Ausgabe B
Kassel, den ^9. Äugust 1923.
W 35. Zahrg. I
6t. WMH-AM
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 5400 Mk., B 6000 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzeile oder deren Raum20009Mk. Reklame-Zeile 60 09» Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert- und Auskunft-Anzeigen 5000 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis* Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
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Wochenkalender.
t Sonntag, 19. Aug. Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.
| Montag, 20. Aug, Bernhard, Abt und Kirchenlehrer.
Dienstag, 21. Aug. Johanna Franziska, Witwe.
Mittwoch, 22. Aug. Timotheus, Hippolytus und Sym-
I Phorianus, M.
i Donnerstag, 23. Aug. Philippus Benitius, B.
I Freitag, 24. Aug. Bartholomäus, Ap.
Samstag, 25. Aug. Ludwig, B.
Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Joh. 17, 11—19.)
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem reiste, ging er mitten durch Samaria und Gariläa, Und als er zu einem Flecken kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von ferne stehen blieben. Und sie erhoben ,hre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Uno da er sie sah, sprach er: "Gehet hin, zeiget euch den Priesternl Uno es geschah, indem sie hingingen, wurden sie rein. Als aber Einer ,bon ihnen sah, daß er rein sei, kehrte er um, lobte Gott mit lauter Stimme, fiel auf sein Angesicht zu reinen Fiitzen und dankte ihm: und dieser war ein Eamaritan. Da antwortete Jesus und sprach: Sind nicht zehn gereinigt worden? Wo sind denn die neun? Keiner findet sich, der zurückkäme, und Gott die Ehre räoe, als dieser Ausländer. Und er sprach zu ihm: Gtehe auf und gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen.
Freibleibend!"
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n jeder Preisliste, in jedem Angebot lesen wir heute das vielsagende Wort: „Freibleibend". Der Staus« mann, der Lieferant, der Handwer- ker, der Künstler hält sich an sein Angebot nicht gebunden, sondern geht mit dem Preis hinauf, wenn
die wirtschaftlichen Verhältnisse sich verschlechtern, und — wills Gott, daß die Zeiten auch wieder kommen — geht mit dem Preis herunter, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse sich bessern.
Hier hast du ein treffliches Gleichnis vom Verhältnis Gottes zu den Menschen in Sachen des Heues. Den Himmel will uns Gott verkaufen. Doch riefes Angebot ist freibleibend: es versteht sich unter einer Bedingung: wenn du gläubig und pslipt- treu, wenn du gut und tugendhaft, mit einem Wort, wenn du bt barrtid) bleibst.
. Gibt es also hienieden keine unbedingte Sicher- Nein, mein Lieder, das gibt' es nicht. Beosnke das Wort des hl. Paulus und nimm es wohl zu Gemüte: „Der Mensch weiß nicht, ob oder des Haffes schuldig ist". Der bag sein Mensch mit absoluter, in lagen kann: ich stehe bei Gortl
'm öS 2 ÄISL“» . ^..i™« jw* und Ver- istillen Kirchlein. Zum letzten Male waren sie hier
'lichkeit, daß wir „des Hasses würdia lind" lh’ei^U^ freibleibend, sind zu verstehen unter versammelt. Es galt Abschied zu nehmen, Abschied
" würdig sind , daß wir ider ausdrücklichen oder stillschweigenden Dedmguug: von ihrem Kirchlein. Siebk Leonte waren im
irgend eine offene oder geheime Schuld, irgend eine Untugend, irgend ein Laster an uns haben, das uns Gott mißfällig macht. Es besteht die Möglichkeit, daß wir in der Zukunft in eine Sünde fallen, darin liegen bleiben, darin sterben. Deshalb pflegte der hl. Philippus Neri zu sagen: „Lieber Gott, nimm dich in Acht vor mir und überhäufe mich nicht mit so vielen Gnaden; wer weiß, was ich noch anstelle"! Darum dürfen wir uns in der Arbeit des Heiles niemals pensionieren lassen; vielmehr müssen wir uns an die Parole des hl. Paulus halten: „Wirket euer Heil mit Furcht und Zittern". Nein, wir dürfen uns keiner Vermessenheit hingeben; wir dürfen uns nicht in den süßen Traum einwiegen, daß wir nichts anderes zu tun haben, als mit Voll- dampf in den Himmel fahren wie .in Schnellzug in die Station. Wir müssen uns vielmehr mit dem Gedanken vertraut machen, daß unsere Sache noch auf schwachen Füßen steht und daß alles noch mit einem großen Krach enden kann.
Was dec hl. Paulus uns empfohlen hat, darnach hat er auch selber gehandelt. Mit grenzenlosem, un= ermüdlichem Eifer hat er für seine Seele und für sein ewiges Glück gesorgt. Höret seine Versicherung: Ich will nicht ins Blaue hinein kämpfen und keine
Luftstreiche machen; vielmehr züchtige ich meinen Leib und bringe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selber verworfen werde". Welche Weisheit, welche Vorsicht von unserem Apostel! Wurde er nicht vom Heiland selbst ein Gefäß der Auserwählung genannt? Wurde er nicht in den dritten Himmel entrückt? Wurden ihm nicht Offenbarungen und Gesichte zuteil? Hat nicht sogar sein Gürtel Wunder gewirkt? Ja, das alles ist dem Apostel zuteil geworden. Und dennoch wiegt er sich nicht in Sicherheit bezüglich seiner Auserwählung, sondern schwingt die Geisel über seinem Leib und unterjocht seine Begierden und arbeitet rastlos an seiner Heiligung und Vervollkommnung. Und so hat er auch sein Schicksal gemeistert und einen „ersten Platz" im Himmel erobert.
Auch der hl. Petrus hat dieser Wahrheit Zeugnis gegeben: es sind alle berufen, alle auserwählt — aber unter der Bedingung, daß wir beharrlich bleiben. Höre dis diesbezüglichen Worte des Apostel- fürsten aus seinem zweiten Sendschreiben: „Bestrebet euch, eure Auserwählung sicher, zu machen durch gute Werke". (2 Pe. 1, 10.) Der bloße Besitz ‘ Des Glaubens, will Petrus jagen, ist ein totes Kapital; damit könnt ihr den Himmel nicht erkaufen: es, bfdarf noch der guten Werke. Diese erst sind es, f die der Auserwählung die Krone aufsetzen und sie 5 Eine kleine Diasporagemeinde an der Grenze des sicher machen. Wer säumig ist in guten Werken, ^Thüringer Landes feierte das liebliche Fest Mariä wer es fehlen läßt an Buße, an Abtötung, Mäßig- ; Heimsuchung. Die Orgel sang das uralte Magnifi- keit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, der wird ver- :cat zum Preise der Himmelskönigin in Erinnerung raren gehen, und wenn er auch vor allen Professoren' an ihren Samaritergang in das ferne Hebron: und Pfarrern die Probe des Glaubens bestehen Maria ging hinaus, in Zacharias Haus, wurde. ■ • -..... - ■ - -■ - -
I „ Aber die Melodie dieses Liedes lockte keine
ist getreu. Das ist eine sichere Wahrheit Freude aus den Herzen der zahlreichen Beter in dem hie Wiin- ■ h ^G ,'^w ^.'w, aber, seine Drohungen und Ver- stillen Kirchlein. Zum letzten Male waren sie hier
wir werden verdammt,wenn wir uns nicht bessern; wir werden selig, wenn wir beharrlich bleiben. Wenn also selbst ein Engel vom Himmel käme und dir hoch und heilig versicherte, daß du unwiderruf- lich verdammt seiest, so dürftest du dennoch nicht verzagen, sondern an die selbstverständliche Bedingung dich halten: wenn ich mich nicht bessere, und müßtest dich deshalb daran machen, in die Dornen der Buße zu treten und deinen Wandel vollständig umzukeh- ren, wie man ein Kleid von der abgetragenen auf die andere, neue Seite wendet. Gefragt, was er tun würde, wenn Gott ihn verdammen würde, gab der gottselige Tauler die Antwort: mit den zwei Händen der Demut und der Liebe würde ich mich an Gott festhalten und ihn mit hinabziehen in die Hölle und so würde sie für mich zum Himmel werden. Einem Mönch wurde geoffenbart, er gehöre zur Zahl der Verdammten. Gott sei Dank, erwiderte er; aber auch so will ich nicht verzagen, sondern meine Bußwerke will ich verdoppeln, verdreifachen, bis ich beim höchsten Gut Barmherzigkeit gefunden habe. Und was geschah? Nach kurzer Zeit wurde dem Mönche geoffenbart, daß er zur Zahl der Auserwählten gehöre.
Hätten wir aber umgekehrt eine Offenbarung, daß wir selig werden, dürften wir auch dann uns nicht auf das Ruhepolster setzen, sondern müßten unablässig arbeiten am Werke der Heiligung. Zwar würde Gott sein Urteil nicht ändern, da es an eine stillschweigende Bedingung geknüpft war. Aber du würdest dich vielleicht ändern, ändern deine Demut, ändern deinen Eifer, ändern deine Geduld, ändern deine Keuschheit, ändern dein Wohlwollen, ändern dein Tugendstreben — und so könnte es geschehen, daß deine Auserwählung zu einem leeren Traums wird.
Gottes Treue ist uns also eine Mahnung zur eigenen Treue. Unwandelbar und beharrlich laßt uns wandeln auf dem schmalen Weg des Glaubens, der Pflicht und Tugend. Unermüdlich im Gebet; denn Gott gibt den guten Geist der Beharrlichkeit allen, die ihn bitten; unermüdlich im Empfang der hl. Kommunion, unermüdlich in Wohltun und Geduld, treu bis zum letzten Atemzug.
Der Burgpfarrer.
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r^fchied vsn der Dmrporakirche-
Von Dr. Vogt (Langensalza).
versammelt. Es galt Abschied zu nehmen, Abschied