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Das Reich in Gefahr.

Was wir alles in den letzten zehn Jahren erlebt 'chen, ist von so großer weltgeschichtlicher Be- lèutung, daß in der ganzen früheren deutschen Ge­richte wenige Perioden sich finden, die mit un= srer Zeit an Bedeutung sich messen können. Und Denn es auch großes, unsagbares Unglück war, ms wir erlebten: bei all den schweren Schlägen »id den bitteren Verlusten an Land und Volk im Pen und Westen und Norden, die wir von unsern finden erleiden mußten, war doch das ein großer iroft, daß die Einheit des Reiches erhalten blieb. Soll nun unser Volk auch diesen Kelch noch Irinfen, daß das Reich zerschlagen wird, daß das Zerk von 1870=71 zerfällt, daß die unselige Zer- issenheit der Jahre 18061870 wiedortehrt und ie kleinen deutschen Teilstaaten dem Gespötte un« her Feinde preisgibL? Das wäre unseres Volkes ('ob. Und es wäre ein um so größeres Unglück, Hs eine solche Auflösung des Reiches nicht der Erfolg der Feindesgewalt, sondern einzig die Frucht iss alten deutschen Erbübels wäre: der deutschen pemigteit.

Was wir aber in den letzten Tagen erlebt haben, inb furchtbare Attentate auf die Einheit des Rei­ms. Man scheint wirklich konstatieren zu müssen: das Reich kracht in seinen Fugen.

3n Sachsen

at die sozialistisch-kommunistische Mehrheit es zum onflikt kommen lassen, weil namentlich ihr linker ügel mt dem durch das Reich erfolgten Verbot rproletarischen Hundertschaften" sich nicht zufrie- -II gab; ja der kommunistische Minister Böttcher ikderte offen auf, jene sozialfftisch-kommunistische -rinpfverbände entgegen dem Reichsverbot beizu- chalten. Das war Aufforderung zur Auflehnung fegen das Reich, und zwar ausgesprochen durch eine etliche Persönlichkeit in höchster verantwortlicher Stellung. Im Einvernehmen mit der Reichsregis- ng stellte darauf der Reichswehrgeneral Müller A Ultimatum an das sächsische Ministerium, das er von dort keine befriedigende Antwort fand. Mit -n nötigen ernsten militärischen Maßnahmen ergte daraufhin die Reichsregievung für die Durch- Hrung ihrer Anordnung und die sächsische Re- jierung mußte sich fügen.

Während uns die verbrecherischen Vorgänge in Ochsen als ein Ausfluß kommunistischer Gesetz- iigkeit und Anarchie immerhin nicht allzusehr zu ! draschen vermögen, müssen die Nachrichten aus

Bayern

<ns mit namenloser Bestürzung und Trauer er« [len. Denn hier sind Kräfte am Werk, die in den ifteft Tiefen ihres Herzens staatserhaltend und b-dernd sein wollen, aber jetzt durch die Unglück­en Treibereien gewisser Kreise zu einem form«

'N Bruche mit der Rerchsautoriläk geführt haben, ils Herr v. Kahr Generalstaatskommijfar wurde, mßte man in dieser Hinsicht schon Schlimmes be- ^rchten. Aber daß so schlimmes, ja das Schlimmste »as nur geschehen konnte, jetzt eintreten würde, zerade in dem Augenblick, wo der Bolschewismus in wachsen frech sein Haupt erhebt, wo im Westen der yeinb an Deutschlands Mauern pocht, wo verräte- ffche Franzosenfreunde im eigenen Lande gegen hre Volksgenossen Waffen tragen u. Deutschland zer- eißen, daß dieser Augenblick von Kahr benutzt wird, im innerdeutsche Forderungen mit Gewalt durchzu- etzen, das hätte man nie für möglich gehalten.

doch ist es Tatsache: v. Kahr hat es abgelehnt, verfassungsmäßige Verfügungen von Berlin in Puncyen durchzustihren (Verbot desVölkischen ^-obachter ); v. Loffow, der General der Reichs- ^chr in München, hat dem obersten Kommandieren- der deutschen Armee den Gehorsam verweigert.

als daraufhin von Reichswegen gegen den "ulernden General vorgegangen werden mußte, Eschonendsten Weise geschah, brach die yeriscys Regierung alle Beziehungen mit dem sb- ja ernannte den von Reichs gen abgesetztsn General zum bayerischen Lander-

tommanbanten, indem sie die in Bayern stehenden Teile der Reichswehr aus dem Verbände der deut­schen Reichswehr losriß und ihrerseits dieselben in Pflicht nahm. Zu welchen weiteren schrecklichen Folgen wird die unselige innere Zwietracht führen? Hat nicht die gewaltsame Spaltung des deutschen Volkes dem Ansehen Deutschlands im Ausland den Todesstoß versetzen müssen? Ist nicht jetzt unser finanzieller Bankerott völlig besiegelt, so daß die Mark gänzlich wertlos geworden (1 Dollar = 56 Milliarden Mark)? Muß das nicht die welschen Feinde im Lande und die Verräter im Westen des Reiches noch ermutigen in ihrer Totengräberarbeit am deutschen Volk? Kann nicht am Ende so der in allen Ecken drohende Bolschewismus ausgestachelt werden, um unser liebes Vaterland zu einem zweiten Rußland zu machen? Die furchtbare Teuerung, die trostlose Arbeitslosigkeit im besetzten und unbe­setzten Gebiete, der Untergang so vieler Existenzen, all die innen- und außenpolitische Not, mußten sie nicht eine Einigung zwischen Reich und Bayern erzwingen? Sie hat es nicht vermocht. Was uns noch einigermaßen Mut trab Hoffnung macht, ist der Gedanke, daß jene Machenschaften nicht aus« gehen vom bayerischen Volk, sondern von einer schwachen Schicht, die zum guten Teil aus Nord­deutschland stammt und nun in Bayern ihre Ziele verfolgt. Ob v. Kahr (ein Protestant) ein geborener Bayer ist, wissen wir nicht, jedenfalls ist sein Vor­gehen eher ostelbisch als bayerisch zu nennen. Und bezeichnend ist, daß General Ludendorff zu ent­scheidenden Sitzungen des Ministerrats in München zugezogen wurde. Hoffen wir, daß bald eins Eini­gung zwischen Reich und Bayern erreicht, und daß die wahrhaft bayerisch und deutsch gesinnten Kreise in München selber ihre Sache in die Hand nehmen. Jedenfalls mögen das unsere Volksgenossen in Bayern beachten: Freude über dieses Vorgehen in Bayern haben nur die Feinde; französische und bel­gische Blätter berichten mit sichtlichem Behagen von den Vorgängen in Bayern, ja der linksradikale Soir" in Paris will in ihnen sogar einen Erfolg französischer Agenten sehen, was sicher nicht wahr ist. Wahr ist aber, daß die Franzosen sich nichts Besseres wünschen konnten.

Die Sonderbündler im Rheinland.

Daß unsere haßerfüllten Erbfeinde, die auch jetzt nach der Aufgabe des passiven Widerstandes noch immer nicht mit uns verhandeln mögen, sondern kaltblütig unser Volk zugrunde gehen lassen wollen, daß die Franzosen unter unseren Volksgenossen Freunde haben, und daß die Franzosenfreunde jetzt die Gelegenheit gekommen sehen, durch Gründung eines westlichen Sonderstaates den Feinden in die Hand zu arbeiten, ist die tiefste Schmach des deut­schen Volkes: In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag (21. Okt.) haben bewaffnete Sonderbündler in Aachen die öffentlichen Gebäude besetzt und eine sogenanntevorläufige Regierung", einerRheinischen Republik" gebildet. An manchem anderen Orte der Rheinprovinz wurden ähnliche Versuche gemacht, aber mit noch geringerem Erfolge: die über­wiegende Mehrheit der Bevölkerung und der Be­amtenschaft hält treu und fest zum Reich und zur Regierung. Franzosen und Belgier begünstigen natürlich so viel sie nur können ihre"Freunde und Helfershelfer, haben aber bis jetzt anscheinend nicht positiv mit Waffengewalt eingegriffen. Die letzten Nachrichten aus dem Rheinland zeigen, daß dem einmütigen Zusammenstehen der deutschgesinnten Bevölkerung gegenüber die Separatisten sich nicht durchzusetzen vermochten, sondern die besetzten Ge­bäude zum größten Teil wieder räumen mußten.

unb der Be- Reich und zur

Sène schwere Gefahr.

Die finanzielle Notlage des Reiches hat die Re­gierung gebieterisch vor'die Notwendigkeit gestellt, die Unterstützungsgelder für die Bevölkerung des RuhreiubruchsgebietÄ vom 20. Oktober ab einzu- stellen. Da hiervon fast die gesamte Jrtdustrie- bevölkerung gelebt hat und die große Arbeitslosigkeit durch die schroff ablehnende Haltung der Franzosen in keiner Weise behoben 'ist, drohen im Westen jetzt überaus große inner? Gefahren. Die Post den

Unternehmern angekündigte Stillegung der Schwer­industrie, die keinen Absatz und darum kein Geld- mehr hat, erfüllte die Arbeiter des besetzten Gebietes mit großer Beunruhigung, die sich nicht auf baf soziale Gebiet beschränkt, sondern möglicherweise auch zu den ernstesten politischen Folgen führt.

RemenZank und Reniennrark

Während dank der traurigen Vorgänge in Sachsen Bayern und Rheinland unserer Währung der letzte Stoß versetzt wurde, ist die Regierung in Berlin, ehrlich bemüht, so schnell wie nur möglich zu helfen, namentlich durch Einführung einer wertbeständigen Währung. Am 20. Oktober vollzog sich im Reichs- finanzministerium der Gründungsakt derDeutschen Rentenbank". Im Verwaltungsrat sind sämtliche bedeutenden Organisationen der Landwirtschaft und der Industrie vertreten. Die dadurch zum Ausdruck kommende Solidarität der Erwerbsstände ist eine kräftige Stütze des Vertrauens für die von der Rentenbank auszugebende Rentenmark, die neben der alten Papiermark stehen und ihr eine wesentlich bessere Bewertung sichern wird.

Der neue ReichslanöwirtschaftsNinifter ist nun auch ernannt. Die Wahl ist gefallen auf den Reichstsgsgbgeordneten Graf Kanitz (Sohn des früheren konservativen Abgeordneten Grasen Kanitz), der vor kurzem aus der deutschnationalen Partei und der deutschnationalen Reichstagsfraktion ausgetreten ist. Er steht, ebenso wie einige andere gemäßigt gesinnte Mitglieder der deutschnattonalen Fraktion, auf dem Standpunkte, daß die scharfe Opposition der Deutschnationalen gegen das gegenwärtige Reichs- kabinett angesichts der schweren Not des Reichs nicht zu rechtfertigen ist.

Kn die Landwirte!

Der ueuernannte Minister wendet sich mit fol­genden Worten an die Landwirtschaft:

Zum ersten Male ist ein praktischer Land- w irt für das Amt des Reichsministers für Er­nährung und Landwirtschaft ausersehen worden. Ich bin der Ansicht, daß auf dem Wege der rein par­teipolitischen Auseinandersetzung Deutschland nicht gerettet werden kann. Nur wenn dal Trennende zurückgestellt wird und wenn alle Händ< zugreifen, ist Rettung möglich. Meine Aufgabe seht ich hauptsächlich barm, im Rahmen des überhaupt Möglichen Nahrungsmittel für das hun­gernde Volk zu schaffen. Daß ich als praktischer Landwirt mich zu keinerlei Maßnahmen verstehen werde, die die Produktion lähmen und die zur Linderung der furchtbaren Not erforderliche intensive Beschaffung von Nahrungsmitteln hindern könnten, ist selbstverständlich. Ich weiß, daß die überwiegende Mehrzahl meiner Berussgenoffen aus allen Parteien meinen Entschluß grundsätzlich billigen wird. Die wirtschaftliche und nationale Erstarkung Deutschlands wird nur kommen, wenn die Beichseinhert er­halten bleibt und k e i n H u n g e r ch a o s entsteht. Der Erfolg wird um so greifbarer sein, wenn er unterstützt wird durch die tätige Mitarbeit aller meiner Berufsge­nossen. Der Aufruf schließt: Berufsgenossen! Denktan die furchtbare u nbesch leibliche No t in den Städten! Denkt daran, daß täglich wertvolle deutsche Menschen- leben buchstäblich der hungern! Denkt daran, daß ein neues glückliches Deutschland niemals auf­zubauen ist, wenn die Städte sterben! Helft mir bei meiner unsagbar schweren Aufgabe, s ch n e l l st e n s Lebensmittel zu schaffen, eine Ausgabe, die, wenn überhaupt einigermaßen, dann nur mit Eurer freiwilligen und verständnisvollen Mitarbeit zu lösen ist.

cd AusianÄ. cd

3n Oesterreich

waren am letzten Sonntag (21. Oktober) Neuwahlen für das Parlament. Ein überaus lebhafter, mit den modernsten Mitteln, aber in anständiger Weise ge- aüer Wahlkampf hatte zur Folge, daß die Wahl- lligung eine ungemein rege war. Die. ChrU-