in Begleitung eines einzelnen Dieners in einem Eisenbahnzug bis zur türkischen Grenze ge­bracht. Der Befehl zur Ausweisung traf in Konstantinopel aus Angora in einem chiffrier­ten Telegramm ein. Er stützte sich formell aus feinen Beschluß der gemischten Kommission, die in Streitfällen über den Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland ent­scheidet und die in Konstantinopel ihren Sitz hat. Die Kommission stellte fest, daß der Patriarch seinen persönlichen Verhältnissen nach die Vor­aussetzung der Austauschbarkeit erfülle. Das griechische Mitglied des Ausschusses legte darauf sofort sein Amt nieder. In Angora aber machte man sich die Entscheidung sofort zum Nutzen, um einen Schritt zu vollziehen, der bereits im De­zember vorigen Jahres beschlossene Sache war. Durch die Anrufung der gemischten Kommission hatte sich die Ausführung verzögert.

Die nationaltürkische Regierung gibt mit dieser Maßnahme eine neuen Beweis für ihre Entschlossenheit, auch die äußersten Konsequen­zen zu ziehen. Sie hat nicht nur das Sultanat, sondern auch das Kalifat abgeschafft, der Türkei also das weltliche und das geistliche Oberhaupt abgeschlagen. Mit derselben Rücksichtslosigkeit ist sie gegen den Patriarchen Konstantin vorge­gangen. Es wird angenommen, daß dem ökumenischen Patriarchen weitere geistige Wür­denträger der griechischen Kirche folgen werden, so die Patriarchen von Kyzikos, Cäsacea und Sardis. Dabei unterliegt es keinem Zweifel, daß man zwar die Personen trifft, in Wirkl ich -

das Aml meint, Die Regisrmig von Mßöra hat das Bestreben, die Türkei zu einem reinen Nationalstaats zu machen. Aus diesem Grunde sucht sie den griechischen Volksteil in der Türkei so weit wie irgend möglich herabzu­mindern. Nimmt sie den Griechen, die in der Türkei noch ansässig sind, die geistigen Führer, so dient sie damit ihrer griechenfeindlichen Po­litik am erfolgreichsten. Deshalb hat sie auch nicht gezögert, den Schla g gegen den Patriarchen Konstantin zu führen, sobald sie durch den Be­schluß der gemischten Kommission die formelle Handhabung dazu hatte.

In Griechenland ist man über den Gewalt­akt gegen das Oberhaupt der orthodoxen Kirche aufs Tiefste empört. Aus Athen tönt Kriegs­geschrei in die Welt, wie in den besten Tagen helenischer Kriegsbegeisterung gegen die Türkei. Die Kundgebungen beschränken sich nicht nur auf die Straße. Auch in der griechischen Kam­mer ist es lebhaft zugegangen. Zahlreiche Ab­geordnete haben verlangt, daß man gegen die ungläubigen Krieg führe, um die Beschimpfung des Patriarchen zu sühnen. Man empfindet natürlich auch in Athen die ganze Tragweite und Bedeutung des Schrtites, den die türkische Regierung in Angora unternommen hat. Man empfindet, daß die Vertreibung des Patriarchen nur ein Schritt auf dem Wege bedeutet, der zur völligen Vertreibung der Griechen aus Kleinasien und aus Konstantinopel führen M. Und man erinnert sich wieder jenes ver­lustreichen Feldzuges, den man gegen die nationaltürkische Regierung geführt hat, um das Recht der griechischen Kolonisation auf kleinasiatischem Boden mit dem Schwerte zu verteidigen. Wie Wunden werden wieder auf- gsnssen. Kein Zweffel, daß der griechisch- uwkische Konflikt sehr ernste Formen an- uehmen wird. Griechenland will seine diplo- Annsche Vertretung in der Türkei abberufen. ^bèr es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die «nmai entfachte Bewegung in Athen selbst zu weiteren Konsequenzen führt. Man rechnet mit Sturz des gegenwärtigen Kabinettes und W der Möglichkeit, daß die Militär- parteidasHeftwiederindieHand ' c in m t. Wie weit die Dinge hier treiben werden, das hängt wohl im wesentlichen von den Eingriffen der Mächte ab. Es ist geplant, (Ä griechisch-türkischen Streitfall vor das Schiedsgericht im Haag zu bringen. Vielleicht es auf diese Weise die Differenz fchied- ~ ) auszutragen. Aber es wird des NM Druckes der Mächte bedürfen, um die rl0e griechisch-türkische Spannung vor der Explosion zu bewahren.

7n weiteres Ereignis kommt hinzu, das Lu ^lcht im unmittelbaren Zusammenhang lanö , ^^beinandersetzung zwischen Griechen- Mder Türkei steht," das aber wohl doch M^m * ^' das Selbstgefühl in der Welt des kam zu stärken. In Marokko ist Raisuli, der

»chische Konslikl.

Parteigänger der Spanier in den letzten Ja­nuartagen in die Gewalt Abdel Krims, des Führers der ausständigen Riffkabilen gefallen. Es gelang dem Kabilen Tazrut den Sitz Raisulis zu umzüngeln und nach heftigem, auf beiden Seiten verlustreichem Gefechte den schwer­kranken Raisuli gefangen zu nehmen. Raisuli hat sich seinem Gegner ergeben und ihm Ge­horsam gelobt, wenn sein Leben geschont werde. Das Leben und die Schätze Raisulis sind nun in der Gewalt Abdel Krims. Man kennt seine Entscheidung noch nicht. Aber soviel ist sicher, daß die Macht und das Ansehen des Kabilen- führers durch den Sturz Raisuli außerordentlich gewachsen sind. In Tazrut haben die Spanier, weil sie die Residenz Raisulis für sicher hielten, eine Menge Gold und Waffen aufgehäuft, die jetzt Abdel Krim zugute kommen. Auf seiner Seite stehen nunmehr ausnahmslos alle Stämme in der spanischen Zone von Marokko. So ist der Triumph Abdel Krims ein schwerer Schlag für Spanien. Er kann aber mehr sein uno auch dort in die Wagschale fallen, wo die Vorkämpfer des Islams den Kampf um die nationale Selbständigkeit der Türkei führen.

Protestkundgebungen in Griechenland

Athen, 3. Febr. (Agence d'Athenes.) Gestern fand in Athen eine großartige Kundgebung statt, in der der Bürgermeister und mehrere andere Redner die herausfordernde Haltung der türkischen Regierung brandmarkten. Das ganze griechische Volk sei bereit, alles aufs Spiel zu setzen, um die nationale Ehre zu ver­teidigen. Es wurde ein Beschluß gefaßt und den ausländischen Gesandtschaften übermittelt, Ä^W^-^^

Mächte, die den Lausanner Vertrag unter­zeichnet haben, auffordert, diese neue Verge­waltigung der internationalen Verträge nicht zu dulden. Derartige Protestkundgebungen fanden gestern auch in allen anderen Städten Griechenlands statt. Der Generalstabschef Raz- prpkpis hatte eine längere Besprechung mit dem Ministerpräsidenten. Der Patriarch traf gestern in Saloniki ein, wo er mit den ihm gebührenden Ehren empfangen wurde und Gegenstand rührender Ovationen war.

Eine Erklärung des türkischen Außenministers.

Angora, 3. Febr. Die Agence d'Anatolie be­richtet, Außenminister Schuekri Kaya Bey habe einem Berichterstatter der Zeitung Kakimiet", der ihn hinsichtlich seiner Ansicht über die Ausweisung des oekume - Nischen Patriarchen befragt habe, er­klärt, Konstantin Effendi könne ebensogut aus­getauscht werden, wie irgend ein anderer Grieche. Die gemischte Kommission für den Be­völkerungsaustausch habe zuvor die von der Unterkommission getroffene Entscheidung ge­billigt und die Abreise Konstantin Effendis nach Griechenland bestätigt. Erst nachdem be­stimmt worden war, daß er ausgetauscht wer­den solle, sei er zum Patriarchen ernannt wor­den. Die gemischte Kommission habe nicht die Eigenschaften der auszutauschenden Personen zu prüfen, denn der Austausch sei absolut obli­gatorisch. Die Entscheidung der gemischten Kom­mission stehe in voller Uebereinstimmung mit dem Lausanner Vertrage und die Regierung habe diesen Beschluß auszuführen. Es sei müßig, in diesen Beschlüssen religiöse gefühls­mäßige Erwägungen zu suchen. Die Frage würde sich sofort dadurch lösen lassen, daß zum Patriarchen oder interimistischen Patriar­chen ein nicht auszutauschender türkischer Staatsangehöriger ernannt würde. Auf diese Weise ließe sich die Frage auch heute noch lösen. Nur ein wenig guter Wille gehöre dazu. Nachdem die Türkei seinerzeit einen beträcht­lichen Schaden erlitten habe, als das zaristische Rußland die Frage der heiligen Stätten und des Patriarchats als ein Mittel benutzte, um seinen Einfluß auf die Oberhoheit in der Türkei auszuüben, könne die türkische Republik nie­mals zulassen, daß innerhalb ihrer Landes­grenzen irgendeine religiöse Strömung von einer auswärtigen Macht als ein politisches Werkzeug benutzt werde. Die Frage des Patriarchats sei heute, wie zu allen Zei­ten, eine innere Angelegenheit der Türkei. Wenn die byzantinische Politik wie­der Wurzeln zu schlagen beginne, so würden Frieden und Ruhe, deren die Menschheit so dringend bedürfe, gefährdet. Das gesamte Den­

ken und Trachten der Türkei sei auf die Auf­rechterhaltung des Friedens gerichtet.

Die Türkei lehnt eine Intervention ab.

London, 3. Febr. Wie Reuter aus Paris meldet, empfing der Direktor für politische Angelegenheiten am Quai d'Orsay, Laroche heute morgen den türkischen Gesandten, der erklärte, daß die Türkei eine Inter­vention des Haager Tribunal» ablehnen würde. In türkischen offiziellen Kreisen Londons erklärt man, daß nach dem Lausanner Vertrag, der Haager Schied- gerichtrhof nur für Minoritäten fragen und nicht für den Bevölkerungsaustausch zuständig sei.

Englands Interesse.

London, 3. Febr. Die Ausweisung des griechischen Patriarchen auS Konstantinopel beschäftigt sowohl die öffentliche Meinung als auch die Re- gierungSkreise. Im allgemeinen werden die türkischen Maßregeln auf daS schärfste verurteilt. Von der englischen Regierung wird anscheinend mit den Signatarmächten deS Londoner Vertrages eine Demarche erwogen, die aber noch keine feste Form angenommen hat.

Die elsaß-lothringische Mission beim Vatikan bewilligt.

Paris, 3. Febr. Die französische Kammer hat sich heute den ganzen Tag wieder mit der Botschaft beim Vatikan beschäftigt. Der Sozialistènführer Bluni hielt den ganzen Vormittag und den größten Teil deS Nachmittags die Tribüne besetzt und bemühte sich angesichts de? herannahenden Parteitages von Grenoble die Lage günstig für daS Kartell zu schildern. Er be­schuldigte die Kirche reaktionärer Haltung und behaup­tete, der Sozialismus werde die Kirche in ihrer Rolle als höchsten Schiedsrichter ersetzen. Sein Hauptzweck war aber, darzulegen, daß mit den 58 000 Franken für den Vertreter des elsässischen Konkordats in Rom kein Fortbestehen der Botschaft gemeint sei. Das Haus war sehr unruhig und die Mittagspause trat früher als beabsichtigt ein.

Vor Beginn der Nachmittagssitzung kon­ferierten die Sozialisten unter sich und Jie wollten eigentlich die elfässische Mission nicht schlucken". Mit 27 gegen 11 Stimmen be­schlossen sie, sich der Abstimmung zu enthalten, wenn Herriot keine Vertrauensfrage daraus mache, sonst aber für die Regierung zu stimmen.

Blum setzte in der Kammer seine Rede fort und bemühte sich, die Rede Herriots vom 28. ihrer, den Sozialisten mißliebigen Spitzen wegen der militärischen Okkupationen zu nehmen. Endlich aber wurde der Art. 9 durch Handerheben und ohne Vertrauensfrage an­genommen.

Die Kammersitzung endigte um 9.30 Uhr abends. Die elsaß-lothringische Mission beim Vatikan, der die Erledigung der religiösen An­gelegenheiten für Elsaß-Lothrigen aufgrund des Konkordats obliegt, wurde mit 317 gegen 246 Stimmen angenommen. Ebenso wurden die Kredite für die Moskauer Botschaft mit 364 gegen 210 Stimmen bewilligt.

Die Verkeilung der ersten Dawes- Iahreszahrung.

Paris, 3. Febr. TerTemps" veröffentlicht eine Statistik über die Verteilung der ersten Jahreszavlung nach rem Dawesplan aufgrund der Beschlüsse, die die Konferenz der interalliierten Finanzmiwster kürzlich in Paris gefaßt hat. Nach seiner Berechnung wird Frank­reich von dieser ersten JahreSzahlung b tt Betrag von 500058198 Goldmark erhalten, und zwar für Repa­rationswaren 342 837 702; al 8 Ersatz für Bef tzungs- fosten 110 000 000, als Anteil für die Kosten der Mililärkontrollkommiision, ver Rdeinlandkommisstou und der Reparationskommmion würde Frankreich 17 Millionen erhalten, sowie für Reparationen 5166237 Goldmark, außerdem eine Nachzahlung über bereits vorgelegte BesatzunaSkosten von 8 551)000. sowie Zurück- zarlung der belgischen Kriegsschulden im Betrage von 16 508 253 Golbnrark. DerTmpS" berechnet, daß nach dem heutigen Tageskurs Frankreich von der eisten Zahlung auS dem DawcSplan rund 2200 Millionen Franken erhalten wird.

Die Ein- und Ausfuhr Frankreichs.

Paris, 3. Febr. Die heute veiöffentlichtr Statistik über bie Ein- und Ausfuhr Frankreichs im Jahre 1924 weist für Deutschland folgende Ziffern auf: Der Wert der von Deutschland nach Frankreich importierten Waren betrug im Jahre 1924 9015038000 Franken, war gegenüber dem Vorjahr« eine Steigerung v. 963 796000 Franken, also um 93 Prozent auSmachtz Der Wert der von Frankreich nach Deutschland in btmfelben Jahre ausgeführten Waren beträgt 8773198 000 Franken, war eine Steigerung von 2692 527000 Franken^also um.2öQ Prozent cyrSmacht,

v. Dombois und Keilmann vor dem Barmat-Ausschutz.

Berlin, 3. Febr. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags setzte heute seine Beratungen über die Angelegenheit der Kredit­gewährung der Seehandlung an die Konzerns Varmat und Kutisker fort. Es wurde zunächst der frühere Staatspräsident v. D o m b o i s über die Kutisker gewährten Kredite vernom­men. v. Dombois erklärte: Der erste Kredit an Julius Barmat ist von mir auf Grund der Unterhandlungen mit Barmat ge­geben worden. Ich habe dann mit dem Sachf- Bearbeiter gesprochen und erfahren, daß beb Kredit vollständig gedeckt war, nämlich durch Warenwechsel. Außerdem war noch ein De­visendepot in Höhe der Hälfte der Kreditsumme vorhanden.

Bors.: Haben Sie auch bei Beginn der Geschäftsverbindung mit Kutisker von dem Sachbearbeiter Vortrag erhalten? , - ^ v. Dombois: Im allgemeinen waren solche Vorträge nicht üblich. Mir ist in diesem speziellen Falle auch nichts erinnerlich. Wie ich später hörte, war das Konto Kutisker anfangs ganz unverfänglich. Es find Effekten und De­visen in Höhe von 1,5 Millionen emgezahlt wor­den, für die nur mäßige Kredite in Anspruch genommen wurden. Erst später sind die Kredite gewachsen.

Vors.: Ueber die weitere Entwicklung des Kutiskergeschäfts hat der Sachbearbeiter nichts berichtet?

v. D o m b o i s : Das ist ein schwieriges Kapitel. Ob die ersten Zusatzkredite von Dr. Rühe als Referenten vorgetragen worden sind, ist mir nicht erinnerlich. Wahrscheinlich ist, daß einzelne Kredite in der Generaldirektion er­wähnt worden sind. Erinnerlich ist mir beson­ders das Datum des 20. Februar. An diesem

wurde

als Zusatzdeckung das Hanauer Lager

\ angeboken.

Der Referent Rühe erklärte in der General« Lirektion ,daß das Bankhaus v. Stein bezüglich des Hanauer Lagers der Seehandlung ein Meta-Geschäst vorschlüge, d. h. ein Geschäft, bei dem Gewinn und Verlust zu gleichen Teilen verteilt würden. Dieser Vorschlag fand keine Annahme, weil die Staatsbank keine Metaae- schäfte macht. In einer anderen Sitzung hat Rühe die Sache so vorgetragen, daß die bis­herige Schuld in Höhe von 4,2 Millionen auf drei Monate gestundet werden solle, damit Ku­tisker Zeit habe, das Hanauer Lager zu ver­werten. Hierbei hob Rühe hervor, daß bereits aussichtsreiche Verhandlungen über eine Ver­äußerung dieses Lagers eingeleitet worden seien und daß Kutisker der Staatsbank eine Gewinnbeteiligung anbiete. Auf unsere Fragef wie er zu dieser Gewinnbeteiligung käme, gab Rühe keine bestimmte Antwort. Wir haben uns dann mit dem an sich etwas merkwürdigen Gedanken abgefunden, und die GewinnbeteA ligung als Aequivalent dafür akzeptiert, daß der Kredit um drei Monate verlängert mürbe? was damals ja sehr viel bedeutete. Unsere Gelddispositionen gestatteten diese Verlange- rung. Dabei ist es der Staatsbank nicht in den Sinn gekommen, auf das Hanauer Lager, neues' Geld zu geben. Das Lager sollte lediglich als Zusatzdeckung für die bisherigen Forderungen gelten; daher war die Frage des Wertes des Hanauer Lagers damals nicht von großer prak­tischer Bedeutung. Erst mehrere Monate später-, als sich herausstellte, daß wegen der Verfeh­lungen der Lombarbeamten, die bekanntlich wertvolle Deckungsstücke ohne Wissen der Gene­raldirektion herausgegeben hatten, die oorhau^ bene Deckung für den gewährten Kredit nicht mehr ausreichte, wurde die Frage des Wertes des Hanauer Lagers für die Staatsbank von Bedeutung Daher die Reise Hellwigs nach Paris.

D o m b o i s hebt dann nochmals hervor, - daß das Hanauer Lagergeschäft kein Riftkö- Gefchäft für die Staatsbank gewesen sec. denu als Gewinn, an dem die Staatsbank beteiligt sein sollte, hätte nur das gegolten, was über den Betrag der Sefamtforberungen der Staats, bank einschließlich Zinsen erzielt worden wäre. Es ist mir nicht erinnerlich, sagte Herr v. Dom­bois daß nach den Verträgen über das Ha- nauer Lager bis zu meinem AbganaEnde März nochmals ein Vortrag über neue Kredite stattgefunden hat. Das Lombardkonto blieb unverändert .Daß daneben Rühe noch größere Wechfelkredite gegeben hat, war mir völlig un- hefannt 3m weiteren Verlauf der Sitzung