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Ausgabe B

Raffel, den 8. Juli 1923.

33. Zahrg. ß

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Religiöses Wochenblalk für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 550 Mk., B 609 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzeile oder deren Raum 480 Mk. Reklame-Zeile 1440 Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert- und Auskunft-Anzeigen 609 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

Druck und Bering der Fuldaer Actiendruckerei.

wochenkalender.

Sonntag, 8. Juli. Siebenter Sonntag nach Pfingsten. Kilian, Mart.; Elisabeth, Witwe.

Montaa, 9. Juli. Uebertragung des Leichnams des hl. Bonifatius.

Dienstag, 10. Juli. Sieben Brüder, Rusina u. Sekunda, M.

Mittwoch, 11. Juli. Pius, P. u. M.

Donnerstag, 12. Juli, Johannes Gualbertus, B. Nabor u. Felix, M.

Freitag, 13. Juli. Anaklet, P. u. M.

Samstag, 14. Juli. Bonaveniura, Biscb. u. Kirchen!.

Siebenter Sonntag nach Pfingsten.

(Ebangel. Matth. 7, 1521.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den falschen Propheten, welche in Schafs­kleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man denn Trauben von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? So bringt jeglicher gute Baum gute Früchte; der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein schlechter Baum 'kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer ge­worfen werden. Darum sollet ihr sie an ihren Früchten erkennen. Nicht ein Jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich eingehen.

Der GsLtesbeweès in der Tasche.

rotz aller Not, die uns bis an den Hals geht, trotz aller Sorge, die wie eine Schlange uns zusammen­schnürt, gibt es noch verkehrte Menschen, die uns von der letzten Quelle des Trostes und der Hilfe, von Gott, abschneiden und den

letzten Rest von Religion dem Volke aus dem Mark saugen wollen; in ihrer Verbohrtheit können sie es nicht ertragen, wenn sie noch einen Christen an- treffen, der ein Vaterunser betet oder in eine Kirche geht oder sonst ein religiöses Lebenszeichen gibt. Es geht solchen Menschen wie einem Stier, wenn er ein rotes Tuch erblickt; sie geraten in hellen Zorn und überschütten die Gläubigen mit Hohn und Spott.

Wenn du aber, mein Freund, auch nur einen Funken Verstand dir gerettet hast, so braucht es dir bei solchen Angriffen wider Gott und die Re­ligion nicht bange zu sein. Alle Geschosse des Un­glaubens werden abprallen an deiner Westenlasche. Dort trägst du, vielleicht dir unbewußt, einen schla­genden Beweis für Gottes Existenz und Weisheit, âe ich das meins? Laß dir es sagen mit den Sorten eines Mannes, der einen hellen Verstand m Kopf und das Herz auf dem rechten Flecke hat. jemals habe ich mir den Kopf darüber zer­brochen, um Beweise für das Dasein Gottes zu

suchen. Die Geschichte, die Natur, die' Metaphysik mag für diesen Beweis alles nötige darbieten; ich gestehe aber offen, daß ich für meine Ueberzeugung diesen wissenschaftlichen Apparat nicht brauche. Ich ziehe den Beweis dafür »aus meiner Tasche", und indem ich den komplizierten Mechanismus meiner Uhr und ihre regelmäßige Bewegung betrachte, wird niemand imstande sein, mich zu überreden, daß dieses durch Zufall entstanden sei, ohne einen ordnenden Geist und ohne die Arbeit eines Künstlers. Das Weltall zeigt mir ohne Zweifel noch mehr als

ANaßgedet zum hl. Bonifatius für die Wiedervereinigung im Glauben.

Bei der letzten Anwesenheit des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in Rom wurde das nachstehend ver­zeichnete Gebet für die Diözese Fulda approbiert und mit Ablässen gesegnet. Wir empfehlen den Lesern des Vonifatiusboten, dasselbe sich auszu­schneiden, ins Gesang- oder Gebetbuch zu legen und es oft und andächtig zu beten.

Ein Vater unser und ein Gegrüßek seist du Maria, dann: »Heiliger Bonifatius, unser Glau­bensvater, bitte bei Gott, daß alle Irrenden in den Schoß der einen wahren Kirche Ehrrsti endlich zu- rückgeführt werden."

Ablässe: 1. von 300 Tagen so oft und wo immer es gebetet wird; 2. von 7 Jahren und 7 Quadragenen ein- s mal im Tage beim Grabe des hl. Bonifatius in der Domkirche zu Fulda; 3. ein vollkommener Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen für jene, die dieses Ge­bet täglich während eines Monats wo immer in der Diözese andächtig verrichtet haben; 4. ein vollkommener Ablaß für jene, die es wenigstens zehnmal im Monat ' am Grabe des Heiligen getan haben. Die Ablässe, am 13. April d. I. verliehen, gelten auf 7 Jahre.

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eine Uhr; es muß also einer sein, der es gemacht hat. Die Atheisten sprechen von Zufall, von Kom­bination der Atome, von der Naturkrast und Gott weiß von was anderen Dingen noch; allein, mit Verlaub dieser Herren sei es gesagt; alle diese Worte haben keinen Sinn.

Der Gottesbeweis in der Tasche ist also die Taschenuhr. In der Tat, ist dieser Beweis nicht ebenso einfach als durchschlagend? Sieh, die Uhr ist ein Kunstwerk ersten Ranges. In scheinbarem Durcheinander liegen in ihrem Innern die Rädchen und Schrauben, die Unruhe und die Feder. Im Aeußern gewahren wir das Zifferblatt mit dem Verzeichnis der Stunden, den großen und den kleinen Zeiger, vielleicht auch noch den Sekunden­zeiger, der sich lustig in die Runde dreht. Im Zeit­alter vor Christus bat man sich der Sonnenuhr

bedient, späterhin der Sanduhr, der Oeluhr, der Wasseruhr; erst seit vier Jahrhunderten datiert der Gebrauch von Taschenuhren.

Würde nun jemand zu dir sagen: die Uhr, die du in der Tasche trägst, hat sich von selbst gebildet oder sie steckt von Ewigkeit schon in deiner Westen­tasche, so würdest du ihn für verrückt erklären. Die Wahrheit ist vielmehr, daß ein Künstler mit viel Nachdenken und Arbeit die Uhr verfertigt hat, daß du sie um teures Geld erworben und in die Tasche gesteckt hast. Vielleicht wurde aber die Uhr fabrik­mäßig hergestellt; meinethalben: die Räder seien in Vern gemacht worden, die Zeiger in Villingen, die Deckel und Gläser in Glashütte. Auch so hat zuletzt ein Künstler die in verschiedenen Fabriken und von den verschiedensten Menschen gefertigten Teile kunstgerecht zur gehenden Uhr zusammengefügt. Wenn jemand einen großen Sack voll Rädchen, Unruhen, Zeigern, Federn, Schrauben und Stein­chen hätte und würde davon auf einen Acker streuen wie der Landmann die Weizenkörner, würde da emals eine Uhr daraus werden? Da könntest du älter werden als Methusalem, der Sohn des Henoch, und würdest es doch nicht erleben, daß bei solcher änderbarer Sämannsarbeit auch nur die geringste Spur einer noch so primitiven Uhr herauskäme. Zanz natürlich; denn nicht der Zufall macht eins lhr, sondern Kopf und Hand, Ueberlegung und Arbeit.

Den Gottssbsweis trägst du also in der Tasche. Und wenn du keine Uhr in der Tasche hast, so hast du eine an der Wand oder oben auf dem Kirchturm. Die allergrößte und wundervollste Uhr aber hängt droben am Himmelszelt: es ist die Sonne. Mit der größten Regelmäßigkeit geht sie auf und unter und beschreibt, wenn auch nur scheinbar, ihren Lauf am Himmelszelt. Sie bildet den Tag und die Nacht und das Jahr und die Jahreszeiten. Nach ihr richten sich alle Uhren der Welt. Sie allein braucht nicht gerichtet zu werden und ist ein für allemal ge­richtet. Sie braucht nicht aufgezogen, nicht geputzt, nicht gereinigt, nicht repariert zu werden. Manche Uhren sind mit leuchtenden Zifferblättern oder Zeigern versehen. Was will aber dieses winzige Leuchten bedeuten gegenüber der Leuchtkraft der Sonne? Mit einem Schlag erhellt sie ein Z'imnisr, eine Wohnung, ein Haus, eine Stadt, ein Land, einen Erdteil. Dazu besitzt sie auch Wärme und spendet sie mit mütterlicher Freigebigkeit unserer armen Erde, daß sie nicht zu einem Eisklotz wird, daß sie grünt und blüht und Früchte trägt, daß die Lebewesen und besonders der vielgeplagte Mensch sich wohl fühlen und freuen.

Wenn nun eine winzige Taschenuhr das Werk eines Künstlers ist, wie vielmehr die Riesenuhr am Himmelszelt, die Sonne. Auch sie ist das Werk eines Künstlers, des größten, gewaltigsten, mächtig- sten, geistreichsten Künstlers, das Werk Gottes. Gerade deshalb hat er die Sonne vor unsere Augen hingestellt, damit wir sie an staunen und damit wir erkennen und verekren und anbeten und verberr.-