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SanauerWAnzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ Mr Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

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Str. 272

Dienstag den 18. November

1924

Poincarès Reinwaschungsversuch

Paris, 17. Nov. Die Veröffentlichung der Lagebuchnotizen des einstigen Botschafters in Petersburg, Louis, durch denOeuvre", hat im nationalistischen Lager die Wirkung einer Bömbe gehabt obgleich diese Publikation seit Monaten angekündigt war. Die Besitzer des Tagebuches haben allem Anschein nach aus patriotischen Gründen mit der Veröffentlichung gewartet bis Poincare zurückgetreten war. Der Inhalt des Tagebuches, soweit man ihn nach den bis jetzt veröffentlichten Proben beurteilen kann, hat die schlimmsten Erwartungen der Nationalisten übertroffen. Die Havas-Agentur veröffentlicht ein längeres Schreiben, das Poin­care an die Direktion der Agentur gerichtet hat. Poincare leistet sich am Anfang des Schreibens eine kleine Perfidie, indem er behauptet, die Veröffentlichung der Aufzeichnungen von Louis sei zuerst von der deuffchen Presse angekündigt worden. In Wahcheit hat eines der Pariser

Freitag-Blätter zuerst naten auf die Borbe:

vor einer Reihe von Mo

Vorbereitung der sensationellen

Publikation aufmerksam gemacht. Deutschland steht dieser Veröffentlichung völlig fern. Poin- care will sich im Augenblick mit der Veröffent­lichung von drei Briefen von Cambon, Pichon und Däschner zufrieden geben, stellt aber in Aussicht, daß er vielleicht eines Tages Gelegen- heit haben werde, auf die Ereignisse der Jahre 1912 und der folgenden Jahre zurückzukommen. Dann werde er auch vielleicht zwei Privatbriefe von Paul Cambon und Gerarid und von vielen anderen autorisierten Persönlichkeiten, ja sogar von George Louis selbst veröffentlichen. Sie würden alsdann die Berichtigung noch verstär-

Ich habe keine Erinnerung daran zurückbehal- ten, daß ich während des Krieges Louis be­gegnet bin. Aber wenn ich ihn gesehen habe, muß er in seinem Gedächtnis unserer Unter­redung einen Charakter gegeben Haden, den sie nicht hatte. Mein Bruder kann kein Zeugnis mehr ablegen, aber ich kann für ihn erklären, was ich für mich selbst aussage. Er und ich haben mit Ihnen, Herr Poincarè, nach bestem Können dafür gearbeitet, die unmittelbare Kriegsgefahr zu beseitigen und wir haben die Gewißheit, daß man der Regierung Frank­reichs auch nicht die geringste Verantwortlich­keit für die Ereignisse von 1914 aufhalfen kann.

Pichon schreibt aus Vers-en-Montage tm Iura-Devartement, die Aeußerungen, die ihm George Louis in den Mund lege und die Poin- carè ihm mitgetellt habe, feien dermaßen un- ivahrfcheinlich, daß er kaum nötig habe, sie zu dementieren. Er habe niemals derartige, der Wahrheit widersprechende Dinge gesagt noch gemacht, die im übrigen auch den Gefühlen wi­dersprächen, die er für Poincarè, seitdem er ihn kenne, empfinde. Das gleiche sage er auch hin­sichtlich Delcassès und Paleologues. Er wisse bestimmt, daß Poincare als Ministerpräsident, als Außenminister und als Präsident der Re­publik immer für die Aufrechterhaltung des Friedens gearbeitet habe. Er fei unter der Präsidentschaft Poincarës Außenminister ge­wesen und er habe ihm immer die Unabhängig­keit seiner Handlung gelassen. Das könne auch Poincare bestätigen. Er habe sich übrigens nie­mals während der ganzen Dauer des Ministe­riums, dem er 1913 angehört habe, mit diesem in Widerspruch befunden. Er könne sich nicht dazu hergeben, daß die Feinde Frankreichs den Versuch machten, den Frieden zu sabotieren, nachdem sie mit Vorbedacht den Krieg provo­ziert hätten und ihm Aeußerungen in den Mund legten, die dem Tatsächlichen so stark widerspre­chen, um Frankreich vor der Welt in eine un­angenehme Lage zu bringen. Pichon nennt als­dann die vomOeuvre" veröffentlichten Doku­mente beklagenswerte Erfindungen.

Ein näheres Eingehen auf diese Briefe, die zudem nur von einem Teile der Abendblätter im Wortlaut wiedergegeben werden, erübrigt sich. Sie tragen das Zeichen der Heu - ch e l e i nur zu offenkundig zur Schau. Das radikale OrganParis Soir" erinnert daran, ^6 Pichon sich wegen eines mit Gedanken­schwund verbundenen Gehirnleidens aus dem politischen Leben hat zurückziehen müssen.

Botschafter D a e s ch n e r beschäftigt sich in seinem Brief an Poincare mit dem Geheim- chnds im Ministerium für auswärtige Ange­legenheiten während seiner Tätigkeit als Ka­binettschef am Quai d'Orsay im Jahre 1912.

Er zögere nicht, so schloß er, zu bestätigen, daß Poincarè keine Unterstützungen oder Zuwen­dungen irgend welcher Art irgend einem Mit­glied der Presse gegeben habe. Er entsinne sich auch sehr klar, daß es eine der Hauptaufgaben Poincarès in Petersburg im Jahre 1^2 ge­wesen fei, aemiffe Mißverständnisse zwischen den beiden -Regierungen zu beseitigen, die man zum arößten Teil auf die Bedingungen zurück­geführt habe, unter denen der russische Bot­schafter in Paris seine Rolle aufgefaßt habe.

Getrennt von Poincare übermittelte Pa­le o l o g u e heute abend der Havasagentur ebenfalls ein Dementi. Er erklärte, daß er 1912 und 1913 als Direktor der politischen Ange­legenheiten am Quai d'Orsay und 1914 als Bot­schafter in Petersburg nicht aufgehört habe, für die Aufrechterhaltung des Friedens zu arbeiten Wenn es nötig sei, werde er hierfür die Zeug­nisse von Poincare, Jonard, Pichon, Domergue und Viviani anrufen. Louis oder wenigstens die Person, die sich hinter seinem Namen ver­krieche, klage ihn an, daß er dazu beigetragen habe, im Juli 1914 den Krieg zu entfesseln, in­dem er die russische Regierung zur Intransigenz aufgefordert habe. Darauf antworte er, daß er am 28. Juli spontan von der russischen Regie­rung gefordert habe, daß sie von vornherein alle Prozeduren annehme, die Frankreich und England in Zukunft zur Aufrechterhaltung des Friedens vorschlagen würden. Da Sassan; m sich geweigert habe, indem er erklärte, er sinne nicht im Voraus Prozeduren annehmen, deren Gegenstand und Bedingungen er nicht kenne, habe er geantwortet: Dann veranlassen Sie, daß der Zar mich sofort empfängt. Nach kurzem telegraphiert habe. Er wisse, daß seine Worte am selben Abend dem Zaren mitgeteilt worden seien und daß sie das grossmütige Telegramm veranlaßt hätten, das er am anderen Taos an Kaiser Wilhelm gerichtet habe, um diesem den Vorschlag zu machen, den österreichisch-serbi­schen Streitfall dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Paleologue versuchte im übrigen auch Poincare glauben zu machen, daß die ver­öffentlichten Aufzeichnungen gar nicht von Louis herrühren. Dazu sei bemerkt, daß nie­mand im Ernst an der Echtheit die­ser Aufzeichnungen zweifelt. Im Quai d'Orsay ist bis zur Stunde keinerlei Mit­teilung über diese aufsehenerregende Veröffent­lichung gemacht worden.

Kerriol über Deulfchland.

Paris, 17. Nov. Die Gcnatskommission für aus­wärtige Angelegenheiten hat beute nachmittag in An­wesenheit des Ministerpräsidenten Herriot eine Sitzuno abgebalten. Der Vorsitzende des Ausschusses erinnerte daran, das; er dem Ministerpräsidenten folgende Fra­gen vorgelegt habe:

1. Ueber die Durchführung des DaweSplanes. 2 Ueber die Folgen der Londoner Konferenz hinsichtlich der Pfänder und Garantien Frankreichs. 3. Ueber die Entwicklung Deutschlands und die Tätigkeit der Militärkontrollkommisston. 4. Ueber das Protokoll von Genf. 5. Ueber die Beziehungen Frankreichs zu Eng­land und Rußland.

Dleieii Fragen haben im Laufe der heutigen Sitzung einige Mitglieder noch andere hinzugeiügt, so über bu bolschewistischen Umtriebe in Noidafrika und in den anderen französischen Kolonien, über die von Deutsch­land ausgegebenen Jndustricoblioalionen und über eine Anzahl von diplomatischen Dolumenlen, die einerseits Bezug auf die französisch-englischen Beziehungen uno andererseits auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund haben.

Vor dem Ausschuß hat Ministerpräsident Herriot sich über diese Fragen in eingehender Weise ausge­sprochen.

Ueber die Erklärungen, die Ministerpräsident Herriot abgegeben hat, beibreitet die Havas-Ag-ntur Einzel­heiten. Er ha! e hinsichtlich der Durch ühiung des DawcsplaneS erklärt, daß dieser nach Feststellung der Reparalionslommission seit d m 23. Oktober durcbge- lührt sei. Deut chland habe alle seine Verpflichtun en k> füllt und der zum Gencralogenteu ernannte Parker Gilbert, der ein Freund Frankreiö S fei, habe bis jetzt oruraler Weise alle vorgelchriebenen Zahlungen erhalten. Was die auf der Londoner Konferenz vorgeiehenen Pfänder und Garantien Frankreichs anbetreffe, io habe Frankreich als Hauptgarantie eizie t, daß in der Reichsbank die Hälfte der Kommissare Nicht-Deutsche

ieien, auch im VerwaliungSrat der Eienbabngescll- 'chaft feien interalliierte Kommissare, darunter >er Franzose de Verve und der Begier de la Cro.x, die dort Sitz und Stimme hätten.

*u i»iuiL, Die Dort ^iK unu öiunnii uuuvn. . .' . « v ., v__ » fl .,

schlteslich habe Frankreich erzielt, baß die Zollein- £tne lm Dez. tm ganzen deutschen Reich statt -

»ahmen und die Einnahmen aus Alkohol und Zucker stndende Opferwoche der ^euttchen -Ko bare

kontrolliert würden und endlich überwache der General­

agent den Transfer und die Sachlieferungen. Die gesamten durch den DaweSplan geschaffenen Organ- fationen scheinen normal in Deutschland zu funk­tionieren. Was die Militörkontrollkommisston anbe­treffe, so habe die Botschgsterkonferenz, die sie fordert, nachdem sie eine erste ausweichende Antwort erhalten und einen offenkundigen schlechten Willen bekunden sah, am 8. September die Kontrolle tatsächlich wieder aufge- nommen. Vom 8. September bis zum 25. Oktober hätten die Deutschen keine korrekteHaltung eingenommen, aber in der 2. Periode habe die deutsche Regierung, durch eine energische Note der Alliierten gewarnt, weitere entgegenkommende Anstrengungen gemacht. Jedoch seien alle Schwierigkeiten noch nicht überwunden, hin­sichtlich der Organisation der Reichswehr.

Der Ministerpräsident sprach alsdann über das Genier Protokoll, bei dessen Durchberatung die fran­zösische Delegation eine führende Rolle gespielt habe. Hinsichtlich der Zulassung Deutschlands zum Völker­bund habe er gefordert, daß diese ohne irgend welche Privilege für Deutschland erfolge und Deutschland könne in den Völkerbund eintreten, wenn dieser er­weitert werde Schließlich erklärte der Minister­präsident, daß dir erste Fühlungnahme der neuen eng­lischen Regierung den günstigsten Eindruck gemacht habe.

Wiener öeulsche Eisenbahner an Rhein und Ruhr.

Einlösung der Regiefranken im Gange.

Mainz, 17. Nov. Die Regiefranken, welche bis zum Tage der Uebergabe der Bahnen an die Reichsbahngesellschaft bei den Fahrkarten­ausgabestellen der Regie nicht eingelöft worden sind, werden von heute ab bis Ende Dezember, so lange sie ihre volle Gültigkeit behalten, an den Kassen der Direktion der Regie in Mainz und Düren eingelöst. Vorläufig bleibt der Sitz der Eisenbahndirektion Mainz noch in Darm­stadt bis zur vollkommenen Räumung des Mainzer Administrationsgebäudes.

HaüptvaWöf einen erfreulichen Eindruck. Die Wechselstuben sowohl außerhalb des Bahnhofs wie die im Innern sind verschwunden, am Schalter deutsches Geld und an den Durch- aängen wieder deutsche Beamte, die für jeden Durchreisenden ein freundliches Wort haben. Die Ablösung der französischen Buchhandlung erfolgte ebenfalls um 12 Uhr. In der Nähe der Städte hat sich anscheinend der Verkehr glatt abgewickelt.

Vom Deutschen Stadtekag.

Dortmund, 17. Novbr. In her Vorstandssitzung be§ Deutschen Städtetaaes am 14. November standen die Finanzlage und Wohnungsfrage im Vordergrund. In der Frnanzfrage nahm der Städtetag zu der be- vorstcheuden Reform des Finanzansolcichs den Stand­punkt ein, daß die Selbstverwaltung zu ihrer Ergänzung auch der eigenen Finanzhobeit bedarf und daher die durch _ die Erzbergersche Reform verloren gegangene Zuschlagsautonomie der Gemeinden wieber hergestellt werden muß. In der Wohnungs­frage stimmte der Vorstand den Beicblüssu seines Wohnungs-Ausschusses zu, die dahin geben, daß b'c gegenwärtigen Verhältnisse cs noch nicht ermöglichen, vom System der Zwangswirtschaft zur treten Wirtschaft überzugeben. Die Vorstandssitzung des preußischen Städtetages beschloß einen eigenen Ent­wurf einer neuen preußischen Städteordnung aufzu- itellen. Mit großer Lebhaftigkeit wurde Stellung ge­nommen gegen die Absicht de? preußischen Handels- niinisters, eine staatliche Beaufsichtigung der städtischen Elektrizitätswirtschaft zu schaffen.

Deutsche Aothilfe.

Berlin, 17. Nov. Der Reichsarbeitsausschuß der Deutschen Nothilfe ist am 15. Nov. zu einer Sitzung zusammengetreten. Er war in der Lage, den Betrag von 700 000 Goldmark zu verteilen. Den Notstandsgebieten im unbe­setzten Deutschland wurden aus den Erträgnissen her Wohlfahrtsbriefmarke 120000 Mark zur Ergänzung der öffentlichen Mittel für die Wohlfahrtspflege überwiesen. Den besetzten Landesteilen wurden 100000 Mark zügeteilt. Die von Hochwasser betroffenen Länder erhielten 200 000 Mark, die der Reichspräsident zur Er­öffnung der neuen Sammlung für die Hoch­wassergebiete spendete. Zur Fürsorge für die noch in den französisch-belgischen Gefängnissen befindlichen deutschen Gefangenen und deren Angehörige wurden 20000 Mark bereitgestelt. 3ur Ergänzung der staatlichen Fürsorge für die Ausgewiesenen wurde der Betrag von 290 000

Mart bewilligt, der durch eine Lotterie aufge­bracht wird. Weitere für den Winter dringend genötigte Mittel zur Linderung der Not soll

aufbringen.

Republikanische Beschwerdestelle.

Im Stadtblatt derFrankfurter Zeitung" do«' 9. November ist zu lesen:

Republikaner helft mit! Aus Kreisen betDellit scheu Liga für Menschenrechte" ist ein«Republikanische Beschwerdestelle" inS Leben gerufen worden, die die sehr notwendige republikanische Kleinarbeit bei den Behörden leisten soll. Alle Republikaner, die von einem Vorstoß gegen die Sicherheit und Hoheit der Republik oder Don irgend welcher Mißachtung der Verfassung seitens einer Behörde Kenntnis erhalten, werden drin­gend gebeten, genaue Mitteilungen hierüber an die Republikanische Beschwerdestelle", Berlin W. 66, Wilhelmstraße 48, einzusenden. Diese Stell« wird alle eingehenden Nachrichten genau nachprüfen. Falls ein erheblicher Vorstoß gegen Geist und Wortlaut der Verfassung festzustellen ist, wird sie ohne Namens­nennung in geeigneter Form auf Beseitigung dieses Mißstandes hinwirken. Jeder Einsender wird von dem Erfolg der Bemühungen unterrichtet werden."

Wahrlich eine hehre Aufgabe, die sich die Liga für Menschenrechte gestellt hat.Erziehung zum Denun­ziantentum" ! Wie sagt doch der Volksmund:Der größte Schuft im ganzen Land, dar ist und bleibt der Denunziant!"

Tirpitz über MachtbttSung.

Es ist falsch aus dem Kriegsausbruch die Folge» rung zu ziehen, daß es töricht und sündhaft gewesene Macht gegen England zu bilden."

Wir sind sa so tief zurück.'-warfen, daß Lagen, wie sie um 1900 bestanden, für uns kaum wiederkehren dürften. Aber die Ohnmachtspolitiker, die Machtbildung verurteilen sind heute wie damals das fressende Gift unserer Entwicklung und unsere« nationalen Zusammen­schlusses Keine Lage ist !o verzweifelt, daß sie nicht durch harten und ernsten Entschluß Macht zu bilden, verbestert werden könnte. Machtbildung kann auf hundert verschiedenen Wegen erfolgen. Zu ihr gehören auch die Erkenntnis der wahren Gesetze des Völker­lebens, Verbreitung dieser wahren Erkenntnis in allen Volksschichten und Bekämpfung der entnervenden Jrr-

deutschen Weltmacht.

Seipel verzichtet auf die Kabinettsbildung.

Wien, 17. Nov. Bundeskanzler Seipel ist heute endgültig von der Kabinettsbildung zu­rückgetreten, weil er in seiner Partei keine Einigung auf jein Programm für die ungefähr, bete Fortführung der Sanierung erzielen konnte. In der heutigen Nachmittagssitzung des christ- lich-sozialen Parteiblocks im Parlament hat eine Dreiviertelmehrheit gegen die Politik des Kanzlers gestimmt

Seipel hat in einen Brief an den Präsi­denten des Nationalrats Niklas den Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgegeben und dies u. a. mit seiner durch das Attentat geschwächten Leistungsfähigkeit begründet.

Als Nachfolger in der Bundeskanzlerschast ist von Dr. Seipel selbst der frühere Staats- sekretär für Justiz und Salzburger Abgeordnete Dr. R a m e k vorgeschlagen worden. Der Stell­vertreter des Landeshauptmanns von Steier- mark, Ahrer, soll als Finanzminister in das neue Kabinett eintreten. Ferner wird der Minister für soziale Verwaltung, Dr. Schmitz, - durch den früheren christlich-sozialen Abgeord­neten Resch ersetzt werden, weil Dr. Schmitz besondere Gegnerschaft der Sozialdemokratie gefunden hat und die neue personelle Zusam­mensetzung des Kabinetts auf die parlamen­tarischen Schwierigkeiten besonders Rücksicht nehmen will. Die Besetzung der anderen Poste« ist noch offen.

Wien, 17. Nov. Wie die Politische Kor« responvenz mitteilt, ist der von Dr. Seipel als Nachfolger empfohlene gewesene Minister Dr. Rudolf Ramek bereits von der Christlich-Sozi­alen Partei mit den Vorarbeiten für die Re­gierungsbildung betraut worden. Die bis­herigen Minister wurden von Dr. Seipel ersucht, einer eventuellen Wiederberufung Folge zu leisten. Finanzminister Kienböck wird jedoch aem neuen Kabinett nicht angehören. Dr. Seipel wird sofort die Obliegenheiten des Ob­manns der Christlich-Sozialen Partei wieder übernehmen.

Eilt estnisches Kanonenboot gesunken.

Das estnische KanonenbootMeeme" wurde nach einer Meldung desLokal-Anzeigcrs" beim Absuchen eines Minenfeldes von einer Mine berührt, die sofort xvlodierte und das Kanonenboot zirm Sinken brachte. Bon der Besatzung wurden zwei Mann getötet und lünf verletzt.