Kassel, den 2t Sanier M3. 33. Iatzrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet vierteljährlich Ausgabe A 295 Mk., B 210 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einsp. Kolonetzeile oder deren Raum 15 Mk. Reklame-Zelle 45 Mk. Bei Wiederholung Rabat. Offert» und Auskunst-Anzeigen 50 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
Druck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerel. " » —
Wochènkaiender.
Sonntag, 21. Jan. 3. Sonntag nach Epiphanie. Agnes, Surr. u. M.
Montag, 22. Jan. Vinzentius u. Anastasius, M.
Dienstag, 23. Jan. Raymund v. Pennaforte, Emerentiana, Jgfr. u. M.
Mittwoch, 24. Jan. Timotheus, B. u. M.
Donnerstag, 25'. Jan. Pauli Bekehrung.
Freitag, 2G. Jan. Polhlarp, B. u. M.
Samstag, 27. Jan. Johannes Chrysostomus, B. u. Kchl.
Ewiger Gebet: 21. Jan. Großenbach, 22. Jan. Hof Eschenbach, -3. Jan. Hünfeld, 2t. Jan. Hünhan, 25. Jan Mackenzell.
Dritter Ssnntag nach Epiphanie, (Eo. Matth. 8, 1—13.)
Die Heilung tos Kurfähigen.
Sin verborgener Edelstein.
ancher Edelstein ist unter
Geröll
und Erde verborgen und mutz erst von den Augen eines Kenners AKA enioeckt und ans Tageslicht ge» zogen werden. So ' ein „ver- dorgener Edelstein" ist auch die Armut. B ele fruchten sie als das größte Unglück Und nur wenige kennen und schätzen ihrcn Wert.
Schau zur hl. Familie von Nazareth, die noch immer aus der Klippe uns entgegenstrahlt, bereit Biwms gewiß auch dein Heim ziert. Im Kreise dieser Familie entfaltete die Armut ihren giö&ten ® anz. Oder ist vielleicht Joseph reich gewesen? Konnte er ohne Arbe-t von feinem Bei mögen leben? Gesellschaften geben? Besuche machen? Bergnügnngen wiimachen? N-m; dazu fehlte ihm Zett, Geld und Lust. Zivi chen Breitern und Balken ist er gestatt« den uno hat mit Säge und Beil sein Handwerk als Zimmermann ausgeübl und das harte Brot der dient für sich und -eine Familie.
Und jene auserlesenste aller Hausmütter, die aller* festeste Jungfrau Maria, ist sie vlest eicht reich gewesen? An Gnade und Tugend alls.bngs; an Geld u;iö Gut aber, an Möbeln, Kleidern und Hausrat ist sie durstig und arm gewesen. Weißt du nicht, daß ihre Armut Mi-ar eure offe.tlich?, amtlich beglaubigte war? Welches Opfer hat sie denn am Tage ihrer Steinigung im Tempel dargebracht? Das Opfer der Armen, wie der hl. Lukas ausdrücklich bemerkt: sie brachte das Opfer der Armen, nämlich ein Paar Tauben, während cer* m“8W Frauen bei dieser Gelegenheit ein Lamm opfern mußten.
bot Maria im Häuschen zu Nazareth zur und Hemden, Kleid r und Weißzeug §.na.,t für sich de Ihrigen und den Tempeldienst. So tragen ^"" Unterhalt der Familie das ihrige buge-
Und Jesus Thristus selber, die Hauptperson und der Eckstein der ganzen Familie? Als Gotleesohn ist er Herr und Eigentümer aller Länder und Meere, aller Bergwerke und Goldgruben, aller Tiere und Früchte, reicher als ein moderner GroßindustrleÄer oder Muiti- mieliardär. Aber als Mensch ist er arm gewesen: arm ach Kind; sein Haus war ein elender S.a.l, sein Bett eine harte Krippe, sein Kleid eine armsel.gr Windel; arm als Knabe und Süngmg; zu Beil und Säge hat er gegriffen und seinem Vater geholfen im Zimmer- Handwerk: „arm bin ich uno in Mühsalen von Jugend aus"; arm als Mann in seinem öffentlichen Auftreten; vom Almosen guter Menschen hat er gelebt, die Freunde luden ihn zu einem ^mb a. und richteten ihm ein Nachtquartier. Dem reichen Jüngling hat er klaren Wem ei «geschenkt mit den Worten: Bedenke, wem du Nachfolgen teilst; denn die Füchse haben Höhlen und v-e Vogel des Himmels Nester: der Menschrnfohn aber hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann. Während |eme Apostc- ihn auf dem Kalvarienberg verlieben, ist die Armut ihm treu geblieben und mit chm ans Kreuz gestiegen. Nackt und bloß hängt er inmitten zweier Verbrecher zwischen Himmel und Erve, und feilst sein Grab ist ein Geschenk.
Warum wolle Jesus atm fein. Aus freier Wahl und eigenen Antr-eb; büßen wollte er für so v.eler Menschen Ueppig-est, Ge.cUpfucht, Hochmut, die so leicht sich hesten an die Fußsohlen des Mammons; lehren wol.te er uns die G.sahr des Reichtums und Woyl.ebens, versöhnen wollte er uns mit den Nöten und Entbehrungen des Lebens. Unerbittlich und scharf klingen des Heilands Worte: „Ich versichere euch: eher taun ein Kamel durch ein Nadelöhr schlüpfen, ms Last ein Reicher in das Him.nelMh emgeht". Mit furchtbarem Ernst ruft er den Reichen zu: „Weh euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost; weh euch, ihr Satten, denn ihr werbu darben", Den Armen aber räumt er in der Schar der Seligen den ersten Platz ein mit den Worten: „Selig finO die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich,"
Sicher hätte der Heiland die Armut nicht freiwillig erwählt, wenn sie nicht e.n wahrer, wenn auch verborgener Cüe.st.in wäre. Wie viele Menschen sind schon am Ueb.rfiuß an Leib und Seele zugrunde gegangen. Da lebte ruhig und glücklich ein armer läge* löhner. Nun gewann er in der Cotterie das große i Los. Als die Frau davon Hörre, rief sie aus: „O Un* ! glück, o Unglück". Die Nachbarn meinten, sie hätte oen Verstand verloren. Doch die Zukunft hat ihr Nech; gegeben. Der Mann konnte mit dem plötzlichen U.b.r* fluß nicht haushalten, fing an zu bummdn und zu trinken, und in wenig« Jahren hatte er nicht bloß deck Gewinn der Lot.erie, sondem sogar sein eigenes Häuschen durchgebracht.
Vielleicht bist du durch die Verhältnisse oder besser durch Gabes Willen zur Armut oerurLift Mit deines Kopfes oder deiner Häâ Arbeit mußt du dein Brot verdienen; du hast nur, was du brauchst, und manchmal könntest tu etwas brauchen und hast es nicht und kannst es auch nicht anschaffen. Wenn du nur gesund bist und Arbeitsgelegenheit host, dann bst du, wie der hl. Aug-ustinus sagt, trotz Armut reich!
Klage und murre nicht gegen die Vorsehung. Verrichte mit Frohsinn drin Geschäft, strecke dich nach der Deck» und sei zufrieden:
„Genieße, was dir Gott beschiedrn, Entbehre gern, was du nicht hast:
Ein jeder Stand hat seinen Frieden.
Ein jrder Stand hat feine Last". —
Die Heiligen wußten den „verborgenen Edelstein" wohl zu schätzen, und heben keine Anftrenguug, kein Opfer gescheut, um ihn zu erwerben. Haben nicht die Axcstel Hab und Gut, Weib und Kind verlassen und sind dem Meister nachgesotgt? Dabei waren sie de glücklichsten Menschen. Unabsehbare Scharen von Mäurern und Frauen finit dem Heiland und seinen Aposteln auf dem Weg der freiw lligm Armut nachgefolgt. Unter andem der hl. Abt Anlouius, dessen Arckenken w r am 17. Januar begingen. Haus und Gut, Geld und Besitz verfä;enkle er den Armen und lebte in der Wüste von Datteln, Wurzeln, Gemüse, trockenem Brot und Wasser. Dabei war er so he ler und vergnügt, daß ihn die Besucher aus Tausenden erkannten am Glanze feines Gesichtes. Erkenne auch du den Edelstein. Nimm die Armut mit Ergebung an und heilige sie dmch Tugend, Ehrlichkeit, Frömmig» -keit. Gottoertrauen, so wirst du dir einen Platz sichern in den himmlischen Wohnungen. Der Burgpfarrer«
Der hl. Iohannes, der Mmssengeder.
(23. Januar.)
O wie glücklich würden wir uns schätzen, könnten wir dem Heilande persönlich eine Wehttat erweisen! Und das geschieht wirklich, wenn wir unsern bedürftigen Mitmenschen in ihren geistigen und leiblichen Nöten helfen. Du kennst ja den Ausspruch des Heilandes: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. — So dachte und handelte der hl. Johannes, der vorletzte katholische Patriarch von Alexandrie der hl. Bincenz des katholischen Morgenlandes. Er erlangte seinen Heiligenruhm durch feine wahrhaft bewunderungswürdige Wohltätigkeit gegen Hilfsbedürftige jeder Art. Als er 606 fein oberhirtliches Amt antrat, ließ er alle Armen der Stadt aufzeichnen — es waren etwa 7000 —, die er nun täglich unterstützte; für sich behielt er nicht einmal eine ordentliche Bettdecke. Ein reicher Alexandriner verehrte ihm für seinen Gebrauch eine neue prächtige Decke, deren er sich aber nur für eine Nacht bediente. Er konnte nicht schlafen bei dem Gedanken an so viele Unglückliche, denen alles abginge, während er selbst fc weich ruhte. Daher ließ er die Decke verkaufen und unterstützte mit dem Gelde die Arnien. Auch verstand er es, die Wohltätigkeit in feiner Bischofsstadt richtig zu organisieren, errichtete Armen- und andere Wohltätig« keitshäuser, besuchte gern die Spitäler, tröstete die Sterbenden, verbot feinen Dienern die Annahme von Geschenken, schrieb rechtes Maß und Gewicht vor, taufte arme Sklaven los, unterstützte die vor den anflürmenben Persern verschreckten Flüchtlinge aus Jerusalem. In der Tat ein moderner Caritasjünger! Einmal ließ er einen bei ihm eines Aergernisses beschuldigten Mönch zur Strafe geißeln; es stellte sich dann dessen Unschuld heraus. Nun war der Heilige untröstlich und haßte seitdem alle Angebereien, schiefe Urteile, lieblose Klagen gegen andere. — Sein Reffe wurde einst gröblich beleidigt und