Samstag den 17. Januar
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Lokales.
Hanau, 17. Januar.
Kochwasserschutz und Kochn, asser> meldedienst.
Auf Einladung des Reichsveckehrsministe- fand am Donnerstag im Sitzungs- ' mmer des Frankfurter Hauptbahnhofs eine ^Handlung über Hochwasserschutz und Hoch- «allermeldungen statt, an welcher Vertreter verschiedenen Ministerien des Reichs und Länder, der 8—10 beteiligten Oberpost- hireftionen, verschiedener Regierungspräsiden-
Städte, Kreise und Handelskammern, im aâen etwa 60 Herren teilnahmen. Von Lnau waren erschienen Herr Oberbürgermeister Dr. Blaum und Herr Baurat Ehrich von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.- Hanau die Herren Kommerzienrat Carl Presser, Otto K ü st n e r, Syndikus Flach und Syndikus Dr. phih Grambow,
Zu Beginn der Sitzung erläuterte Herr Geh-Baurat Soldan vom Landesamt für Gewässerkunde die Entstehung und den Verlauf großer Hochwasser im Rheingebiet, zu unterscheiden im Sommerhochwasser, welche durch Schnee- oder Gletscherschmelze im Hochgebirge entstellen und über den Neckar hinaus kaum noch wirksam werden, und in andere Hoch- loaiier, welche dadurch entstehen, daß in einem größeren Gebiet anhaltender Regen fällt oder der Schnee mit besonderer Schnelligkeit schmilzt. An graphischen Darstellungen der großen Hochwasser im Rheingebiet 1824, 1876, 1882/83, 1919 und 1924 in Kurven gezeichnet für Basel, Maxau, Mannheim, Wimpfen, Wertheim, Hanau, Mainz, Wetzlar, Koblenz, Trier, Köln, Wesel und Emmerich, also nicht nur für den Rhein, sondern auf für Neckar, Main, Lahn, Mosel und andere Nebenflüsse, zeigte der Vortragende den verschiedenen Verlauf dieser Hochwasser und die mehr oder weniger starte Fortpflanzung der Hochwasserwelle im Laufe des Rhein und deren Beeinflussung durch die Nebenflüsse. Eine weitere Tafel zeigte in graphischer Darstellung die höchsten und durch- chnrtttichen Jahreswasserstände für 1821—1925 und es wurde ersichtlich, daß bis 1883 ungefähr alle 5 Jahre ein Hochwasser im Rhein aufgetreten ist, alsdann von 1883—1919 fast gar seins. Ob man auf eine gewisse naturgesetzliche Regelmäßigkeit der Hochwasservorkommen schließen darf, erscheint zweifelhaft.
In Frage stehen hauptsächlich zwei Aufgaben, nämlich der Hochwasser-Schutz und die Hochwasser-Meldungen bezw. -Voraussagen. Für ein so großes Gebiet wie das Meingebiet gibt es bisher kein Mittel, die Hochwasser zu beseitigen. Soweit örtliche tech- nif^e Möglichkeiten des Hochwasserschutzes bezw. der Hochwasserverhütung erwogen wer-
wasserooraussagen, die aber vorsichtig behandelt werden müssen. Eine Neubearbeitung ist Ar den Rhein beabsichtigt. Ferner ein Zusammenarbeiten der Wettermart»n mit der Strom« bauverwaltung in der Weise, daß erstere ihr über zu erwartende große Niederschläge Mitteilung machen und umgekehrt die letztere den Wetterwarten über die Wasserstände und über die Wetterlage. Dieser teilweise schon bestehende Neust wird weiter ausgebaut werden. Erfor- terlich ist auch, daß eine genaue Beschreibung der beiden lebten großen Nheinhodjmaüer von 1919 und 1924 hergestellt wird, welche viel lehrreiches Material gebracht haben.
Der leitende Professor der Wetterwarte Aachen teilte mit, daß für das ganze Rhein- gebiet bereits ein Niederschlagsmeldedienst be« teht, welcher in der Schweiz beginnt und mit direkten Telegrammen von ca. 50 Stationen durchgeführt wird. Die Rhein-Strombauver- waltung erhält besondere Nachrichten. Die Meldungen beziehen sich auf die stärkeren Niederschläge und aus die Wetterlage.
Herr Oberbürgermeister Dr. Blaum bemängelte, daß hier nur von dem Rhein bisher die Rede war und machte darauf aufmerksam, welchen Einfluß beispielsweise die Kinzighochwasser auf den Wasserstand des Maines und auf die Hafenstädte Frankfurt, Offenbach und Hanau ausüben. Er forderte dringend die Einrichtung eines Meldedienstes auch an den Nebenflüssen und gab namentlich die Antwort wieder, welche die Regierung in Cassel der Stadt Hanau dieserhalb hat zukommen lassen. Da, wie auch von anderen Seiten vorbehaltlos zugegeben wurde, infolge zweier Feiertage der Meldedienst am Rhein beim letzten Hochwasser versagt hat, müßte dieser auch an Feiertagen unbedingt sichergestellt werden. — Im gleichen Sinne erwähnte ein Vertreter der Jndustrie- und Handelskammer Essen das Hochwasser der Lenne, das vielleicht noch verstärkt sei durch Abfluß der Talsperren.
Ein Vertreter der Reichspost betonte, daß
ihren Etats Mittel für Schädenregulierung ausgesondert und angesammelt werden sollten.
Herr Ministerialrat Höbel vom Reichsverkehrsministerium faßte das Ergebnis der Besprechung dahin zusammen, daß als nötige und mögliche Verbesserungen die folgenden verwirklicht werden sollten:
1. rechtzeitigere Meldungen von )en verschiedenen Pegelstellen und entsprechend irühere Warnungen,
2. klarere Meldungen mit Angabe der möglichen Wirkungen der Hochwasserwellen,
3. unmittelbare Uebermitt - lung der Meldungen ohne zeitraubende Zwischeninstanzen, z. B. vom Neckar her nach Koblenz,
4. Schaffung einer Organisation zur Mitarbeit mit der Wetterwarte Aachen,
8. soweit erforderlich, Verbesserung des postalischen Dien st es, speziell Durchführung auch an Sonn- und Feiertagen, evenll. Rundfunk zur Ergänzung des Telegraphen,
6. Vorarbeiten für die Einrichtung der Hochwasservoraussage: diese können in einem Jahr fertig sein.
Ein Vertreter der hessischen Regierung betonte noch, daß die Einrichtungen nicht etwa für Preußen oder Hellen o^er andere Anliegerstaaten allein zu schaffen sind, sondern natürlich für das ganze Rheingebiet.
in dieser Beziehung die Reichspost Schuld treffe. Unter ungefähr 1000 $
keinerlei
Hochwasser- telegrammen seien nur in 2 oder 3 Fällen Jrr-
I den, sind entsprechende Vorschläge an die 3» * Mndrgen Behörden zu leiten.
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der Telegraph ausschließlich militärischen und Regierungszwecken Vorbehalten war, wurden Hochwassermeldungen ebenfalls zur telegraphi- x schen Beförderung zugelassen. Heute sind die sogenannten „Vox-Telegramme", welche selbst Staatstelegrammen in der Beförderung uor«. i gehen, in Gebrauch, welche nach den Hochwasser- melbeorbnungen an bestimmte Empfangs- I stellen gehen, um von dort weiterverbreitet zu
werden. Nach den Erfahrungen der letzten - Jahre erscheint eine Vereinfachung des Melde
dienstes und eine Zusammenfassung der verschiedenen Meldeordnungen erwünscht. Daneben empfiehlt sich die Einführung dar Hoch-
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tümer bezüglich der Daten vorgekommen, sonst aber kein einziges Versehen von irgendwelcher Einwirkung auf die Hochwasserschäden. Alle beteiligten Postanstalten halten übrigens bei Hochwasser ununterbrochen Dienst ab.
Zu der Frage, ob auch der Rundfunk für den H o chw a sse rme ld e d ien st zu verwerten sei, wurde bemerkt, daß im besetzten Gebiet z. Zt. noch keine Sendestellen eingerichtet werden dürfen und daher gegenwärtig nur die Sendestellen Stuttgart, Frankfurt und Dortmund in Frage kommen. Die Verwaltung übernehme aber für den Empfang keine Gewähr, die Sendegesellschaften seien privater Natur. Ein Vertreter des telegraphischen Reichsamts betonte daher nachdrückttch, daß der Rundfunk in absehbarer Zeit keinesfalls als Er-
Regulierung des Braubachs.
Auf Veranlassung des hiesigen Magistrats fand am Mittwoch unter Beteiligung des Hiesi- gen Landes- und Kulturamtes und «der Bürger- meister von Bruchköbel, Dörnigheim, Hochstadt und Wachenbuchen eine gemeinschaftliche Besichtigung des Krebs- und Braubaches statt, um an Ort und Stelle Maßnahmen zu erörtern, wie künftige Hochwassergefahren innerhalb des Stadtbezirkes nach Möglichkeit abgewendet werden können. Wie wir hören, sollen die Re- gulierungs- und Ausräumungsarbeiten im unteren Braubach innerhalb der Gemarkungen Dörnigheim und Hochstadt bald in Angriff genommen werden, während die Arbeiten im oberen Bachbett erst mit der Zusammenlegung der Grundstücke dec Gemarkung Dörnigheim zur Ausführung kommen werden.
* Kundgebung des Landeskirchentags. Dom Kreispresseausschuß des Kirchenkreisss Hanau I wird uns geschrieben: Der Landeskirchentag hat folgende Kundgebung erlassen: Der Landeskirchentag steht mit Besorgnis auf das Ueber« hanÄnehmen der Lustbarkeiten in Stadt und Land, die zur Not der Zeit und zum Unglück des Vaterlandes im offenen Widerspruch stehen. Er wendet sich mit der herzlichen Bitte an jedes Mitglied der Gemeinde, solchem Treiben fernzubleiben. Warnend erhebt er feine Stimme
* Die UmsatzstcuererNärung muß bis zum 31. Januar beim hiesigen Finanzamt eingereicht werden. Ueber die Abgabe der Erklärung fim den unsere Leser eine ausführliche Vekaniw machung des Finanzamtes im amtlichen Teil dieser Nummer.
* 25 000 Mark Belohnung wird auf die Er. areifung zweier Geldräuber festgesetzt, die am 29. Dezember v. I. im Gebäude der Darmstädter Bank in Köln einen Kassenboten beraubten und chm 105 000 Mark in Papiergeld entwendeten. Einer der Täter wird beschrieben: 178 groß, schlank, mageres Gesicht, der zweite Täter ist ebenfalls schlank, beide stehen im Alter von 20—24 Jahren. Sachdienliche Meldungen sind an die Kriminalpolizei zu richten.
* Ein Schwindler versucht bei Eisenbahner- verbänden usw. Unterstützung zu erhalten. Er gibt an, Robert Koller zu heißen und österreichischer Lokomotivführer zu sein. Er will auf einer Fahrt verunglückt fein und hat einen Freifahrtschein Hannover-Passau und einen Paß des österr. Konsulats. Er ist ungefähr 30 Jahre alt, 1,80 Meter groß, braune Haare, dunkle Augen. Er spricht österreichischen Dialekt. Er hat seine Betrügereien biher in Stuttgart, Leipzig, Magdeburg und Braun» schweig ausgeführt.
* Freiwillige Feuerwehr. Die Hauptversammlung der Freiw. Feuerwehr Hanau findet am Montag, 19. Januar, abends 8 Uhr, im Saale des Turn- und Fechtclub statt.
*Der Hanauer Schützenverein mit Jungschützenabteilung veranstaltet am Samstag, ,31 Dezember in sämtlichen Sälen bet Kurhauses Wichelmsbad einen Maskenball ohne Demaskierungszwang. Der Vergnügungsausschuh ist dabei, der Veranstaltung einen charakteristischen Rahmen zu verleihen. Zwei Kapellen werden in den stilvoll dekorierten Sälen konzertieren. Auch sonst wird für Abwechslung Sorge getragen. Einzeichnungslisten liegen auf; die Stellen hierfür sind aus dem heutigen Inserat ersichtlich, auf das wir besonders verweisen. Nach und von Wilhelmsbad wird für Fahrgelegenheit gesorgt.
* Mehr Dich als Menschen. An Nutzvieh werden auf der Erde jetzt gezählt 455 Millionen Schafe, 434,4 Mill. ‘ Rinder, 140,7 Mill. Schweine, 76,2 Mill. Ziegen und 659 Mill. Pferde. Deutschland zählte 1923 17,3 Millionen Schweine, 16,6 Mill. Rindvieh, 6,1 Mill. Schafe, 4,6 Mill Ziegen, 3,6 Mill. Pferde. Das schaf- veichste Land ist Neuseeland, wo 1894 Schafe auf 100 Einwohner kommen, also fast 19 Stück auf den Menschen. In ganz Australien sind es 1449, in Uruguay 1171 usw. Das meiste Rindvieh hat Uruguay mit 522 Stück auf 100 Bewohner, dann Argentinien mit 470. Die meisten Schweine findet man, abgesehen von China, in Dänemark mit 87 auf 100 Einwohner, dann in Litauen mit 70, in den Vereinigten Staaten mit 64 usw. Pferde gibt es am
Ursula Kronawitter.
Eine Liebesgeschichte aus Altbaiern von F. Schrönghamer-Heimdal.
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tont, daß dieser telegraphische Dienst auch nicht durch das Telephon ersetzt werden kann, namentlich, weil Ziffern sicherer durch Telegramm übermittelt werden, bei so wichtigen Meldungen sich die schriftliche Niederlegung dringend empfehle und die Telegramme aufbewahrt werden sonnten und müssen.
Herr Dr. Schmitz vom Verband zur Wahrung der Ryeinsckiffabctinteressen schlug noch vor, daß an Schiffahrtsplätzen ein Hilfsdienst mit Kähnen und sonstigen Wasserfahrzeugen im voraus für Hochwasserfälle organisiert werden sollte und ferner vom Reich, von den Ländern und den Kommunen jährlich aus
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Fäh' chnftli'che Familienleben zerstört und der Einzelne sittlich zu Gmnde gerichtet wird.
* Testament. Das Kammergericht in Berlin hat entschieden, daß ein sonst richtiges, eigenhändig geschriebenes und unterschriebenes Testament dennoch ungültig ist, wenn zur Bezeichnung des Ortes der Errichtung des Testaments nur die Straße, nicht aber der Ort selbst, der Name der betreffenden Stadt, angegeben ist. In diesem Falle also erben nicht die im Testament angegebenen bezw. bedachten Personen, soirüern es tritt die gesetzliche Erbfolge ein, es können also selbst solche Personen erben, die im Testament extra von der Erbfolge ausgeschlossen worden sind.
wahner, dann in Paraguay mit 49 usw. Am wenigsten Pferde hat Spanien mit noch nicht 3 auf 100 Bewohner. Deutschland hat im Durchschnitt des Reiches auf 100 Einwohner 6 Pferde, 27 Rinder, 28 Schweine, 10 Schafe und 8 Ziegen. Pferde gibt es in den Vereinigten Staaten 18,2 Millionen, Rindvieh in Britisch-Indien 143,1 Mill., Schweine in den Vereinigten Staaten 65,3 Mill., Schafe auf dem australischen Festland 78,8 Mill., Ziegen in Brittsch-Jndien 31,6 Millionen.
* Sonn- u. Feiertagsdienst der Apotheken. Von den tlpotljefen versieht den morgigen Sonntagsdienst die Engel-Apotheke; auch hat diese Nachtdienst für die kommende Woche von heute abeno 7 Uhr bis nächsten Samstag 7 Uhr abends.
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Wirklich zeigen sich am Wefthimmel schwärz- «che Wolkenballen, die das flache Land am Donaustrom schon weithin beschatten. Schweigend schreiten die beiden talwärts, Datten-
zu. Ob sie die Stadt noch vor Abend erreichen werden, wird immer zweifelhafter; denn wenn das Gewitter vorher schon losbricht, dann lurd. sie ihm schutzlos preisgegeben.
„Ich weiß nur einen Ausweg," bemerkt der lUNge Riese besorgt, „wenn du es nicht lieber verziehst, in einem Bauernhaus Unterschlupf öu suchen, liebes Bäschen, wenn der Sturm losbricht. Nämlich, wir biegen jetzt rechts von der Bergstraße ab und steigen auf den Berg da; Vogelsang heißt er — dort können wir das Gewitter abmarten. Der Berg liegt näinlich jd hoch über dem Hügelland und der Ebene, daß keine Wetterwolke seinen Kamm erreicht, ^enn wie es hier Gewohnheit ist, pflegen st
Wetterzüge an den Stromlauf zu hatten, -cur die letzten Ausläufer rumoren auch in diesen Waldtälern herum. Aber auf die Höhe lammt kein Wetterstrahl. Dort sind wir sturm- §ât und erleben das wundersame Schauspiel, We Welt zu unseren Füßen in Wettern zu Wn, während mir allein in Licht und Sonne stehen., Willst du?"
Bcigeistert hat Karl gesprochen. Die Augen J® R"Mu Riesen leuchten in einem seltsamen hatte es mit diesem Berge, Vogel- geheißen, noch eine besondere Bewandt- ls. Auch erinnert er sich der Gelöbnisse, die . heute vormittag seiner Schwägerin Wal- gegenüber gemacht hatte. Wie jetzt seine -Men zum erstenmal frei und offen die bislang gemiedenen Blicke Ursulas suchen, sagt stoh: „O wie gern geh' ich mit! Bei dir 1 g e uh mich sicher nnb geborgen, wo du mich
auch hinführen magst, lieber Vetter. Hat doch der Berg auch einen so schönen Namen. Vogelsang heißt er, nicht wahr?"
„Ja, Vogelsang. Er könnte aber ebensogut Vogel fang heißen," scherzt der junge Riese, indem er Ursula den Arm reicht. „Ich habe nämlich der Base Walbura heute soviel versprechen müssen, daß ich nicht wüßte, wie ich es erfüllen soll, wenn nicht auf diesem Berge, der von alters her für solche Dinge geweiht ist. Ich werde dir das später einmal erzählen, liebes Bäslein; jetzt muffen wir eilen, daß mir die Hochmatte noch vor dem Wettereinbruch erreichen."
Ursula hängt sich leicht und frei in den dargebotenen Arm des jungen Riesen, der jetzt dasselbe Lächeln im bergfriicben Antlitz hat wie damals in ihrem seligsten Mädchentraunr. Dicht an ihn gedrängt, wie es der schmale Fußpfad heischt, schreitet sie an seiner Seite den Hock wald hinan. Ach, soll sich denn ihr W>mns- traum so wunderbar verwirklichen? Die Nähe des Geliebten, das frische Bergansteigen zaubert zarte Röslein auf ihre Wangen, gibt ihren Augen einen unbeschreiblichen Glanz. Ahnt sie wohl, daß sie dem Gipfelpunkt ihrer Liebe, der seltsamsten Erfüllung ihres Traumes entgegen« schreitet? Sind das wieder die «stimmen des neuerwachten Urväterblutes, die ihr das hochheimliche, hochheilige Wunder der wahren Liebe verraten? O, was wird sich auf diesem Berge Vogelsang alles begeben!
Karl schreitet ernst und bedächtig neben der Geliebten, als sinne er in ferne Zeiten und überlege er wichtige Dinge der Gegenwart. Und nebenhin wundert er sich, wie leichtfüßig das Weibwesen an seiner Seite den Berg erklimmt.
nerer, der nicht umsonst „Thor" heißt? So tut er immer, wenn ein Wodan seine Brünnhilde finden will", sagt Karl. „Sieh', wie die Sonne über den Waldwipfeln steht. Je ärger es draußen tobt, desto seliger ist die Höhcnstille. Je dunkler es draußen stürmt, desto Heller leuchtet den Wolhallsgenossen die Siegessontte. Wir sind am Ziel, meine Walküre."
Der Hochwald lichtet sich. Eine freie Bergwiese liegt vor den Blicken der Ueberraichten. Ursula jubelt auf: „O, hier ist es fast noch schöner wie auf dem Seyfriedsberg!"
„Ja, aber das Schönste kommt erst noch", bemerkt der junge Riese scherzend und setzt flüsternd bei: „Fast noch schöner wie weiland in der Sommerlaube. Denkst du auch daran, liebes Bäschen?"
Ursula senkt erst geschämig das Köpfchen, dann blickt sie mit verwirrten Augen zu Karl auf. „Hier sind wir nämlich ganz allein, außer Sehweite einer gewissen Walburg . . . Und was sich hier begeben wird, liebes Bäschen, soll aus freiestem Entschlusse geschehen, unbeeinflußt durch Machenfchaften einer Kupplerin, die nur dadurch mildernde Umstände genießt, daß sie meine Schwägerin und deine Blutsverwandte ist. Doch ich sehe, daß mein liebes Büschen solche Sachen nicht gern hört. Gehen wir deshalb zum Wetter über. Damals, in der Sommerlaube, war's ein Sonnenuntergang, heute ist's ein Gewitterabend, der uns wahr-
„Oh", ruft Ursula wie entsetzt aus.
„Nur keine Besorgnis, liebes Bäschen. Ich bin weder ein Hausmeister noch ein Altgeselle,
noch ein raubritterlicher Apothekenprovisor, noch sonst ein draufgängerischer oder heimtückischer Don Juan, sondern dein harmlosester Vetter. Und — haft du nicht eben erst vorhin
Schon hören sie von der Ebene her die
ersten Wetterschläge dumpf in die Wett der; »cu«. «<« — v„ v» ,^ «'*•* »i- v«»v». Hochwälder hereininurren wie eine dämonische gesagt, daß du mit mir gehen willst, wohin ich Macht, die den beiden das Helle Glück ver- dich auch führen werde? Was soll es also sein? leiden will. Habe ich dich nicht aus dem gräulichsten Un-
Habe ich dich nicht aus dem gräulichsten Un« Horst du ihn» den alten Wüterich Don- weiter auf die lichte, freie Höhe des Vogelsangs
geführt, wo dir kein Regentropfen eine Unbill zufügt, geschweige denn Blitz und Sturm? Hast du nicht hier alle Gefahren und Wetter überwunden, dank meiner sorglichen Führung? Sieh' nur hinunter in das Toben und Branden zu deinen Füßen!"
„Ja", sagt Ursula wie abwesend, „es ist mir alles wie ein Sinnbild: „Das Wetter über Dattèndorf und der Donauebene, und die Höhe hier, auf die du mich geführt hast. Ich bin dir sehr zu Dank verpflichtet, lieber Vetter ..
„Nicht wahr? Sieh' nur, wie die Blitze gen Himmel fahren, wie die Wolkensäume wogen und branden, und höre, wie die Regen rauschen, wie die Stürme toben, vorzugsweise über Dat« tendors, deiner vielgeliebten Vaterstadt . . . Auch das ist mir ein Sinnbild. Mir ist, als ginge das ganze Geschäftsgewese dieser Hând- lerstadt im Wettertoben zugrunde wie in einer neuen Sintflut. Und nichts bleibt mehr von diesem Krämernest als das Wappen mit den drei Knödeln, die in den Regenfluten treiben, und eine wundersame Jungfrau, die ein gütiges Geschick vor dem Verderben der andern bewahrt hat. Und wem verdankt sie diese vielleicht nicht ganz unverdiente Rettung aus Wasser- not?"
„Einem wunderschönen Traume von einem lächelnden Jüngling," haucht Ursula, auf Karls spielerische Art eingehend.
„Jawohl! Und dieser lächelnde Jüngling ist der neue Noah, und der Vogelsang ist der neue Ararat, auf bem seine Arche gelandet ist. Siehe, alle Welt ist untergegangen in Wolken und Wettern. Nur vom Seyfriedsberg drüben, scheint mir, ragt noch ein Zipfel heraus. Und wenn ich recht sehe, ist es die Sommerlaube, die noch übrig ist vom allgemeinen Untergang. Das Wirtshaus aber, darin ein kupplerisches Tüufelsweib hauset, geht eben in den Fluten zugrunde. Und die Hexe, die die ganze Geschichte angezettelt und eingefädelt hat, reckt ihre Arme in letzten Zuckungen aus dem feuchten Wellengrab . .." lFmts.sissgtJ..^