55. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 250 Mk., B 300 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzetle oder deren Raum 120 Mk. Reklame-Zeile 330 Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert- und Sluskunst-Anzeigen 100 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. ........- Druck und Bering der Fuldaer Actiendruckerei. .....
Wochenkalender.
Sonntag, 20. Mai, HI. Pfingstfest. (SBernarbin, Bek.)
Montag, 21. Mal. Pfingstmontag.
Dienstag, 22. Mai. Pfingstdienstag. Ennl, M. Mittwoch, 23. Mai. Quatember. Von der Oktav. Donnerstag, 24. Mai, Von der Oktav (Maria Hilf). Freitag, 25. Mai. Quatember. Von der Oktav (Gregor VII-, P. Urban, P. u. M.)
Sanistag, 26. Mai. Quatember. Philipp Neri, Bèk. Eleutherius, P. u. M.
Das hl. Pfingstfest.
iS® jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn mich jemand liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben: wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm nehmen. Wer mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht: und das Wort, welches ihr gehört habt, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Dieses habe ich zu euch geredet, da ich noch bei euch bin. Der Tröster aber, der hl. Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, derselbe wird euch alles lehren, und euch an alles erinnern, was immer ich euch gesagt habe. Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden geb' ich euch; nicht wie die Welt gibt, geb’ ich ihn euch. Euer Herz betrübe sich nicht, und fürchte nicht! Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch: luenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch ja freuen, daß ich zum Vater gehe: denn der Vater ist größer als ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehedenn es geschieht, damit ihr glaubet, wann es geschehen sein wird. Ich werde nun nicht mehr viel mit euch reden: denn es kommt der Fürst dieser Welt; aber er hat nichts an mir, sondern damit die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und tue, wie mir es der Vater befohlen hat.
Heine Gefäße.
euer ist vom Himmel gefallen am am hl. Pfingstfest und hat die f;er= zen der Apostel umgeschmolzen und umgegossen in reine Gefäße, auserlesene Gesäße, goldene Gefäße. Es brauchten diese Männer keine goldene Stirnplatte wie der Hohe
priester des Alten Bundes, worauf die Worte ein- grauiert waren: „Heilig dem Herrn"; nein, ihre Hei- lichkeit war keine bloß äußerliche, sondern eine innere, kernhaste, wesenhafte, die Leib und Seele ergriffen und alle Kräfte geadelt und in den Dienst Gottes gestellt hat. So erfüllt mit reinem Eifer für die Ehre Gottes, für den Glauben an ihren Herrn und Mei- ster ^'sus Christus, wurden sie auserwählte Gefäße der Wahrheit und Gnade, die den Erdboden entzündeten mit einem geheimnisvollen Feuer und überall die Erkenntnis und Liebe Gottes gleich emem FunkenreK-N verbreiteten in den Herzen der Menschen. ■—
Reine Gefäße sind euch wir und sollen es sein, ^won in der Taufe siich ^vir Kinder Gottes und
besitzen in Heiligkeit und Ehre. Du merkst, auf was der Apostel hinaussteuert: vor der Unkeuschheit will er uns warnen. Der Apostel, weiß wohl, wie sehr, gerade diese Sünde im Gegensatz steht zu Gottes. Heiligkeit. Wieso? Weil Gott ein Geist ist, die Un- keuschheit aber ist der verkehrte Gebrauch des Leibes, seiner Glieder, seiner Kräfte. i
Die ersten, denen die Warnung des Apostels gilt, find die Eheleute. Sie haben ein Recht auf den Ge-, brauch der Ehe, wohl erworben durch die unauflös-, ilche Gemeinfchaft, die sie im Ehssakrament eingegangen haben. Der Apostel redet aber von „Heiligkeit und Ehre", die im Ehestand bewahrt werden, müssen. Schrankenlosigkeit ist Ausartung und Her- untersinken in das Lierleben. Unmäßigkeit in der Ehe nennt schon der heidnische Philosoph TistuS „einen Ehebruch". Die eheliche Liebe ist und bleibt Keuschheit, wenn sie ihre Schranken wahrt und mit dankbarem Sinn die Frucht der Ehe, die Kinder, annimmt und als Geschenke Gottes betrachtet. Ist das nicht für viele „moderne Ehen" eins Gewissens- erforschung? Befinden sich nicht manche, auch manche katholische Eheleute, auf dem Kriegspfad gegen die Kinder? Hat man ihnen nicht vielfach die Daseinsberechtigung abgesprochen? Das ist eins Entweihung, die den Fluch Gottes sichtbar hsrab- zieht.
Sein Gefäß bewahren in Reinheit und Ehre! Diese Mahnung gilt auch für die Ledigen, Kinder, Jünglinge, Jungfrauen. Im ledigen Stand muß die Keuschheit ihre schönste Blüte tragen in Forrm der Jungfräulichkeit. Wenn unsere kathol. Jung- männer und Jungfrauen nach diesem Rezept leben; würden, dann würden die Klagen über die Ungebundenheit unserer Heranwachsenden Jugend bald verschwinden. Die Welt würde wie vor einem neuen Pfingstwunder erstaunt dastehen. Diese Kraft muß aber unsere Religion haben — sonst wird man aus, sie pfeifen.
Reine Gefäße! Die Fenster auf, heute am lieblichen Pfingstfest, und hinausgepumpt alle verdorbene, verpestete Weltluft, und in vollen Strömen eingeatmet den Geist Gottes, den Geist der Reinheit, den Geist der Keuschheit. So können wir Katholiken zu einem Schauspiel werden für Engel und Menschen! Der Burgpfarrer.
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Feuer aus der Höhe
In Feuerzungen kam der Heilige Geist zur ne-, der. „Feuer zu werfen auf die Erde kam ich", so hatte, der Heiland von sich gesagt. Fehlt denn das gerade der Erde, das Feuer? Ja, es fehlt! Freilich, Feuer ist viel auf der Erde: Es loht aus den hohen Essen der Fabriken, es glüht in den Hochofen der Hüttenwerke, aus Kano« nenschlünden blitzt es auf, und was für ein Feuer erst in der Menschenbrust mit ihren verzehrenden Leidenschaften! Wie viel Feuer auf der weiten Erde; es sprüht davon die ganze Kugel. Aber — das ist alles unheiliger Feuer, bei dem die Herzen kalt bleiben und die Augen unruhig und die Sorgen riesengroß und die BrüdM.
Tempel des hl. Geistes geworden. Du haft wohl auch schon die Firmung empfangen, durch die wir vom hl. Geist gestärkt und zu Glaubenshelden befähigt werden. Siehe da, in welch innige Vereinigung mit Gott du getreten bist. Diese Verbindung darf nicht eine bloß äußere sein, muß vielmehr eine innere sein, eine Gleichheit der Gesinnung, eine Gleichheit des Willens und der Tat. Wenn wir Gott gefallen wollen, müssen wir heilig fein. Das innerste Wesen Gottes ist ja dis Heiligkeit, die in der dritten göttlichen Person zum besonderen Ausdruck kommt, die deshalb der „heilige" Geist genannt wird. Auch wenn in der ganzen hl. Schrift kein einziges Wörtlein zu finden wäre, daß wir heilig sein müssen, so wäre Görres Helligkeit schon Vorschrift genug. Gott hat aber die Anlage zur Heiligkeit jedem Menschen ins Gewissen geschrieben als ein unverletzliches, ewiges Gesetz. Wir sind gezwungen, das Gute und Heilige zu achten und zu lieben; wir sind gezwungen, das Schlechte und Gemeine zu verachten und zu hassen. Wenn selbst bisweilen im Rausch der Leidenschaft das Urteil getrübt wird — laß den Rausch vorübergehen und die Ernüchterung wiederkehren, und du wirst notgedrungen deine schlechte Tat verurteilen. Und auch dieses ungeschriebene Gesetz genügte dem lieben Gott noch nicht; nein, er hat auch noch unzählige geschriebene Gesetze erlassen, daß wir heilig leben müssen. Durchgehe die ganze hl. Schrift, und auf allen Seiten werden dir wie helle Sterne die Gebote Gottes entgegenstrahlen, die dich ermahnen zur Heiligkeit. „Sei heilig, wie ich heilig bin", das ist der Inhalt jenes großen, wunderbaren Briefes, den der Finger Gottes geschrieben in der Bibel.
Insbesondere ist es der hl. Paulus, der uns die Pflicht zur Heiligkeit einhämmert. Dabei ist er nur das Sprachrohr des hl. Geistes gewesen. Erwägen wir folgende Worte dieses Feuerapostels im Brief an die Thessaloniker:
„Brüder, wir bitten und beschwören euch im Herrn Jesus, daß ihr so wandelt, wie ich euch ermahnt habe und wie man wandeln muß, um Gott zu gefallen.
Das ist nämlich der Wille Gottes: eure Hsiligung. Jeder von euch soll sich darauf verstehen, sein Gefäß in Reinigkeit und Ehre zu besitzen, nicht in leidenschaftlicher Lust, wie die Heiden, die Gott nicht kennen; und keiner soll seinen Mitbruder im Punkte der Ehe betrügen; denn ein Rächer all dieser Frevel ist der Herr, wie wir euch gesagt und bezeugt haben. Denn nicht zur Unreinheit hat uns Gott berufen, sondern zur Heiligkeit". (1 Thess. 4.)
Jeder soll demnach „sein Gefäß" rein bewahren, sein Gefäß in Reinigkeit und Ehre besitzen". Was ist das für ein Gefäß? Es ist unser Leib, dessen die Seele sich bedient zum Guten oder Bösen, wie etwa die Hand ein Glas gebraucht zum Trinken oder eine Feder zum Schreiben. Der Leib ist und soll sein ein gehorsames Werkzeug der Seele, ein Vollstrecker des göttlichen Willens. Den Leih also sollen wir