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Kassel, den 4. Kovsmber 1(923.

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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe^ 4,5 Milliarden Mk., B 5 Milliarden Ml. (freibl.) Redaktions­schluß Montag. Anzeigen: Grundpreis für die einspaltige Kolonelzeile 50 Mk. Reklame-Zeile 150 Mk. Multiplikator- Schlüsselzahl des Vereins deutscher Zsitungsverleger. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst-Anzeigen extra.

Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Druck und Serlag der Fuldaer Actiendruckerei.

rvochenkarenäer.

Zoimtaa, 4. Nov. BierundzwanzigsterSonntag n. Pfingsten. (Meßformular vom 4. Sonntag nach Dreilönig.) Karl Borromäus, Bisch, u. Bek.

Montag, 5. Nov. Gedächtnis der Kirchweihe. Zacharias u. Elisabeth.

Dienstag, 6. Nov. Fest der hl. Re liquien. Leonhard, Abt.

Mittwoch, 7. Nov. Von der Oktav von Allerheiligen. Willibrord, Bisch. Engelbert, Bisch, u. M.

Donnerstag, 8. Nov. Von der Oktav von Allerheiligen. Gottfried, Bisch, u. Bek.

Freitag, 9. Nov. Gedächtnis der Kirchweihe der Erz­basilika vom hlgst. Erlöser in Rom. Theodor, M.

Samstag, 10. Nov. Andreas Avellinus, Bek. Tryphon, Resprcius u. Nhmpha, Märtyrer.

vierundzwanzigfiek Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Matth. 8, 2327.)

In jener Zeit, als Jesus in das Schifflein trat, folgten ihm feine Jünger nach. Und siehe, es erhob sich ein großer Sturm im Meere, so daß das Schifflein mit Wellen bedeckt wurde: er aber schlief. Und seine Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns i wir gehen zu Grunde. Und Jesus sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, gebot den Winden und dem Meere und es ward eine große Stille. Die Menschen aber wunderten sich und sprachen: Wer ist dieser, daß ihm auch die Winde und das Meer gehorchen?

heimwärts.

-ie Heinmi hat für jedes edle einen eigentümlichen Zauber

Reiz. Niemand kann sich ihm ent- ziehen. Wer in der Fremde lebt, den treibt es mit Macht nach der Heimat. Der Heimatlose ist übel _, . daran. Gleich einem führerlosen

irrt er in der bösen Welt umher. Und wie frißt das Heimweh am Herzen, dem Wurme gleich.

Imflt ist ein Paradies. Wie wohl ist es uns bei Vater und Mutter, bei Weib und Kind, im Kreise Der Angehörigen, im stillen Frieden des Hauses.

In der babylonischen Gefangenschaft hatten die Israeliten ihre Heimat verloren. Siebzig Jahre lang aßen sie das Brot der Verbannung. Unter ifremben Bedrückern schmachteten sie im Joch der Gefangenschaft. Wenn sie unter der Knute der Aufseher ihre harte Arbeit verrichteten, rollten Trä­nen des Heimwehs über ihre Wangen. Am meisten hatten sie Heimweh nach dem Tempel auf Sion, dem Gottesdienst, nach den Opfern, nach den Psalmen und Lâm^ nach dem Msten und. Sab-

Herz und

bathen. Als endlich Cyrus ihnen die Freiheit I feindseligen Menschen! schenkte und sie heimziehen ließ in ihr Land, darfnf»n '" <«>« nom,

kannte ihr Jubel keine Grenzen. Wie ein Traum kam ihnen diese Botschaft vor. Lobesgesänge bra­chen aus ihrem Mund, und in aller Eile zogen sie ins gelobte Land ihrer Väter.

Als ein ergreifendes Denkmal dieser Heimat- stimmung dürfen wir den Psalm 125 ansprechen. Hier eine sinngemäße Verdeutschung desselben.

Heimallied oder Psalm 125.

1. Zurück führt Gott die Kriegsgefangnen Aus langer Haft in ihre Heimat.

2. Erwacht find wir aus schwerem Traume,

3.

4.

Durch Gottes Güte reich getröstet.

Es überströmt der Mund von Freuds.

Von lautem Jubel unsre Zunge.

Der Herr, so sagen selbst die Heiden, Tat Großes seinem Bundssvolke.

5. Ja, Großes tat an uns Jehova: Aus unsern Augen blitzt die Freude.

6. Laß schnell, o Herr, uns heimwärts zieh», Dem Gießbach gleich beim marinen Tauwind.

7. Wer sät mit Tränen und mit Sorgen, Wird Ernte halten mit Frohlocken.

8. Oft geht der Landmann aus mit Weinen Und streut den Samen in die Furchen.

9. Doch jauchzend kehrt er bald zurücke

Und trägt nach Haus die schweren Garben.

Sind nicht auch wir alle in der Fremde? Wir haben ja hienieden keine bleibende Stätte, schreibt der Apostel, sondern suchen die künftige im Him­mel. Das Fest Allerheiligen zieht den Vorhang von unsern Augen und läßt uns von ferne die Himmels- Heimat schauen. Viele unserer Brüder sind uns dorthin vorangegangen, die Scharen der lieben Hei­ligen. In der Anschauung Gottes, in der Gesell­schaft der Engel genießen sie das Glück der Selig­keit. Eingegangen sind sie in die ewigen Wohnun­gen; niemand kann sie mehr daraus vertreiben, fern Feind, kein Krieger, keine Kündigung, kein Erdbeben. Jede Träne hat Gott dort ausgewischt aus ihren Augen. Keine Plage ist dort mehr, kein Kummer, kein Schmerz, kein Leid, kein Tod. Das alles ist vergangen. Ewige Freude ziert wie eine goldene Krone ihre jugendfrischs Stirne. Dankbar- schauen sie zurück auf ihre Kämpfe, ihre Entbeh­rungen, ihre Anfechtungen, ihre Schwierigkeiten, ihre Verfolgungen, ihre Arbeiten und Anstrengun-- gen für Gott und für die Tugend. Freundlich winken sie uns und rufen uns zu:Harret aus in Der Pilgerfahrt; geht auf dem schmalen Wege des Gmubens, der Gebote, der Pflicht, und ihr werdet bald erreichen die goldenen Tore des himmlischen Jerusalem!"

Ergreift uns da nicht ein süßes Heimweh? Mit dem Psalmisten möchten wir ausrufen:Weh mir, daß meine Pilgerfahrt so lange währt auf Erden; weh mir, daß ich wohnen muß bei den Be­wohnern von Cedar, unter bösen lasterhaften,

Kaum jemals ist die Pil-

gerfahrt so sauer gewesen wie in diesen bösen Zei­ten. An jedes Fenster pocht die Sorge, in jede Hütte grinst die Not. Draußen pfeift der Wind das Signal zum Winter, der erste Frost knickt die weißen Astern auf den Gräbern und drinnen mangelt es an Holz und Kohlen und Lebensmitteln. Kaum irgendwo zeigt sich ein Hoffnungsstrahl; alles liegt in Schatten und Finsternis. Wer kann dieses Leben noch lieben? Wer seufzt nicht unter dieser Verbannung? Wer schmachtet nicht nach Er-

lösung?

Sieh da den Finger Gottes. Damit wir uns. nicht festklammern an diesen Erdenkloß, damit wir nicht den Stall verwechseln mit dem Paradies, des- halb hat die göttliche Vorsehung das irdische Dassin zu einem Tränental gemacht. Löset die Anker, machet los die Taue, welche die Seele festhalten am Irdischen, daß sie frei emporschwebe und rasch emporschnelle in die Region der ewigen Heimat. Sursum corda: hinauf die Herzen!

Noch einen andern Zug sehe ich, einen Pilger­zug zum Himmel. Mit Stöhnen und Klagen zieht er daher. Es sind die Seelen des Feg­feuers, die armen Seelen. Mehr als unsere Seelen schmachten sie nach der Heimat, weinen sie nach Gott. Besser als wir erkennen sie das höchste Gut; mehr als wir erfahren sie das Wort des hl. Augustinus:Für dich, o Gott, hast du uns erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis daß es ruhet in dir". Das edle Werk, das der König Cyrus getan an den gefangenen Israeliten, können wir alle tun an unsern gefangenen Brüdern im Fegfeuer. Wir können sie entlassen. Gott hat uns den Schlüssel der Befreiung gegeben: das Ge­bet, das hl. Meßopfer, die Ablässe, die hl. Kom­munion, das Almosen. Das Gedächtnisaller Seelen" mahnt uns daran, diesen Schlüssel fleißig zu benützen. Mögen sie rasch wie ein Gießbach einmünden in das Meer der Seligkeit, und mögen

wir dereinst mit ihnen Gott preisen in der ewigen Der Burgpfarrer.

Heimat.

helfet den hungernden!

Von Alban Stolz.

Zur Zeit, wo es noch keine Christen auf bet Welt gab, waren in Griechenland zwei Völker, die miteinander in guter Freundschaft standen. Es war aber Teuerung über dem Lande, und eines von die­sen Völkern litt Hungersnot. Darum schickte es zu dem anderen Volke um Hilfe. Die halten aber taum selbst das Notdürftigste. Was machen jetzt? Da wurde beschlossen, das ganze Volk, vornehm und gering, solle einen Fasttag halten und den ganzen Tag gar nichts essen. Selbst das Vieh bekam diesen Tag nichts zu fressen. Was nun auf diese Art n einem jeden Hause erspart ist worden, das legten sie zusammen und schickten es dem anderen Volke, das Hunger litt. Was sagst du dazu? Sieh, das waren nur blinde Heiden und wußten nicht, daß das arößte Gebot heiße:Du sollst deinen Nächstes