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Anzeiger

General-Anzeiger / Zugleich amlliches Organ für den Landkreis Sana«

Erscheint »äglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. * Aernsprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 302

MUlwoch den 24 Dezember

Fordernde Weihnacht.

Zurückweisung der Entente- Heucheleien.

Die Weihttachksbotschafi -er Entente.

Wie bereits mitgeteilt, wird die Botschafter- konferenz morgen zu einer Sitzung zusammen­treten, um ihren Beschluß über den Monats- heschluh der Kontrollkommission zu fassen. Wie dieser Beschluß ausfallen wird, darüber darf man sich keiner Illusion hingeben. Es wird ein Zweckbeschluß sein, der von politischen Beweg- S linden diktiert ist. Daß er aber gerade am eihnachtstage herauskommt, ist ein Charak­teristikum für die seelische Einstellung, die immer noch auf der Gegenseite herrscht? Primär dabei bleibt, daß England, um sichzdie,franzö­sische Rückendeckung für seine ägyptische Po­litik zu sichern, Köln nicht am 10. IanUar räu­men will. Da aber auch das konservative Ka­binett wenigstens soviel Rücksicht auf die eng­lische öffentliche Meinung nehmen muß, um mindestens einen Vorwand zu haben, wird es sich verkriechen hinter den Bericht der Mili- tarkontrollkommission, die dann Einwendungen gegen die Abrüstung Deutschlands erheben A Wie lächerlich viele Vorwände sind. ergibt

pacht ' wurden, ohne daßetwas gefunden wurde. Es war deshalb auch diplomatisch gut, wenn Deutschland in diesem Augenblick mti seiner Note an den Völkerbund herauskam und das Mißverhältnis der europäischen Waffen- aerteilung aller Welt vor Augen führte. Wir wollen uns nicht darüber täuschen, daß uns das nicht helfen kann. Aber ebenso muß man

sich auf der Gegenseite darüber klar sein, daß Deutschland nicht daran denkt, einen einseitigen Beschluß ruhig hinzunehmen, sondern mit allen Mitteln sich unter Berufung auf die ge­ringen Rechte, die auch uns aus dem Versailler Vertrag zustehen, zur Wehr setzen muß.

Die Weihnachtstage werden o" K" ~ uns t m Zeichen außenpolkt

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Wieder läuten die Weihnachtsglocken von allen Türmen und noch immer ist einsame Nacht um Deutschland. Don der Welt ringsum weht ihm wie einst Eiseskühle entgegen, dort draußen ahnt keiner oder will nichts ahnen von dem, was sie uns nahmen, als sie nur den durstigen Brocken Bettelbrot uns ließen, der zum Verhungern reicht, als sie uns all die Möglichkeiten raubten zu stolzem und starkem völkischen Leben, als sie in heimlicher Minierarbeit begannen, auch die stille Welt /zu. zerstören, aus deren Tiefe als das Köstlichste der Zauber der Weihnacht emporsteigt, um alle schlingend einigendes großes Sani» gemeinsamer Freude. Und auch unter uns ist keine Glut, an der man sich wärmt, kein Feuer, an dem man, sitzen mag in grauser Notzeit ward die deutsche Seele arm und kalt, verlor sie die -heldischen Züge, die sie trug in den hohen Zeiten des Krieges. Klein, verbittert,, von niedrer Gier erfüllt, an den Materialismus gefesselt, den sie einst haßte mit allen Fasern, wandert sie nun durch den Stâub und den Abhub der Gasse, nährt, sich von den Trebern der Erde, kauert müde und hoffnungslos im Winkel. Darf, man da Weihnachten feiern, das Fest der Stille und der Reinheit, das Fest der Gottesinnigkeit und der schrankenlosesten Liebe zu Brüdern und Schwestern?

Wir glauben, nie war Wechnachten nötiger als jetzt ein Weihnachten,

sind, die Kölner Zone am ist. Sanaar nicht za räumen. Das tonnte Folgen haben, die nicht nur vom deutschen, sondern auch vom Stand­punkt der europäischen Gesamtpolitik beklagens­wert wäre. Bei loyaler Fortsetzung der Politik der Londoner Vereinbarungen müßte die Räu­mung der ersten Rheinlandzone am 10. Januar erfolgen. Ohne diese Räumung drohen alle Er­folge jener Politik hinfällig zu werden. In Deutschland und namentlich auch in den besetzten Gebieten würde die Befürchtung Platz greifen, daß der große Preis, den Deutschland mit der Uebernahme der Daweslasten gezahlt hat, vergeblich gezahlt wurde. Die folgenschwere Absicht der Alliierten könne keineswegs mit deutschen Versäumnissen in der Entwaffnungsfrage begründet tberbén. Sach­lich bedeute sie dre Rückkehr zur Sank- tionspolktik gegen die sich zurzeit die Londoner Konferenz und die öffentliche Mei­nung fast der ganzen Welt entfliehen ausge­sprochen hat. Nach einem Rückblick über die letzten Berhanlungen zur Militärkon - troll.e, die schließlich zur Einwilligung Deutschlands in eine Generalinspektion führten, erinnerte der Reichskanzler daran, daß im ver­

innersten Herzschlag seines Lebensausmachte: er wollte die Menschenseele aus den Banden des niedrigen Erdenbaseins, aus Gier und Torheit, aus Enge und Erbärmlichkeit emportragen in die Lauterkeit und Wahrheit, in die Welt ewiger Werte, die nicht verwehen wie Erdenstaub. Mit seiner tiefen gottentstammten Liebe hat er die Menschen gesucht, damit sie sich an ihn anschmiegen sollten, damit sie erlöst aus Gottesserne und Erdenland, greifen sollten nach der Kraft und Herr­lichkeit, die das Himmelreich allen schenkt, die Gottes Antlitz suchen. Weihnachten muß das große Wecken sein, das Wecken aus Einsamkeit und Nacht, aus allen Fiebern der Zeit zu seelischer Lauterkeit und seelischer Glut. Die feiern Weih­nachten nicht als Werkleute Christi, die nur seinem Stimmungszauber weich und träumerisch sich ergeben, noch weniger die, denen Wechnachten auch nur eine geschmackvolle Forni zur Erledigung chrer Verpflichtungen ist. Wechnachten will Werkleute Christi, die sich aufrütteln lassen zur Arbeit, die tief das Knie beugen vor dem ewigen Licht, das in die dunkle Erdenwelt kam, aber um dann, von ihm erhellt, stark und stolz ihrer Seele leben. Weltenfern tauchen sie unter im Ewigen, wenn die wundersamen Lieder klingen von heiliger Nacht und die alte, heilige Geschichte ertönt, in deren Worten Gottes Güte um sie wirbt; frei vom armseligen Ich stehen sie in der feiernden Gemeinde, um die Glückesschauer alles umfassender Liebe über sich gehen zu lassen. Zum Leben geweiht schreiten sie hinaus, ihrer Seele Glut den anderen zu schenken, um sie heimliche Fäden himmlischer Liebe zu spinnen, nie müde und nie verzagt am Bau eines neuen Volkes zu schaffen, in dem Gerechtigkeit und Güte einaiÄer küssen, in dem deutschen Wesen in lauterer S-chLne wieder beseligende Wahrheit ist.

Weihnachten muß das große Wecken sein zu stolzem starken! Leben,' das alle Erbärmlichkeit zerbricht. Wer solchen Lebens eine Spur in sich trägt, der haßt die Schwächlinge, die weinerlich über das horte Leben jammern, der haßt die Weichlinge, die in düsterer Zeit nur um sanfte Kleidet sorgen, der haßt die seichten zynischen Spötter, die vor nichts Ehrfurcht haben und dem armen entseelten Volke die öde Suppe ihres elenden Witzes reichen, der haßt die Schwätzer, die für alle Not nur die schalen Reden haben, in den sich ihre Eitelkeit spiegelt, der haßt die Selbstklugen, die sich streiten, ob die Feder, die sie tragen, oder ob die ihres Nachbarn die Rechte ist. Wer Weihnacht in tiefer Sehnsucht nach Erlösung durchatmet, der liebt die herbe Kraft, die Fesieln zerbricht, weil sie aus dem Ewigen lebt, der liebt den Glauben, der wie ein Hammer ist, der Felsen zer­schmettert, der liebt die wortlose Tat, die aus heißem Erbarmen mit seinen tod­wunden Brüdern geboren ist.

Mr haben keinen höheren Wunsch zu Weihnachten, als daß die große Läuterung anhebt, die allein unsere Rettung ist. Der Meister hat einst das Wort geprägt: Ihr müßt von neuem geboren werden. Dabei bleibt es; kein Auferstehen ohne Wiedergeburt, kein neues Reich ohne neue Seele.

Laßt uns Weihnachten feiern, die Seele wach und frei für die Lebensströme aus Gottesland. Was schiert uns dann Not und Leid, was kümmern uns bann die Fesieln, die man uns schmiedet in der Kraft, die aus dem Ewigen flammt, wachsen unserem Volke dann Adlerssittiche.

unmittelbar in einem Schreiben an ihn selbst wandten, wobei sie erneut den festen Willen ausdrückten, Deutschland durch eine Militär­kontrolle keine Verlegenheiten zu bereiten und die Kontrolle keinen Augenblick länger als unbe­dingt notwendig fortzusetzen. Er erinnerte fer­ner an den reibungslosen Verlauf der General- inspektion. bei der seit Anfang September mehr als 1700 Kontrollbesuche ausgeführt wurden sowie an in manchen Teilen unter erheblichen Zugeständnissen Deutschlands erreichte teilweise Einigung über die bekannten fünf Punkte. Es S' e nicht an, ohne weiteres von deutschen Ver- ungen und Vertragsverletzungen zu sprechen. Selbst bei der Annahme, daß der Verlauf der Generalinspektion nicht allen Alliierten ent­sprochen habe, und daß die Meinungsverschie­denheiten über die fünf Punkte noch nicht be­friedigend geregelt seien, könne man doch un­möglich eine so schwerwiegende Maßnahme wie die weitere Besetzung deutschen Gebietes recht­fertigen. Den Restforderungen der Allnerten fomme im Vergleich mit der ganzen bisher durchgeführten Entwaffnungsaktion nur eine verschwindend geringe Bedeutung zu.

Nach einem Hinweis auf die gestern ver- öffentlichte deutsche Note an den Völkerbund fuhr der Reichskanzler fort: Kein Mensch in der Welt kann bestreiten, daß Deutschland alle irgendwie wesentlichen Abrüftungsforderungen erfüllt hat und daß es in einem Maße ent­waffnet ist, wie dies wohl noch niemals kn der Geschichte ein großes Volk über sich hat ergehen lasten müssen, und daß von irgendwelchen deut­schen Angriffsmöglichkeiten auch nicht im ent­ferntesten die Rede sein kann. Die Besetzung der Rheinlande ist vom Versailler Vertrag als eine Sicherung der Westmächte gegen deutsche Angriffsabsichten gedacht. Da derartige Absich- ten völlig außer dem Bereich der Möglichkeit

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werden. Ueber

die Erklärungen des Reichrkanzlers

Hochacht"ung stehen. Der Abwehrkampf muß mit größter Entschiedenheit geführt wer­den, well jeder Tag Zeitverlust bedeutungsvoll werden kann. Es ist daher zu begrüßen, daß Reichskanzler Dr. Marx noch nor dem Zusam­mentritt der Botschafterkonferenz Gelegenheit genommen hat, zu dem Vorhaben der Entente, dem beabsichtigten Vertragsbruch in einem Interview Stellung zu nehmen und auf die Folgen eines derartigen rechtswidrigen Vor­gehens hinzuweisen. Des weiteren begrüßen wir es, daß von halbamtlicher Seite erneut die Märchen vom kriegslustigen Deutschland und damit die Entente-Heucheleien zurückgewiesen

liegt uns folgende Meldung vor:

Zur Frage der Räumungder Kölner Zone erklärte der Reichskanzler einem Vertreter derKölnischen Volkszeitung", daß chn diese Angelegenheit mit ernstester Sorge er­fülle, da nach allen vorliegenden Nachrichten die Alliierten schon jetzt, also vor Fertigstellung des Berichts der Kontrollkommission, entschlossen