Einzelbild herunterladen
 

Ausgabe B.

6t. WI-W

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint {eben Sonntag und tostet monatlich Ausgabe A 250 MH, B 300 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die elnsp. Kolonelzeile oder deren Raum 40 Mk. Reklame-Zeile 120 Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert- und Auskunft-Anzeigen SdMk. extra. Anzeigen muffen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

Druck und Verlag der Fuldaer Artiendruckerei

Uassel, den 22. April 1923.

Wochenkalender.

Sonntag, 22. April. 8. Sonntag nach Ostern. Soter u. Cajus, P. u. M.

Montag, 23. April. Georg, M.

Dienstag, 24. April, Fidelis v. Sigmaringen, M.

Mittwoch, 25. April. Markus, Ev. (Erwin.)

Donnerstag, 26. April. CletuS u. Marzellinus, P. u. M.

(Maria vom guten Rate.)

Freitag, 27. April. Vom Tage. Zitta.

^Viwbs 28 April. Paul v. Kreuz, Bek., Ordensstijter.

---

Der dritte Sonntag nach Ostern.

(Evangel. Joh. 16, 16-22.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüniernl Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen einige von seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er zu uns sagt: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, und: Denn ich gehe zum Vater? Sie sprachen also: Was ist das, Lag er sp.lwt: Noch eine kleine Weile? wir wissen nicht, was er redet. Jesus aber loutzte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr freuet unter euch darüber, daß ich gesaat habe: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und weder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen. Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, ihr werdet weinen und wcheklagen: aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet trawig sein: aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden. Das Weib, wenn es gebärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist: wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mehr an die Angst wegen der Freude, daß ein Mensch zur Welt geboren worden ist. Auch ihr habet jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wieder sehen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.

Der Prüfstein

einen und Wehklagen sagt der Hei­land den Aposteln voraus im heutigen Evangelium. Es werden Stunden der Verfolgung über sie kommen; Geiselsireiche werden auf ihrem Rücken prasseln, in die Kerker werden sie hinabsteigen, unter ausgesuchten Qualen ihr Leben lassen. So ist es der Wille der göttlichen Vorsehung, daß die Lieblinge Gottes in Leiden geprüft, geformt, ge- ichüffen und vollendet werden.

Was der fromme Sirach von der göttlichen Weisheit schreibt, das wenden die hl. Kirchenväter auch an auf die Leiden und Versuchungen: sie sind für die Menschen ein schwerer Prüfstein, den die

Toren bald abwerfen, den die Guten beharrlich tragen. (Sir. 6, 22).

Ja, ein Prüfstein. Der Stein prüft die Kraft und Ausdauer eines Menschen. Ein Knabe, der einen schweren Stein hebt, wird bald merken, daß er ihn nicht tragen kann und ihn wieder zu Boden fallen lassen. Einem solchen Stein ist das Leiden zu ver­gleichen: die Kraft des Glaubens und der Tugend wird darin wunderbar erprobt. Glaubensschwache Menschen gleichen einem dünnen Baum, den der erste, beste Sturm bricht und knickt. So haben in den Christenverfolgungen nicht alle standgehalten. Manche Christen sind vor dem Richterstuhl, im An- blick der eisernen Ketten und drallen, im Anblick der Stöcke und Peitschen, im Anblick der Foltern und Zangen mutlos verzagt geworden. Sie glaub­ten. solchen übermenschlichen Peinen nicht gewachsen zu sein. Da gaben sie ihr Christentum preis, ver­leugneten ihren Herrn und Meister, opferten den Göttern und verkauften das Glück ihrer Seele, das Glück einer ganzen Ewigkeit um den schnöden Traum einiger weniger Erdenjahre! -

Gibt es nicht solche verzagte Christen auch heut­zutage? So manche Erlebnisse werden ihnen zum Stein, den sie nicht ertragen können, unter dem sie zusammenbrechen. Als einer Frau, die jeden Tag in die Kirche ging, ihr Töchterlein gestorben war, an dem ihr ganzes Herz hing, sagte sie: Gott ist grausam und kehrte ihm den Rücken. Eine an­dere Frau, deren Mann im Kriege gefallen war, konnte diesen Schlag nicht ertragen.Wozu habe ich nun gebetet, wozu gearbeitet, wozu die Kinder großgezogen? Jetzt ist alles dahin und ich will von keinem Herrgott mehr etwas miffenl" Andere wieder, wenn Gottes Hand sie berührt, versteigen sich zu der Frage:Ws habe ich das verdient?" Seht, das ist eine törichte Anklage gegen die gött­liche Gereckstigkeit, ein vermessenes Pochen auf die eigene Unschuld; eine solche Sprache gleicht dem Ab­fall vom Glauben wie ein Haar dem andern. Das sind glaubensschwache Seelen, denen der Prüfstein zum Verderben ausschlägt.

Ganz anders die glaubensstarken Seelen. Der Stein der Verfolgung, der Heimsuchung und Trüb­sal kann sie nicht niederbeugen; sie werden unter dem Stein noch stärker; ihre Kraft wächst noch mit dem Leiden; sie wachsen zu Helden empor und er­kämpfen sich den Preis des himmlischen Lohnes. Solcher Seelen gab es schon im alten Bunde eins stattliche Zahl. Unter ihnen eröffnet den Reigen der geduldige 3ob. Sieh nur, was für schwere Steine ihm aufgehaist wurden. Seine Rinder, Schafe, Ziegen, Kamele, Eseln, Pferde und sein ganzer Viehstand wurde von räuberischen Horden wegge- irie' en und geraubt. Der Mann, der durch feinen Reichtum eine angesehene Stellung einnahm, konnte nun zum Bettelstäbe greifen. Seine Söhne und Tächter wurden an einem Tage unter den Trüm­mern eines Hauses als Leichen hervorgezogen. La war kein einziger Sohn, keine einzige Tochter, die

mit dem Leben davonkam. Gleich Donnerschlägen rollte das Unglück über sein Haupt hinweg. Job aber wankte keinen Augenblick. So wenig die Meereswogen dem Felsen etwas anhaben können, so wenig vermochten die Unglückswogen seinen Glau­ben zu erschüttern.Der Herr hat alles Gute ge­geben", rief er aus,der Herr hat es wieder ge­nommen; wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen: der Name des Herrn sei gepriesen". Doch es kam noch stärker. Der Satan hatte sich in Jobs Weib einen Verbündeten bestellt. Als nun Job zu allem andern Unglück auch noch mit fürchterlichem Aussatz geschlagen wurde, da if^bie Frau zusammen­gebrochen. Ihre Frömmigkeit war eben nur Eigen­nutz. Mit törichtem Munde fing sie an, sich über ihren Mann lustig zu machen und seine Glaubens­stärke zu verspotten.Verbliebst du auch jetzt noch in deiner Frömmigkeit", fragte sie;sag dich tos von Gott und stirb". Da zeigte sich Jobs Seelengröße im hellsten Licht.Wir haben das Gute von Gott angenommen", antwortete er,warum sollten wir nicht auch das Böse annehmen?"

Und kennst du nicht den Tobias und seinen un­gebrochenen Seelenmut? Nach so vielen Gebeten und Almosen, nachdem er selbst sein Leben im Dienste der Unglücklichen aufs Spiel gesetzt, wurde er von völliger Blindheit heimgesucht durch Kot, der aus einem Schwalbennest in feine Augen gefallen war. Aber Tobias klagte nicht, murrte nicht; im Gegenteil er dankte noch Gott und hielt seine schwere Prüfung für eine Gnade.

Solche starke Seelen waren auch die Heiligen des neuen Testamentes, allen voran die Apostel. Wohl haben ihnen die Geißelstreichs wehe getan; wohl hat ihr Leib sich unter den Schmerzen ge­krümmt: aber die Seele blieb ungebeugt, blieb auf« recht und heiter. Denn so schreibt von ihnen der hl. Lukas:Die Apostel gingen freudig hinweg vom Angesicht des Hohen Nates, weil sie gewürdigt worden waren, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden".

Brüder, vielleicht ist auch uns ein Stein auferlegt, sei es ein großer, sei es ein kleiner. Und glaube ja nicht, weil du vielleicht ein guter Katholik bist, müßte alles Leiden an deiner Türe vorübergeben. Nein, gerade seine Lieblinge, sture Auserwählten prüft Gott am meisten. Und der Stein ist einem jeden nach seiner Kraft zugemessen. DennGott versucht keinen über seine' Kräfte". Durch Gebet, Empfang der hl. Sakramente, durch das Beispiel des Heilandes kannst du deine Seele tragfähig machen zu jeglicher Last. Drum wirf den Stein nicht ab, sondern trage ihn beharrlich auf deiner Schulter bis zum Ziel. Stelle dir vor Augen das Wort des Heilandes:Modicum nur eine kleine Weile". Sprich mit dem hl. Bernhard: Meine Arbeit dauert ja nur eine Stunde; und wenn sie länger dauern sollte, so spüre ich davon nichts wegen der Liebe zu Christus". Der Burgpfarrer.