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ischen Gemeinden Kassels

Kassel, den 30 Dezember 1923,

Erscheint jeden Sop»Lg und kostet monatlich Ausgabe A 43 Go'dvsenmg S 45 Golbpfeanlg (freibl.) Redaktions­schluß MonmgJrlnzeigen-Presie: Colonelzeile im Anzeigenteil 0.1S Goldmark, Caionelzrile im Rekiam-teil 6,40 Goidm, für Ann -Ex?.: per Zeile im Anzeigenteil 50, im Reklameteil 153, mal Schlüsselzahl des Dcr. deutsch. Zeitungsverl. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off -Geb. C,10 Go'dm. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fuida fein.

----- I Smit uni Verlag der Fulda« Acllèndruckerel. . >

GscheMslMSer.

SSiMtag, 30. Dez. Sonntag in der Weihnachtsoktav.

Montag, 31. Dez. Silvester, Papst u. Bek. f 335.

VitNètag, 1 Ian. Seft der Beschneidung des Herrn. Gebotener Feiertag.

Mittwoch, 2. Jan. Fest vom heiligsten Namen Jesus Otiav vom hl. Stephanus.

Donnerstag, 3. Jan. Oktav vom hl. Apostel Johannes

Freitag, 4. Jan. Oktav von den unschuldigen Kindern. Herz-Jesu-Frcitaz.

Samstaa, 5 Jon. Vigil von Dreikönig. TeleSphorus, Papst u. M. t 137.

Der Sorten nach WschnachLm.

(Evan el. LukaS 2, 8340.)

In jener Zeit wunderten sich Joseph und die Mutter Jesu über die Dme, welche von ihm gesagt wurden. Und Simeon sei rete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser »st gesetzt zum Falle und zur Auserstehuna vieler in Israel und cUs ein Zeichen, dem man widersprechen wird: und ein Schwert wild deine eigene Seele durchdringen, so daß die Gedanken vieler Hnzcn offenbar werden. Es war auch eine Prophetin, Anna, eine Tochter Ptzanuels, aus dem Stamme Äser: diese war vorgerückt zu hohen I ihren, halte nach ihrer Iungsrauschaft sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt und war nun eine Witwe von vie»uada.btzig fairen. Sie kam nimmer vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht Diese kam in der­selben Stunde auch hinzu und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, welche auf die Erlösuni Israels warteten. Und da sie alles nach dem Gesetze des Herrn vollendet hatten, kehrten sie nach Galiläa in ihre Vaterstadt Nazareth zurück. ^ as Kind aber mu t s Ivard stark, war voll Weisheit, und die Gnade Gottes war in ihm.

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Das LegicrMßsprogrcmM.

»chon hebt sich der Hammer der Weltenuhr, um mit dröhnender Stimme ein neues Jahr zu ver­künden. Der Regent des neuen Lahres soll aber nicht Mars oder Venus oder ein anderes Sternbild - ,»^^ % fein, sondern du selbst. Da ist es nötig, daß du über die Richtlinien dich besinnest, nach denen du dein Leben einzurichten gedenkest, mit anderen Worten, daß du direin Regierungspro- Nümm" entwirfst, wie einst der König David eines entworfen und dasselbe für alle künftigen Geschlech- «r in seinem hundertsten Psalm hinterlegt hat.

Psalm 103: Das RezierunZsproZramm.

1. Besingen will ich dein Erbarmen Und dein Gericht, o Herr, erheben.

2- Ein reines Leben will ich führen. Um zu bestehen beim Gerichte.

3- 3n Herzensunschuld will ich wandeln Als Vorbild meines ganzen Hauses. ]

4. Vom Bösen wend' ich ab mein Auge, Verabscheu'»» will ich jede Untat.

5. Der Bösewicht bleib' mir vom Leibe, Fern sei von mir der Sünder Freundschaft.

6. Verleumder will ich hart bestrafen, Aus meinen Augen sie verbannen.

7. Ich will nicht speisen mit den Stolzen, Mit Unersättlichen nicht essen.

8. Gewissenhafte, treue Menschen Will ich um ihren Rat befragen.

9. Nicht darf bei mir der Hochmut wohnen, Bom Lästermaul will ich nichts wissen.

10. Von Sündern will die Welt ich säubern, Bon Uebeltätern sie befreien.

Nicht wahr, das ist ein Programm, das sich sehen lassen kann, ein Spiegel der ^sästheiligÄNg, «r» Bulle der Gerechtigkeit, eine Warnungstafel für die Bösewichts. Betrachten wir dieses Regierungspro­gramm in feinen Einzelheiten und Paragraphen.

Der erste Paragraph umfaßt die Uebung der Religion. Die Rücksicht auf Gott ist den» Pfalmisten das Fundament für alles Tun und Lassen. , Be­sonders zwei göttliche (Eigenschaften sind es, die er verherrlichen will: die Barmherzigkeit und die Ge­rechtigkeit. Diese beiden will er auch nachahmen; nachahmen Gottes Barmherzigkeit durch Milde gegen die Reuigen, nachahmen Gottes Gerechtigkeit durch Streng« gegen die Unverbesserlichen und Ver­stockten. Diese beiden göttlichen Eigenschaften bil­deten mich den Wahlspruch der frommen Kaiserin Maria Theresia:Barmherzigkeit und Gerechtigkeit."

Der zweite Paragraph betrifft sein Privatleben, das er tadellos und rein führen will:

»Ein reines Leben will ich führen.

Um zu bestehen beim Gerichte".

So will er das Volk bewahren vor dem Aerger- nis unb ihm ein Beispiel zur Nachfolge aufrichten.

Der dritte Paragraph betrifft die Ratgeber, die er nur aus dem Kreise frommer, gottesfürchtiger Männer nehmen will. Sein Kanzler, feine Minister und feine Beamte sollen einzig und allein die Ehre Gottes und das Wohl des Volkes im Auge haben und dürfen in keinem Falle Männer fein, die nur darauf ausgehen, sich aus der Staatskrippe zu füt= tern und ihre Taschen zu füllen.

Welche Kontrolle wird aber der König sich in der Einhaltung seines Programms auf erlegen? Nur die Kontrolle durch die Augen der göttlichen All­wissenheit und Gerechtigkeit. Der Gedanke an den Tod und das Gericht sollen feinen Willen stählen, sein Programm mit eiserner Energie durchzusetzen:

Ein reines Leben will ich führen, Um zu bestehen beim Gerichte.

Ein solches Regisrungsprogramm sollst auch du vorlegen an der Schwelle des neuen Jahres. Du mußt dir darüber klar sein, nach welchen Grund­sätzen du handeln und wandeln willst. Den ersten

Paragraphen muß die Religion bilden: dir Rück­sicht auf Gott, die Rücksicht auf seine Heiligkeit und Gerechtigkeit, seine Gürs unb Barmherzigkeit muß in deinem Tun und Lassen den Ausschlag geben. Die Uebung der Religion im Gebet, im Besuch der hl. Messe, im Empfang der hl. Sakramente muß ein eiserner Bestandteil sein im Tages-, Monats- und Jahrsspenfum. Der zweite Paragraph muß fein dis Reinheit der Seele. Beschmutzen wir uns nicht mit der Sünde, nicht mit der Fleischeslust, nicht mit der Genußsucht, nicht mit Geiz und Neid, nicht mit Zank und Streit, nicht mit Unehrlichkeit unb Betrug;, den Leidenschaften, die auch in diesem Jahr ihren; Rachen aufsperren werden, muß ein kräftiger Maul-' korb angehängt werden. Bist du Vater oder Mut», ter oder Beamter oder Chef oder Vorstand oder; sanft in öMnMchsr SièklMgs so kommt dazu T^ Pflicht des guten Beispiels gegenüber den Kindern, den Dienstboten, den Hausgenossen, den Angestell-' ten, den Untergebenen:Lasset euer Licht leuchten i vor den Menschen". Dazu kommt eine solide §rsund?ch«fi, der Verkehr mit guten Menschen. Meide jeben Verkehr mit schlechten Menschen, schlech­ten Büchern, schlechten Theatern, schlechten Brr- - gnügungen. DennWer Pech berührt, besudelt sich". Unbwer die Gefahr liebt, kommt darin um."

Damit du aber ein solches Programm in seiner ganzen Strenge durchführen kannst, brauchst du einen täglühen Mahner; und dieser laute, dieser unerbittliche Mahner, das ist der Tod und der Rich­ter, der dem Tode auf dem Fuße folgt. Wer weiß, ob d'esss Jahr das letzte unseres Lebens ist! Jeden­falls sollen wir immer auf den Besuch des Todes gefaßt fein, von welchem wir nach den Worten des Heilandes nicht wissen, ob er beim Hahnenschrei kommt oder in der Nacht. Herzog Heinrich sah ein­mal im Dom zu Regensburg dis geheimnisvollen Wortenach sechs". Heinrich deutete diese Zal darauf, daß er nach sechs Tagen sterben werde; ( bereitete sich auf den Tod vor. Sils er nach sechs T> gen ebenso gesund war wie zuvor, dachte enb^' der Tod nach sechs Monaten, dann nackssâs^Je^ ren kommen werde. Immer hielt er sichmst den T- bereit. Doch siehe, nach sechs Jahren wurde er zu deutschen Kaiser gewählt. Aber dir Vordsreitu! auf den Tod wurde ihm zu einer tägllchen Uebui und machte ihn zu smsm^Heiligen. Folgen wir ih> nach, und das nsue^Jahr wird für uns eine Quell, der Tugend und Verdienste unb einZSprosse zu einer glücklichen Ewigkeit werden. _

Der Vurgpfarrer.

Meine Arsßmuitèr-

Ein wahres Lebens- und Chnrarterbild.

Ich sehe sie noch immer in ihrem Lehnsessel sitzen, I die hochbetagte Frau, meine Großmutter. Zwanzig j Jahre ist sie nun schon in der Ewigkeit, aber ihre ungewöhnliche Erscheinung ist unvsrblaßt in unserer »