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Sprecher der jungen katholischen Studentenbewsgung — und er hat seither nur auf wenigen Katholikentagen als Redner gefehlt und in den meisten der großen katho- ltschen Organisationen Deutschlands seit Jahrzehnten mit an führender Stelle gestanden. Dem Reichstag gehörte Porsch von 1881 bis 1893, dem Preußischen Abgeordne» tenhaus und Landtag seit 1884 ununterbrochen an. Er war noch in der Schule Windthorsts, dessen Vertrauter er war. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil. Kar­dinal Bertram machte sich zum Dolmetsch des kaihol. Volkes und dankte ihm „für alle Arbeiten, Sorgen und Opfer, die er dem Wohle unseres Volkes und insbeson­dere der Verteidigung und Förderung der Lebsnsinter- esten und Aufgaben unserer Kirche zu allen Zeiten seines Lebens gewidmet habe. „Das katholische Volk steht in Ihnen", so sagte der Kardinal, „ein Vorbild für kirch­liche und vaterländische Treue, ein Vorbild für für gleich liebevolles Wirken im Dienste der Heimat und unserer Religion, beides der gleichen Quelle entspringend — ein Vorbild geduldiger und starkmütiger Ausdauer inmitten so mancher Anfechtungen. Wir alle wissen, wie es stets Ihr Grundsaß war, mit kluger Umsicht das Erreichbare zu erstreben und bei aller charaktervoller Prinzipientreue doch dem Geiste der Versöhnung inmitten heftigster Ge­gensätze einen Weg zu bahnen." Möge der kluge und nfahrene Führer uns noch recht lange erhalten bleiben.

„Religion ist Privatsache".

Der „Vorwärts", das Zentralorgan der deut­schen Sozialisten, vermehrt wieder einmal die Un« zahl der Beweis« dafür, wie verlogen die Behaup- ■ung von der „Neutralität" der Sozialdemokratie in religiösen Dingen ist. In Nr. 165 bringt er zum Schulbeginn folgenden Aufruf an Eltern und Lehrer: „An Eltern und Lehrer richten der Zen- iralcrrbeltsausschuß der Sozialdemokratischen Eltern­beiräte Berlins und die Arbeitsgemeinschaft Sozial­demokratischer Lehrer und Lehrerinnen Berlins die Mahnung, an ihrem Teil dazu beizutragen, daß die Herrschaft der Kirche über die Schule gebrochen wird. Die Waffe in diesem Kampf Ist für die Eltern: 'Abmeldung der Kinder vom Religionsunterricht, für die Lehrer: Niederlegung des Religionsunterrichts. Ein neues Schuljahr beginnt. Befreit noch heute eure Kinder vom Religionsunterricht der Schule! Arbkiterelternl Lehrer! Tut eure Pflicht!"

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3n Oesterreich

ist vom Nationalrat das Kabinett Seipel mit 100 Stimmen der Christlich-sozialen und Großdeutschen i'-'sder gewählt worden. Eine solche Wahl wurde n twendig, weil infolge der großzügigen Sparmaß- ! Ohmen auch eine Minderung der Ministersessel von iO auf 8 durchgeführt werden mußte. Das Mini- - 'iium besteht jetzt aus 6 Christlichsoziolen skath. ’ irtei) imb 2 Großdeutschen. Die Sozialisten s ehen in ohnmächtiger und unfruchtbarer Oppo- 'Aon; sie können gegen die zielsichere und kluge Tolifft des Bundeskanzlers Prälat Dr. Seipel nicht cufkommen. Dieser geht ruhig und entschieden die " ahn, die Deutschösterreich zur Gesundung führen Al. Demnächst soll es auch mit der großen Anleihe für Oesterreich Ernst werden. Der Großteil des östreichischen Volkes folgt dem christlichsozialen Führer mit unerschütterlichem Vertrauen. Es muß aber auch in der übrigen Welt hohe Achtung her­vorrufen, wie Dr. Seipel mit Umsicht und' zäher Ausdauer die staatspolitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich zu bessern und zu festigen erfolgreich sich bemüht.

In Laufane

tagt die im Februar unterbrochene Konferenz zur Ne- geiung der Drientfrage. Während seither die Franzosen heimlich mit den Türken sympathisierten und die Griechen so ungefähr als scheusälige Ungeheuer behandelten, welche die armen Türken in diabolischer Art überfallen, tCQuâlt und mißhandelt hätten, und die man daher aufs schmorst? büßen lassen müsse, bemüht sich jetzt die fron- zöi-'che Politik, das an die Wand gedrückte Griechenland du> y verschwiegenen Händedruck wieder zu ermuntern, mm die Vermutung eines englischen Blattes mag nicht V’ 1 aus der Luft gegriffen fein, Frankreich würde heute 0 en Widerstand mehr leisten, wenn etwa bei weiterer Sv mäctigfeit Kemal Paschas gegen die französischen Wünsche Griechenland sich anschicksn würde, Ostthrazien Wer zu besetzen. Ob das nun schon so weit ist, wie kaeielbe Blatt, die „Pall Mall", andeutet, daß nämlich Frankreich durch die Vermittlung der Serben den Grie- " a in Thrazien neue Waffen habe zukommen lassen, >ag dahingestellt bleiben. Für das, was man in einem teile der öffentlichen Meinung Englands den Franzosen unter den heutigen Verhältnissen zutraut, ist es jeden- ialls bezeichnend. Sie sind in der Tot aufs äußerste er ärgert gegen ihre ehemaligen Freunde in Angora jib Konstantinopel.

Die Ursache dieses Stlmmungsumfchlages ist Krip­penneid und Eifersucht. Frankreich hat erfahren, daß die Türkei heimlich noch einen anderen Geliebten hat. Dos ist Amerika, das bei der wirtschaftlichen Aufteilung des Türkenstaates sich nicht ausschalten lassen will. Nach einem Plan des amerikanischen Admirals Ehester wollen die Amerikaner dort eine Bahn von 4300 Kilometer Länge bauen, wofür ihnen die Ausbeutung der Mine­ralien in einer Ausdehnung von 20 Kilometer zu beiden Seiten der Bahn zugrbilligt würde. Die Franzosen sind darüber natürlich sehr erbost, daß sie nicht allein den Profit machen können und man begreift wohl, war­um sie den Türken heute ein anderes Gesicht zeigen als vor Monaten. Do die neue Bahn auch das englische Interessengebiet berührt, werden diese wohl auch geschä­digt, aber einstweilen überwiegt bei ihnen die Schaden­freude darüber, daß Frankreichs hinterhältige Politik iN Angora einen schweren Rückschlag erlitten hat. Daß un­ter diesen Umständen bei der Konfernez von Saufane viel herauskommt, ist nicht anzunehmen.

Ueber die Behandlung der Ruhrkinder hat der „Ralffeifsnbote" recht beachtenswerte Aus­führungen gebracht. Er erinnert an die bekannte Parabel vom barmherzigen Samaritan. „Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, schlugen ihn und ließen ihn halbtot liegen." Das ist das ergreifende, photographisch getreue Bild derer, die an der Ruhr, am Rhein, an der Saar und in der Pfalz für sich und uns ringen. Und w i r sind berufen, ihnen der S a m a r i t e r zu sein.

Wohlan, feien wir es nicht nur in dem, was der Samariter tut, sondern auch in dem, was er nicht tut. Er sieht sich den in Todesnot befindlichen Mann nicht erst daraufhin an, ob er wohl ein* mal in seinem Haushalt zu brauchen wäre — auch nicht darauf, ob er sich nicht Last und Unbequemlichkeit damit mache, daß er sich feiner annimmt. — Tun auch wir das nicht, wenn es sich um die Auswahl der Kinder handelt. Unsere kämpfenden Volksgenossen haben nicht nur halbwüchsige, sondern auch kleine und k l e i n st e Kinder, die wir ihnen abnehmen und bewahren müssen.

Der Samariter erkundigt sich auch nicht erst, ob der Todwunde von Kapharnaum oder von Beth­lehem, von Samaria oder von Sichem gebürtig fei. Also fragen wir nicht, ob die Kinder von der Ruhr oder von der Pfalz sind — es sind Kinder unseres Volkes — Menschenkinder.

Der Samariter inszeniert auch keine Protest- Versammlung in Jericho gegen das Räuberunwesen und bergt — Er handelt I Lesen wir's uns noch einmal im Evangelium, wie er handelt. So werden wir die rechte Art finden, wie wir mit diesen Kindern zu handeln haben und brauchen keine Vorschriften im einzelnen.

Wenn wir trotzdem noch auf einzelnes aufmerk­sam machen sollen, so wäre es folgendes:

1. vergessen wir als verständige Menschen nicht, daß es sich um Kinder handelt, die seelisch viel schlimmen Eindrücken ausgesetzt waren, welche bei uns erst nach und nach ausgelöscht werden müssen:

2. daß es sich um Kinder handelt, die eine ganze andere Kost gewöhnt waren und deren Magen erst nach und nach an die Landkost sich gewöhnen muß. Der Samariter hat seinem Pflegling wohl auch nicht gleich mit Schwarzbrot und Rotwurst aufge­wartet und sich geärgert, wenn- er ablehnte;

3. daß es sich um Kinder handelt, die in unsern Bergen und Tälern im Anfang schneller müde werden und sich auch erst an Luft und Wasser ge­wöhnen müssen;

4. bedenken wir, daß es Kinder sind, denen man nicht jede dumme Redensart, die sie von Großen aufgsschnappt und halb verstanden weiter« babbeln, als bare Münze abnimmt. Und wappnen wir uns mit Geduld, indem wir, wenn sie uns aus* gehen will, immer wieder denken: „Wenn's dein Kind wäre!" — Wir wissen ja nicht, wie bald die Reihe auch an Kassel, Fulda, Hanau, Marburg und unser Dorf kommen kann.

Doch genug der Einzelheiten! Besondere „Richt­linien" erübrigen sich für den, der das Wort Jesu über diese Kinder In seinem Herzen vernimmt: „Wer ein solches Kind ausnimmt, der nimmt mich auf."

3m hohen Dome erstattete am vorigen Sonntag der Hochw. Herr Sifd)of unter gewaltiger Beteili­gung der katholischen Bevölkerung Fuldas Bericht über feine Nomreise. Mit innerer Cr-

gnffenheit erzählte er von seiner längeren Unser« rcbung mit dem Heiligen Vater am Abend des Weißen Sonntags, in der er die Ergebenheitsver- sicherung und ehrfurchtsvolle Grüße vom Grabe des hl. Bonifatius, des Apostels der Beutf^en, über­bracht habe. Papst Pius XI. hat unseren Herrn Bischof, der sich ihm als seinerzeitig. Studiengenossen an der gregorianischen Universität vorstellen konnte, mit größter Herzlichkeit und Liebe empfangen. Er fand nicht nur Worte innigster Anteilnahme für das Schicksal des deutschen Volkes und insbesondere der Diözese Fulda, sondern ließ auch dem Oberhirten für die Bedrängnisse der Diözese tatkräftige Hilfe zu teil werden. Die Unterredung, die von feiten des Heiligen Vaters in flüssiger gewählter deutscher Sprache geführt wurde, berührte neben anderen kirchlichen Angelegenheiten auch die S ch u l f r a g e, welcher der Papst die größte Bedeutung belmaß« Er erteilte den im Lehramt stehenden Angehörigen der Diözese seinen besonderen Segen. Großen Ein­druck hat auf den Herrn Bischof auch die Teilnahme, an einer Sitzung gemacht, in bet unter dem Vorsitz des Heiligen Vaters und In Gegenwart zahlreicher Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laien in dem Heiligsprechungsprozeß des seligen Kardinal Bellar­min verhandelt wurde. Die Verhandlung zeigte den weltumspannenden Charakter der heiligen Kirche« Schließlich ist der Hochw. Herr Bischof tun vor sei­ner Abreise von Rom noch einmal vom Hl. Vater empfangen und mit reichen Segnungen und geist­lichen Vollmachten ausgestattet worden. Die Person des Papstes hat auf den Herrn Bischof einen über­wältigenden Eindruck gemacht: er erblickt in seinem Wesen vereinigt die Weisheit Leos Xin., die Frömmigkeit Pius X. und die Liebe Benedikts XV. Der ganze Bericht gab den versammelten Gläubigen die Gewißheit, daß der Heilige Vater unb die römische Kurie an den Nöten des deutschen Volkes herzlichen Anteil nehmen und mit allen Kräften sich bemühen, uns Hilfe zu bringen. Der Erteilung des päpstlichen Segens ging das gewaltige „Tu es Petrus" von Holler vom Domchor mit Orgel- und Orcheftcrbegleitung voraus, das wie ein hell'ger Treuschwur zum Felsen Petri die weiten Hallen erfüllte. Zum Abschluß der unvergeßlichen Feier fang das Volk das „Großer Gott, wir loben Dich",

3m Priefterscurlnar wurde am vorigen Freitag das neue Studienjahr mit Hochamt und Festakt in der Aula des Priesterseminars eröffnet, Herr Regens Prof. Dr. Koch hielt einen Vortrag über das Thema: „DasStudiumderTheo- l o g i e." Im ersten Teil desselben behandelte er die Vorbereitung auf das akademische Theologie­

auf dem

die ein

studium, die auf einem humanistischen Gymnasium geschehen müsse, das allein jene Sprachkenntnisse im Lateinischen und Griechischen vermittelt, die der junge Theologe zu einem gedeihlichen Fachstudium braucht und das am besten jene geistige Vorberei­tung gibt, die für das Studium der Theologie er­forderlich ist. Entschieden protestierte er gegen die Bestrebungen, die darauf hinausgehen, auch das Fuldaer Gymnasium in eine „Reformschule" oder eine andere moderne Schulgattung umzuwandeln. Es ist gewiß keine unbillige Forderung, daß neben der Aufbauschule und der Oberrealschule das Gym­nasium erhalten bleiben soll für unsere Theologen und für so manche andere Berufe, für die gerade

Gymnasium eine Grundlage gelegt wirb,

.... gedeihliches Fachstudium verbürgt. De« Hochw. Herr Bischof unterstrich in feinem Schluß­wort gerade diese Ausführungen des Dortrags sehr stark unter der Zustimmung des gesamten Profes­sorenkollegiums und ermunterte die jungen Theo­logen zu eifrigem Studium, damit sie den hohen Anforderungen ihres Berufes entsprechen. Er über­brachte allen, Professoren wie Studierenden, die herzlichsten Grüße des Heiligen Vaters in Rom und dessen besondern Segen für das neue Studien­jahr. Die Zahl der Studierenden im Priester­seminar beträgt gegenwärtig 128. Sie vertei­len sich auf folgende Diözesen: Fulda 45, Lim­burg 42, Meißen 22, Posen (Deleg. Tütz) 13, Osnabrück 2, Mainz 3, Hildesheim 1. Am Schluß des Sommersemesters werden 7 Fuldaer Diakons

die heilige Priesterweihe empfangen.

Buttlar b. Gsrsa. „In dem nichibesetzten Deutsch­land muß der Eifer der Geschäftsführer und Vertrauens­leute des Volksvoreins für das kathalifche Deutschland verdoppelt werden". Diese Mahnung des Vorstandes fand in hiesiger Pfarrei verständnisvolle Aufnahme. Wackere Jünglinge und Jungfraum übernahmen me Agitationsarbett und hatten schöne Erfolge. 44 neue männliche und weibliche Mitglieder wurden gewonnen, sodaß die Ortsgruppen Buttlar und Wenigentaft $ufam men 130 zahlende Mitglieder zählen. Zahlreich waren