6t. ElWeth-AM
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet vierteljährlich Ausgabe A205 Mt., B 210 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzeile oder deren Raum 40 Mk. Reklame-Zeile 120 Mk. Bei Wiederholung Rabatt. Offert- und Auskunft-Anzeigen 50 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
I "- Druck und Verlag der Fuldaer Actlendnickerel. »»
Nr. XV
Kassel, den $. März M3.
Wochenkalender.
Sonntag, 18. März. Passions-Sonntag. Cyrillus von Jerusalem, Bischof u. Mil,
Montag, 19 März. Joseph, Nährvater Jesu. 16. Jahres, tag der Konsekration des Hochw. Herrn Bischofs Joseph Damian.
Dienstag, 20. März. Vom Tage (Gertrud, Jungfrau)'
Mittwoch, 21. März Benedikt, Ordensstifter.
Donnerstag, 22. März. Vom Tage (Katharina von Genua, Witwe).
Freitag, 23. März. Fest der 7 Schmerzen Mariä.
Samstag, 24. März. Gabriel, Erzengel.
Ewiges Gebet: 18. März Wölf; 19. März Bermbach.
Passions-Sonntag.
(Evangelium Joh. 8, 46—59.)
Dle Juden wollen Jesu steinigen.
Bergfahrt,
ür den modernen Menschen sind die ^^ Ber ge wahre Magnete. Der Städ' ler, der die ganze Woche über das ebene Pflaster oder den weichen SISpIjalt schreitet, der Arbeiter, der neben sausenden Maschinen die Hände regt, der Beamte, der Angestellte, der Kaufmann, der Büromensch, alle suchen die Berge. Da blickt das Auge weit und breit, da atmet die Brust kräftig und tief, da schlürft die Lunge in vollen Zügen balsamische Luft, da wird das Herz leicht und frei. Samstag abend und Sonntag morgen sind die Züge, die zu den Bergen sühren, auch bei den teuersten Fahrpreisen vollgestopft, und in den Zügen, die am Sonntag Abend zu den Städten führen, kannst du manchmal kaum einen Stehplatz auflreiben. Soll aber nur der Leib seine „Bergfahrt" machen? Die Seele soll stiefmütterlich wegkommen? Die Seele soll im Staube kriechen, die doch fü> wtt und den Himmel erschaffen ist? Nein; auch die Seele soll ihre Bergfahrt haben. Welches andere Ziel könnte aber die Seele heute am Passi-'Ns- sonntag haben als jene Berge, auf denen unser Erlöser gestritten und gelitten hat? „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen", sagt der Psalmist, „von denen meine Hilfe kommt". —
Bor allem ist es der Oelberg, der unsere Aufmerksamkeit verdient, auf dem der erste Akt im großen Passionsdrama sich abgespielt hat. Diesem Oelberg wollen wir heute einen Besuch abstalten und die Geheimnisse erlauschen, die sich dort zu- getragen haben und unsere zerschlagene Seele wieder aufrichten am Bild des leidenden Erlösers. Schau hin, sprach der Herr zu Moses, als er ihm den Bau und die Einrichtung des hl. Zeltes zeigen wollte, „schau hin und mache es nach dem Vorbilde, das ich dir aus dem Berge gezeigt habe". —
, In stiller Abendstunde wandelte der Herr mit seinen Jüngern vom Abendmahlssaale aus zum Oelberg. Er über schritt den Bach Cedron und
gelangte zum Garten Gethsemane. Dort läßt er die übrigen Apostel zurück und nimmt nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich weiter in den Oel- garten hinein. Da überkommt den Heiland plötzlich ein Schauder über sein bevorstehendes Leiden. Wie manchmal beim Sturm die Bäume des Waldes sich biegen, und ein Stöhnen und Heulen durch die Wipfel geht, so kam damals eine große Bewegung über die Seele des Heilandes, und aus seinem Munde kam Stöhnen und Klagen. „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; wachet und betet mit mir, damit ihr nicht in Versuchung fallet", spricht er zu seinen Begleitern. Dann geht er selbst einen Steinwurf weit vorwärts, Mit nieder auf sein Angesicht, betet und, spricht: ^DÄer, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch an mir dorübergehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe". Er kommt zu ten Aposteln, um aus ihrer Teilnahme Trost zu schöpfen; doch siehe, sie schlafen. Mutterseelenallein in liefet Nacht muß er den schrecklichen Kampf ausfechten. Zuletzt kommt ein Engel und bringt ihm himmlische Kraft und Labung. Dann ■ aber überläßt sich der Heiland ohne Gegenwehr dem Drange der Natur und versenkt sich in einen Ab- gründ von Tiaurigkeit und Todesfurcht, so daß blutige Schweißtropfen auf seiner weißen Stirne perlen, die wie Rubine hinabfallen in das Gras und in die Blumen. Toch zuletzt steht er auf in heiliger Entschlossenheit und übermenschlichem Mut und weckt die Apostel auf mit den Worten: „Sieht auf und lasset uns gehen; seht, der Verräter naht." —
Wie gern weilten die Heiligen auf diesem Leidensberz und atmeten seine heilige Luft. Von der hl. Theresia wird berichtet, daß sie oft einen geistlichen Ausflug machte auf den Oelberg und im Garten Gethsemane lustwandelte. Bald betrachtete sie da die tiefe Trauer im Angesichte des Herrn, bald die furchtbare Qual seiner Seele, bald den blutigen Angstschweiß, der über seine Stirne rann, und den sie mit den Tränen ihres Mitleids gleichem abzuwaschen suchte. Ein anderes Mal durchwanderte sie diesen Garten und suchte darin geistliche Blumen. Sie pflückte sich da die purpurne Rose der heiligen Liebe, die weiße Lilie der Unichuld und Reinheit, das himmliche Veilchen der Demut, flocht daraus einen geistlichen Blumenstrauß und schmückte damit ihre Seele; denn sie zeichnete sich in hohem Grade in all diesen Tugenden aus. Aus ihrem eigenen Geständnisse wissen wir, daß sie bei Tag und Nacht diese heilsamen Betrachtungen fortsetzte und dadurch die größten Fortschritte in Tugend und Vollkommenheit machte. —
Geh auch du, christliche Seele, oftmals in deinem Leben und besonders in dieser Passionszeit auf diesen Berg und pflück da mancherlei Blumen; Besonders zwei möchte ich dir empfehlen. Die erste Blume ist der Schmerz über deine Sünden. Sieh, es besteht jetzt für dich, die Pflicht- der HI. Oslerbckcht. Nun aber hat ein bloßes Sündenbekenntnis ohne wahren Reueschmerz vor Gott keinen Wert, Die Rene ist eben das erste und
notwendigste beim Empfang des Bußsakramentes. Die Reue ist aber ein Schmerz über die Sünden, ein Schmerz, der nicht bloß äußerlich über die Lippen geklebt sein darf, der vielmehr aus dem Innern Hervorbrechen und die Seele ergreifen muß. Lerne diesen Schmerz beim Heiland. Was war denn die Ursache seiner großen Trauer am Oelberg? Nicht nur die Vorstellung seiner künftigen Leiden, sondern vor allem die Sünden der Menschen: unser aller Sünden hat der Herr auf ihn gelegt. Die Bosheit, die Vorworfenheit, die Schlechtigkeit all unterer Sünden hat der Heiland damals mit einem unendlichen Schmerz betrauert, beweint und verabscheut. Die Angst um unsere Seele, die Sorge um unser Glück hat ans seinem Leibe blutigen Schweiß herausgckeltert. Bitten wir den Heiland, er möge uns bei der hl. Beicht wenigstens einige Tropfen schenken von jenem Meer der Schmerzen, die er empfand über untere Sünden. Mit einer solchen guten, übernatürlichen, vollkommenen, wirksamen Reue wollen wir hintrewn zum Richterstuhl der Buße.
Die zweite Blume ist die Ergebung in Gottes Willen. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen leiden. Fügen wir uns wie der Heiland in den Willen des Vaters, in den Beschluß des Himmels. So bekommt unser Leiden ein ganz anderes Gesicht. So wirst du lächeln unter Tränen. Im Spital besuchte ich einmal eine kranke Frau. Ihr Lieb- lingSgebet, das ich auch dir empfehle, war folgendes:
Herr, dein Wille geschehe.
Und wenn ich cs auch nicht verstehe; Und tät es mir auch noch so wehe, Herr, dein Wille geschehe!
Der Surgpfauti.
" -^ M t—— -------
Uâkte für das Nriesterjemmar.
Geliebte Diözesanen!
Beim Herannahen des großen GnadenfesteS des hl. Joseph mahnt uns die Kirche, alle untere Anliegen dem mächtigen und väterlichen Schutzpatron vertrauensvoll zu empfehlen. Wie zahlreich sind unsere Sorgen, wie sehr nehmen sie zu, rote schwer bedrücken sie uns! So laßt uns denn zu Joseph gehen und ihm sagen, wie einst die Aegypter zum Sohne des Jakob: „Joseph, unser Heil ruht in Deiner Hand! Schau nieder auf uns!"
Vergessen wir aber bei den großen allgemeinen und besonderen Anliegen nicht jenes großen Anliegens der Diözese Fulda, nämlich der Sorge um den Priesterberuf. Der hl. Joseph verdient gerade hierin unser besonderes Vertrauen. Er ist ja derjenige, der den Hohenpriester des Neuen Bundes, Jesus Christus, im stillen Hause zu Nazareth gehegt und gepflegt, beschützt und behütet hat. Der hl. Joseph ist es, der für diesen Hohenpriesv c durch seiner Hände Arbeit den Unterhalt aufvrachie. Der heil. Joseph wird sicher durch seine Fürsprache uns helfen, daß in der jetzigen Zeit, die so sehr der Pru? ster bedarf, der Priesterberuf in recht vielen brave» Jünglingen geweckt, erhalten und gefördert wird.