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General-Anzeiger / Zugleich amtliches Organ für den Landkreis Kanan
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Nr. 300
Montag den 22. Dezember
1924
Das Neueste.
— Da» Reichskabinett beschäftigte sich mit der außenpolitischen Lage.
— Freiherr v. Maltzan ist zum deutschen Botschafter in Washington ernannt worden.
— Im Rothardt-Ebert-Prozeß wurden am Samstag die Plädoyers beendet. Die Urteilsverkündung erfolgt morgen Dienstag.
— Im Anschluß an die Weihe neuer Kirchenglocken in dem Berliner Vorort Buchholz, an der neben anderen Verbänden der örtliche Kriegerverein sich beteiligte, wurde ein Trupp der Teilnehmer von einer Anzahl jugendlicher Kommunisten überfallen. E8 entstand eine Schlägerei, bei der zahlreiche Personen verletzt wurden. Die Polizei nahm etwa 30 Personen fest.
^- Rigaer Meldungen zufolge machte sich in Lettland eine verstärkte kommunistis chc Wühlarbeit bemerkbar.
Wochenvorscha».
Eine festliche Woche — Vertagte Streitfragen — Wie wird es im Januar?
Vor uns liegt eine festliche Woche. Weih- Mchten steht vor der Tür und leuchtet uns schon mit dem Glanze seiner Kerzen milde entgegen. Bald wird uns die Weihnachtsstimmung gefangen nehmen und festhalten und wird wie mit einem dichten Schleier verhüllen, was um uns draußen in der Welt der politischen Oeffemllchkeit Gegenstand heftigen Streites und von wildem Lärm umtobt war. Der Streit wird sich für kurze Zeit legen und der Lärm verstummen. Aber leider nur, um nach den Festen eine umso lebhaftere Wiederauferstehung zu feiern. Wir werden, wenig erfreut. alte Bekannte grüßen, wenn die Schleier der festlichen Stimmung zerflattern und die
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Aber nicht innere Sammlung ist die Parole, die durch die Festtagszeit in dâs neue Jahr hinüberklingt, sondern Parteikampf, Parteizank und Parteihader.
Wahrscheinlich wird der Kampf am ersten in Preußen entbrennen. Es schneiden sich hier zwei Streitfragen, die schon am 5. Januar, dem ersten Sitzungstage des neuen preußischen Landtages akut werden müssen. Das eine ist die Frage: Wer wird Landtagspräsident? Sicher nicht wieder Herr Leinert. Denn dieser Mann ist durch seinen Abschied aus dem Ober- bürgermeisteramt in Hannover politisch so kompromittiert, daß der Landtag es sich doch wohl verbitten würde, unter dem Szepter dieses Mannes zu stehen, wenn die Sozialdemokratie wagen sollte, ihn wieder als ihren Kandidaten zu präsentieren. Ganz unsicher aber ist, wer an eine Stelle treten wird. Da der Präsident des preußischen Landtages Ministerrang bekleidet, o ist diese Frage eng verknüpft mit der zweien: Wer wird preußischer Ministerpräsident werden? Auch hier wird der 5. Januar die parlamentarische Schlacht schon im Gange finden, wenn sie sich vielleicht auch dann noch hinter den Kulissen austobt. Leichten Kaufes werden die Herren Braun und Severing ihre Aemter nicht preisgeben. Und bei den Sozialdemokraten handelt es sich bei dem Kampf um die Domäne Preußen, um die Kernstellung ihrer politischen Macht. Aber der Kampf wird unvermeidbar sein. Denn nach dem Vorspiel, das wir erlebt haben, ist ein Lavieren im neuen Jahre nicht länger denkbar. Es muß sich entscheiden, ob die Anhänger der bürgerlichen Mehrheitsregierung sich im Reiche und in Preußen durchsetzen, oder ob die andern das Feld behaupten.
Die Schatten des Heiligen Abends senken sich herab und werden die Welt des Kampfes in ihr Dunkel hüllen. Wieder einmal wird deutsche Gemütstiefe sich in das Fest der Liebe
Was die fünf Punkte betrifft, auf die der Temps dann zu sprechen kommt, so ergibt sich aus dem Notenwechsel zwischen der deutschen Regierung und der Botschasterkonfe- renz, daß die Erledigung der fünf Punkte nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Ge- neralinspektion gedacht war, sondern daß die fünf Punkte einen davon getrennt zu behan- oelnden Fragenkomplex bilden sollten. Es haben jedoch auch über dis in den Rahmen der fünf Punkte fallenden Fragen schon im Laufe her Generalinspektion Besprechungen uM Verhandlungen stattgefunden, die zum Teil noch im vollen Gange sind. Ein nicht geringer Teil der hierher gehörigen Forderungen ist bereits erfüllt Als völlig aus der Luft gegriffen muß schließlich die Behauptung bezeichnet werden, daß feit 1923 eine Vermehrung der deutschen Militärmacht stattgefunden habe. Den Beweis für diese Behauptung bleibt denn auch der Temps schuldig und begnügt sich, um sich den Anschein der Kennerschaft zu geben, mit der vagen Andeutung, daß es sich dabei um Oberkommandos, Kaores und Verwaltungsdienst- stellen handle.
Das Reichkabinett ist gestern nachmittag zu einer Sitzung zusammengetreten, die sich mit der Frage der Räumung der Kölner Zone beschäftigte. Die Möglichkeiten einer Einwirkung der deutschen Regierung auf die Räumungsfrage sind in dieser Sitzung ausführlich zur Sprache gekommen, doch formten Beschlüsse noch nicht gefaßt werden, du zunächst das Ergebnis der diplomatischen Fühlungnahme abgewartet werden muß, die von feiten der deutschen Regierung bereits seit einiger Zeit eingeleitet worden ist. Auf Grund -ber laufenden Berichte der deutschen Botschafter wird es dem Reichskabinett inöglich fein, feine Entscheidung zu
Mussolinis werden die Kammern den Gesetzentwurf am 3. Januar 1925 prüfen.
Rom. 20. Dez. Die von Mussolini in der feurigen Kammersitzung eingebrachte Wahl- reformvorlage schlägt die Rückkehr zum Ein- männerwahlkreissystem vor, sodaß in Zukunft in jedem Wahlkreis nur ein einziger Abgeordneter gewählt wird. Wer die meisten Stimmen erhält, ist gewählt. Die Zahl der Abgeordneten wird von 535 auf 550 erhöht, denn auf je 70 000 Wähler soll ei» Abgeordneter kommen. Der Dahlmodus sieht ein geschlossenes Wahlkuvert vor, sodaß das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Die Wahlen werden im März oder April erwartet. Die Diskussion über diese Wahlvorlage soll bereits am Nachmittag des 3. Januar stattfmden. Kaum hatten sich die Abgeordneten "von ihrer ersten Ueberraschung erholt, bemächtigte sich ihrer eine gewaltige Erregung. Sie verließen ihre Sitze, umringten Giolitti und Salandra und waren nicht mehr zu bewegen, die Diskussion über den Finanzetat fortzusetzen. In politischen Kreisen hat man den Eindruck, daß Mussolini sich auf den Standpunkt der Normalisation stellt, daß er eine wirksame Ablenkung von der jüngsten politischen Vergangenheit schaffen, sich der Heißsporne in seiner eigenen Partei entledigen und endlich die Sozialisten und Pokolari zwingen will, wieder in der Kammer zu erscheinen.
Sie heilige Stille des Weihnachtsfestes und durch die gehobene Stimmung des nahenden Neujahrsfestes nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß Schweres vor uns liegt. Ein Tor, der da glaubte, daß mit der Annahme des Londoner Protokolls nun das Kriegsbeil begraben sein und zwischen unseren Gegnern und uns eitel Friede und Wohlwollen herrschen werde. Der 10. Januar des kommenden Jahres wird dem mühselig erzielten Ausgleich den ersten Stoß versetzen. Denn an diesem Tage wird sich ein neuer Vertragsbruch den andern anreihen. Der Kölner Brückenkopf, der nach den Bestimmungen des Diktates von Versailles fünf Jahre nach der Unterzeichnung dieses Schanddokumentes geräumt werden muß, wird von den Engländern weiter festgehalten. Es ist selbstverständlich, daß wir diesen Schlag ins Gesicht nicht ruhig hinnehmn können. Daß die Nichträumuna von Köln mit der Besetzung der Ruhr in Verbindung steht, ist für die Engländer keine Entschuldigung und daß die Ruhr mit Köln zusammen im Mai geräumt werden soll, ist für uns keine Entschädigung. Denn die Räumung der Ruhr hätte längst erfolgen müssen und wenn Herriot sie erst zum 15. August des nächsten Jahres zugestand, so zeigte er damit nur, daß ihm trotz aller schönen Worte die Kraft fehlte, sich mit einer entscheidenden Wendung von dem Kurse Poincarss zu trennen. Es ist nur ein neues schmähliches Unrecht, wenn man uns zumutet, dieses Schuld- fonto der französischen Politik nun auch noch mit der Duldung neuen Unrechts zu bezahlen. Wie berichtet wird, will die deutsche Regierung sich nicht mit einem Protest gegen dieses neue Unrecht begnügen, sondern die wirtschaftliche Waffe, tue sie Frankreich gegenüber in der Hand hat, kräftig einsetzen.
Schade nur, daß die Kraft der deutschen Negierung durch die innere Krisis gelähmt ist. Welches wird die Regierung fein, die das schmähliche Unrecht des 10. Januar nach Kräften abwehrt? Auf diese Frage ist heute eine Antwort unmöglich. Ganz ungewiß liegt die nächste Zukunft vor uns. Und es wird gerade an diesem Beispiel am besten klar werden, wieviel beste Kraft durch den deutschen Parteikampf unnütz verzehrt wird, und wie sehr das Ausland aus diesem unseren inneren Hader Nutzen zieht. Werden unsere Gegner nicht zu neuen Gewalttaten ermutigt, wenn sie sehen, JOB der deutsche Reichstag, die Verkörperung der deutschen Volkssouveränität nicht imstande ist, dem deutschen Volke eine wirklich regierungsfähige kräftige Führung zu geben? Die außenpolitischen Entscheidungen erfordern die Sammlung unserer ganzen inneren Kraft.
Haus so nahe Wei gebaut haben.
Die Hetze gegen das »»Kriegerische" Deutschland.
Eine deutsche Erklärung.
Halbamtlich wird mitgeteilt:
Der Temps hat im Anschluß an die Wiedergabe der kürzlich von Lord Curzon im Oberhaus gehaltenen Rede über die Räumung der Kölner Zone eine Reihe von Behauptungen über den Stand der Ent- waffnungDeutschlands aufgestellt, die jeder Begründung entbehren. In der offenkundigen Absicht, das alte Märchen von geheimen deutschen Rüstungen wieder aufleben zu lassen, spricht der Temps die Vermutung aus, der Bericht über das Ergebnis der Generalinspektion würde insofern nicht den wahren Tatbestand wiedergeben können, als namentlich aus dem Gebiet der Kriegsin - d u st r i e eine Kontrolle überhaupt unmöglich sei. Demgegenüber kann nur immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die K o n -
trollkommission nunmehr fast vierMonate hindurch sich« uf allen Gebieten davon überzeugen kannte, daß Deutschland seinen Entwaffnungs - Verpflichtungen nachgekommen ist. Sie hat von dieser Möglichkeit im reichsten Maße Gebrauch gemacht, denn es sind bei der Reichsweh r, Polizei und Industrie über 1700 Kontrakt besuche vorgenommen worden. Dabei sind der Kontrollkommission alle gewünschten Unterlagen zur V< worden. Da die Kontrolle fast
Verfügung gestellt , 'st ausschließlich von Offizieren vorgenommen worden ist, die seit Jahren mit der Materie auf das eingehenoste
vertraut sind, so wird kein unbefangener Be- urteUer glauben können, daß es der Kontrollkommission wirklich nicht gelungen sein sollte, ein umfassendes und erschöpfendes Bild über den deutschen Rüstungsstand zu gewinnen. Daß es dem Temps auch nur darauf anfommt, haltlose Verdächtigungen auszustreuen, ergibt sich aus seiner weiteren Behauptung, daß die Reichswehr mit ihren 100 000 Mann nur den festen Rahmen zu der eigentlichen deutschen Armee abgäbe, die im Mobilisierungsfall aufgestellt werden könne. Der Temps weiß ganz genau, daß die Alliierten selbst die Grundlagen zu dem jetzigen 100 000-Mann-Heer aufgestellt haben, und daß die Organisation dieses Heeres bis ins kleinste hinein den von ihnen gegebenen Borschriften entspricht.
Dr.Koesi
sei
Par's, 21. Dez. Wie HavaS berichtet, batte dei deutsche Botschafter V.Hoeich gestern abend eine Unter« reduni mit dem politischen Direktor im.Autz-n- Minister'um Laroche. Obwohl am Quai d'Orsay über den Schritt des heutigen Botschafters _ das größte Stillschweigen bewahrt wird, glauben einire Blätter, gcw sie Betrachtungen über den Inhalt der Rcde veröffentlichen zu können. Man hält es für wahrschtin- !:ch, daß außer anderen altueuen Fiagen auch die Frage der Räumung der Kölner Zone, die aug<n- blicklich im Vordergründe der Erörterung stehe, besprochen worden ff.
Gegen Die Politik Kerriots.
Paris, 12. Dez. In Epinal fand gestern eine Veranstaltung der national-republikanischen Verein- gung gegen den Block der Linken statt. Der ete- malige Kriegsminister Maginot hielt eine scharfe Anklagerede. Er warf der Politik der Linken vor, :aS Ruhrpsand verschleudert zu haben. Die Trikolore habe nicht nur über den Ufern des Rheins geflattert, sondern auch über der Stadt Essen. Die Amnestie der jetzigen Kreise fei eine Begünstigung derer, die während des Krieges ihre Pflicht nicht getan hätten. Auch gegen den Pakt von Genf wandte sich der Redner, er könne eine Sich rheit Frankreichs nicht garantieren. Auch die Anerkennung Sowjeiruslands müsse bekämpft werden Tas einzige Ergebnis dieser Anerkennung tei eine Sowjet-Agentur in ^aris, die nunmehr Die Verb ndung der französischen Kommunisten nirt den impschen Herstelle. Die jetzige Regierung regiere nur durch die Soz allsten. Die iMitontät tei nicht mehr in den Händen der Minister sondern in den Händen der Organisationen und Grupven, das müsse zur R voiutwn ober Diktatur M-e"
Aâag auf VolkssrUfcheid in der Flaggenfrage.
Berlin, 21. Dez. Die dlUlschnationale Reichs- tagsira.twn hat b^icklossen, die Lö ung der Flaggen- irage im Wege des Volksentscheids zu ver uchen, da oie nach der Verfassung für die Ein ührung der Farben schwarz-weiß-rot nötige Zweldrrttelmebiheit im Reichstag sich nicht firbe.
Italien vor Neuwahlen.
Ein überraschender Beschluß Mussolinis.
Rom, 20. Dez. Aaenzia Stefani meldet, daß Mussolini in der Kammer unerwarleker- weise einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Wahlrechts eingebracht hat. Die Vorlegung die- ses Entwurfs hat in parlamentarischen Kreisen einen lebhaften Eindruck hervorgerufen. 3n den Wandelgängen wird versichert, daß es sich um die Rückkehr zum System des Einstimmenwahl- kreyes handele. Diese unerwartete Maßnahnrc wird als Mittel gedenket, um verfassungsmäßig | ans den Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage herauszukommen. Auf den Borfdj'ag
Freiherr v. Waltzan, Botschafter in Washington.
Ter Staatssekretär im SluSivârtiqcn Amt Frhr. von Maltzan ist zur TiSvo'ition gestellt und gleick- zeitig zum Botschafter in Wajhuigton ernannt worden.
Zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ist der bis« berigc Leiter der Abteilung 3 (England, Amerika) Min.-Tir. von Schubert ernannt warten. Herr von Schubert bat bereits die Geschäfte des Staatsselretär« übernommen.
Fechenbach.
Fechenbach, dessen FreijvreLung so ost gefordert wurde ist wie g meldet, Bewährungsfrist für d n Rest seine» gleichzeitig gemilderten Strafen bewilligt worden „Ruier im Streite" war vor allen die Liga fit- Menschenrechte.