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53. Zahrg. U

Nr. 38

6t. ElWeth-AM

Religlösss Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 270 900 Dit, B 300 OCO Mk. (fretbs.) Redaktions­schluß Montag. Anzeigen: Grundpreis für die einspaltige Kolonelzelle 50 Mk. Reklame-Zeile 150 Mk. Schlüsselzahl 12 099. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft-Anzeigen 10!) 00 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

3ruit und Verlag der Fuldaer ActiendruLerei

Wochenkalender.

Sonntag, 23. Sept. Achtzehnter Sonntag nach Pfingsten. Linus, P. u. M., Thekla, Jgfr. u. M.

Montag, 24. Sept. Pest unserer Lieben Frau vom Loskauf der Gefangenen. Gerhard, Bisch, u. M.

Dienstag, 25. Sept, Vom Tag. Messe vom Sonntag. Firmin, Abt.

Mittwoch, 26. Sept. Cyprian, M. u. Justina, Jgfr. u. M-

Donnerstag, 27. Sept. Cosmas u. Damian, M.

Freitag, 28. Sept. Lioba, Jgfr., Wenzeslaus, M. Samstag, 29. Sept. Michael, Erzengel.

Achtzehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Malth. 9, 19.)

In jener Zeit stieg Jesus in ein Schifflein, fuhr über, und kam in seine Stadt (Kapharnaum). Und siehe, sie brachten zu ihm einen Gichtbrüchigen, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, einige von den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst Dieser lästert Gott! Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr Böses in euern Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu lagen: Stehe auf und wandle umher? Damit ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe, die Sünden zu vergeben auf Erden, sprach er zu dem Gichtbrüchiaen: Steh auf, nimm dein Bett, und geh in dein Hausl Und er stmd auf, und ging in sein Haus., Da aber das Volk dieses sah, fürchtete es sich, und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Welkende blätter.

AH t'lll und langsam kommt der Herbst in die Lande geschlichen. Die Blät­ter auf den Bäumen verlieren ihre Frische und ihren Glanz und werden allmählich dürr und welk. Der erste Sturm, der erste Frost holt sie von ihrer stolzen Höhe

herab, wirft sie in den Staub unter die Füße der Menschen und Tiere und macht sie zu Mist und Dung für Feld und Wald.O quae mutatio rerum: o welch ein Wechsel der Dinge!"

Welkende Blätter sind auch die Ehren und Bürden, die Häuser und Aecker, die Kapitalien und Einkommen, die Menschen selber und alles Irdische. Vergänglich ist das alles wie ein Blatt auf dem ^aume, wie ein Spinngewebe an der Wand, wie der Schatten des Rauches, der am Bo­den dahinhufcht. Mit großen Buchstaben hat Gott die Vergänglichkeit des Irdischen hineingeschrieben *n ..E, Vlbel durch den Finger des mächtigsten und prächtigsten Königs, Salomos meine ich, der den Wechsel des Glückes am eigenen Leibe mitaemacht und verspürt hat. Vernimm den Seufzer, der gleichsam als Schwanenlied seinem Munde entstieg; »Vanitas vanitatum, Eitelkeit über Eitelkeit und alles Irdische ist Eitelkeit!"

.^ Weisheit Gottes gefallen, diese Vergänglichkeit nicht bloß in die Bibel zu schreiben;

nein, von Zeit zu Zeit schreibt er sie auch mit un­heimlichen Buchstaben in die Geschicke und Geschichte der Völker. Eine solche Riesenschrift ist das Erd­beben in Japan am 1. September dieses Jahres. Wo sind jetzt so manche Paläste von Tokio? Wo sind so manche Handelshäuser von Pokohama? Wo sind so manche Villen, Gasthäuser, Banken und Türme? Wo sind .so viele Minister, Bonzen, Kauf­leute, Professoren, Aerzte, Kapitalisten und Prole­tarier? Das alles ist dahin, geknickt vom Erdbeben, versunken in den Boden, begraben unter Trüm­mern, weggefegt vom Sturm, fortgeschwemmt vom Wasser, verbrannt vom Feuer! Das Werk weniger Minuten und das Angesicht eines ganzen Lan­des hat sich geändert.

Es müßte dieses Erdbeben eine Fernwirkung haben nicht bloß auf die Seismographen in Heidel­berg und anderer Hochschulen, sondern auch auf die Herzen aller denkenden Menschen, vorab auf die Herzen der Gläubigen und Katholiken. Ich lese in den Schriften des hl. Johannes Chrysostomus von einem ähnlichen Naturereignis in Konstantinopel aus dem vierten christlichen Jahrhundert. Chry­sostomus war Bischof in jener morgenländischen Großstadt, die von einer modernen Großstadt in nichts sich unterschied, wo die Gegensätze von Reich und Arm genau so auseinander prallten wie in unsern Tagen. Vom Luxus der Besitzenden er­zählten die silbernen und goldenen Beschläge an den Geschirren der Pferde und Maulesel, die Scha­ren von Köche und Bedienten, mit denen die Geld­könige sich umgaben; von der Not der Armen er­zählten die Bettler, die in Fetzen gehüllt hungrig und frierend vor den Kirchen und auf den öffent­lichen Plätzen einen Zehrpfennig heischten. Da suchte plötzlich ein Erdbeben die Stadt heim. Als wieder etwas Ruhe eingetreten waM bestieg der redsmächtigs Bischof die Kanzel und hielt eine herz­ergreifende Predigt. Zu unserm Nutz und From­men will ich aus diesem Meisterwe k der Beredsam­keit einige Bruchstücke hier anfügen:

Habt ihr gesehen die Macht des Herrn? Das Erdbeben ist zwar vorüber, die Furcht aber soll bleiben; die Erschütterung hat aufgehört, die Fröm­migkeit aber möge Bestand haben. Habt ihr ge­sehen, wie wenig Bestand die irdischen Dinge haben? Während des Erdbebens dachte ich bei mir selber: wo sind nun die Räubereien? Und Habgier, Herrschsucht, Hochmut, Anmaßung, Bedrückung, Ausbeutung der Armen, Uebermut der Reichen, Drohungen und Einschüchterungen wo ist das alles hingekommen? In einem kurzen Augenblick hat Gott jedes Herz und Gemüt erzittern lassen und hat die Grundfesten der Seele erschüttert. So gedenken wir denn auch einmal jenes furchtbaren Tages,, wo es sich um eine Ewigkeit handelt. Den­ken wir an die Flammenströme, an die Zornes­ausbrüche des Richters, an seinen schrecklichen Thron, an das unbestechliche Urteil; erwägen wir, daß uns dann eines jeden Werke klar vor Augen stehen und daß niemand helfen kcmn^kein Vater.

keine Mutter, kein zungenfertiger Anwalt, kein Busenfreund niemand. Sagt an, was wollen wir dann beginnen? Laßt uns jetzt die Seelen­wunde Heiligen. Abermal frage ich euch und werde nicht müde werden, euch immer wieder zu fragen: Wie lange klebet ihr noch an dieser Welt? Wie lange noch wird das Geld unser eins und alles sein? Wie lange der Reichtum? Wie lange die stattlichen Häuser? Wie lange die wilde Gier nach tierisches Lust? Seht, das Erdbeben ist gekommen: was haben die Reichtümer genützt? Mit dem Besitzer ist zugleich der Besitz hingesunken, mit dem Haus« der Hausherr zugrunde gegangen; beide haben zu­gleich Ruhe gefunden. Für alle ist die Stadt zum Grabe geworden, zum plötzlichen Grabe, das nicht von der Schaufel des Totengräbers, sondern durch die Wucht der Elemente ist hingerichtet worden. Das gegenwärtige Leben ist wie ein Theater; Ar­mut und Reichtum, Herrschen und Dienen, über-

! Haupt dis Schicksale dieses Lebens sind nur Schein. Einst wird dieser Tag vorüber sein; dann ist das Spiel zu Ende, die Masken werden abgelegt, und geprüft, wird jeder und seine Werke; nicht das Amt, nicht die Gewalt, nicht das Vermögen, nicht dis Stellung: die Werke werden geprüft; alles andere ist dann gleichgiltig und bedeutungslos." So weit der hl. Kirchenlehrer Chrysostomus.

Wohlan, ziehen wir alle Nutzen aus diesem Er­leben, aus diesem Schicksal ferner Menschen. Gestern hat es den fernen Osten getroffen; wer weiß, ob es nicht morgen uns Menschen im Westen trifft? Wozu also das Jagen nach Besitz und Reichtum? Nach Dollars und Devisen? Nach Gewinsten und Divi­denten? Nach Grundstücken und Reichtümern? Alles das wird verwehen, wie welke Blätter. Trachten wir nach werlbeständigsn Schätzen: jedes Vater unser, jeder Glaubensakt, jede Tugend, jeder gute Gedanke, jedes gute Werk, jedes Almosen, jedes Opfer, jede Abtötung ist wertbeständige An­lage für den Tag der großen Entscheidung. Davon schreibt der Psalmist die denkwürdigen Worte: Selig der Mensch, der an Gottes Geboten seine Lust hat: kein Blatt an ihm wird jemn's welken, und alles, was er tut, gelingt ihm. (Pf. 1.)

Der Burgpfarrer.

Sündhafte Liebschaft.

Ich war einmal auf einem Kirchhof in der Schweiz. 'Der Pfarrer des Ortes, welcher mich begleitete, machte mir bemerklich, daß die Kreuze auf den Gräbern dreierlei oarbe haben. Schwarz find die Kreuze der Verheirate­ten; blau die Kreuze der Ledigen und Kinder: braun die Kreuze der ungeratenen Weibsleute, welche nicht ver­heiratet waren und doch auch keine Jungfrau geblieben und. Auf diese Weise bleibt ihre Schande selbst nach ihrem, Tode noch unvergessen: alle, die am Sonntag in die Kirche gehen, sehen die Schande am braunen Kreuz mit dem Namen darauf.

Ich schreibe dies für junge ledige Personen, welche noch verschiedene Wege vor sich haben, die sie wählen können, rechts,oder. links..oder.tzazwifchen durch.^^illst.>