Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 350 Mk., B 400 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzeile oder deren Raum 240 Mk. Reklame-Zeile 720 Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert» und Auskunft-Anzeigen 300 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
I —- Druck uud Verlag der Fuldaer Actiendruckerel. ■ — —
Kassel, den ^. Juni 1925.
rvochenkalender.
Sonntag, 17. Juni. Vierter Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 18. Juni. Ephräm, Kchl.; Markus u. Mar- zellianus, M.
Dienstag, 19. Juni. Juliana Falkon. Jgfr.: Gervasius u. Protasius, M.
Mittwoch, 20. Juni. Silverius, P. u. M.
Donnerstag, 21. Juni. Aloysius, B.
Freitag, 22. Juni. Paulinus, B. B.
Samstag, 23. Juni. Vigil von Johannes Baptista.
vierter Sonntag nach Pfingsten.
t (Eoangel. Luk. 5, 1—11.)
I In jener Zeit, als das Volk Jesum drängte, um das Wort Gottes zu hören, und er am See von Genesareth stand, sah er zwei Schiffe am See stehen: die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da trat [ er in das eine der Schiffe, welches dem Simon gehörte, I und bat ihn, von dem Lande etwas abzufahren. Und er fetzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiffe. AIs ! er aber zu reden aufgehört hatte, sprach er zu Simon: I Fahre hinaus in die Tiefe, und werfet eure Netze zum Fange aus. Da antwortete Simon und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht Gearbeitet und nichts gefangen: aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen, Als sie dies getan hatten, singen sie eine große Menge Fische, so daß ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Genossen, die im andern Schiffe waren, daß sie kommen und ihnen helfen möchten: und sie kamen, und füllten beide Schifflein, so daß sie beinahe versanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen, und sprach: Herr, geh weg von mir; denn ich bin ein sündhafter Mensch! Denn Staunen hatte ihn ergriffen, und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang, den sie gemacht hatten: desgleichen auch den Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, welche Simons Gesellen waren. Und Jesus sprach zu ! Simon: Fürchte dich nicht, von nun an wilst du Menschen fangen! Und sie führten ihre Schiffe ans Land, verließen alles und folgten ihm nach.
Im Hörsaal.
der den
?è^ m Hörsal der Universität sitzt Student und hört aufmerksam____ Vortrag des Professors über Medizin oder Jurisprudenz oder Philosophie oder Theologie und wiegt sich in dem stolzen Gedanken, vielleicht einmal sich selber einen Namen zu machen als Forscher und Gelehrter und sich einen Platz zu verschaffen in den Hallen des Ruhmes. Ich weiß einen anderen Hörfaal, der selbst dem Bauersmann, dem Arbeiter, dem Sinbe offen steht. Sh ^"â Augen und Ohren besitzt, kann mit besuchen und darin die höchste “ Â* Wissenschaft erlernen, die Wissenschaft !k'""' Existenz und seinen Vollkom-
W dieser merkwürdige LE Es ist die sichtbare WAè, die jeden Men- 9 me:n^ ^ch°«d ebenso gründlich als öle über das Dasein und * Eigen^Mle,, Gottes.
klötze, die schwimmen in den arktischen Gewässern. Weder die Erde noch was darauf steht und wächst ist von selbst geworden: die Hände des Allmächtigen haben sie ins Dasein gerufen mit ihrer Kugelgestalt, mit ihren mannigfachen Formationen, mit dem Wechsel von Land und Meer, von Fruchtbarkeit und Wüste. Ja, auch die stumme Wüste der Sahara und die Eisfelder von Grönland und die Gletscher der Alpen vektünden Gottes Allmacht, Reichtum und Größe. „Alle Dinge, die wir aus Erden sehen", sagt der hl. Chrysostomus, „sind dazu geeignet, in uns das Verlangen zu erwecken, Gott zu danken, ihm Loblieder zu singen, ihn zu preisen und zu verherrlichen".
Erzählen werden es die Fische des Meeres. Aber sind sie denn nicht stumm? Gewiß. Und doch erzählen auch sie in ihrer Sprache von Gottes S-bö- pferkraft und Größe. Welch merkwürdige Wesen sind doch diese Fische! Andere Lebewesen kommen um im Wasser; den Fischen aber ist es Lebenselement, und das trockene Land ist ihr Tod. Welch zierliche, flinke, muntere, schimmernde Wesen, welche die Flüsse und Meere erfüllen, zahlreich wie die Sterne des Meeres, von der Forelle, die in unfern Bächen schnalzt bis zum riesigen Wal, den der Grönländer mit der Harpune zwischen Eisschollen erlegt. Gott sprach, und sie sind geworden; er rief, und sie antworteten: Wir sind da.
Um Gott auszuschalten, verkriechen sich manche hinter „die Natur"! Fragst du sie, wer hat die Blumen hervorgebracht? „Die Natur". Wer hat den Vögeln Federn gegeben? „Die Natur". Wer hat den Fischen Flossen gegeben? „Die Natur". Das ist gerade so. wie wenn jemand sagt: diese Schuhe habe ich vom „Geschäft", dieses Tuch aus „der Fabrik". Jedermann weiß, daß nicht das „Geschäft", sondern der Schuster die Schuhe gemacht hat, und daß nicht die Fabrik, sondern der Weber oder Arbeiter das Tuch verfertigt haben. So kann auch die „Natur" nicht selber etwas hervorbringen, sondern der persönliche Gott bringt alles hervor mit seiner Allmacht, seiner Weisheit, seinem Willen.
Mein Christ, habe Auge und Ohren offen, um im Hörsaal der Welt zu lernen von Gott. Du brauchst dazu keinen Aufenthalt in der Universität, keine Kollegiengelder, keine Immatrikulation, keine Vorstudien. Auf dem nächsten, besten Acker, im nahen Wald, beim Ausflug, beim Spaziergang, beim Gang zum Geschäft, bei deiner Arbeit auf dem Felde — überall stehen dir offen die Wunder der Schöpfung, die dir die Worte in den Mund legen: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde".
Der Burgpfarrer.
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Mehr Liebe und Verehrung zum heiligsten Herzen Jesu.
Der Herz-Jesu-Monat ist für uns eine tägliche Einladung, unsere Liebe zum Herzen des Gottmcn- schen, das in der hl. Euarchistie Tag und Nacht für uns wacht, leidet, bittet, dankt und sühnt, mit aller Kraft zu erneuern.
Der vielgeprüfte Job ruft dir zu: Frage die Tiere, und sie werden es dich lehren; die Vögel des Himmels, und sie zeigen dir's an; rede mit der Erde, und sie wird dir antworten, und die Bögel des Himmels werden es dir erzählen". (Job 12, 7.)
Frage die Tiere, und sie werden es dich lehren! Wie merkwürdig sind die Tiere; wie verschieden ihr Körperbau, ihr Aussehen, ihre Lebensart! Da ist der Löwe, der König der Tiere, der mit seiner ungeheuren Kraft den Nacken des Stieres zerreißt; da ist der Eisbär mit seinem weißen, zottigen Pelz, der trotz seiner Schwere ein flotter Schwimmer ist; da ist das Eichhörnchen mit seinem munteren, flinken Wesen; da ist die Spinne, die ihr Netz kühner in die Luft hängt als ein Techniker seine Brücke; da ist die Biene, die mit ihrem wunderbaren Geruch- sinn den Honig wittert, mit einem feinen Löffel ihn hervorzieht aus der dünnsten Blütenröhre, ihn heimträgt und sorgsam in die Zelle niederlegt und so unbewußt für den Imker und für den Gaumen des Menschen arbeitet. Frage also eines dieser Tiere, und es wird dich lehren. Werden sie aber meine Frage auch verstehen? Nein; können sie also mir Antwort geben und mich lehren? Nein; der Löwe kann nur brüllen, der Bär brummen, die Biene summen. Du siehst, daß die Mahnung des heiligen Geistes nicht wörtlich zu nehmen ist, sondern sinngemäß. Wir sollen nämlich die Tiere anschauen, ihr Tun und Treiben studieren: dann wird unsere Vernunft uns sagen, daß Gott sie erschaffen, daß Gott ihnen Kräfte und Organe und Eigenschaften gegeben hat.
Frage die Vögel des Himmels, und sie werden es dir anzeigen. Der Sinn ist der gleiche. Sieh dich in der Vogelwelt um, und du wirft zu Gott gelangen. Der Adler auf feinem Felsenhorst, der Storch hoch auf dem Turm, die Schwalbe unter dem Dach, der Kuckuck am Waldesrand, die Möve über dem See, der Buchfink auf dem schwanken Zweige, die Eule im dunklen Gemäuer, die ganze Schar der Flieger und Sänger wird dir von Gott erzählen. Wie kunstvoll ist nur ein Vogelnest; wie interessant ein Vogelei, aus dem das Junge hervorkommt; wie merkwürdig eine Vogelfeder, wie geschickt und schnell der Vogelflug, wie anmutig und melodienreich der Vogelgesang, wie rätselhaft in vielen Vögeln der Wandertrieb. Kein Vogel hat sein Wesen und seine Lebensart sich selbst gegeben und keiner hat es von einem Menschen empfangen: Gott ist es, der durch einen Hauch seines Willens sie geschaffen hat nach seinem Wohlgefallen.
Rede mit der Erde, und sie wird dir antworten. Noch viel weniger als die Tiere und Vögel kann die Erde dir Antwort geben. Stumm und pfeilschnell fliegt sie ihre Bahn. Und dennoch erzählt sie dem denkenden Verstand von Gottes Schöpfermacht und Größe. Es erzählen davon die Berge, die in majestätischer Pracht sich erheben, die Täler mit ihren rauschenden Strömen, die Wälder mit ihren stolzen Bäumen, die Triften mit ihren grünen Gräsern sind bunten Blumen, die Fluren mit ihren wogenden Saaten, die Hügel mit ihren schwellenden Trauben, bis Meere mit ihren .brüllenden . MZ?m, die Eis