33. Zahrg. Ä
Kassel, den 2z. Oktober 1925.
Nr. 42.
6t. Wl-Wt
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 15 000 000 Mk., B15V» 000 000’1111. (freibl.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen: Grundpreis für die einspaltige Kolonelzeile 50 Mk. Reklame-Zeile 150 Mk. Schlüsselzahl 600 0Ü0.BeiWiederholungRabatt. Auskunft-Anzeigen 5 vv» 000 Mk. extra.Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei.
WochenKalenöer.
Sonntag, 21. Ott. Zweiundzwanzigster Sonntag nach Pfingsten. Hilarion, Abt. Ursula, Jgfr, u, M.
Montag, 22. OIL Vom Tag. Messe vom Sonntag.
Dienstag, 23. Ölt. Vom Tag. Messe vom Sonntag.
Mittwoch, 24. OIL Raphael, Erzengel.
Donnerstag, 25. OIL Chrysanthus u. Daria, Märtyrer.
Freitag, 26. Oft. Evaristus, Papst u. Märtyrer.
Samstag, 27. OIL Vigil der hl. Apostel Simon u. Judas.
ZweiundzwanZigster Sonntag nach Pfingsten
, (Evangel. Matth. 22, 15—22.)
In jener Zeit gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie Jesus in einer Rede fangen könnten. Und sie schickten ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm und sagten: Meister, luir wissen, daß du wahrhaft bist und den Weg Gottes nach der Wahrheit lehrest und dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf tue Person der Menschen: sag uns nun, was meinest du wohl: Ist es erlaubt, dem Kaiser Zins zu geben, oder nicht? La al er Jesus ihre Schalkheit kannte, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Zeiget mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Denar hin. Da sprach £ efus zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Ueberzchrift? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: Gebet also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Kommunismus.
erde ich heute in dieser Sonntags- lesung dem Kommunismus das Wort reden? Ja; und zwar ein kräftiges, ein empfehlendes Wort. Aber der Kommunismus ist doch von der Kirche verworfen? Gewiß. Sozialismus und Kommu
nismus in der heutigen Form sind von der Kirche verworfen; sind sie ja nichts.anderes als die letzten Ausläufer eines praktischen Unglaubens, dem das Jenseits ein leerer Wahn ist. Alle Produktionsund Genußgüter sollen gemeinsam sein; das ist der falsche Kommunismus. Lassen wir die Finger davon; er führt die betrogenen Menschen noch tiefer in den Schlamm hinein. Einen andern Kommunismus habe ich im Auge, einen gottgefälligen, segensreichen, den Kommunismus am katholischen Gotteshaus.
Da nun bald fast allerwärts das Kirch- wechfssi gefeiert wird, so wollen wir uns heute in diesen Gedanken vertiefen.
®eb an einem Sonntag durch die Gemeinde. Da siehst du aus jedem Hause festlich gekleidete Menschen herauskommen, mit fröhlicher Miene, vielfach ein Gebetbuch in der Hand; ein Strom von Menschen ergießt sich durch die Straßen. Alle haben denselben Gedanken, dieselbe Richtung, dasselbe Ziel. Du schaust ihnen nach und siehst sie einem Gebäude zueilen, das an Größe und Statt- Uchkeit alle andern übertrifft, das mit seinem Turm vas Dorf, die Gemeinde, die Stadt. die ganze Ge
gend beherrscht, auf dessen Höhe fröhlich die Glocken chwingen und weithin ihren ehernen Schall ent- enden. In dieses Haus mündet der Menschen- trom. Längst hast du es erraten: es ist das Gotteshaus, es ist die Kirche. Sie ist nicht Privateigentum: sie gehört nicht dem Pfarrer, nicht dem Bürgermeister, nicht einem Großgrundbesitzer, nicht einem Häuserspekulanten; sie gehört der Gesamtheit der Katholiken, sie gehört der Kirchengemeinde, sie
Ausrus-
* Der Carllasverband hat für die nächste Woche eine Lebensmittelsammlung in den einzelnen Dörfern in Aussicht genommen. Wir wollen es nicht versäumen, diese Sammlung unseren Mitgliedern zur talkräftigen Unterstützung und Beisteuerung wärmstens zu empfehlen: Gill es doch hier, die Armen und Notleidenden vor dem Verhungern zu bewahren. Gebe jeder nach bestem Können und Gewissen, gleichsam als Dankspende für die gehabte Ernte! An unsere Ortsgruppenvorsitzenden richten wir die besondere Bitte, bei der Sammlung selbst behilflich zu sein und die Bauernvereinsmitglieder auf die «Sammlung des Caritas- verbandes besonders aufmerksam zu machen.
K u r h e s s. B a n e r u v e r e i n.
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ist Gemeingut der Gläubigen, sie steht unter dem Zeichen des Kommunismus.
Die übrigen Häuser gehören diesem und jenem. Das Gotteshaus gehört allen, ist das gemeinsame Haus der Gläubigen. Gehst du ohne Erlaubnis und ohne Anklopfen in ein Privathaus, so wirst du als Eindringling betrachtet und wegen Hausfriedensbruch verklagt. In das Gotteshaus aber darfst du jederzeit hineingehen; denn es gehört auch dir. Darum ist es zum allgemeinen Zutritt den ganzen Tag geöffnet. Nicht bloß erleidest du keine Strafe, du verdienst sogar Lob und Anerkennung, wenn du ungerufen hineingehst, um darin zu beten. Wer allerdings in unlauterer Absicht kommt, wer darin stehlen, rauben und plündern will, der ist ein Verbrecher, ein Dieb und Gottesräuber. Der Habsucht und gemeinen Raubgier unserer Tage war dieses abscheuliche Verbrechen vorbehalten, von dem man nicht genug erschaudern kann.
Jeder aber, der kommt im Geist des Glaubens und der Liebe, ist im katholischen Gotteshaus willkommen. Es steht dir frei, die Altäre, die Bilder, die Statuen, die Reliquien, die Kanzel und die übrigen Kultgeräte nach Herzenslust zu betrachten. Cs steht dir frei, so lange darin zu verweilen, als es dir gefällt, es steht dir frei, dich darin auszubeten und auszuweinen in stiller Heimlichkeit. Denn vom Tabernakel hörst'du jene liebevolle Stimme:
Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Da wird es dir viel wohler und freier werden als in einem Wirtshaus oder Theater oder Kino. Denn ein einziger Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend in den Zelten der Sünder, betet der Psalmist.
Kommunismus, das Gotteshaus ist für alle. Den Adeligen und den Bürger, den Kapitalisten und den Bettler, den Fabrikant und den Arbeiter, den Prof, und den Bauersmann, Mann und Frau, Greis und Kind, Hoch und Nieder, Kranke und Gesunde, Sünder und Heilige, Priester und Laien, alle nimmt die Kirche auf in ihren ehrwürdigen Schoß und drückt Mmns Herz als liebende Mutter. Dort sind wir alleKinder Gottes, Brüder und Schwestern.
Kommunismus. Auch die Schütze und Gnaden, die in der Kirche ausgeteilt werden, sind Gemeingut. Da ist die Predigt, in welcher Gottes Wort und Gottes Wille verkündet wird für alle. Da ist der Beichtstuhl, zu welchem du bei jeder Beichtgelegenheit Zutritt hast, um durch die Lehre des Beichtvaters neuen Antrieb zur Tugend und durch seine Lossprechung Verzeihung der Sünden zu erhalten. Und vom Zutritt zur Kommunionbank gilt auch heute noch das Wort des hl. Kirchenvaters Chrysostomus aus dem vierten Jahrhundert: „Alle, ja alle dürfen zum Liebesmahl kommen, der Hinkende und der Lahme, der Arme und der Alte, so gut wie der schmucke Jüngling, der stattliche Hofherr und der Fürst selber, dessen Haupt die Krone schmückt."
Kommunismus: auch beim hl. Meßopfer. Alle sind versammelt, vom Jüngsten bis zum Aeltesten, vom Reichsten bis zum Aermsten, vom Gebildetsten bis zum Unwissendsten; zu allen wendet sich der Priester vom Altarè aus und entbietet ihnen tum himmlischen Gruß: Dominus vobiscum, der Herr- sei mit euch, und alle antworten ihm durch die Ministranten oder den Kirchenchor: Et cum spiritu tuo, und mit deinem Geiste. So sind Priester und Volk, Klerus und Laien zu einem unzertrennlichen Organismus während der hl. Meßfeier verknüpft; sie bilden einen Leib, an dem Christus das Haupt ist. Das gibt Kraft, das gibt Glaubensmut und Gottvertrauen. Da erfüllt sich der Spruch des Psal- misten: O wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen; wie Tau herabströmt auf den Hermon, so entbietet der Herr den Friedfertigen Leben und Segen.
Wende das Blatt um. Aus der einen Seite stehen die Rechte; du hast sie kennen gelernt; auf der andern Seite stehen die Pflichten; verschweigen wir sie nicht. Was tut der Eigentümer eines Hauses? Er sorgt für seinen Bestand, für die Mauern, für dasLach, für die Geräte, für die Möbel. Nun, wir haben Rechte am Hause Gottes, also auch Pslichten zum Unterhalt desselben, zum Unterhalt des Gebäudes, der Geistlichkeit, der Kirchendiener; wir sollen beitragen zu den Bedürfnissen des Gottesdienstes, zu den Kerzen, zum Weihrauch, zum Meßwein, zu den Hostien, zu den Büchern und Musikalien. Du bist nicht so unmündig, um dir