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Bcsthnupisadgabe. Als aver die erwähnte Gemeinschaft durch den Reichsdeputations- Hauptschluß pom 24. Februar 1803 aufge­hoben und Geinsheim ganz ifenburgifch wurde, stellte die Regierung zu Offenbach am 18. Juni 1804 den Antrag, auch hier die Leib­eigenschaft völlig aufzuheben, und der neue Fürst Karl verfügte am 16. Juli 1804 von Langenselbold aus:Die Leibeigenschaft in dem Orte Geinsheim wird aufgehoben und unserer Regierung das nötige zu veranlaßen der Aujtrag hiermit ertheilt."

Nunmehr war d i e L e i d e i g e n- schaff im ganzen Fürstentum Isenburg beseitigt. Wenn man be­denkt, daß diese in Preußen erst 1808, in der Grafschaft Hanau und dem Stifte Fulda erst durch das Madrider Edikt Napoleons I. vom 12. Dezember 1808, in Württemberg erst 1817, in Bayern erst 1818 und in der sächsischen Oberlausitz sogar erst 1832 aufgehoben wurde, so muß man die Tat des Fürsten Wolfgang Ernst II. hoch einschätzen und kann die Freude ermessen, welche die isenburgischen Unter­tanen damals beglückte. Noch in einer am 10. Juli 1816 von den Borstehern sämtlicher isen­burgischen Gemeinden an den Kaiser von Oesterreich gerichteten Eingabe") zicierte diese Freude nach; denn die Bittsteller rühmen da­rin, daß ihr Fürstenhaus sie über 500 Jahre mit väterlicher Sorgfalt und Teilnahme re­giert und sie namentlich schonfrüh eaus der Leibeigenschaft befreit habe, was sie ihm durch Treue, Liebe und Ergeben­heit erwidert hätten.

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Eine Negersause in Gitins« im Jahre 1770

Das 1689 begonnene Kirchenbuch der ehe­maligen reformierten Gemeinde zu Steinau enthält manchen interessanten Eintrag. Einer der interessantesten aber ist der von dem Pfarrer Grimm, dem Großvater der Brüder Grimm, Bd. I, S. 344/345 eigenhändig ge­schriebene Bericht über die Taufe einer Nege­rin, die am 19. Dezember 1770 in der Katha­rinenkirche zu Steinall stattfand. Er lautet wörtlich*) wie folgt:Decembris d. löten. Nach vollendetem Nachmittagsgottesdienst ist eine gebohrene Heydin und Mohrin in unse­rer Kirche getauft worden. Das Mensch ist dem ansehen nach um die 20 Jahr alt. Ihr Vatterland ist dem Vermuthen nach Ost In­dien, woselbsten Sie Vor ongefehr 5 â 67 Jahren gestohlen und als eins Sclavin nach West-Indien, und Zwahren auf der Insul Ber­bice Verkaufet worden. Daselbsten bat sie ge­raume Jahre bei einem aufseher einer Plan- tag nahmens Herle Von Mittelau in dem gräfl. Merholtzischen als eine arme Verkaufte Sclavin hart dienen müßen. Von da Sie ge­dachter Herle vor 1. Jahr, und Zwahren schwanger, mit heraus in Europam und end­lich auf Mittelau gebracht, da Sie eines Kin­des geneßen, Nachher aber, Vor etwann % Jahr, hier her zu dem Schwager obgemelde- ten Herles, dem Jungen frohndefchreiber Hr. Johann Karl Kemvffen und seiner Ehl. Haus- frau Christina Philippina gebohrene Herlin gebracht worden. Nach erfolgtem unvermuthe- ten Todt des Directors Herle ist die arme Heydin hier geblieben, und da Sie großen Lüsten bezeuget, in unserer Xstlichen (christ­lichen) Religion underwiescn und dann ge­tauft zu werden, so hat es Zwahren sehr groß- mühe gekostet, dem armen Menschen

) Mayer, M.,Geschichte der Mâaüsirung des Fürstenthumes Isenburg", München 1891, S. : 235.

H Nur ine &nten»wrftiw ist zeitgemäß ge- Lndert.

nur die Teutsche spräche einiger maßen be­greiflich zu machen, wobey der jetzige Mägd­lein Praeceptor Sauer Wein Vielen fleiß und Treue erwießen, Ihr auch die anfänge unße- rer Religion so beygebracht, daß Ich Sie Zu einer näheren Unterweisung in meine Cate- chisation genommen, worinnen Sie unter Gottes Segen so schnell Zugenommen, daß Sie heude bey einer gantz außerordentlichen Menge Menschen in hiesiger Stadt Kirche ht Glaubensbekandnüße Zu Vieler Xsten (= Christen) beschämung öffentlich so stand­haft und deutlich abgeleget, daß alle Zuhörer beweget worden, worauf Sie unter anrufung Gottes und dancksagung Bor seine Barm- Hertzigkeit getaufet worden. Ge Vattern wa­ren obaemeldeter frohndschreiber Hr. Johann Carl Kempff und deßen Ehl. Hausfrau Christina Philipvina, da dann der gewesenen Heydin der nähme gegeben worden:

Christina Carolina Trau Gott. Der Nahme des Herrn seye ewig geprießen! Er nehme die neue Christin aus gnaden Zu einer Erbin des Ewigen Lebens an! Amen./."

Diese Negerin hat sich später verheiratet, und Nachkommen von ihr leben noch heute in Steinau. Immer wieder einmal schlägt bei diesen das Negerblut durch. So hatte vor einigen Jahren eine in diese Nachkommen­schaft gehörige Schülerin völlig negerartiges Krollhaar und eine durchaus negroide Ge­sichtsbildung. G. Maldfeld.

Die Fahrt des Prinzen Johann Kasimir von Jsrnbkrlf

im Jahre 1746 mit den Heften nach Schottland.

Von G. Maldfeld.

Der am 19. Dezember 1715 als Kind unse­rer Heimat zu Birstein geborene und in der Schlacht bei Bergen am 13. April 1759 ge­fallene Prinz Johann Kasimir von Isenburg hatte die militärische Laufbahn eingeschlagen und war 1737 als Kapitän zuerst in württem- bergische, dann aber 1740 in russische Dienste getreten. Da sich ihm hier keine Beförderungs- Möglichkeiten boten, das teuere Leben in St. Petersburg ihm im Gegenteil nur Schulden über Schulden aufbürdete, so übernahm ihn der Landgraf Friedrich I. von Hessen (17301751), der schon 1720 auf Veranlassung seiner zweiten Geinahlin Ulrike Eleonore, der jüngeren Schwester Karls XII., von den schwedischen Reichsständeü auch zum Könige von Schweden gewählt worden und mit dem Vater des Prinzen, dem Grafen, seit 1744 Fürsten Wolfgang Ernst von Isenburg, sehr befreundet war, im Dezember 1744 als Oberst in die hessische Armee, in der bereits sein älte­rer Bruder Christian Ludwig von Isenburg (geb. 8. 10. 1710, gest, als hessischer General­leutnant 6. 7. 1791) diente.

Nachdem er eine Zeitlang in der unmittel­baren Umgebung des Königs zu Stockholm geweilt hatte, trat er in das Donopfche In­fanterie-Regiment ein, das im August 1745 mit anderen hessischen Truppen nach den Nie­derlanden marschierte, um dort im Solde Englands gegen die Franzosen zu kämpfen'). Der Feldzug des Jahres war jedoch bereits beendet. Die Hessen bezogen deshalb Winter­quartiere, und zwar die Kavallerie zwischen Mecheln und Brüssel, die Infanterie in Ant­werpen.

') 23erfit. hierzu v. Datwigt,Der Anteil der hessischen Truppen am Oesterreichischen Erbfolge- tri ege (1740-48)*, III. Teil, die Jahre 174648. ^Aeitschrlft des Vereins für Hessische Geschichte pp". Ö. F., Vd, 38, 1916, 6. 119187.

Diese Winterruhe aber wurde bald unter­brochen. In Schottland, das immer noch sei­nem allen vertriebenen Königshaufe dèr Stuarts anhing, war nämlich im Sommer 1745 ein Sproß dieses Hauses, Karl Eduard, gelandet und hatte die Fahne des Aufruhrs gegen England erhoben. Es war ihm sogar gelungen, in England selbst einzudringen und fast bis nach London vorzustoßen. Zu seiner Bekämpfung riefen die Engländer nicht nyr eigene Truppen aus den Niederlanden zurück, sondern verhandelten auch mit dem Statt­halter von Hessen, dem Prinzen Wilhelm"), über die Entsendung eines hessischen Korps nach Schottlands. Die Verhandlungen zogen sich bis in den Februar hin, obwohl der Statt­halter Prinz Wilhelm von Anfang an in der Hauptsache mit der Ueberführung der Trup­pen einverstanden war und schon am 4. Ja­nuar 1746 durch ein in französischer Sprache abgefaßtes freundliches Handschreiben auch den Prinzen Johann Kasimir von Isenburg eingeladen hatte, an der Expedition nach Schottland teilzunehmen. Der Fuyrer bet. ("suchen Truppen war der Prinz Fr V der spätere Landgraf Friedrich II. (1760 bis 1785), der seit 1740 mit Maria, der Tochter- Königs Georg II. von England, vermählt warH.

Ueber die Einschiffung und die Seefayrt der Hessen hat von Stamford ausführlich be­richtet). Aber auch aus der Feder des Prin­zen Kasimir von Isenburg besitzen mir eine autenthische Darstellung darüber, die sich zwar in der Hauptsache mit der von Stamfordschen deckt, sie aber im einzelnen ergänzt und bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde. Sie fin­det sich in einem längeren, in Edinburg am 27. Februar 1747 geschriebenen Briefe des Prinzen an seinen Vater, den Fürsten Wolf­gang Ernst zu Birstein, und lautet folge über» mahenH:

Ew. Gnd. erlauben, daß allhier ein Jour­nal von unser See Reyse mit hinzufüge und desgleichen von unser Reception hier in Edin­burg erwähnung thue.

Die Einschiffung des Regiments geschahe den 12te Febr. in Willmftadt') und stießen Wir ab in der Nacht zwischen dem 12 und 13te und lagen auf der Rhede von Willmstadt vor Anker bis de 13te gegen 9. Uhr des Mor­gens, da die sämtliche Transport Schiffe unter Seegel gingen und sich gegen 2 Uhr auf der Rhede von Helvoetsluys") vor Anker legten. Das Schiff, worauf mich befände, hieß Jonch et Maria, hatte aber eine der Miferavetsten

) Er war der Bruder des Landgrasen Frie­drich I., der als König von Schweden stets in Stock- hötm residierte, und führte an dessen Stelle als Statthalter die Regierung Hessens. Nach dein Tode seines Bruders 1751 wurde er selber Landgraf (Wilhelm Vni., 17511760). Unter seiner Statt­halterschaft fiel 1736 die Grafschaft Honau-Mün- zendera an Hessen.

°) Bergt. Hierzu C. v. Stanford,Die Heerfahrt des Prinzen Friedrich von Hessen mit einen, Corps hessischer Trupperi nach Schottland im Jahre 1746". Zeischrist des Vereins für Hess. Geschichte pp.", N. F., Bd. 10, 1883, S. 49124.

) Ueber sie und ihre Beziehungen M Hanau verxrL Siebert, K.,Hanauer Biographien pp.", Hanau 1919, S. 133135.

H Vergl. den in Fußnote 3 ungezogenen Aufsatz!

°) Fitrstl. Aenburgisches Hausarchiv zu Bir> stein, Nr. 46:'MenburMcher Junger Herren Rei- fen, Kriegsdienste pp., in specie des Prinzen Jo- haiu, Casirnir zu Uenbura Studio, Reifen, Kriegs- Wenfte und Avancements" (I), Bol. I, 17331747, Matt 183186.

;) Eigentlich WilleiUstadt, eine befestigte Stadt in der niederländischen Provinz Norovradant am Südufer des HoUandsch Diep, 1583 von dem Prin- gen Williedn von Dränier angelegt, daher der Nome.

) Ort auf der Insel Boonie Putten im Mün- ^iuuasacbiete der Maaß.

Kajüten, und weilen rein Bett hatte, mufte mich in eine Heng Matte, welches orbinair der Matrosen Lager ist,, behelfen, Sr. Durch!, der Printz Friedrich waren nebst General Brandt, General Mylord Luaffordt, Oberst Stuardt, Oberst v. Dieben") und übrigen Suite auf eine Jagdt'") embarquirr. Es wurde aber in einem Kriegs Rath vor rathfanr ge­halten, daß weilen der Traject so weit und die Jahreszeit sc rauh und der Wind unbeftänbig war, folgl. die Jagdt in einem Sturm konnte Verschlagen werden, dieselbe aber sich gegen keinen Cap:r- geschweige gegenein feindliches Kriegs Schiff nicht wahren könnte. Sr. durch!, Persohn alßo vielen wiedrigen Zufällen ex­poniert wäre, es also bester seyn würde, daß sich gedachter Printz auf ein Kriegs-Schiff embargu ten, wurde solches auch den 14te gegen Mittag Bewer istelliget, und Sr. Durch!, embarquirten sich auf das Kriegs- Schiff Eiblüiiar, schickten juglncb den Capi­tal n Obriau vom Kriegs-èchis? Sherneß' zu mir und ließen mir zu ivißen lhuii, daß ich mich auf gedacht, s Kriegs-Schiff embarquiren mögte, inbem sie schon einen Theil von ihrem Keller uub Küche dahin hätten traiisportiren laßen, wie ich dann auch den Herrn Oberst Lieutenant und Generac Adjutanten Weich- mar") nebst andere Officiren da antrefen würden. Ich acceptirts diese gracieuss Offerte rlugenbsicklich und schickte mir erstgedachter Capitain gegen 3. Uhr einen Lieut. mit einer Chalouppe mich abzuhohlen. Es empfing mich derselbe aus feinem Schiff mit Abfeuerung 13. Canons und hatte überhaubt alle Erdenk­liche attentions vor mich. Gegen 4. Uhr lich- teten wir den Anker und gingen unter Seegel bis auf die Rhede von der Insel Gorèe"); weilen aber der Canal daselbsten etwas eng, lausten wir, inbeme uns die Nacht überfiel, nach gegebenen Signal Anker werfen.

Wir gingen altzo de 15te mit sehr faoorab- sen Wind unter seegel und sahen schon den 16te die Englische Küsten, wie mir bann de Me die gegen?! von New Castel") gewahr wurden und auf deßen Rhede ein Englisches Schiff antrafen, welches uns die Nachricht brachte, daß die Rebellen nach Ankunft bes Duces de Cumberland") sich in die Gebürge verstreust und ihre Artillerie nebst bagage Verlaßen. Wir continuirten unßr Route mit sehr gutem Winde, alß den Abend gegen 8. Uhr von dem Gibraltar ein Signal mit 6 Ca­nons gegeben wurde, welches soviel sagen will, als die Seegel zu reffen und, ohne Anker zu werfen, sich den Wellen zu überlaßen. Unser Schiffs Capitain versichert uns, daß es keine andere Ursach hätte, als daß man wäre land gewahr worden, und in der Nacht sich demselben zu nahen, nicht rathsam wäre, wei­len man eigentlich den Hafen nicht recht wißen könnte und folglich denselben verfehlen mögte.

H von Brandt war 1. Generâuuwttt von der Infanterie und mifitärifd^r Berater des Prinzen Friedrich. Oberst von Diede bekleidete das Amt des GenemtquartierincisterL. Die englischen Offi­ziere waren dem hessischen Genemlstade beige- gsbèn. StattLraffoëd! muß es wohlCrarv-

*orb* heißen.

'H Es war die JachtCatheruie", die Röntg GeorB seinem Schwiegersöhne eigens für die «cdechahrt zur Verfügung gestellt hatte.

") Er hieß «igenckich von Wechenoc und war der Gecremi-Mjutant des Prinz«!.

") DieInsel" Gorèe oder Goere« ist eigentlich keine Insel, sondern Westispitz« der Insel Doer Flak- fee südlich von dem Harmgoliet.

") Newcastle am Tipie.

" Der Herzog von Cumberland, Wilhelm Nu- flUft war der dritte Sohn Körrig Georgs DL von England und somit der Schlvager des hessischen Prinzen Friedrich. Er war seit 1745 Oberkomm ra­dierender der alliierten Sinnet in den Niederlanden und leitete auch den Feldzug gegen die schottischen ist »bellen.

Dieser Trost verschwand?, weilen wir den fol­genden Tag kein Land nicht gewahr wurden und der Wind uns fast contrair zu werden anfing. Dem ohngeachtet erblickten wir das Land von Schottland b. 18te gegen 2. Uhr, und wurde uns der Wind solchergestalt favo- rable, daß wir den Abend um 10 Uhr in der embauchure von Edimburg firth bey der Insel baß") Anker warfen.

Den löte lichteten wir denselben und la= virten bis 2 Uhr, weilen der Wind in etwas contrair; da sich aber derselbe in etwas zu unseren faveur, so erreichten wir gegen 5. Uhr den (!) Rhede von Edimburg und Leith") und warfen Anker, nachdem wir von denen Kriegs Schiffen, welche an der Zahl 4 waren, Salutirt worden und ihnen wieder geant­wortet hatten. Sr. Durcbl. Printz Friedrich stiegen alsobald, nachdem Sie burch eine Cha­louppe waren abgehohlet worden, unter Ab- feuerung derer Canonen non denen Schiffen als auch dem Schloß Edimburg ans Land, blieben die Nacht in Leith und schickten uns die Ordre, Ihnen zu folgen, welches wir auch de 20te gegen 9. Uhr unter Lösung 13. Ca­nons und einem Hurrco rufen der Matrofen bewerkstelligten.

Gegen 12. Uhr verfügte sich der Printz nacher Edimburg und nahmen Ihr quartier im Palais Royal, wo eine Compagnie para- dirte, welche aber der Printz nicht behielte, sondern sich eine kleine Wacht nur auboauje. Der Zulauf des Volcks, den Printzen zu se­hen, ist unbeschreiblich und nihmt es bis dato noch kein Ende, bann die Stadt sehr peuplirt ist und Tägl. vom Lande eine große menge die Curiosität herein führet. Die Vornehmste Perfohn allhier ist Mylord Justic Peri, wel­ches soviel als Ober-Amt- oder Landes-Haupt­mann sagen will. Dieser tractirte den Pringen den ersten Tag recht magnific. Nach diesem folget der Comendant von dem Schloß; wie sie weiter folgen, weiß nicht. Es sind aber so Viele Mylords hier, daß ihre Nahmen zu wißen und auf das Pappier zu fetzen Viel Zeit und Raum erforderte.

Die Stadt ist groß und weirläuffig und finden sich Häußer Von 14 Etagen"), alles von massiven Steinen erbauet. Die Straßen sind malpropre, und macht der Stein-Kohlen Dampf di Stadt sehr dunkel. Der Jacobiten") Häußer sind ziemlich läutlich"), weilen die Engelländer beim durch marche denen meisten die Fenster eingeschlagen. Das Schloß ist in= prennable, und gehen die Wercker (!) den Fel- hen hinauf etagenweiß, daß ein Werck allezeit von Dem andern commandiret wird. Es fitz! Voller gefangenen, und die Zahl derselben ist Vor einigen Tagen durch die Duchesse von Perth, Comtesse de Sommer Leathe und andere Vermehret worden.

Mein Logis ist bey der Duchesse de Qums- berry, welche aber sich in London befindet. Alle Abend ist Assemblee bey Mylord Justice Clerc, da dann meistenteils gedantzet wird. Vorgestern wäre ein großer ball bey Printz Friedrich, da sich 27. Damens befanden. Die mehristen Bon der Noblesse sind auf dem lande. Gestern kam gegen Mittag der Hertzog von Cumberland, um den Printz Friedrich zu sprechen, wird aber in einer Stunde wieder

) DerEdiwbara Firth" ist der Firch of Forth, in Dessen Einfahrt das Fesfenând Baß Rock liegt

) Leich ist die Hafeast -ül von Edüârx.

" Roch heule fallen in der Altstadt von Edin- burg Die vielen zehn- und mehrstöckigen Hötlfer auf.

'") So nannte man die Anhänger des 1689 ver­triebenen Königs Jakob II. und auch die des Prä­tendenten Kack Gdriard.

") Sliter, auf dem nchd. teulich beruhender Wetierauer Ausdruck mck der Bcdentlmgleibvoll, kläglich, elend"

nacher Perth"") adgehen, wo anjetzo die Eng­lische Armee stehet. Unser debarquement ist gestern glückt, zu Ende gegangen, haben auch alßbald die ordre, uns march fertig zu halten, bekommen . . . Vor einigen Tagen hat eins Vornehme Dame, deren ihr Mann bey denen Rebellen ist, sich aus dem 8te Stock-Werck auf die Straße gestürtzet und den Halß ge­brochen."

Es war den Hessen nicht vergönnt in Schottland kriegerische Lorbeeren zu erwer­ben, und da man nach dem entscheidenden Siege des Herzogs von Cumberland über die Rebellen bei Culloden am 27. Apri! 17-6 ihrer Hilfe nicht mehr bedurfte, io wurven sic am 21. Juni auf 36 Schiffen eingeschifft und trafen am 28. Juni wieder in Willemstad ein. Damit hatte die Heerfahrt der Hesfen nach Schottland und auch die oes Prinzen Johann Kasimir von Jfenbura ihr Ende erreicht.

Nachschrift: Der in Vorstehendem er­wähnte schottische Kronprätendent Karl Eduard steht auch zu unserer engeren Heimat in einer gewissen Beziehung. 1780 vermählte er sich nämlich mit der Gräfin Luise Marie Karoline ober Aloysia von Stolberg-Gedern, geb. 1753, gest. 1824. Sic ist unter dem Na­men einer Gräfin von Albany bekannt ge­worden, trennte sich aber wegen schlechter Be­handlung von ihrem Gemahle und lebte nach dessen Tode (1788) öffentlich mit dem italie­nischen Dichter Alfieri. Vergl. v. Reumont, Die Gräfin von Albany", 2 Bde., Berlin 1860.

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der Schwester Napoleons L für den Ober­förster Lipsius zu Niederrodenbach aus dem Jahre 1810.

Von H. Stübing.

Unter Urkunden, die von privater Seite dem Hanauer Gsfchichtsvercin geschenkt wor­den sind, befindet sich eine Dienstanweisung für den Oberförster Lipsius zu Niederroden­bach. Er sollte den Forst in der Bulau und Lehr betreuen. Napoleon I. hatte ihn seiner Schwester Pauline, der Herzogin von Guastalla, als Dotation geschenkt. Die In­struktion steht auf einem längs gebrochenen Bogen, der rechts und links des Bruches be­schrieben ist. Auf der rechten Seite vom Bruche befindet sich das Original in franzö­sischer, auf der linken die Abschrift in deut­scher Sprache. Die Urkunde ist am 23. Dezem­ber 1810 im Schlosse Philippsruhe ausgefer­tigt und von Tavel, dem Bevolliuächtigten der Prinzessin Pauline, unterzeichnet worden. Die französische Inschrift bes darunter ge­setzten Siegels aus rotem Siegellack ist nicht mehr ganz erhalten.

3um besseren Verständnis der Urkunde, deren deutsche 'Abschrift hier veröffentlicht wird, sei gesagt:

G u a st a l l a, eine Stadl in Oberitalien, war ehemals die Hauptstadt des gleich­namigen Herzogtums, eines Gebietes, dessen Schicksale im Laufe der Geschichte sehr wechselvoll waren. Nachdem es die Franzosen im Jahre 1796 besetzt hatten, wurde es ein Jahr später mit der Cisaipinischen Republik vereinigt. 1806 schenkte Napoleon I. das Her­zogtum feiner Schwester Pauline und er kam dann durch den Wiener Kongreß in die Hände der Kaiserin Marie Luise, Napoleons zweiter Geinahlin, die es bis zu ihrem Tode im Jahre 1847 im Besitze hatte.

In der französischen Zeit von 18061813 wurde Pauline, die Herzogin von Guastalla,

"h Stad: in Müteifchâand am Juch of Tay, nördlich von EdtâuP.