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Ausgabe B
Kassel, den 2. Dezember |923
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassel
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich 2iusgabeA20 Milliarden Mk., B 25 Milliarden Mk. (freibt.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,10 Goldmark, Colonelzeile im Rellam-test 0,40 Goldm, für Ann.-Exp.: per Zeile im Anzeigenteil 50,— im Reklameteil 159,— mal Schlüsselzahl des Ver. deutsch. Zeitungsverl. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off -Geb. 0,10 Goldm. Porto exira. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Befig der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda ein.
Druck Und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei
WochenÄalender.
Sonntag, 2. Dez. Erster Sonntag im Advent. Bibiana, Jgfr. u. M. f 363 in Rom.
Montaa, 3. Dez. Franz Xaver, Bek. f 1552 auf der Insel Sancmn.
Dienstag, 4. Dez. Petrus Chrysoloms, Bisch, u. Kchl. t 550 in Ravenna. Barbara, Jgfr. u. M. + 306 in Nikomedien.
Mittwoch, 5. Dez. Sola, Bek. f um 780 in Solnhofen. Savvas, Abt. f 532.
Donnerstag, 6. Dez. Nikolaus, Bisch, u. Bek. + 345 in Myra.
Freitag, 7. Dez. Ambrosius, Bisch, u. Kchl. f 397 in Mailanv. Vigil von Mariä Empfän nis.
Samstag, 8. Dez. Unbefleckte Empfängnis Mariä.
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Erster Adventssonntag,
(Eo. Luk. 21, 25-33.)
3't jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Es werden Zeichen an der Sonne, an dem Monde und Sternen sein, und auf Erden große Angst unter den Völkern wegen des ungestümen Rauschens des Meeres und der Fluten, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht, und vor Erwartung der Dinge, die über den ganzen Eidkreis kommen werden; denn die Kräfte bes Himmels werden erschüttert wer den. Dann werden sie den Menschensohn in der Wolke kommen sehen mit großer Macht und Herrlichkeit. Wenn nun dieses an- fängt zu geschehen, dann schauet auf und erhebet eure Häupter; denn es nahet eure Erlösung. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Betrachtet den Feigenbaum und alle Bäume. Lenn sie schon zum Fruchtbringen aus. chlagen, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist. Ebenso erkennet auch, wenn ihr dies geschehen sehet daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, sa,' ich euch' dies Geschlecht wirü nicht vergehen, bis alles dies geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht, vernetzen.
Der Hreund der Armen.
in neues Kirchenjahr hat sich auf- getan, und durch feine Pforten schreitet der Heiland. Als Gott ist er der König der Herrlichkeit, der Herr des Himmels und der Erde, 'aStä$â§ääS®L dem alle «schätze der Welt gehören, '_ '" ' der von seinem Usberfluß allen
Wesen Leben gibt und Nahrung und Licht und Freude. Als Mensch aber ist er im Gewand der Armut durch dieses Tränsntal gepilgert, als Mensch hat er Entbehrungen, Leiden und Opfer auf sich genommen. So ist er der Freund der Armen ge- ^o^en.- der Beistand der Unterdrückten, der Helfer der Mühseligen und Schwachen.
Die Propheten haben diese doppelte Würde des ornmenden Messias zum voraus erschaut und in ? verherrlicht. Als Beispiel dieser Art dürfen r ven Psalm 71 ansprechen, den wir an der
Schwelle des heiligen Advent unserm lieben Heiland zu Füßen legen wollen.
Psalm 71: Der Messias, sein Reich und seine Segnungen.
1. O Gott, gib dein Gericht dem König Und deine Macht dem Königssohne.
2. Um Recht zu schaffen deinem Volke, Gerechtigkeit dem armen Manne.
3. Den Bergen wird er Frieden bringen, Gerechtigkeit dem Hügellande.
4. Den Armen ist er Freund und Beistand, Ein Anwalt der bedrängten Unschuld.
5. Dem Tau vergleichbar steigt er nieder, Wie Regentropfen auf die Felder.
6. So lange Mond und Sonne scheinen, Besteht sein Reich trotz Sturm und Wetter.
7. In seinen Tagen herrscht der Friede, Es blühn Gerechtigkeit und Wahrheit.
8. Von Meer zu Meere wird er herrschen, Regieren bis zum fernsten Flusse.
9. Vor ihm die Völker niederfallen Und in den Staub die Feinde sinken.
10. Ihm bringen Gaben Tharsis' Fürsten, Arabien und Saba opfern.
11. Ihn beten an die Herrscher alle, Ihm weihen sich der Erde Länder.
12. Den Armen ist er ein Befreier, Ein Helfer allen Unterdrückten.
13. Er schont die Armen, schützt die Waisen, Erbarmt sich huldvoll der Verlassnen.
14. Er macht sich frei von ihren Schulden, Bringt ihren Namen hoch zu Ehren.
15. Arabiens Gold wird man ihm bringen, Bei Tag und Nacht wird man ihn preisen.
16. Die Berge tragen Frucht in Fülle, Und in den Städten blüht der Wohlstand.
17. Heil dem Messias, Heil auf ewig, Sein Name überstrahlt die Sonne.
18. Durch ihn strömt Segen allen Völkern Zu ihm die Heiden sich bekehren.
19. Gebenedeit soll sein der Heiland Für alle Wunder seiner Liebe.
20. Gelobt sei ewiglich sein Name, Von seinem Glanz erstrahlt die Erde.
21. Dem Vater, Sohn und Heilgen Geiste Sei Herrlichkeit und Ruhm und Ehre;
22. Wie anfangs, so auch setzt und immer Und bis in ewge Zeiten. Amen.
Trotzdem der Psalmensänger seiner Harfe die schönsten Töne entlockt, um den künftigen Messias als König zu schildern, vor dem die Droßen dieser
Erde in den Staub sinken, dem sie Gold und Weihrauch opfern, der alle Völker bezwingt und ein Reich aufrichtet bis zu den Grenzen des Erdballs, so wird er doch anderseits nicht müde, in den verschiedensten Ausdrücken ihn uns oorzustellen als „Freund der Armen", Schirmer der Unschuld, Hort der Schwachen und Verlassenen.
Und hat nicht die Erfüllung dieses Bild gerechtfertigt? Ist nicht der Heiland in feinem ganzen Erdenleben ein Freund der Armen gewesen? In seiner Liebe zu den Armen ist er so weit gegangen, daß er selber arm geworden ist. Arm war seine Mutter, arm sein Nährvater, arm der SlaU, worin er geboren wurde, arm die Apostel. In den drei Jahren seiner öffentlichen Wirksamkeit hat er kein festes Heim gehabt. Gute Freunde haben ihn zum Essen eingeladen und ihm eine Schlafkammer ein- geräumt. „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, der Menschensohn aber hat nichts Eigenes, wohin er fein Haupt legen kann." Für seine Heilungen hat er kein Honorar verlangt. Die Almosen, die man ihm gab, wanderten in die gemeinsame Kasse, die Judas ausplünderte. Leiter fehlte es dem Heiland und seinen Aposteln an einem Stückstin Brot. Einmal begnügten sie sich mit einigen Körnern, die sie aus den Äehren herausrieben. Als die Volksscharen drei Tage lang bei ihm ausgehalten hatten, besaß der Heiland keinen Bisten Brot weder für sich noch für seine Getreuen. Ein Wunder mußte eingreifen, um dem Hungertod zu wehren und das Volk zu sättigen. Und als seine Apostel ihn in seiner bittern Passion verließen, wer ist ihm da treu geblieben? Die Armut, die als feine unzertrennliche Braut mit ihm zum Kreuze emporstieg.
Bei dieser Stellung des Heilandes zur Armut hat sich die Welt in ihren Angeln gedreht. Vor Christus hat die Armut eine Sklavenrolle gespielt, seit Christus aber ward sie mit dem Diadem geschmückt und hochgeehrt. Wir dürfen uns deshalb der Armut nicht schämen, wenn wir durch die Geburt, durch Krankheil oder Arbeitslosigkeit oder durch die Unversöhnlichkeit unserer Feinde oder durch die Ungunst der Verhältnisse dazu verurteilt sind. Unser ausgeplündertes Vaterland gleicht jetzt einer Bettlerwohnung, worin alle das Brot der Armut essen müssen. Ja, wenn nur überall noch Brot wäre! Doch das Brot 'st in vielen Familien zum Leckerbissen geworden. Umsonst öffnet man die Schublade, es ist kein Brot darin, und das Brotmesser ist in den Ruhestand versetzt. Erkennet ihr die Absicht der göttlichen Vorsehung? Sie will uns nötigen, Jünger Jesu zu werden. Dann werden mir den Segen der Armut verspüren, den der Bettler von Assisi in folgenden Worten schildert: „Der Schatz der beseligenden Armul ist so ausgezeichnet und göttlich, daß wir unwürdig sind, ihn zst besitzen. Diese Tugend macht es uns möglich, Umgang mit den Engeln des Himmels zu haben: sie gesellt uns zu Jesus Christus am Kreuz und läßt uns mit ihm in den Himmel fliegen."
D e r Bur g p f a r r r r,.