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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Reiettaqe. * ^ernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.
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srr. 21
Montag Äsn 28. Januar
1925
Das Neueste.
— Die Antwort der Alliierten auf die deut- iche Räumungsnote wird beute übergeben werden. Die Ueberreichung des endgültigen Berichts der I. M. K. K. hat eine weitere Verzö- gerung erlitten.
— Als Anwärter auf den Posten des preu- zischen Ministerpräsidenten wird jetzt der Zen- trumsmann Dr. Porsch genannt.
— In Cassel ist gestern ein Rundfunksender eröffnet worden.
— In der Ukraine und im nördlichen Krimgebiet sind Unruhen ausgebrochen.
Wochenvorschau.
Ruhe im Reich. — Nach dem Sturz des preußischen Kabinetts. — Verständigung oder Fortsetzung des Kampfes.
Der Reichstag hat sich bis in die erste Fe- bmar-Woche vertagt. Die Lage, die er hinterläßt, ist ruhig und gesichert, trotzdem die Presse der Linken fortfährt, von verborgenen Schwierigkeiten zu fabeln. Das Kabinett Luther kann allerdings nicht mit der Sicherheit einer Regierung ans Werk gehen, die den langfristigen Wechsel einer geschlossenen und festen Koalition irasentiert. Aber es kann sich mit dem Bewußt- ein an die Arbeit machen, daß es sich durch achllchv Arbeit festen Boden schaffen wird. Der Reichskanzler hat in dec Regierungserklärung eine ganze Anzahl von solchen Arbeiten aufqe- zahlü Am ersten werden von dieser Reihe wohl die Steuer- und Wirffchaftsfragen in den Vordergrund treten. Noch als Finanzminister hat w^uiherjiiUu^^ er geschaffen hat, mnyole Hand des Reformators gelegt. Das «Steuersystem wird vereinheitlicht, die mmensteuec und die Umsatzsteuer ermäßigt über dtè endgültige Gestaltung der neuen Steuertanfe. Im übrigen sind die Entwürfe für die Vorlage an den Reichstag fertig. Auf dem wirtschaftlichen Gebiete handelt es sich in erster Linie um die Neugestaltung unseres Zolltarifs Der Tarif muß von unseren Unterhändlern bei den Handelsvertragsverhandlungen wieder als Waffe benutzt werden können, was er in seiner völlig veralteten Form heute nicht mehr ist. Hier ßnd die Arbeiten wohl noch nicht so weit vorgeschritten. Jedenfalls aber wird der Reichstag, wenn er wieder zusammentritt, Stoff zu sachlicher Arbeit vorfinden und darüber das Parteigezänk hoffentlich vergessen.
Neben dem Reiche bietet Preußen ein unruhig bewegtes Bild. Seit Wochen ist der inner- politische Kampf entbrannt und es wird viel- incht noch Wochen dauern, bis der Kampf ausgefochten ist. Die Presse der Linken benutzt den vturz des Kabinetts Braun wieder einmal da- 3ii, in moralischer Entrüstung zu schwelgen. Seltsam, daß diese Parteien es offenbar am wenigsten vertragen können, wenn man von Mn Formen und Mitteln des parlamentarischen Systems, Gebrauch macht. Ihre Presse tut so, sei die Herbeiführung einer anderen parlamentarischen Mehrheit eine strafbare Handlung. Ueber diese kindische Anfechtung kann man sich mcht hinwegsetzen. Die Deutsche Volkspartei
K . *n Preußen die Beteiligung der ^vifchnationalen an der Regierung gefordert, nicht aus Lust an der parlamentarischen Krisis, , QU5 dem Bestreben, die Kräfte, die sich zur Mitarbeit am Staate bereit erklärten, auch M Der Verantwortung für den Staat teilneh- zu lassen. Eine solche Einbeziehung der ^eutfchnationalen in die Regierung ist eine Matspolitische Notwendigkeit, weil dadurch das -werk der inneren Befestigung des Staates ollendet wird. Der Sturz des Kabinetts Braun g eine Etappe. Sie ist rascher erreicht worden, m?n in der vorigen Woche noch glaubte. n*l ^vg ist freigemacht für dieselbe Parteikon- - °?' div sich im Reiche gebildet hat. Es S W zu verhüten, daß neue Hindernisse auf gelegt werden. Die bisherigen Koa- monsparteien scheinen entschlossen zu fein, den nicht frei zu geben. Sie haben es mit
3 Kommunisten im Aeltestenrat durch- LrsSt daß die Neuwahl des preußischen Mi- ^grerprasidenten bereits auf den Freitag dieser x vngesetzt worden ist. Sie wollen offenbar ih ir ®e überstürzen, um für die Anbahnung Stit , ,e£ Entwicklung so wenig wie möglich labvo?' JaWen- Das erinnert stark an das Ber- „â"' "äs man zuerst auch im Reichstag ein- R 611 )dü Dort wurden nach dem Rücktritt
? Marx die Fraktionen gezwungen, ie bnn» kur cf) Beschlüsse festzulegen, an die kn kâ^dchenlang gebunden waren. In Preu- jnjr r*ye Uran diesen Fehler vermeiden. Man voch nicht glauben, daß es möglich wär?,
die Regierungskrisis von heute auf morgen zu lösen. Das hat erst recht seine Schwierigkeiten in einem Lande wie Preußen, das keinen Staatspräsidenten hat und in dem niemand vorhanden ist, der alles nun in seine Hand nehmen kann. Es ist unter diesen Umständen viel richtiger der Entwicklung Zeit zu lassen und den Fraktionen die Möglichkeit geben, sich zu verständigen, ehe man sie noch vor der notwendigen Klärung der Lage vor den Zwang einer Neuwahl stellt. Ungeklärt ist die Lage auch noch im gegnerischen Lager. Der „Vorwärts" hält es für sicher, daß Herr Braun wieder als Kandidat der bisherigen Koalitionsparteien aufgestellt, daß er im zweiten Wahlgang gewählt wird und damit basta. Andere Blätter der Linken scheinen weniger davon überzeugt zu sein, daß die Dinge so einfach laufen werden. Man wird sich jedenfalls über eins klar sein müssen: Es besteht die Möglichkeit einer schiedlich-friedlichen Lösung nur dann, wenn man von einer Wiederaufrichtung des gestürzten Kabinettes und der geschlagenen Koalition absieht und die Mitte und die Rechte zu einer Mehrheit sammelt. In jedem anderen Falle dürfte der Kampf weitergehen.
Ein neuer Versuch mit -er Weimarer Koalition?
Der Montagmorgen will wissen, daß man in parlamentarischen Kreisen annebme, der preußisch Zentrumsfraktion werde den bisherigen Anschluß nach links beibehalten. Sie lege dabei aber besonderen Wert auf die Besetzung des Ministerpräsidentenposten urch einen Zentrumsmann. Es werde in parlamentarischen Kreisen angenommen, daß die Weimarer Koalition unter einem Zentrumsministerpräsidenten keine Aussicht auf Bestand und RegierungèfäliigkeU habe. Ueber die Besetzung des Kabinetts im einzelnen seien die Verhandlungen nach im Gange,
Marrendorf, 26. Jan. Hier hielt der Abgeordnete Buchhorn von der Deutschen Volkspartei eine Rede, worin er erklärte, daß die LandtMsfraklton ser Deutschen Volk-Partei gege enenfalls auch nich oavor zurückschr cken werde, mit allen verfügbaren Mitteln die Auflösung des Landtages zu erzwingen, wenn sich eine bürgerliche Negierung ähnlich der im Reiche nicht erreichen ließe.
Landtagswahl in Lippe.
Detmold, 25. Jan. Endgültiger Ergebnis der Landtagswahl in Livve ist folgendes: Abgegeben wurden insgesamt 87 809 gültige St mmen. Davon entfallen auf die Sozialdemokraten 30144, die Deutschnationalen und Deutschvölkischen 22 285, die Deutsche Volkspartei und das Zentrum 13 817, die Demokraten 7115, die Liste Biesenmeier und Christlicher Gewerkverein 4551, die Kommunisten 3649, die Wirtschaftliche Vereinigung der Haus- und Grundbesitzer, die Hypothekengläubiger und Sparer 5570 und auf die eigene Liste der Nationalsozialisten 678 Stimmen Es erhalten die Sozialdemokraten 8, die Deutschnationalen 6, davon ist ein völkischer Sitz, die Deutsche Volks- Partei 3 und die übrigen je einen Sitz, mit Ausnahme des letzten Wahlvorschlags, der leer ausgeht.
Freispruch imMrincheuer „Oberland" - Prozetz.
München, 24. Jan. Die Verhandlung ge^ ------------ —,.„-,„ -------
gegen den Führer des Bundes „Oberland", Rollen Filmaufnahmen konnten von der „Los wurde heute vormittag zunächst in geschlossener Angeles" aus gemacht werden. Während die Sitzung fortgeführt. Nach Wiederherstellung Photographen ihre Bilder machten, waren^die der Oeffentlichkeit ergriff Staatsanwalt Full das Wort zur Vertretung der Anklage. Der Staatsanwalt kam zu dem Ergebnis, es könne nicht behauptet werden, daß der „Deutsche Schützen- und Wanderbund" von vornherein gegründet wurde, um ein etwaiges Verbot des Bundes
„Oberland" zu umgehen: dagegen sei in Schriftstücken klar ausgesprochen, daß der „Schützen- und Wanderbund" nach dem ergangenen Verbot zur Maske für den Bund „Oberland" wurde. Die Tätigkeit der Angeklagten Meyding, Alzheimer und des Generals Aechter fei, wie der Staatsanwalt zum Schlüsse feines Plaidoyers betonte, als eine zielbewußte Führung des Bundes „Oberland" und die Tätigkeit Webers als Unterstützung des Bundes „Oberland" anzusehen. Die Angeklagten könnten, was Vaterlandsliebe anlange, als Vorbilder angesehen werden: auch Weber habe sich in der ersten Zeit vor einer staatsgefährlichen Tätigkeit gehütet und am 8. November 1923 sogar Verdienste um das Vaterland erworben; mildernde Umstände seien also nicht zu versagen, andererseits falle es erschwerend ins Gewicht, daß sie der Staatsautorität bewußt Trotz geboten haben.
Der Staatsanwalt beantragte zum Schluß, die vier Angeklagten zu je zwei Monaten Gefängnis zu verurteilen. Darauf begannen die Plaidoyers der Verteidigung.
Das Urteil wurde nachmittags 3 Uhr verkündet: Sämtliche Angeklagten wurden fr ei gesp rochen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt.
In derUrteilsbegründung wird ausgeführt, es sei nicht alles erwiesen, was in der Anklageschrift dem Angeklagten zur Last gelegt wurde. Es liege der Verdacht nahe, daß der Tatbestand einer Umgehung des Verbots der Organisation „Oberland" von den Angeklagten erfüllt wurde im einzelnen hätten sich jedoch der „Deutsche Schützen- und Wanderbund" und die Organisation „Oberland" andere Ziele gesetzt; insbesondere sei nicht nachgewiesen, daß der „Deutsche Schützen- und Wanderbund" die Hauptziele der Organisation „Oberland" wirklich übernahm. Von einer Identität der beiden Verbände könne nicht gesprochen werden. Das Schwurgericht mußte sich die Frage vorlegen, ob zur Erfüllung des Tatbestandes der Paragraphen 1 und 2 der Verordnung des Generalstaatskommissars die gemeinsame Wahrung der Geschäfte des „Deutschen Schützen- und Wanderbundes" und der Organisation „Oberland" in einer Zentralleitung ausreiche. Diese Frage wurde verneint, da hierin keine Neubildung der Organisatoin „Oberland" zu sehen sei. Bei Weber fei auch in tatsächlicher Hinsicht einiges nicht erwiesen.
Kundgebungen ereigneten sich nicht, nachdem der Vorsitzende vor der Urteilsverkündung für diesen Fall mit der polizeilichen Vorführung etwaiger Domonstranten gedroht hatte.
Die Beobachtn«« der Sonnenfinsternis
Gefährlicher Aufstieg der „Los Angeles".
Rewyork, 25. Jan. Bei idealen Wetterverhältnissen wurde in Newyork die Sonnens in- sternis beobachtet. Ungeheure Menschenmengen
fest mit Jubel begrüßt wurde. Beinahe hätte die Sonnenfinsternis ein Opfer gefordert. Das Luftschiff „Los Angeles", das bei den wissenschaftlichen Beobachtungen eine Hauptrolle spielte, wäre um ein Haar zerstört worden. Das Schiff, das bereits am Vorabend hätte aufsteigen sollen, konnte die Halle die ganze Nacht hindurch nicht verlassen wegen heftiger Seitenwinde. Kurz vor Morgengrauen erst flauten die Winde ab, und in schwierigen Manövern gelang es, das Schiff aus der Halle zu bringen. Kaum hatte das Luftschiff die Halle verlassen, als eine plötzlich einsetzende Böe es beinahe der Haltemannschaft entriß. Mit äußerster Anstrengung hielten die Leute die Taue, während sie über den hartgefrorenen Boden geschleift wurden. Bei den Windstößen stieß die Spitze des Luftschiffes beinahe auf den Boden auf. Doch wurde im letzten Augenblick noch ein Unglück vermieden, da die Maschinen rechtzeitig in Gang gesetzt und das Schiff nordwärts
gewendet werden konnte.
Das Lufschiff „Los Angeles erhob sich darauf in 3000 Fuß Höh? und gab durch Radio Berichte über feine Beobachtungen. Der Ozean war von Wolken verdeckt, die in ihren grauen, gelben Und purpurnen Farben ein malerisches Bild boten. Achtzehn photographische und zwei
Astronomen ihrerseits eifrig an der Arbeit. Der Spektograph verzeichnete die bekannten Elemente der Sonne, während mit besonderen Instrumenten nach neuen Elementen geforscht wurde. Zunächst schien es, als ob die Wolken die Beobachtungen behondern würden. Doch gerade, bevor die Finsternis eintrat, umgab ein strahlend blauer Himel die Sonne. Man sah fließende Schatten und hoffte, daß es gelingen werde, die Schattenbänder auf den Bildern fest zuhalten. Die Astronomen sind außerordentlich zufrieden und hoffen, daß die Beobachtungen zu neuen Entdeckungen geführthaben. Andererseits wird man über die wissenschaftlichen Ergebnisse vor einigen Tagen nichts Sicheres erfahren. Die „Los Angeles kehrte nach der Sonnenfinsternis in ihre Halle zurück.
Der Verlauf der Sonnenfinsternis wurde über das ganze Land durch Funkspruch verbreitet. Beobachterposten waren alle 50 Meilen aufgestellt und kontrollierten den Rückgang der Mondschatten. In den westlichen Gegenden wurde Die Beobachtung durch das Wetter behindert. Die Experimente der Iron-Moun- tain-Obssrvatoriums im Staate Michigan mißlangen, da Wolken die Aussicht verdeckten. Auch gelang es den Astronomen, der Dale-Universität, die sich besonders die Kontrolle der Ein-
zur Aufgabe aestM hatten.
nicht, das Flackern der Schattenbänder festzuhalten. Doch konnten sie deren Dichte und Bewegung festlegen. Eine Reihe höchst interessanter Feststellungen konnten bereits gemacht werden. So s a n k in Franklin (Pensylvanich die Temperatur während der Verfinsterung um 5 Grad Fahrenheit während einer Minute. Die große Wirkung der Sonnenstrahlen aus den Funkverkehr wurde festgestellt. Während man sonst niemals bei Tage in Amerika eine europäische Station hören konnte, war während der Finsternis in Philadelphia zum ersten Male London bei Tage vernehmbar. Auf Grund weiterer Feststellungen erklärte Harold Gray, der Vorsteher der Untersuchungsabtei- tlmg der Cenith Radio Corporation, daß nun? mehr unwiderleglich festgestellt sei, daß die Sonnenstrahlen die Kraft der drahtlosen Wellen beschränken. Der Sender eines Flugzeuges brannte eine Minute vor der totalen Finsternis aus. Die Wissenschaftler stellen Unter 'uchungen an, ob dieser Zwischenfall auch au! die Sonnenfinsternis zurückzuführen ist.
Die begeistert? T-'lnnhme der Bevölkerung an dem bltenen Schauspiel übertraf in New-Jork alle Ertvari Ringen. Die Geschäftsleute hatten in den Wolkenkratzern .FinflerniZ-Geselllchasten" veranstaltet. D'cgroße Menge füllte Straßen. Plötze und Dâchcr, und alle erwarteten mit Begeisteruna das Schauspiel. Die besonderen, für Bansen und Juwelierläden eingerichteten Wachtposten brauchten nicht in Tätigkeit zu treten. Die ganze ~ tabt starrte und bewunderte das Naturschaufpiel, das Bisher kem Weiser in diesem Teil der Welt gesehen 'mtte. DaS -an,e Leben der M tropole schien still zu testen. Selbst Wall-Street ha te auf das Ereignis Rücksicht genommen und den Angestellten war gestaltet worden, später zum Dienst zu-rscheinen. Als die Sonne wieder ersch cn, wich wie im Märchen die Verzauberung. Alles stürzte in die Untergrundbahn, um so schnell wie möglich an die Arbeit zu gelangen. Das Drängen war I lebensgefährlich. Nach einer knappen Stunde hatte Aew York wieder sein alltägliches Aussehen. Man
mb?zu 25 Millionen Menschen den Vorgang beob- aditet haben. In bisher unbekanntem Ausmaße haben zu Wasser, zu Lande und in der Luft bis Männer der Wsssewchast ihre KameraS und die Meß- nstinmenle zur Erforschung der Vorgänge benutzt.
Die Prüfung -er Rechte -er Milttür» kvntrollkommffsionen.
Genf, 25. Jan. Zu der Tagung der ständigen M i l i t ä r k o m m i s s i o n am 5. Februar, die u. a. die Frage prüfen soll, wie den Nachforschungskommissionen des Völkerbundes die völlig freie Durchführung ihrer Aufgaben gesichert" werden kann, erfährt man folgende Einzelheiten.' Die Frage war bisher schon im November von der Militärkommission und im Dezember vom Völkerbundsrat unter folgenden Gesichtspunkten geprüft worden: 1. diplomatische Vorrechte und Immunität für die Mitglieder der Nachforschungskommissionen, ?. Erleichterungen für die Kommissionen, 3. praktische Garantien. Zu Punkt 1 steht der Völkerbunds- rat auf dem Standpunkt, daß Artikel 7 des Völkerbundspaktes, der schon ganz allgemein den Völkerbundsbeamten diplomatische Vorrechte zuerkennt, sich auch auf die Mitglieder der Nach- forschungskommissionen bezieht. Dabei wird di^ These vertreten, daß die Mächte, die die Friedensverträge unterzeichnet haben, bannt auch die Verpflichtung zur Innehaltung des be- treffenden Artikels des Völkerbundspaktes übernommen hätten. Punkt 2 soll dadurch geregelt werden, daß die Mitglieder der Nachforschunas- kommissionen außer dem Diplomatenpaß im Namen des Völkerbundsrates beim Generalsekretär des Völkerbundes eine besondere Ausweiskarte erhalten. Die Haupfforge verursacht Punkt 3. Hier ist noch keine Lösung gesundem Die Arbeiten der ständigen Militärkommission im Februar dürften auf erhebliche Schwierig-' feiten stoßen. Die Richtlinien des Völkerbunds? rats sind sehr unklar. Deutlich wird aus ihnen nur eine allgemeine Tendenz. Diese Tendenz gebt zunächst darauf hinaus, nicht etwa Kirch gerichtliche Untersuchungen die Hauptgrundlage für die Tätigfeit der Nachsorschungskommiffio- neu auszustellen, sondern technische praktische Mittel und Regeln zur Garantierung der Durchführung ihrer Aufgaben zu finden. Daher wurde entgegen der ursprünglichen Absicht die Untersuchung nicht vo rwiegend Junsten, ^ som dern in erster Linie militärischen Fachleuten der ständigen Militärkommisnon anvertrautj deren Forderungen maßgebend fern sollen. 21 uf« gäbe der Juristen soll es dann nur sein, diesen militärischen Forderungen eine K-nst-i^Form xu geben und sie mit Artikel 213 des Verfalls r Vertrages in Einklang zu bringen.
Die Sicherungen für btt Durchführung der Nachforschung beziehen sich im wesentlichen auf fvlgsè Frag»: M