200. Jahrgang.
Mauer »Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 285 Donnerstag den 4. Dezember 1924
Das Neueste.
— Die furchtbare Bluttat in Haiger bei Siegen ist von dem Direktor Angerstein selbst ausgesührt worden. Angerstein ist geständig.
— Der französische Kriegsminister, General Nollet, sprach sich gegen jede Maßnahme auS, die den Effektivbestand des Heeres herabsetzen könne, solange die Neuorganisation der HeereS, die augenblicklich in Vorbereitung sei und deren Prüfung mit wünschenswerter Eilè erfolge, noch nicht habe durchgeführt werden können.
— In seiner Botschaft an den Kongreß lehnte Coolidge den Völkerbund ab.
Herunter mit der Maske -er Sozial-emokratie!
Die Trommeln der Wahlwerber rasseln durch das Land. Sie rasseln durch Stadt und Dorf; sie rasseln durch Gassen und Säle; sie trommeln, trommeln, trommeln. Verdrießlich hält mancher brave Spießbürger sich die Hände vors Gehör; mancher Lärmhasser sperrt sich in sein Haus; mancher Philister zieht den Schlafrock über den Kopf und krampft die Zehen tiefer in die Filzpantoffeln; mancher Geistige stopft sich die Ohren mit Verachtung, und hunderttausend Laulinge drücken sich blinzelnd sachte vorüber: „Das uralt — alte Trommlerlied— sie achtens nicht, sie sind es müd."
Sollten f i e recht haben? Die braven Spießer, die nervösen Lärmhasser, die Schlafrockigen die naserümpfenden Intellektuellen, die sanften Drückeberger? Nein, nein, und nochmals nein! Herunter mit Schlafhaube. Heraus aus dem Schlafrock und beteiligt am Wahlkampf! Man mag grundsätzlicher Gegner des Parlamentarismus sein; aber es kann einem — man fei denn ein Idiot — nicht gleichgültig sein, ob ein sehr viel besseres oder sehr viel schlechteres Parlament in der weitgehendsten Weise die Geschicke der deutschen Nation bestimmt. Man kann ein erbitterter Feind des Novemberparlamentaris- mus sein, dann hat man eine doppelte Verpflichtung, dazu beizutragen, daß er durch etwas Anständigeres abgelöst werde. Man kann tief überzeugt sein von der Unzulänglichkeit alles Parteiwesens und von der besonderen Versumpfung des unseren; aber wer bei den bevorstehenden Neuwahlen und dem gegenwärtigen Wahlkampf verzichten will, unter elf oder noch mehr Unzulänglichkeiten sich über eine der weniger unzulänglichen zu entscheiden, der glciâ't einem Schiffbrüchigen, der zwischen den Trummern seines Wracks treibend, sich nicht entschließen kann, nach diesem oder jenem Stückwerk zu greifen, weil ihm keines völlig sichere Rettung zu bieten scheint. Die Wellen werden die Trummer forttreiben, und der allzu kritische Mann wird ertrinken.
Darum gebieten V o r t e i l und Pflicht, jetzt, da eine bedeutende, für Jahre hin- aus bestimmende Entscheidung getroffen werden soll, sich für diesen oder jenen Trommler, für diese oder jene Partei zu entscheiden und zu wählen. Nicht weil es ein Vergnügen wäre; weil es eine Notwend igkeit ist. Wer 's tm, erwirbt kein Verdienst; wers unterläßt, ist ein kläglicher Tropf und sollte straffällig sein vor dem Gesetz, wie einst bei den Alten straffällig wurde, wer in Zeiten öffentlicher Krisis es unterließ, Partei zu nehmen.
Die Entscheidungsstunde naht! Und darum gilt es all die Müden und Lauen aufzurütteln, ihnen nochmals vor Augen zu führen, um was es diesmal geht. Bereits Mitte September konnte man in den sozialdemokratischen Zei- ningen lesen: „. . , Reichstagsauflösung muß dringender als je gefordert werden! Wahlen -n Sicht! Die Wahlparole heißt aber nicht: ^Notifizieren oder nicht notifizieren!", sondern ,- urgerblock oder Sozia ldem okra- t l e! Das war der Wunsch der Sozialdemokra- ^w und die Demokraten besorgten dann die Geschäfte der Sozialdemokraten und brachten es dahin, daß der Reichstag zur Auflösung kam.
muß immer und immer wieder festgestellt werden, daß zu dieser Auflösung kein Grund oorlag. Die seitherige Regierungspolitik war von den Parteien der früheren bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, Demokraten, Zentrum,Deutsche Bolkspartei, getragen. Sie war gewiß in der Minderheit, hätte aber eine Mehrheit haben können, wenn sich die Demokraten nicht geweigert hätten, sich mit den Deutschnationalen an einen Regierungstisch zu setzen. Diese Weige- kung, sich an einer Koalition aller bürgerlichen Parteien zu beteiligen, hatte die Reichstaasauf.
lösung und den Appell an ine deutsche Wählerschaft zur Folge, sich selbst die nötige Mehrheit zum Regieren zu schaffen. Die Demokraten mußten nun aus der Weigerung mit den Deutschnationalen zufammenzuarbejten und aus der Willensäußerung, lieber mit ihren Nachbarn zur Linken eine Koalition zu bilden, im Wahlkampf die Konsequenz ziehen, das Ganze nach links zu ziehen. Und sie taten es, sie führten von Anfang an einen Kampf für eine Links- mehrheit. Da erkannte die Sozialdemokratie, daß sie mit ihrer ursprünglichen Losung „Sozialismus gegen Bürgertum" ihre rechte Flanke von den schwarz-rot-goldenen Schutztruppen entblößte und die eigenen Bundesgenosten, die bürgerlichen Demokraten, mitten ins Herz traf. Der Wolf zog sich daher sozusagen eine Schafshaut über und um die rote Ballonmütze wurde die schwarz-rot-goldene Schärpe gewickelt. Die Sozialdemokratie band sich eine kleinbürgerliche Maske vor und man hörte nichts mehr von der Losung „Sozialismus gegen Bürgertum". Es ward muckmäuschenstill. Man predigte eine mattrofafarbene Feld-, Wald- und Wiesendemokratie, und mit diesem Täuschungsmanöver scheint es auch gelungen zu sein, das Zentrum, von dem man in den ersten Tagen des Wahlkampfes annehmen konnte, daß es sich auf die Seite der Rechtskoalition schlagen würde, zu der Linksschwenkung zu veranlassen. Seit gestern befinden sich an den Anschlagsäulen schwarz-rot-goldene Plakate mit der Aufschrift: „Wählt Sozialdemokraten oder Demokraten oder Zentrum!" Die drei Parteien präludieren damit hörbar der ersehnten Wiederkehr der früheren Linkskoalition, in der die Sozialdemokratie nach einem Ausspruch Scheidemanns in der hiesigen Beriammluna den An^rvlaa w
Deshalb herunter mut der bürger. lichen Maske, die sichder Sozialis- mustäuschungshalbervorsGeficht gebunden hat! Die Sozialdemokratie ist nach wie vor eine klaffenkämpferische Partei, die ihre marxistischen Ziele mit Hilfe der Demokratie durchzusetzen hofft. Wenn wir vor Jahren für die große Koalition, also für eine Mitwirkung der Sozialdemokratie eingetreten sind, so wollten wir erreichen, daß der Parteien- streit begraben werden sollte bis in gemein- amer Arbeit der Wiederaufbau des Reiches vollendet sei. Als dann die große Koalition zur Wirklichkeit geworden war, knickte die Sozialdemokratie bei der ersten Belastungsprobe zusammen, sie versagte bei dem unerläßlich gewordenen Einschreiten gegen die kommunistische Mißwirtschaft in Sachsen und Thüringen den Dienst und zerbrach die große Koalition. Es hatte sich damit erwiesen, daß die Sozialdemokratie in ihren auf das kommunistische Manifest zurückgehenden Wurzeln mit dem Kommunismus fest verwachsen war, und daß ihr die Demokratie nichts war als „Vorwand und Deckmantel für ihre besonderen Zwecke." Und dies trifft auch heute zu. Die Kommunisten tun den Sozialdemokraten bitter Unrecht, sie als Verräter und Abtrünnige auszuschreien. Sie Halten's nach wie vor fest und treu mit dem Marxismus und bei günstiger Gelegenheit werden sie ihr demokratisches Mäntelchen, ihre Schafshaut ablegen, um als Wolf den Schafen die Köpfe abzubeißen.
In der „Germania" war dieser Tage zu lesen: „Die heutige sozialdemokratische Kartei ist nicht mit der Bebelschen zu identifizieren, weder in den Grundsätzen noch in der Taktik." Das stimmt ohne weiteres und ist nichts Neues. Aber dann heißt es weiter: „Die Wendung im Grundsätzlichen bedingte die Taktik, bie_ barin bestand, daß die Sozialdemokratie die Staatsnotwendigkeiten bejahte." Ja tat die Partei der Heren Genossen dies wirklich? Wir haben oben ein Beispiel angeführt, wo die Sozialdemokratie staatsvolitisch versagte und darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von solchen Fällen. Und wenn diese Partei wirklich einmal Staatsnotwendigkeiten bejahte, mit welcher inneren Unaufrichtigkeit geschah es. Das Bild wäre nicht vollständig. wenn man nicht zwei Dinge in den Vordergrund rücken würde, die dieser Partei das charakteristische Gepräge geben: Parteiegoismus und Internationalismus. Diese über alle Maßen widerliche Parteiselbstsucht scheidet allerdings die Sozialdemokratie von heute von der der Bebelzeit. Das schamloseste Kapitel staatlicher Futterkrippenwirtschaft, himmelschreiender staatlicher Korruption ist mit dem sozialdemokratischen Parteicgois- mus verbunden. Und weiter: Staat-motwendig- feiten und Internationalismus! Einer Partei, die zum Führer einen Mann hat, der kein Va
terland kennt, das Deutschland heißt, kann wirklich nicht das Lob ausgesprochen werden, daß sie staatserhaltend gesonnen sei. Haben wir noch nicht genug Erfahrungen mit der sozialistischen Luderwirtschaft gemacht? Soll diese Lu- verwirtschaft auf lange bittere Jahre erneuert werden? Auf diese Frage kann es nur ein entschiedenes Nein! geben und um dieses Nein durchzusetzen ist es Pflicht aller staatserhaltend denkenden Wähler, am 7. Dezember zur Wahlurne zu schreiten und der Sozialdemokratie die Quittung auf ihre Täuschungsmanöver zu geben.
Deutscher Wähler aufgewacht! Man ist dabei die alte Linkskoälition, die seinerzeit vollkommen versagt hat, wieder aufzurichten, in der die Sozialdemokratie den Ausschlag geben ^ll^
Aus -er Dollchaft -es Präsi-enlen Coolidges.
Washinatsn, 3. Dez. In der Jadresbotschast an den Kongreß wiederholt Präsident Coolidge bei Erörterung der auswärtigen Angelegenheiten die Erklärung, daß er gegen den Eintritt der vereinigten Staaten in den Völkerbund sei. Dagegen sei er für eine Beteiligung an dem ständigen internationalen Gerichtshof. Ferner forderte Coolidge die amtlichen Stellen und Privatpersonen auf, den Dawesplan im Interesse der Regelung der europäischen Angelegenheiten zu unterstützen.
Ueber die Verminderung der Weltrüstungen sagte Coolidge, er gedenke an di« anderen Mächte wegen einer neuen Konferenz in dieser Frage beranzutreten, sobald die Ausführung de» gegenwärtigen Repara- tionSplaneS geregelt sei. Die Politik Europas habe hierfür eine günstige Gelegenheit aeschaffen. Im Hinblick auf die Vorschläge, die bereits wegen einer euro.
gebnis' dieser Aktion abzuwarten. Der Präsident fügte hinzu: Ich würde nicht wünschen, eine Konferenz vorzuschlagen oder Vertreter an einer Konferenz teilnehmen zu lassen, die Verpflichtungen zu erwögen haben würde, welche unserer Handlungsfreiheit entgegengesetzt wären. Wir wünschen nach wie vor, in unseren innerpolitischen Angelegenheiten vor Einschränkungen und Eingriffen bewahrt zu bleiben.
Ueber die Flottcnpslitik erklärte Coolidge, er trete dafür ein, daß ständig darauf hingearbeitet werde, daß die Flotte der Vereinigten Staaten auf die volle vertraglich vereinbarte Stärke gebracht werde. Weiterhin sprach sich Coolidge dafür aus, daß das Einwanderungsgesetz etwas menschlicher gestaltet werde, damit die Personen, die sich schon in Amerika befänden, die Mög lichkeit hätten, die Zulassung ihrer eigenen Familien zu erlangen.
Präsident Coolidge svrach sich weiterhin gegen das Vorgehen aufgrund der Sektion 28 des Handelsmarine- geietzcs aus, bis der Kongreß die gesamte Frage im Lichte der erworbenen Erfahrungen prüfen könne. Coolidge wiederholte sodann die Erklärung, daß die Natwn eine Politik treiben müsse, die sich mit anderen •Rationen im Geiste der Freundschait und Verständigung befasse und erklärte, daß er selbst eifrig wünsche, d e fremden Völker möchten die Ehrlichkeit und Aufrichtig- leit verstehen, womit wir uns zu diesem Standpinür bekannt haben. Der Präsident schloß: Jede Nation, die es unternimmt, ein militärisches System uii' aggressiven, imperialistischen Zielen aufrecht zu erbalten, wird sich selbst bei der wirtschaftlichen Entwicklung bei Welt ernstlich benachteiligt finden.
Deutschland soll noch nicht entwaffne! haben.
Paris, 4. Dez. Wie der Berliner Berichterstatter des „Echo de Paris" zu missen glaubt, wird die interalliierte Milüärkommission erst am 20. Dezember ihre Arbeiten beenden. Es seien mehrere Wochen erforderlich, um den Bericht auSzuarbeitcn, aus dem die deutsche Regierung erkennen werde, daß ihre Ansicht daß sie entwaffnet habe, nicht geteilt würde.
Die englische Luflfahrtpolttèk.
London, 3. Dez. Der Luftfahrtminister Haare erkläite in einem Interview über die Luftfahrtvolitik oer Regierung, in einigen Jahren würden für die Landesverteidigung 52 Geschwader gebildet sein, von denen 18 Ende 1924 fertig seien. Die Entwickelung des zivilen Luftverkehrs auf dem Kontinent durch die ReichslustvcrkehrSaesellschaft mache befriedigende Fort- icluitte. Ter Minister erklärte sich besonder? inte- lessiert an einem möglichen Mittelpunkt Europas. Tas einzige Hindernis sei die Bestimmung beS Versailler Vertrages bezüglich des Fliegen? über Deutschland. Er hoffe, daß dieses Hindernis beseitigt werde. Ganz besonders sei er interessiert an der Ausdehnung des britischen Lustverkchrswegcs nach Indien und später vielleicht auch nach Australien. Die Regierung werde euren entsprechenden Plan der Nation im nächsten Jabre unterbreiten. Die Regierung sei auch interessiert an dem Ausbau des Luftschiffverkehrs nach Indien.
M-xikos Dank an Deulschland.
Berlin, 3. Dezember 1924. Der hiesige mexikanische Gesandte üverreichte heute Reichraußenminister Dr. Stresemann folgende Note:
Es ist wir eine angenehme Pflicht, mich folgender Auftrage» meiner Regierung zu entledigen. Dieselbe hat bei. der in diesen Tagen erfolgten Rückkehr bei neuerwählten Präsidenten CalleS nach Mexiko aus seinen ausführlichen mündlichen Berichten über seins Europareise einen lebhaften und tiefsten Eindruck von der so überaus ehrenvollen und herzlichen Aufnahme empfangen, die Präsident CalleS von Seiten der deutschen Regierung wie auch seitens des deutschen Volkes zuteil geworben ist, Sie erblikt darin zugleich eine Ehrung de» ganzen mexikanischen Volkes welches sich glücklich schätzt, mit der großen deutschen Nation in aufrichtee Freundschaft verbunden zu sein. Die mexikanische Regierung legt größten Wert darauf, der deutsche« Regierung als Vertreterin des deutsche« Volke» Empfindungen wärmster Dankbarkest zum Ausdruck zu bringen, die nicht nur sie selbst, sondern da» ganze mexikanische Volk angesichts der zahlreichen Ehmngen und Aufmerksamkeiten beseelen, durch bie ihr künftiger Präsident in Deutschland in so reichem Maße auSge- ieichnet wordeu ist. Indem ich auf diesem Wege der Keisuug meiner Regierung, ihren Dank zu übermitteln, nachkomme, und daran die ergebene Bitte schließe, denselben seiner Exzellenz, dem Reichspräsidenten, gütigst zur Kenntnis bringen zu wollen, habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz erneut .meiner aur- gczeichnetsten Hochachtung und persönlichen Wertschätzung ju versichern.
Anfang Dezember 1923 fand zwischen dänischen Sozialdemokraten und deutschen Sozialdemokraten, unter denen u. a. der Parteivorsitzende Wels war, in Flensburg eine Konferenz statt, in der die deutschen Sozialdemokraten die von der Entente feftgelegte neue deutsch-dänische Grenze ausdrücklich anerkannt und jede irre- dentistische Bewegung zurückwiesen, obgleich ^Lkg.nMch durch die aeue Grenze, unter Ver- ker, relndeutscheGemelnden. Lie rem deutsch abgeslimmt hatten, der dänischen Herrschaft ausgeliefert worden sind. Sogar der bekanntlich mehrheilssozialistifchc preußische Winisterpräsident Braun konnte nuhi umhin, die öffentliche Kundgebung des dänischen und deutschen Parteivorsitzeaden über diese Vereinbarung zu bedauern. Die dänische Sozialdemokratie zahlte an die deutsche weiterhin einen namhaften Betrag (angeblich 40 000 dän. Kronen), von dem von sozialdemokratischer Seite behauptet wird, er hätte mit dem Verrat der vergewaltigten deutschen Brüder an das Dänentum nichts zu tun, er wäre oielmestr nur ein Beitrag zu einer Summe, die bei den „ausländischen Bruder- parteien" zugunsten der deutschen Sozialdemokratie zusammengebettelt wurde.
Der dem Parteivorstand der Sozialdemokratie angehorige frühere Unabhängige E r i s p i e n. Berliner Spitzenkandidat der Sozialdemokratie, hat am 11. Januar 1922 den Ausspruch getan: „Wir kennen kein Vaterland, das Deutschland heitzi", und der frühere Unabhängige, jetzt sozialdemokratische Reichstagskandidat Dr. Oskar Cohn hat am 28. Januar 1924 erklärt: „Die Erhaltung des Deutschtums wär« keinen neuen Weltkrieg wert."
»OBSllMHMBMaHi
Eine sensationelle Wendung in der Kaiqer Mordoffäre.
Die Untersuchung in der Angelegenheit des achtfachen Mordes und der Lrandjtifmn^ in der Dilla des Direktors Angerjrein in Haiger bei Siegen hat eine Wendung genommen, Die man wenige Stunden früher noch kaum für möglich gehalten hätte. Es ist jetzt feftgefteUt worden, daß die Verbrechen nich. von einer vielköpfigen Bande, sondern von keinem anderen als von Direktor Angerstein selbst ausgeführr worden sind. Hierüber wird un-. befristet:
Siegen, 3. Dez. Wie die „Rheim-Wests. Zeitung" erfährt, hat die Mordaffäre in haiger eine sensationelle Aufklärung crjahren. Es war gestern bereits den Aerzten ausgefallen, daß die Leichenstarre bei den acht Èrmotbct-i bereits eingetreten war. Der Frankfurter Gerichtschemi- ker Popp hak nun an der Axk. dem Iagdmester und dem Rucksack, die in dem Zimmer lagen, Fingerspuren feslgeslellt. Da der Verdacht rege war, hat er Fingerabdrücke von dem im Krankenhaus liegenden Direktor, die genau mit denen an der Axt und dem Jagdmesser vorge- iundenen übereinsiimmken, genommen. Angerstein ist von dem Sachverständigen also überführt worden, seine Familie ermordet zu haben. Es war auch ausgefallen, daß der Kasjen^chrank völlig unberührt und die Kassette, die ziemlich offen im Kleiderschrank der Frau Augerfieln laa. nicht berührt war. Die Venvunduagea