Die große Koalition
Was vor einem % Jahre durch den bamaligen Reichskanzler Dr. Wirth vorbereitet und fast zur Vollendung geführt, aber damals in letzter. Stunde durch selbstsüchtige Forderungen der Sozialdemokratie vereitelt worden war, ist nun erreicht: die große Koalition der vier gemäßigten Parteien Zen- trium, Deutsche Solfspartei, Demokraten und Sozialdemokraten. Auf breitester Basis ist so das neue Kabinett Stresemann gebildet; und es fand darum, als es am Dienstag, den 14. August, dem Reichstag sich verstellte, eine überwältigende Mehrheit, die ihm das Vertrauen aussprach: Der Vertrauensantrag der Regierungsparteien wurde mit 240 gegen 76 Stimmen (Deutschnationale und Kommunisten) bei 25 Stimmenthaltungen angenommen. Die Majorität wäre noch größer geworden, wenn nicht der rechte Flügel der Deutschen Volkspartei und der linke (ehemals „unabhängige") Flügel der Sozialdemokratie sich von der Abstimmung gedrückt hätte.
Die Mnisterliste hat unterdessen ihre Ergänzung gefunden. Reichspostminister wurde der Zentrumsabgeordnete Höfle, erster Fachmann in Beamtenfragen.
Der neue Reichskanzler ist bekannt als ein glänzender Redner und hervorragender Außenpolitiker. Wenn er im Reichstag das Wort ergriff oder im Lande als Redner auftrat, horchte eine breite Oeffentlichkeit auf ihn. Sein erstes Auftreten als Reichskanzler vor dem Reichstag kann nur als ein glückliches bezeichnet werden. Besonders zu unterstreichen ist sein Satz: „Man verlangt von uns außenpolitische Aktivität. Die beste außenpolitische Aktivität, die wir entfalten können, ist die Ordnung der deutschen Verhältnisse im Innern". Selbst in Frankreich sind die ersten Aeußerungen gegenüber dem Auftreten Stresemanns freundlich, was immerhin etwas heißen will, wenn auch nicht viel Erfolg nach dieser Seite hin zu hoffen ist. Man meint, seine Stellung fei gemäßigter als die des abgegan- genen Reichskanzlers Cuno und beruft sich auf einen Satz in feiner Vorstellungsrede, in dem er nur „die freie und unalchängrge Verfügung über das Ruhrgebiet" als Bedingung für die Wiederaufnahme der Reparationsleistungen fordert. Die in diesen Tagen erfolgende Antwort Frankreichs auf die letzte englische Note wird ja zeigen, ob Poincare jetzt versöhnlicher geworden ist.
Jedenfalls im Ruhrkampf selbst kann von einem Abflauen der französischen Gewalttätigkeiten nicht die Rede sein. Abermals ist die Grenzsperre verhängt worden, und die zunächst für 8 Tage vorgesehene Sperre ist auf einen ganzen Monat verlängert worden. Das bedeutet ein ganzes Meer von Leiden und Schikanen für unsere Brüder der Rhein- und Ruhrgebiete und ist raffiniert ersonnen, um die Kräfte des Widerstandes zu zermürben. Danebenher laufen fortgesetzt Massenausweisungen von Eisenbahnern und sonstigen Beamten, und immer wieder werden Fälle gemâet, in denen deutsche Bewohner das Opfer der französischen Gewehre werden. ..^sÄ^W ' ■
Die Kanjler Deutschlands.
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1. Fürst Bismarck 21. März 1871 bis 20. März 1890 2. v. Caprivi 20. März 1890 bis 26. Oktober 1894. 8. Fürst Chlodwig Hohenlohe. Schillingsfürst 27. Okt. 1894 bis 17. Oktober 1900.
4. Fürst Bülow 27. Okt. 1900 bis 13. Juli 1909. Ehmann-Hollweg 14. Juli 1909 bis 14. Juli 1917. * Michaelis 15. Juli 1917 bis 1. November 1917. Graf Hertlmg 1. Nov. 1917 bis 5. Okt. 1918 Pruiz Max von Baden 7. Oktober 1918 bis 9 Nov
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Ebert 9. November 1918 bis 1. Februar 1919 11. Februar 1919 biS 20. Juni 1919. N" 1019 bis 24. März 1920. ? März 1920 biS 19. Juni 1920.
Juni 1920 bis 7. Mai 1921. JP?1 ^21 bis 14. November 1922. 15. Cuno 24. November 1922 bis 12. August 1923. 16. Stresemann vom 12. August 1923 ab.
Die schWeben-e Schul- -e§ Reiches hat jetzt eine ungeheure Höhe erreicht und ist in her Zeit vom 31. Juli bis 17. August von 57 Bil- X" Äl20 ZMonen emporgeschnellt. Daß eine a ""leres Papiergeldumlaufes
solche Anschwellung unseres Noni->-^M^^.,k^ !^*' 3n ^w'ew (Dorpat) sind die Bolschewisten in (umfaßt Baden und Hohenzollern). 2. Bistum Rotten- NM immer wieder d^ die Gemächer des Bischofs von Riga eingsdrungen, burg (Württemberg). 3. Bistum Mainz (Hessen-Darm,
.....‘..,y£L£^ Qteberbryi^ vom Bett und warfen ihn insErdgeschoß Istadt). 4.^ ^^^w £^^ 5. Bistum FulM
klar. Wer sich ein paar Tausend gespart zu haben glaubte, mußte mit Schrecken sehen, daß die Ersparnis nichts mehr wert ist. Die schweren neuen Steuern, dis jetzt endlich beschlossen sind und im August noch erhoben werden, werden dem weiteren Verfall unserer Währung vorbeugen. Wir können mir unterschreiben, was ein Aufruf der Demokraten sagt: „Die Forderung der Stunde ist die allgemeine Wehrpflicht des Besitzes. In Ueberwindung früherer Fehler hat der Reichstag schwere Steuern bewilligt. Die Last ist groß, aber sie kann getragen werden, wenn jeder den Besitzteil opfert, der zum Fortgang seiner Wirtschaft nicht unbedingt nötig ist."
Die neuen Steuern sind — das müssen wir uns immer wieder sagen — das einzige Mittel, unseren wirtschaftlichen Niedergang zu verhüten und den Wert des verbleibenden Besitzes zu retten. Unser Geld ist seither von Tag zu Tag im Wert zurückgegangen, weil die Verpflichtungen des Staates durch den Druck von neuem Papiergeld, nicht aber durch Aufbringung neuer Mittel erfüllt wurden. Die Steuern, die wir jetzt bezahlen müssen, werden eine schwindelnde Höhe erreichen, aber ohne sie wäre eine Gesundung unserer Verhältnisse für immer ausgeschloffen.
cd Arrslaud. cc
Der internationale Gerichtshof,
der im Haag (Holland) feinen Sitz hat, hat jetzt zum erstenmal einen Prozeß entschieden. Es handelt sich um den Wimbledon-Fall: Der englische Dampfer Wimbledon, der im Dienste einer französischen Reederei stand und im Auftrage der polnischen Regierung Waffen und Munition für die polnische Militärkommission nach Danzig bringen sollte, wurde am 21. März 1921 auf Grund der deutschen Neutralitätserklärung für den russisch-polnischen Krieg an der Durchfahrt durch den Nordostseekanal gehindert. Die gegnerischen Mächte sahen darin eine Verletzung des Versailler Vertrages, der in Artikel 380, der die freie Durchfahrt durch den Kanal für alle mit Deutschland im Frieden lebenden Völker vorsieht. Das Gericht hat ihnen recht gegeben und Deutschland zum Schadenersatz verurteilt, allerdings die Ansprüche der Gegenseite herabgesetzt. Das italienische, schweizerische und deutsche Mitglied des Gerichtshofes hatten zugunsten des deutschen Standpunktes gestimmt.
Lettland.
Die seither protestantische Jakobikirche ist nunmehr an die Katholiken zurückgegeben worden und wird so die Kathedrale des neuen Erzbistums Riga. Das berühmte von E^bifchof Södeèlom gestiftete Bild Gustav Adolfs wurde herausgenommen und dem protestantischen Oberkirchenrat zugestellt.
Aus dem russischen Paradies.
Es gibt tatsächlich in unserem Reiche Leute, die glauben, der Bolschewismus habe in Rußland glückliche Zustände geschaffen. Demgegenüber denke man an das Wort, das ein kacholischer Geistlicher von dort an die „Köln. Volkszeittmg" schrieb: „Sagen Sie Ihren Landsleuten, daß wir hier wie im Zeitalter der ersten Christen leben", also wie in der Zeit der Christenverfolgungen. Dieses Zeugnis findet seine Bestätigung in dem Buch von Th. Winberg, Der Kreuzweg (Krestny Put), dem wir folgende Einzelheiten entnehmen:
Der Metropolit von Kiew, Wladimir, wurde aus seinen Gemächern im Kiewo-Petschersky-Kloster auf die Festungswälle gebracht und dort erschossen. Erzbischof Andronikus von Penn wurde lebendig begraben; vor dem Tode wurden ihm die Augen ausgestochen, die Wangen ausgeschnitten und blutend wurde er in den Straßen umhergeführt. Bischof Hermogen von Tobolsk wurde nach zweimonatiger Zwangsarbeit im Schützengraben im Muße ertränkt. Erzbischof Wassily von Tscher- nigow wurde mit Säbeln erschlagen. Grausam gemartert und getötet wurden: Erzbischof Grigory von Nowgorod, die beiden Vikare von Nowgorod, Isidor und Warso noprius, die Bischöfe Efrem von Wladiwostock, Panteleymon von Polotzh Lawrentrus von Rischny- Nowgorod, Pimen von Turkestan, Leontius von Archangelsk. In Juriew (Dorpat) sind die Bolschewisten in
mit 17 anderen Personen; dort schnitt man ihm Nase und Ohren ab, stach ihn mit Bajonetten und erschlug ihn. Bischof von Belgorod, Nikodemus, wurde nach schrecklichen Qualen mit ungelöschtem Kalk lebend über-: schüttet. Im Dezember 1919 nach der abermaligen Einnahme von Woronesch ergriffen die Bolschewisten den dortigen Erzbischof Tichon und hingen ihn nach lange» Qualen am Altar der Klosterkirche des hl. Mstrophanus auf. Dieser fromme Seelenhirt wollte, trotz aller Bitten und Ueberredungen, seine Stadt nicht verlassen, al» die weiße Armee Woronesch verließ; er wollte seine Pfarrkinder nicht verlassen und ging bewußt in den Märtyrertod. Alle Geistlichen der Stadt, begeistert durch das Beispiel ihres Erzbischofs, blieben gleichfalls bei ihren Kirchen. Nach der Ankunft der Bolschewisten wurden sie fast sämtlich ermordet. In der Diözese Wo- ronesch wurden damals 160 Geistliche erschossen. Sehr viele Geistliche wurden am Dom ermordet.
Drei Geistliche wurden im Gouvernement Cherson gekreuzigt. Im Kubangebiet wurden 43 Geistliche ermordet. Den Geistlichen Nikolsky vom Kloster Mana Magdalena, 60 Jahre alt, brachte man nach der Mesie aus der Kirche heraus, ließ ihn den Mund auftUn, und mit den Worten: „Wir geben dir das heilige Abendmahl" schoß man ihn auf den Mund. Den Geistlichen Dmitrowsky, den man auf die Kniee stellte, hieb man erst die Nase, dann die Ohren und zuletzt den Kopf ab. Den achtzigjährigen Geistlichen Solotowsky kleidete man in Frauenröcke, brachte ihn an einen Platz und wollte ihn tanzen lassen. Als er sich weigerte, ermordete man ihn. Den Geistlichen Kalinowsky peitschte man zu Tode. In der kleinen Diözese Stawropol wurden 52 Geistlich» ermordet und gemartert. Den durch feine Kulturtätcg« kett in Petrograd bekannten Pfarrer des Kasansky-. Domes, Ornatsky, wollte man erschießen. Ein Zug de. Roten Soldaten wurde ausgestellt. Diese wergerten^ sich, zu schießen. Man rief die Chinesen! Die Hewei^ eingeschüchtert durch die bewundernswerte Geisteskraft; und das Ansehen des knieend betenden greifen Geist, liehen, weigerten sich ebenfalls. Da trat ein junges Kommissar, ein Jude, dicht an dm Priester heran und, schoß auf ihn mit einem Revolver.
In der Krim ergriff eine Bolschewistenbande dit drei Geistlichen Nikolaus Pofrow, Agatha» Carin uns, Alexander Kosontschew und ermordete sie nach langen Qualen. In Moskau wurde der bekannt« Geistlich«, Klopowsky, Pfarrer an der Christuskirche, der in seinen Predigten die bolschewistischen Uebeltaten mutvoll brandmarkte, während des Gottesdienstes in der Kirch« ergriffen, unmenschlich gequält und erschossen. , Ü Ueber zwölfhundert russische Priester waren hingemordet. Gott bewahre uns vor dem Bolschewismus!
Bulgarien.
Die neue Regierung hat eine Anzahl der frühere« Minister in Anklagezustand versetzt. Mehrere derselben sind zuin Tode verurteilt worden. Man siehh wie tief Bulgarien noch in barbarischen Sitten oder
Unsitten steckt.
Japan.
In Japan ist man mit gutem Willen bemüht seine alten Vorurteile gegen die katholische Religion abzulegen. Das ist in erster Linie das Verdienst der katholischen Kommandanten Jmomato, der sich nid# scheute, dem Minister des kaiserlichen Hauses und dem Minister des Innern je ein Exemplar des kath. Katechismus zu überreichen, damit sie selbst prüfen sollten, was alle Katholiken vom Kaffer halten. Die Katholiken wären des Kaisers beste Untertanen Auch viele Abgeordnete haben den Katechismus studiert und sie sprechen seitdem von der katholischen Kirche und vom Papste mit größter Hochachtung, Gegen die Anschuldigungen der buddhistischen Bonzen gab die katholische Jungmänneroeremigung Japans eine Abwehrschrift heraus, die weiteste Ver- breitung fand und selbst von den Bonzen eifrig studiert wurde. Für den Wert der Schrift sprichst am besten die Tatsache, daß die kaiserliche Regierung selbst die Anschaffung einer Reihe von Exemplaren zum Gebrauche der Abgeordneten befahl.
Vistümsemteilung -es Kathol. Deutschland.
Jetzt, da die Oberhirten der deutschen Diözesen in Fulda sich versammeln, mag es für viele von Interesse sein, einmal eine Zusammenstellung der bischöflichen Sprengel, also gewissermaßen eine kirchlich« Geographie des Deutschen Reiches im „Bonifatiusbotsn" zu finden. Wir haben in Deutschland:
I. Die oberrheinische Kirchenprovinz: Sitz des Erz» bischofs: Freiburg i. Br. 1. Erzbistum Freiburg i. Br.