Ausgabe B.
6t WMH-AM
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 20 Milliarden Mt., B 25 Milliarden Mk. (freibt) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,10 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,40 Goldm., jür Ann.-Exp. : per Zeile im Anzeigenteil 50,— im Reklameteil 150,— mal Schlüsselzahl des Ver. deutsch. Zeitungsoerl. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldm. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda jein. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei.
WschenLalender.
Sonntag, 18. Nov.SechsundzwanzigsterTonnta, ».Pfingst. (Metzformuiar vom 6. Sonntag nach Lreltönig.) Gedächtnis der Kirch.^eihe der Basiliken des hl, Petrus und Paulus in Rom.
Montag, 19. Nov. Elisabeth von Thüringen Witwe. Pontianus, P. u. M.
Dienstag, 20. Nov. Felix von Valois, Bek. Korbinian, Bisch, u. Bek.
Mittwoch, 21. Nov. Darstellung (Opferung) Mariä im Tempel. Messe von der hl. Elisabeth. Gebotener Feiertag.
Donnerstag, 22. Nov. Cäcilia, Jgfr. u. M.
Freitag, 23. Nov. Klemens, P. u. M. Felicitas, M.
Samstaa, 24 Nov. Johannes vom Kreuz, Bekenner. Chrysogonus, M.
SechsundZwanzigster Sonntag nachpfingften.
(Evangel. Matth. 13, 30—35.)
In jener Zeit legte Jesus dem Volke ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Senfkörnlein, welches ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte. Dieses ist zwar das kleinste unter allen Samenkörnern: wenn es aber gewachsen-ist, so ist es das größte unter allen Kräutern, und es wird zu einem Baume, so daß auch die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen wohnen. Ein anderes Gleichnis sprach er zu thuen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteige, den ein Weib nahm und unter drei Maß Mehl verbarg, bis alles durchsäuert war. ulle» dieses redete Jesus durch Gleichnisse zu dem Volke, und ohne Glerchnisse redete er nicht zu ihnen; damit erfüllet würde, was durch den Propheten gesagt worden, dec da spricht: Ich will meinen Mund aufrun in Gleichnissen und will aussprechen, was vom Anbeginne der Welt verborgen war.
Das Spinngewebe.
n der Decke und den Wänden des Hauses hängt das zarte, leicht- zerreißliche Gebilde, der Schrecken der Hausfrau, das Spinngewebe. Sobald es das wachsame Auge der Hausfrau oder der Dienstboten erblickt, da greifen schon die Hände
nach dem Besen, — ein Griff, eine Handbewegung: und vorbei ist die Herrlichkeit, und um das kunstvolle Gebilde ist es geschehen.
Ist nicht auch unser Leben und unser irdisches Gut ein derartiges armseliges, luftiges, leichtzer- reißliches Spinngewebe? Horch, durch die Wipfel der Bäume rauschen dis Winterstürme und entkleiden sie der letzten Blätter. Schnee und Eis blicken die letzten Blumen. Die Herrlichkeit des Sommers ist dahin; der Winter steht vor der Tür und vertilgt erbarmungslos dis leiten Spuren des webens drallsten in der Natur.
Da regen sich auch in unserer Brust wieder ernste Gedanken, Gedanken an die Unbeständigkeit und Hinfälligkeit des Lebens und all seiner Pracht und Herrlichkeit, Gedanken, wie sie der Psalmist über die Harfe rauschen ließ, als er den Psalm 38 sang. Als Stimmungsbild an der Schwelle des Winters möge er heute uns beschästigen.
Psalm 38: Das Menschenleben gleich einem Spinngewebe.
1. Ich will im Leben darauf achten, Daß meine Zunge nicht entgleise.
2. Will meinem Mund ein Schloß anlegen, Wenn wider mich die Feinde wüten.
3. Für immer wollt' ich stille schweigen Und wollt' verbergen meinen Kummer.
4. Doch Feuer brennt in meinem Herzen, Nicht länger kann ich es ertragen.
5. Und es entfesselt sich die Zunge. Bricht aus in wehmutsvoller Klage.
6. Herr, mach mir kund mein Lebensende Und zeige mir den Rest der Tage.
7. Du hast sie wahrlich kurz bemessen, In nichts zerfließt mein ganzes Dasein.
8. Als Schatten fliegt der Mensch vorüber, Macht sich vergebens Sorg' und Unruh.
9. Er sammelt rastlos Schätz' auf Schätze Und weiß nicht, wer sie einst verzehret!
10. Was ist mein Trost in diesem Jammer? Der Herr allein ist meine Hoffnung.
11. Es lasten auf mir viele Sünden, Zum Spott bin ich dem Feind geworden.
12. Mein Gott, ich will es schweigend tragen: Die Hand, die mich berührt, ist deine.
13. Doch jetzt, o Herr, nimm weg die Rute, Damit ich nicht zusammenbreche.
14. Mein Leben ist wie Spinngewebe;
Umsonst ist alle Sorg' und Mühe.
15. Dein Ohr zu meiner Bitte neige, Mit meinen Tränen hab Erbarmen.
16. Ich bin ja Pilger nur auf Erden, Wie einst mein Vater, meine Mutter.
17. Erquicke mich, bevor ich scheide, Und führe mich zur ew'gen Heimat.
Oft war der Psalmist versucht, in Klagen aus- zubrechen über den Unbestand des Lebens und den Unverstand der Menschen. Oftmals war es ihm gelungen, feiner Zunge ein Schloß anzuhängen. Endlich aber machte er feinem gequälten Herzen Lust in obigem Lied.
Vor allem ist der heilige Sänger betroffen über den Geist und die Habsucht so mancher Zeitgenossen. Sie schaffen und rackem, betrügen und stehlen, um recht viele Aecker zu erwerben, reckst viele Häuser zu besitzen, recht viel Geld zu hinterlegen, die Scheunen zu füllen mit Vorräten, die Truhen mit Klei- dern, die Kassen mit Gold und Silber. Und wozu?
Um sich damit einige Zeit zu schinden und zu plagen, danach zu sterben und Hab' und Gut den lachenden Erben zu hinterlassen.
Diese Gedanken geben dem frommen Dichter ein Gegenmittel gegen das irdische Streben, eine feste Richtung zu Gott, ein heftiges Sehnen nach der ewigen Heimat.
Diese Gedanken sind auch uns eine wirksame Medizin gegen die schlimmste Krankl-eit unserer Tage, den Materialismus, das Aufgehen in irdischem Tun und Treiben. Wozu denn mehr haben wollen als man braucht? Wozu Ueberfluß aufspeichern? Warum nicht auch andern etwas gönnen? Höre das Verdikt des hl. Johannes Chry- sostomus über Habsucht und Geiz: „Die Habsucht ist eine schreckliche, ja schreckliche Geisel. Sie verschließt die Augen, verstopft die Ohren r macht
grausamer als wilde Tiere. Sie nimmt . stick-
s sicht auf das Gewissen, auf die Gesellschas,, . das eigene Wohl. Sie hat die Straßen mit Blut uber- Hwemmt, die Städte mit Weinen erfüllt, die Mahl- • iten mit Gift gewürzt. Paulus nennt die Habicht einen Götzendienst; und das ist sie in der Tat, und zwar ein schlimmer Götzendienst. Man opferte den Götzen ehemals Rinder und Widder: die Habsucht aber gebietet ein anderes Opfer; sie sagt: opfere mir deine Seele. Und der Habsüchtige geht hin und opfert seine Seele. Denn die Habsucht, jagt der Apostel, hat keinen Anteil am Himmelreich." (1. Kor. 6. 10.)
Ein „Spinngewebe“ ist das Leben, ein Spinngewebe Gesundheit, Reichtum, Ehre, Besitz, Geld und Gut. Wozu also sich abplagen, dieses Gebilde zu weben, die Häuser damit anzufüllen, es zu hegen und zu pflegen. Davon haben wir nichts als Unruhe, Unrast, Nervosität und Schlaflosigkeit. Jedem Tag genügt seine Plag, sagt der Heiland. Wozu also für den folgenden und die nächsten Tage, ja sogar für Monate und Jahre zum Voraus sich av- hetzen und abquälen? Anders macht es jener Minderbruder und Freund des hl. Franziskus. Als er einst alles erbettelte Brot sogleich aufge,zehrt hatte, fiel er dem Meister Franziskus zu Füßen und bat um Verzeihung. Dieser aber dankte Gott und sprach: Mein Sohn, du hast mich in der Armut und ■ 'm Gottvertrauen übertroffen; denn du hast nichts ; aufgespart, weder für heute, noch für morgen. Ueben wir uns in diesen bösen Zeiten in der Zufriedenheit und sprechen wir gern das Gebet jenes weisen Mannes: „Armut und Reichtum gib mir nicht, o Gott; gib mir aber wenigstens das zum Le- bensunterhalt Nötige." Der Burgpfarrsr.
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Die hl. Elisabeth.
In Marburg lebte die Landgräfin Elisabeth in wundersamer Armut. So sehr der gewöhnliche Mensch strebt, sich in bessere Vermögensverhältnisse zu versetzen, insbesondere besser zu essen, zu wohnen, sich besser zu kleiden, zu den Angeseheneren im Ort gezählt zu werden: so hatte die Königs-