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Stift 1

Ireitag den z. Januar

Nr. 1

Die Frage der Regierungsbildung dürfte, wie dieZeit" schreib!, von Heuke ab wieder aktiv ausgenommen werden. Eine Be­trauung des bisherigen Reichskanzlers Marx

mit der Ri

er-

folgt. Es bleibt abzuwarän, ob der Reichs­präsident vielleicht noch verfuchf. die Vertreter der Sozialdemokraten und der Deukfchnatio- nafen über die Lage in dem Sinne zu be­fragen, ob sie eine Möglichkeit sehen, die Ka­binettsbildung zu übernehmen. Denn die Par­teien auf ihren bisherigen Beschlüssen beharren, ist eine solche Bildung allerdings nicht mög­lich. da Zenkrvm und Deutsche Volksparlei ihre Ansicht jedenfalls nicht ändern werden. 3n diesem Falle ist jedenfalls damit zu rechnen, daß der Reichspräsident ein überparteiliches bürgerliches Kabinett bildet ohne Anlehnung an die Fraktionen.

Sine glaSe Erfindung desWotin^.

Amsterdam, 2. Januar. Der Panier »Matin" miZffrittlickt« vor einigen Tagen eine Meldung au? Hollavd. die aus vertrauenswürdiger Quelle stammen sollte, wonach am der Vllcom-Wcrft Unterteile von Unterseebooten für Deutschland tergeft'lTt würden, war als neuer Beweis für Dcut'chkandS Bewaffnung geffen könne. Mehrere bollândiicke Blätter haben rmumebr bei der Direktion der W lcom-Werft Srkun- digmrgen «ingezogen. DaS Ergebnis war, daß die Direktion den Bericht desMatin" als glatt erfunden bezeichnete. Die Blätter wurden ersucht, die Meldung zu dementieren.

Neue Kämpfe bei Schanghai.

Paris, 1. Januar. Wie aus Schaazdai berichtet wird, hat General Lhen Lo san einen Aufstand gegen den Gouverneur von Tekiang und Fukien, Sim Thuan fang, angezettelt. Seit Sonntag seien bet Lungkiang, das etwa 25 Kilometer südwestlich von Schanghai entfernt sei, Scharmützel im Gange, die inzwischen eine gewisse Ausdehnung erfahren hätten und in beten Verlauf etwa 400 Soldaten gefallen sein sollten Der Stadtkommandant von Schanghai habe 1000 Mann Verstärkung an General Chen Lo san gesandt und ras Arsenal von Schanghai und Kmngnan, wo sich eine aus Anhänger» von Sun Chuan fang bestehende Besatzung betraue, umzingeln lassen.

Kondon, 1 Januar. Wie Reuter aus Peking meldet, ist Dr. Sun Hat sen gestern hier ein getroffen und hat eine Erklärung in Form eines Flugblattes veröffentlicht, die besagt, daß et keine politische Macht­stellung erstrebe, sondern das Volk auffordere, das Land zu retten.

Aus aller Wett.

Dew Silvesterabend in Berlin.

Berkin, 1. Jan. Der Silvesterabend und die »lacht zum Sleujahrstage sind in Berlin im asloeueiven ahn« ernste Zwiict-nsälle verlaufm. 259 Personen wurden^wegen groben Unfugs, Schläoorei, Trunken» neü, Sachbeickädigung, Körperverletzung, Diebstahls, MiSfr^denbrach», Beleidigung. Aechprâm u>«. zur Wache gebracht. Acht davon wurde,! im Poiizeiprgst» drum fht§el*feft. bté Krfoèn nach Mtstellüng lhrèr PtrfSuIicbkeit wieder entlassen. Durch Advrermen von Feuerwerkskörpern enlstauden viele Brände, die aber reinen größeren Umfang entnahmen.

Selbst «esfih«t.

Im GetichtSgefängniS in Lanrsbsrg an der Warthe erhängte sich der wegen Ermordung des Forstmeisters Schulz im Forsthaus Schön«drück zum Tode v-rur- tertte 42 jährige SchweUenvauer Waldemar Scholz -us Lötzen, ser gemeinsam mit seinem gleichfalls zum Tode verurteilten 52 jährige» Bruder Karl die Urteils» Vollstreckung erwartet«.

Selbstmord.

Nach einer Meldung aus Breslau brachte in _>r Dilvester nacht ein Hüfswachtmsister der Schutzpolizei den Unterwachtmeister Simon in leicht angetrunkenem Zustande zur Polizei»

Kunst und Wissenschaft.

Sradützeaker.

Auster Silvester-Abend beim Prinzen Orlofsky.

Die SilDeftsk-Vorfeier gab es beim Prinzen Orlofsky und da man sich bei ihm immer gut imterhalt, so gab er auch diesmal recht viel Stimmung mit auf den Weg ins neue Jahr. Der Abens, der unter der ParoleWitz Hu» mor Satire" segelte, brachte war er verspro­chen. Nachdem Das Orchester aus derFrau ohne Kum gespielt hatte und unser stimmge­waltiger Bariton, Herr König, den Bajazzo» Prolog zum Vortrag gebracht hatte, ging der SketchPech" über die Bretter. Aus dem Pro- -ramm als Etwas bezeichnet und es war schon etwas, wenn es auch noch so klein und frech mar. Dann aber kam das Fest beim Prinzen. Es gab Stimmung und echten Sekt auf der Bühne, der seine Anziehungskraft sogar auf den Dirigenten nicht verfehlte und feine Wirkung dann schnell zeigte, indem er gute Laune bei den Künstlern im Trinken und bei den unten Sitzenden vom Zuschausn erregte. An Vorträ­gen wurde an Höfen ja nie gespart, es gab immer gut und reichlich. So auch hier. Herr Bartsch steppte ganz ausgezeichnet seine mo- dernen Danze, Frl. Isolde Milde sprach und fang ihre Vorträge mit großer Kunst und Frau W i r t h jodelte einfach fabelhaft echt. Den Vo­gel schoß aber Herr Fuhrmann als Komi­ker ab. Er war wirklich zwerchfellerschütternd, gleichgültig, ob er als efärtgerirt ober als Flie­gentutenheim ich kam. Herr Oberregisieur Schmelzer beschloß das ausgelassene Fest mit einigen scharfen, fatirischen Vorträgen, die gleich allen übrigen gebotenen bei dem Über- zahlreichen Publikum' aufs Beste einschlugen. Daß auch der zweite Akt derFledermaus" Lieder zündete, dafür sorgten die Damen Gdtla und Sörensen und die Herren D u t m a n n, Sonia und Siemsen. So

Sie KM-WmWz io kl KM-Am.

Die große Finanzkorruption, die sich an den Kutisksr-Skandol knüpft, nimmt immer grö­ßere Formen am So hat die Berliner Krimi- nalpollzei, die in voller Stärke alarmiert war- den ist, am Mittwoch vormittag die drei Brü­der Iulius, Salomon und Hermann Barmat, die Inhaber des bekannten Barmat-Konzerns, in ihrer Wohnung verhaftet. Als vierter ist auch ein Sohn des Iulius Dakmat festgenommen worden. Als die Angestellten der Merkurbank Mittwoch früh in das GeschSstlokal kamen, fan­den sie alles von Beamten der Kriminalpolizei besetzt, die sofort die Geschäftsbücher und Ge- schaftspapiere' beschlagnahmten. Den vierten Bruder Barmat konnte man bisher noch nicht dingfest machen.

Inzwischen haben die Nachforschungen der Polizei dahin geführt, daß man auch einen sehr nahen

Zusammenbaus zwischen dem KntiSker» Konzern und dem Barmat-Konzern feftftellte, der die vorher angegeben« S rhafftmgtn notwendig machte. Die M»rtnr»Bank ist bekanntlich bte ehemalige Bank von Dmrckcndoif, die ibr Geschäfts» lokal in dem Hause Friedrichstraße, Ecke BSreustraße, bat. Die Verkastmig der Brüder Barmat faire m der bekannten Müa auf Schwanenwerder statt, wo her kürzlich verstorbene Parvus-Helphand seinen Sitz hatte. Die Gebrüder Barmat stammen aus Rußland und erwarben im Kriege die bossändische Stoâbürger- jchaft. Ursprünglich befaßten sie sich mit Lebensmittel­geschäften, zog«« aber den Kreis ihrer Tätigkeit immer weiter. Von größeres Unternebiuungen die dem Darmat-Konzer» nahelt-ben, find zu nennen bte Roth-A.-G., Eisengießerei und Maschinenfabrik, die Mertur-BaNk A.»G., bte E-sen-Mattkes X.«®. in lagnebtrrg, die Maschinenfabrik von R. Dolberg in Hamburg. Im ganzen find er mehr als drei Dutzend 3 nbufirtege feil frästen, die bem Barmat-Konzern mehr oder weniger anoegfiedert sind. Unter dem LiMrß des Konzerns steht »orallem auch die Preuß-sche .JNpochekeu-Ättien-Sank. wo deren Vorstand, S.hfturrat Hellwig, kürzlich ansgeschieden ist.

Die ÄeriUche ser Staatsanwaltschaft, möglichst schnell in di« Autisker-Angclegenheit Licht zu bringen erstrecken sich auch dahin, wo eigentlich die BtiÜiozre« geblieben find, die Kutisker von der See Handlung erhalten hat. Man glaubt bis,jetzt ftstgestellt zu haben, daß eine Summe von etwa 8-10 Millionen übrig geblieben sein muß, über deren Verbleib nichts s-stzestellt werden konnte. Man rechnet Kut Ster vor, daß sein persönlicher Be­darf und ber Zins ttbieisff, den er zu leisten hatte, un­möglich diese Summen verschlungen habe« können. Es ist nicht ausges hkossen, daß Knt^sker das ® lb u ter besonderen Konten im Aus and untergeLracht hat und ü ber den B rble b nichts aus taten will.

W,e w r erfahren, hohen die Gebrüaer Barmat von der Staa'Stot Kredite erhalten, die sogar noch über Sie KutiSkerschen KreSite Urtopögehen, für die Merdiugs Achttheiten gegebeu waren, bte sich mit best «MiSfietMn Kechfift, KneSw-gs berâHeâ' lassen. BarmatS Geschâstsverbindmrgeu crürecklen sich nicht lediglich auf bie Staatshalts, sondern er arbeitete ix. a. auch mit der Girozentrale und mit der Reicks- posi, die ihm aus den zeitweilig überschüssige«. Be­trägen des pofti^edamfeS kurzfristige Krebue zur Verjügusg stellten, mit denen der BarmâtEouzer« ar­beitete. Soweit sich bisher übersetzen läßt, ist ber Balmatko-ruern mit der Staatsbank dadurch in Ver­bindung gekommen, daß er industrielle Unternehmungen aufiaülte, die mit der Staatsbank bereits arbeitete» uns Kredite zur Weüer>üorung des Geschäfts- eliebs erhalten hatten. Auf Grund dieser Set» brivunge» bekam der sehr mächtige und curßußrercke

wachs. Man führte Simon in ein besonderes Beamten fanden den Unterwachtmeister mit Zimmer, wo er sich erholen sollte. Kurz darauf einer Schußwunde, die er sich aus seiner

hörte man einen

Simm

Äsri SplKeler t.

verlief der Silvesterabend beim Prinzen Dr» lossky wie es fein soll, in echter Sektlaune..

Der Schöpfer desKosmischen Epos", der bedeutendste lebende schweizerische Dichter, der Dichter des Olympischen Frühlings, der Extra-

mundana, der Balladen, Gedichte und Erzäh­lungen, der jetzt im Alter von fast 80 Jahren gestorben ist, trat ähnlich wie sein Landsmann E. F. Meyer sofort als ein völlig Gereifter hervor. Nietzsche, dessen Zarathustra dem Prometheus Spittelers vielleicht einiges ver-

hervor. Ni . , ,

Prometheus Spittelers vielleicht einiges ver­dankt, hat ihnden vielleicht feinsten ästhetischen Schriftsteller der Deutschen genannt. Denn- nod) ist er verhällnismäßig nur einer kleinen doch wahrhaft begeisterten Schar von An- gngern und Freunden nahe gekommen. Sein den soll in dem Augenblicke, da die Todes­nachricht eintrifft und seine Freunde erschüt­tert, wenigstens in den Hauptzügen an uns oorüverzièhen.

Karl Spittelsr wurde 1845 in Lisschal, der kleinen Hauptstadt von Baselland, geboren. Sein Vater, ein höherer eidgenössischer Ke-

Konzern weitere Kredite zur Verfügung gestellt, die er dann, wie ihm jetzt ftoraewors«« wird, nicht lediglich für die ihm an gegliederten notleideuden Unternekmimgen verwandte.

MW» 45 Mikione« Kredite Mgegedeu.

Die Prenß'sche Staatsbank teilt folgendes mit: Erne Berl. Abendztg. glaubt als feststând berichten su können, daß die Seebandlung an Kutisker über 10 Milfionen, an Michael 40 Millionen und an den ^armatkoozern 50 Millionen geliehen hat. Dies- Nachricht ist falsch. Die Summe der Forderungen an die drei Stellen betrogt noch nicht 45 Millionen Mark. Blankokeinte befinden sich nickt darunter. Die in diesem Blatte angegebene Gesamtsumme ist nie auch nur annähernd erreicht worden. Schon seit Monaten wird über die Ablösung der gewährten Kredite auch mit dem Barmat» und mit dem Mchael» konzern verbandelt, war zu erheblichen Abzahlungen geführt hat. Es ist einleuchtend, daß bei der jetzigen Lage der Wirtschaft die Zurückzahlung größerer Krebste die zum größten Teil industriellen Unternehmungen zugute gekommen find, wohl niemals ohne schwere Schädigung erzwungen werde« kann, und daß daher

Prolongationen häufig geboten find, auch wo sie nicht erwünscht sein würden. I« Zusammenbaus hiermit ist fetzt die Besorgnis laut ge­worden, daß die Staatsbank in ihrer Kreditvokitik be­engt s-in könnte. Demgegenüber wird mitgetrilt, daß sie Staatsbank heute einen Kaffenbestand von 26 Millionen Reichsmark gehabt bat, tät den Re eine an­gemessene zinsbare Anlage nicht finden konnte. Die seit längerer Zeit nicht ertSbten Sttbite an die ge­nannten drei .Konzerne haben deshalb die Staatsbank in ihren Kresstdisvafitionr» weder jetzt poch früher nachteilig beeinflussen können, wie schon u. a. die Bereitstellung von 200 Millionen Mark Ernte- berzungskredite im August d I. beweist."

Wottere verhaftuigrie.

Bertin, 1. Jan. Im weiteren Berkaus der großen Aktion, die die Staatsanwaltschaft gegen den Kiâisker- Barmat-Konzer" unternommen hat, wurde noch eine ganze Reihe w fern Verhaftungen vorgenommen. Wie die diesige 8m re'pondenz mitte ist. wurden auch die Ministeriakdirektorrn Hans Hellwig und Emil Kautz verhaftet. Ersterer befand sich bis vor wenigen Monaten in leitender Stellung in der Staatsbank. Nach seinem Ansschoden aus dieser trat er m die Preußische Hypothekenbank ein; er hatte dieses Amt jedoch vor etwa 14 Tagen niedergelegt, da einige seine, Anträge, die gesellschaftliche Transaktionen in Gemein- schäft' mit dem Kutisker» und Bormatkonzern zum Gegenstand katten, abgelehnt wurden. Zur weiteren Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus, daß ebenso wie zwischen Kutisker und der Staatsbank, Kredit- geichäfte auch Mischen Barmat uns der Staatsbank aerâtrgt worden waren. Die Vermittler sollen jedesmal Rsthl« und Hellwig gewesen sein.

Berlin, 1. Januar. Bei Durchsuchunasn in den Wohnung«« der Gebrüder Barmat ist gestern kein bares »è& und nichts an Wertsachen gefunden worden. Erst nochmalige Durchsuchung des Schlosses von 3nL

wirb angmoliriN««, daß die Barmittel her Gebrüder Barmat an mrbckasntsu Stellen hioteriegt worden sind. Der jüAfte Bruder, David Barmat, befindet sich, wie jetzt kMestâ wurde, zur Erledigung von Geschäften in Holland.

Wie die Blätter meLen, find in der Untersuchung ciege» den Barmat » Konzern bis Ker 15 Personen ver- pflftet worden w-aen aemewschaMchen Betrugs beider Preâsck-n keedandlung und wegen Verdun elungs- gefadr. Die nickt verhafteten Leiter deS Barmatkon- ^rn§ i allen beabsichtigen, heute vormittag den Antrag auf Geschaftsaufücht zu stellen

Staatssekretär a. D. Dr. Lewald dem Präsidenten der Deutschen ReickrauKschuffes für Leibesübungen, ist von der Aurin ischen i?ö£ultät der Rheinischen Friedrich Wilhelm - Universitär Bonn dic Würde eines Doktors der Rechte ehruchalbtr verliehen wor .cn.

herbeieilenden Dienstpistole beigebracht hatte. Simon ist kurz |

amter, war ein fester kerniger Mann; seine Mutter war 19jährig, als sie in die Ehe trat. Ueber feine Kindheit und seine wunderbar frü­hen Eindrücke hat er selbst berichtet (Steine frühesten Eindrücke). In dem musikliebenden Pfarrhaus von Liesthal war der ein wenig ältere Sohn des Pfarrers, der spätere schweizer Schriftsteller Josef Viktor Widmann» fern Ju­gendfreund.

Spitteler fühlte sich von Jugend auf als ein Aus erwählter. Er war wie Keller zeichne­risch sehr begabt; mehr aber noch mar er eine musikalisch-religiöse Natur. Eines Tages ging er als 14jähriger Junge heimlich aus dem El- ternhause fort, um eine neue Reügion zu grün­den. Er tam bis Luzern, von wo man ihn heimbrachte. Schüler des Pädagogiums in Ba­sel, studierte er anfangs Rechtswissenschaft dann Theologie. In Basel war er Hörer von Burck­hardt und Wackernagel. Auf deutschen Univer­sitäten setzte er feine Studien fort 1869 schloß ihn das Liesihaler Pfarrerkollegium auf Grund non Unglauben und aus angeblichem Mangel an Kenntnissen vom Examen aus. Das Er­lebnis berührte ihn tief; er fühlte, wie er berich- tèt, den Drang und die Kraft, das persönliche, glühend röligi'öse Innenleben in eine geliebte Menschengemeinde hineinzutragen. Jetzt war er anscheinend verworfen; jetzt erkannte er den Gegensatz zur bestehenden Kirche. Er bestand zwar bald danach in Basel die Prüfung, als ihn aber 1871 die Gemeinde Arosa in Grau­bünden als Pfarrer wählte, lehnte er das erst heißersehnte Amt aus Gewissensgründen ab.

Er ging nach Rußland als Erzieher in das Haus eines Generals, voll Schmerz, feine Kräfte und Fähigkeiten in sich zurückgedrängt zu sehen. Er war aus seiner Bahn geworfen, aber er ward sich nicht untreu. 1879 kehrte er in die Schweiz zurück» mußte abermals in die Fron, war einige Jahre Lehrer in Bern und Neuenstadt, dann Tagesschriftsteller an den Ba­sels Nachrichten und der Neuen Züricher Zeitung.

bareuf seiner Verletzung erlegen. Die vorge- setzten Dienststellen haben Ermittelungen zur Aufksärung der Angelegenhett eingeleitet.

Kraftdroschkenfireik.

Hamburg, 1. Jan. Heute sind die Besitzet der Krastdroschkeir in den Streik getreten. In ganz Hamburg fährt keine Kraftdroschke. Die Ursache liegt darin, daß die Polizei eine Ber- Ordnung herausgegeben hat, wonach ab L Ja­nuar eine Ermäßigung der Droschkenfahrpreise durch Wiedereinführung der einfachen Taxe er- folgen soll. Die Kraftdroschkenbesitzer erklären, daß sie bei Einführung dieser Taxe unter den Selbstkosten fahren müßten.

Nu stocher Raubüberfatt.

Berlin, L Jan. Die Feuerwehr wurde gestern nad) den Kassenräumen des Bahnhofs Zoolo­gischer Garten gerufen. Es stellte sich heraus daß in der Nähe des Tresors Quittungen und andere Papiere in Brand gesetzt worden maren. Der Eis enbahnbetriebsassistent Münch lag be­sinnungslos mit einem Knebel im Munde ge­fesselt im Vorraum der Kasse am Boden. Als er sich wieder erholt hatte, sagte er, daß er von der Firma telephonisch gebeten worÄeu sei, trotz des Feiertages noch 30000 Mark auszuzahlen. Das Geld werde von zwei Herren abgehov. Als diese erschienen, habe er telephonisch bei dem Rechnungsbüro anfragen wollen, fei aber durch einen Faustschlag niedergestreckt worden. Der Geldschrank ward von den Räubern geöff. net und wieder verschlossen. Es fehlte aber nur eine geringe Summe. Die 30 000 Mark haben die Täter nicht gefunden. Nach dem Raube leg» ten sie dann Feuer an und flüchteten.

Osmarsleben. 31. Dez. Auf hiesiger Feldflur wurde der Jagdaufseher Kröbel mit starken Kopfwunden bewußtlos aufgefurrden. Sein Ge­wehr lag zerbrochen neben ihm. Die Verletz« gen sind schwer. Kröbel ist von Wilderern übe fallen und zu Boden geschlagen worden.

«eraniwortttÄ für »erlog und Druckerei Karl 6» uLU fit tat redckll-u-llen «esamünhul: Richard H u l t I ch. iSr An;cig«r und vierlaulen August Bro di, alle in Sauen. Rotallung» druck der Liurseuhaurdeechdruckerel »anau. Still» iriechuuschluü Rr. 1237 und 1238. Postscheck gtanlfurt a. M, Ar. 28882. Hentloitto. 6i5ttbifd6e Sleilbant »auau.

Frei geworden, widmete er sich der Er­reichung seines poetischen Ideals. Ueber ein Jahrzehnt arbeitete er am Olympischen Früh­ling. Seit 1894 lebte er in einer Villa in Lu­zern, in starker Abgeschlossenheit von der Außenwelt, fern namentlich von den Groß­städten der Kunst. Auch Schweizer Stoffe und Zeitverhältnisse drangen nur wenig in seine Dichtung ein.

Als Dichter gelangte er erst zu voller Geh tung, als sich der Kunstwart (Avenarius) für ihn einsetzte. So ward er wenigstens für die Gebildeten in Deutschland allmählich ein be« kannter Dichter. 1909 verlieh ihm Luzern das Ehrenbürgerrecht. 1914 erregte er während des Wellkrieges in Deutschland durch einen Vortrag Widerspruch und Groll, weil er sich auf den Standpunkt Schweizer Neutralltät stellte. Der Politiker Spitteler konnte aber in der Beurtei­lung ruhig Denkender dem Dichter Spitteler nichts anhaben. 1920 erhielt der 75jährige den Nobelpreis.

jetzt ein angeruf

Sarrajani in Schmierigkeitne.

Hamburg, 31. Dez. Zu den Schwierigkeiten des deutschen Zirkusunternehmens Sarrasani in Buenos Aires, über die vor kurzem gerücht­weise Nachrichten nach Deutschland gelangt sind, meldet das Hamburger Acht-llhr-AbenS- blatt, daß Direktor Hans Stosch-Sarrasanl Schiedsgericht gegen die Firma Stinnes _,en habe, da diese den mit ihm abge­schlossenen Vertrag nicht voll erfüllt habe. Sarrasani betont^ daß ihn vor allem die Zu­sicherungen der Firma Stinnes zur Ueberfahrt bewogen hätten, und behauptet, daß ihm durch seine Zusammenarbeit mit Stinnes bezw. der Nichtinnehaltung Der versprochenen Verpflich­tungen ein Schaden vor über hunderttauseml Dollar zugefügt wurde. Der Zirkus, der voM Schiedsgericht die Zubilligung eines Schaden- ersatzes für den erlittenen Schaden verlangt, stand bereits nahe vor der Auflösung. Es ist noch fraglich, ob diese Gefahr zur Stunde he- festigt tff.