Kassel, den 16. September 1923.
Nr. 37
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, I - Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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und seinen Freund Moses als Vollstrecker seines eigenen Willens zu Pharao entbot. Was soll ich sagen, wagte Moses einzuwenden, wenn die Israeliten nach dem Namen desjenigen fragen, der mich gesandt hat? Da sprach der Herr zu ihm die unergründlichen Worte: „Ich bin, der ich bin. Sage also den Israeliten: der da ist, der hat mich gesandt." Eine geheimnisvolle Rede, an der die Philologen, Philosophen und Theologen ihren Scharfsinn messen. Eigentlich habe ich keinen Namen, will Gott sagen; mein Wesen selbst ist mein Name. Denn ich bin derjenige, der das „Sein" in seiner ganzen Fülle besitzt. Alle Dinge sind, als wären sie nicht, sind zufällig, find entbehrlich, sind von mir geschaffen, sind abhängig, beschränkt, endlich, vergänglich; ich allein bin der Unerschaffene, der Ewige, der Beständige, der Unsterbliche, der Allmächllge, der Unabhängige, der Herr und Gebieter. — In der geheimen Offenbarung aber spricht der Herr: „Ich bin das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, der war, ist und fein wird, der Allmächtige." Das Alpha ist in der griechischen Sprache, wie in der deutschen, der erste Buchstabe im ABC; das Omega aber, verschieden vom deutschen, der letzte. Christus will also sagen: ich bin als Sohn Gottes eines Wesens mit dem Vater, ewig und unveränderlich; ich habe keinen An- ■ fang und kein Ende; alle geschaffenen Dinge aber haben durch mich ihren Anfang und ihr Ende, ihr Ziel und ihre Bestimmung. —
Die Juden setzten in ihren heiligen Schriften für den Namen Gottes vier geheimnisvolle Buchstaben, das sogenannte Tetragramm. Diese vier Buchstaben bestehen nur aus Leiselauten und haben keinen einzigen Selbstlauter, können mithin nicht gelesen und gesprochen werden. In der Regel werden diese Buchstaben als Jehova oder Jahve gedeutet. Kamen sie bei der Lektüre der hl. Schrift auf diesen Namen, so ließen sie ihn unausgesprochen und lasen dafür Adonai, d. h. Herr. Offenbar fürchteten die Juden, diesen heiligsten aller Namen nicht mit der geziemenden Ehrfurcht aussprechen zu können, und darum setzten sie einen anderen an dessen Stelle. Nur der Hohepriester durfte das Tetragramm lesen und auch dieser nur beim Gottesdienst im heiligen Zelt und mit allem Schauer heiliger Ehrfurcht. Ueberdies trug der Hohepriester an seinem Kopfbund ein goldenes Schild, auf welchem der Name Jehova eingegraben war.
Als Alexander, der Große, auf seinem Siegeszug nach Jerusalem kam, ging ihm der Hohepriester Jaddo in seiner Amtstracht, den Namen Jehova auf der Goldplatte, mit der ganzen Priesterschar entgegen. Die Soldaten erwarteten, Alexander würde den Hohepriester mit seiner Gefolgschaft niederhauen lassen. Wie waren sie indes erstaunt, als der sieges- gewaltige," oft so grausame Kaiser, sich vor dem Prie- ter auf den Boden niederwarf. Von seinem Freund Parmenio um die Ursache befragt, gab Alexander die Antwort: „Nicht den Hohepriester habe ich angebetet, sondern den Gott, dessen Priester er ist".
Ohne weiteres werden wir nun verstehen, daß die. Verunehrung eines so großen Namens Gott be-
Wochenkalender.
Sonntag, 16. Sept. Siebzehnter Sonntag nach Pfingsten. Cornelius, P. u. M. Cyprian, Bisch, u. M. Euphemia, Lucia u. Geminianus, M.
Montag, 17. Sept. Fest der Wundmale des hl. Franz. Hildegard, Jgfr.
Dienstag, 18. Sept. Joseph von Cupertino, Bek.
Mittwoch, 19. Sept. Januarius, Bisch, u. M. Quatember- Mittwoch.
Donnerstag, 20. Sept. Eustachius, M. Vigil von Matthäus.
Freitag, 21. Sept. Matthäus, Ap. Quatember-Freitag.
Samstag, 22. Sept, Thomas von Villanova, Bisch, u. Bek.
Mauritius, M. Quatember-Samstag.
Siebzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Matth. 22, 35-46.)
Vlutige Striemen.
er so unglücklich ist, alle Tage mit der Reitpeitsche, mit Stock oder Rute trassiert zu werden, der bekommt blutige Striemen und wird sie nimmer los. Und wer alle Tage den Namen Gottes und der Heiligen oder heiliger Dinge gedankenlos, frech und leichtartig ausspricht, der bekommt blutige Striemen an der Seele und wird sie nicht los, bis er die verderbliche Gewohnheit abgelegt hat. Vieles haben wir in diesen Lesungen von Gottes Wesenheit, von Gottes Größe und Glorie vernommen. Ist es da nicht ganz selbstverständlich, daß wir nur mit Ehrfurcht von Gott reden, nur mit Ehrfurcht seinen Namen nennen? Diese Notwendigkeit dämmerte schon den Heiden. Niemals sollten wir so verschämt sein, sagt der alte Seneka, als wenn von den Göttern die Rede ist; betreten wir den Tempel, so sind wir sittsam; wohnen wir den Opfern bei, so senken wir die Augen und benehmen uns auf alle Weise ehrerbietig: wie viel mehr sollten wir dies tun, wenn wir über die Natur der Götter Streitfragen unter einander haben.
Ausdrücklich hat Gott die Verunehrung seines heiligen Namens verboten mit den Worten des zweiten Gebotes: „Du sollst den Namen des Herrn, dei- ues Goikes, nicht vergeblich führen." Und als erste Bitte im „Vater unser" hat uns der Heiland die Worte in dm Mund gelegt: „Geheiligt werde dein Name".
Glaube nicht, daß der Name Gottes nur ein Schall ist, nur aus Buchstaben und Lauten vefteht. Nein; der Name Gottes ist Gott selber, und Mes, was von feinem Namen gesagt wird, das gilt seiner Person, von seinem Wesen, von seinen f-lgenschaften, von seiner Herrlichkeit, von ihm sel- er. Erinnere dich an die Berufung des Moses. In mamer, schauerlicher, schweigender Wüste ist es ge- bum T-^ k'e Herrlichkeit Gottes in einem Dorn- ßj.7 erschien, der brannte, aber nicht verbrannte.
selber -wur es, äei_.aus dein Dornbusch redete
leidigt und seine Strafe herausfordert. Höre darüber die Mahnung des frommen Ecclesiasticus: „Gewöhne deinen Mund nicht zum Schwören; denn man fallt oft dadurch. Führe nicht immer den Namen Gottes im Mund und mische auch nicht die Namen der Heiligen in deine Rede; denn so wirst du nicht ohne Sünde bleiben. Denn wie ein Knecht, der beständig gefoltert wird, der Striemen nicht los wird, so kann keiner, der schwört und heilige Namen nennt, rein von Sünden sein: ein Mann, der viel schwört, häuft Missetat, und die Strafe wird von seinem Hause nicht weichen". (Ecckl. 23, 9 f.)
Was willst du nun zur Entschuldigung vorbringen, wenn du alle Augenblicke sagst: lieber Gott oder Herrgott und dabei so wenig denkst wie ein Spatz, der auf dem Dache fein Liedchen trillert! Wenn du „bei Gott" sagst und andere Schwurformeln vor Freunden und Feinden gebrauchst und mit solchen erhabenen, sinnreichen Formeln so leichtsinnig umgehst wie ein Kind mit seinen Kugeln! Ist ein solches Gebühren nicht ein Schandmal für einen Katholiken, zumal für einen gebildeten oder einen frommen? Wir haben heute im Evangelium aus dem Munde des Heilandes die Mahnung vernommen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen". Ich frage euch, wenn wir nicht einmal den Namen Golles in Ehren halten, ist dann unsere Liebe nicht eitles Geflunker? Auf zum Kampf wider die Verunehrung des hl. Namens! Mache morgens einen festen Vorsatz; untertags Aufmerksamkeit und Kontrolle; bei Zuwiderhandeln freiwillige Buße: drei Vater unser mit ausgespannten Armen, ein Almosen, oder Verzicht auf eine Zigarre, auf ein Vergnügen. So wirst du bald kuriert sein!
• Der Name des Herrn sei gebenedeit Von nun an bis in Ewigkeit!
Der Burgpfarrer.
Die Notwendigkeit eines einheimischen Klerus in den heidenmissionen.
Von P. Wenzeslaus K i n o l d, O. F. M Apostol. Präfekt von Sapporo, Japan.
Ohne Zweifel ist die Hauptsache der Heidenmission nicht nur die Bekehrung möglichst vieler Heiden zum wahren Glauben, sondern auch die Gründung und feste Verankerung der Kirche Christi im Lande selbst. Mit anderen Worten, es ist eine Hauptpflicht der Missionare, einen einheimischen Klerus heranzubilden und so die spätere Errichtung einer Hierarchie zu ermöglichen. Erst wenn dies gelungen, ist der Weiterbestand der Kirche gesichert, ist ein dauerndes Fundament für die Bekehrung des ganzen Landes gelegt. Gelingt es nicht, einen einheimischen Klerus heranzubilden, so sind die Bekehrungen durch ausländische Missionare meist nur zeitweilige Erfolge, ihr Werk bricht zusammen, sobald sie durch irgend welche widrige Verhältnisse gezwungen werden, das Land^zu verlassen. Die Geschichte der Missionen ist hierfür ein sicherer Beweis.
Immer wieder betont diese Notwendigkeit unser Heil. Vater in Rom. Schon oft hat er klar und scharf auf die Notwendigkeit eines .einheimischem Kluas.llmo-Me-