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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
wochenkalenver.
Sonntag, 24. Juni. Fünfter Sonntag nach Pfingsten. Johannes der Täufer.
Montag, 25. Juni. Wilhelm, Abt.
Dienstag, 26. Juni. Johannes u. Paulus, M.
Mittwoch, 27. Juni. Die sieben Schläfer. j Donnerstag, 28. Juni. Irenäus, Bisch, u. M.
! greitag, 29. Juni, Peter u. Paul, Ap.
Samstag, 30. Juni, Gedächtnisfeier des hl. Paulus.
. Fünfter Sonntag nach Pfingsten.
ff (Evangel. Matth. 5, 20—24.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: ' Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichtes schuldig sein. Ich aber sage euch, daß ein Jeder, der über seinen Bruder zürnet, des Gerichtes schuldig sein wird. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! wird des Rates schuldig sein; und wer sagt: Du Narr! wird des höllischen Feuers schuldig sein. Wenn du daher deine Gabe zu dem Altare bringest, und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß Leine Gabe allda vor dem Altare und geh zuvor I hin, und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann ! komm, und opfere deine Gabe.
Der ginger Gottes.
ie manche Menschen das Wasser fcheuen, so scheuen auch manche Menschen das Wunder. Und doch ist das Wunder der Finger Gottes. Groß ist der Herr, singt der Psalmist, und groß sind die Werke ; des Herrn ; die Werke der Schöpfung, die Werke der I Erlösung, die Werke der Heiligung, die Werke der 1 Vorsehung; groß sind aber insbesondere die Wunder- f taten.
(Schon die Schöpfung ist ein großes Wunder. Die hl. Schrift, dieses herrliche Buch vom lieben Gott, dieses Buch feiner Allmacht und Weisheit, ■ Aner Güte und Liebe, seiner Gerechtigkeit und ’ Barmherzigkeit, trägt an seiner Stirne die inhalis- ; leweren, gewaltigen Worte: „Im Anfang schuf I Gott den Himmel und die Erde". Welch ein Wun- der! Versammle alle Professoren und Chemiker sämt- llcher Universitäten und Hochschulen der ganzen ""^ ^e jEjnen dre Aufgabe, einen einzigen Gravhalm, ein einziges Mücklein, eine einzige Ameise zervorzubrrngen — und du wirst all ihre Kunst und Weisheit zu Schanden machen; doch nein; sie werden deine Einfalt und Torheit verlachen, weil du ynen etwas zumutest, was über alle Menschenkraft eit hinausgeht. Und siehe: wo vorher nichts war el"« unendliche Oede und Leere, da steht piötz- b °$ ein Grashalm, sondern da rollen Kelten ohne Zahl, da dehnt sich die Erde, da
sich die Berge, da wogen die Wasser, da lachen die Blumen, da schwellen die Saaten, da schnalzen die Fische, da schmettern die Vögel, da krabbeln die Käfer, da wimmelt es von Ameisen, da brüllen die Löwen, da schreitet erhobenen Hauptes der Mensch, der König und Herr der Schöpfung. All das ist gleichsam über Nacht aus dem Nichts hervorgezaubert. Siehst du das Wunder? Wir verstehen darunter eine Tat, welche alle Kräfte der Natur und und alles Können des Menschen übersteigt und einzig und allein auf Rechnung der göttlichen Allmacht zu setzen ist.
Du willst dieses Wunder nicht annehmen? Dann bist du rettungslos an andere Wunder ausgeliefert. Oder wie willst du denn die Welt erklären? Sie muß doch eine Ursacke haben? Willst du nicht annehmen, daß Gott die Welt erschaffen hat, dann bleibt dir nichts anderes übrig als zu glauben, daß sie von selbst entstanden ist oder aber du mußt auf jede Erklärung verzichten und dich abspeisen mit der trostlosen Antwort: „Das alles wissen wir nicht und werden es niemals wissen". — Im übrigen hast du kein Recht, dich einen Christen zu nennen, wenn du vor dem Wunder der Erschaffung ungläubig zurückweichest. Die Schöpfung leugnen heißt die Bibel leugnen; die Bibel leugnen heißt den Bankrott des Glaubens ansagen.
Gott hat die Welt erschaffen und in jegliches Ding gewisse Gesetze und Kräfte hineingelegt, nach denen es sich betätigt. Steht es aber nicht der Freiheit Gottes zu, jederzeit in den Haushalt der Natur einzugreifen und darin zu schalten und zu walten nach freiem Ermessen? Auch solche Geschehnisse im Reiche der Natur nennen wir Wunder, die den gewöhnlichen Lauf der Natur unterbrechen und als schroffe Abweichungen von der Regel auftreten.
So zum Beispiel ist das Wasser von Natur flüssig und weich. Durch Gottes Eingreifen kann es aber hart werden und feststehen wie eine Mauer. Als die Israeliten durchs rote Meer zogen, da rollten sich die Wassermengen in der Mitte auseinander wie ein Thealervorhang, und die Wassermassen standen zu beiden Seiten wie Dämme und ließen in der Mitte eine breite, trockene Straße, durch welche die Israeliten in aller Sicherheit ihren Durchzug hielten mit Mann und Frau, mit Greis und Kind, mit Mensch und Vieh. Als aber die Aeghpter die nämliche Straße benützen wollten, nahmen die Wassermassen wieder ihre flüssige Form an und stürzten wild zusammen und begruben Roß und Reiter im nassen Grab. „Laßt uns den Herrn verherrlichen", sang Moses, „denn wunderbar hat er sich gezeigt; Roß und Reiter warf er ins Meer."
Geschah nicht ähnliches am Jordan? Als die Israeliten ihn überschreiten wollten, hörte er an dieser Stelle plötzlich zu fließen auf, und ohne irgend welche Vorrichtungen stauten sich die Wasser und türmten sich auf und blieben stehen, bis die Israeliten durch das trockene Bett gezogen waren. Und ist nicht unser Heiland in majestätischer Hoheit über das stürmische Meer gewandelt?
Dem Feuer ist es eigen, die Stoffe zu Verzehrer und lebende Wesen zu schmerzen und zu löten. AIs aber die drei Jünglinge ins Feuer geworfen wurden, da hat das Feuer seine Natur gänzlich geändert. Zwar wurde der Ofen siebenmal stärker als gewöhnlich geheizt, und haushoch schlugen die Flammen empor. Die Jünglinge wurden mitsamt ihren Mänteln, Turbanen, Schuhen und Kleidern, an Händen und Füßen gebunden hineingeworfen. Trotzdem hatte das Feuer keine Gewalt über sie; da war nicht der geringste Schmerz, nicht die geringste Brandwunde, nicht die geringste Belästigung durch Rauch oder Qualm; nein, sie wandelten wie unter den kühlen Bäumen des Waldes. Weder ihre Kleider noch eines ihrer Haare wurde auch nur im geringsten versengt; uur ganz allein die Stricke, mit denen sie gebunden waren, verbrannten, damit die Diener Gottes ihre Hände frei erheben konnlen zum Gebet. Und sie stimmten einen Hymnus an, der beginnt mit den schwungvollen Worten: „All ihr Werke des Herrn, preiset den Herrn; lobet und erhebet ihn in Ewigkeit". Der König selber erstaunte über die Maßen und rief: „Ihr Diener des höchsten Gottes, kommt heraus". Dann erließ er ein Gesetz, daß jeder, der den Namen des Judengottes lästere, den Tod erleiden sollte; „denn es ist kein anderer Gott, der retten könnte, als er allein". (Dan. 3.)
Ich müßle das ganze Jahr über alle Seiten unseres lieben „Boten" anfüllen, wollte ich all^die Wunder anführen, die in der Bibel verzeichnet stehen. Doch auch bis zum heutigen Tag hört Gott nicht auf, die Menschen aus ihrer Gleichgiltigkeit aufzu- rütieln, indem er vor unsern erstaunten Augen ein Wunder aufpflanzt; sie zu leugnen ist Böswilligkeit, Halsstarrigkeit, Beschränktheit und Hochmut. Erkennen wir in den Wundern den Finger Gottes und stimmen ein in die Worte des Psalmisten: „Groß sind die Werke des Herrn und ausgesucht nach seinem Wohlgefallen". (Ps. 110.) Der Burgpfarrer.
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Denkwürdige Worte vom hl. Ephram.
Seit zwei Jahren feiert auch die abendländische Kirche das Fest des hl. syrischen Diakons Ephräm. Der Festtag ist der 18. Juni. Seine Wiederkehr gibt uns Anlaß, auf einige Stellen in seinen Werken hinzuweisen, die für die Kenntnis des Glaubens der alten orientalischen Kirche von großer Bedeutung sind und die jeder Katholik mit hohem Interesse und froher Genugtuung liest.
In der vierten Rede über die Leidenswoche läßt Ephräm den Herrn also zum hl. Petrus sprechen: „Simon, mein Schüler, ich habe dich zum »Fundament der heiligen Kirche gemacht; früher schon habe ich dich Petrus genannt, weil du mein ganzes Gebäude stützen wirst. Du bist der Vorsteher derjenigen, welche mir eine Kirche auf Erden erbauen; wollten sie etwas Verkehrtes errichten, du bist das Fundament, du wirst sie verhindern. Du bist die erste Quelle meiner Lehre, du bist das Haupt meiner, Schüler__Durch dich will ich den Durst der Volkes