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200. Jahrgang.

Hanauer S Anzeiger

General. Anzeig er / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana« a. M.

General-Anzeiger

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Nr. 271

Montag den 17. November

1924

Die Kriegsschuld Pvincarës.

Zeugnisse eines französischen Diplomaten.

Paris. 16. Nov. Die hier erscheinende Zeit­schriftEurop e" gibt die Memoiren des ehe­maligen französischen Botschafters in Peters­burg, George Louis, der bekanntlich auf Wunsch Iswolskis im Jahre 1913 von seinem Posten in Petersburg entfernt wurde, heraus. DasOeuvre" ist in der Lage, einige der Dokumente bereits heute zu veröffentlichen. Nach dem ersten Dokument hatte am 21. 5.1912 Louis mit dem damaligen Minister des Aeußern Pichon eine Unterredung. Pichon erklärte, Poin- care fei sehr geschickt im Parlament, aber an-, derwärts nicht. Er könne nicht verhandeln. Er sei zu trocken. Für ihn gebe es nur ein Ja oder Nein. Louis sprach alsdann feine Verwunde­rung darüber aus, daß trotz der angeblichen Anerkennung, die Pichon feiner Tätigkeit zolle, er feine Demission verlangt habe. Pichon er­widerte: Die Haltung Iswolskis war so selt­sam, daß man hierin die Aufklärung suchen müsse. Louis sagte,

man spreche davon, daß Titkoni Iswolski seine Schulden bezahlt habe.

Das habe ihn daran erinnert, daß ein Freund von Edward Grey zu Clemenceau, als er Mi­nisterpräsident war, sagte: Beunruhigen Sie sich nicht über Iswolski. Das werden wir schon arrangieren. Man habe damals angenommen, daß man auf Iswolski finanziell einwir­ken könne. Das fei im Oktober 1908 gewesen, als Iswolski nach London gereist sei. Pichon hohe dann hinzugefügt, daß Tittoni durch der-

zweite Dokument bezieht sich auf eine Unterredung, die Louis damals mit dem fran­zösischen Botschafter in Berlin, Jules Cam­bon, hatte. Das Dokument trägt das Datum vom 1. 11. 1914, Cambon habe gesagt: Kaiser Wilhelm sagte am 1. 1. 1912 (also nach dem Marokkoabkommen) zu mir: Man macht uns unser Abkommen zum Vorwurf, aber in sechs Monaten wird man uns Denkmäler errichten, daß wir es abgeschlossen und einen Krieg ver­mieden haben. Beachten Sie, habe Cambon hin­zugefügt, das Datum vom 1. 1. 1912. Das war das letzte Mal, daß der Kaiser mir in ver­trauensvollem Ton von der Zukunft gesprochen hat. Poincarè war noch nicht Präsident der Re­publik. 1913 sprach der Kaiser dann anders zu mir. Der Kaiser sagte: Ich habe alles getan, um zu guten Beziehungen zu gelangen. Aber das ist zu ende. Das sei das erste Mal gewesen, daß er in diesem Ton mit ihm (Cambon) ge­sprochen habe. Aber er habe es nicht nach Paris berichtet. Dann sei eine Warnung gekommen, die der b e l g i s ch e König ihm von Pots­dam aus habe zukommen lassen. Jules Cam­bon sagte wörtlich:

Poincarè ist zum Teil am Kriege schuld.

Botschafter Louis habe hinzugefügt: Jawohl, mit Iswolski. Cambon fragte hierauf: Konte der Krieg verhindert werden? Louis antwortete: Nicht Ende Juli. Aber wir hätten ihn vermieden, wenn 1912 unsere Regierung in anderen Händen gelegen hätte. Um zur Prä­sidentschaft der Republik zu gelangen, mußte eine Reise nach Petersburg gelingen. Man mußte sich mit Hilfe von Geheimfonds der Presse bemächtigen. Poincare hat sich zum In­strument Iswolskis gemacht. Dieser, der ge­meinsame Sache mit Tittoni machte, hat den tripoltanischen Krieg entfesselt, damit den Bal­kankrieg und den jetzigen Krieg. Jules Cambon erwiderte: Wir haben uns seit zwei oder drei Jahren nicht gesehen, aber wir haben dieselbe Ansicht. Paleologue ist dünkelhaft und Kiderlen- Wächter hat eine böse Zunge. Erinnern Sie sich an die Bemühungen Poincarès um 1912 herum, eine Konferenz in Paris zusammenzu­bringen? Das war ein wenig lächerlich. Louis erwiderte: Jawohl, ich erinnere mich noch an das Lächeln Sassonows. Cambon sagte: Unsere Beharrlichkeit veranlaßte Kiderlen-Wächter das Sir Edward Goschen, der es mir wieder er­zählte, zu sagen: Poincare hielt an seinen Ur­heberrechten fest. Cambon hat Kiderlen-Wächter gesagt: Können Sie sich eine Konferenz denken, an der Iswolski, Tittoni und Schön teilneh­men? Kiderlen-Wächter hat nicht viel Auf­hebens von seinem Vorgänger Schön gemacht, aber er erkannte den intriganten Geist der Is­wolski und Tittoni.

Die dritte Veröffentlichung betrifft eine Unterredung, die Pichon am 14. 1. 1915 mit

Louis hatte. Pichon rief aus: Wenn Sie in Petersburg geblieben wären und ich Minister des Aeußern gewesen wäre, s o h ä t t e n w i r keinen Krieg bekommen. Louis er­widerte: Gewiß, wenn Sie am Quai d'Orsay und Fallieres im Elysèe gewesen wären, wäre der Krieg nicht ausgebrochen. Pichon sagte darauf: Dutasta, dessen intime Beziehun­gen zu Clemenceau man kennt, der vor vier­zehn Tagen in Petersburg war, hat das auch Sasionow gesagt. Dieser habe geantwortet: Vielleicht wirklich. Im weiteren Verlauf der Unterredung sagte Pichon: Die beiden Bot­schafter, die Ihnen folgten, waren sehr gefähr­lich, besonders Paleologue, aber auch Delcassè.

Paleologue trieb die Russen zum Kriege.

Worauf Louis erwiderte: Das sieht man aus dem englischen Weißbuch. Der englische Bot­schafter, der seine Regierung sehr gut unter­richtete, gibt das klar zu verstehen. Worauf Pichon erwiderte: Auch Delcass è hat zum Ausbruch des Krieges dadurch beigetragen, daß er die Russen gegen Deutschland a u f h e tz t e. Die Engländer beklagten sich da­rüber. Hierauf erklärte Louis: Die Präsi­dentschaft Poincarès war verhängnisvoll. Pichon fügte hinzu: Seine Tätigkeit am Quai d'Orsay ebenfalls. Als ich wieder Minister des Aeußern wurde, ist Paul Cambon (französi­scher Botschafter in London) zu mir gekommen, hat meine beiden Hände ergriffen und gesagt, er freue sich, daß ich wieder Minister des wäre, hätte er uns schließlich mit allen unseren Freunden auseinander gebracht. Louis fügte hinzu: Als Präsident der Republik war er noch viel gefährlicher, weil er frei hat den Krieg entfesseln können. Auf ihn bezog sich Paleologue in Petersburg immer, um die Russen zur Intran­sigenz zu treiben. Pichon erwiderte hierauf: Die Wahl Poincarès zum Präsidenten der Republik wurde von Bourgeois und Briand gemacht, namentlich aber von dem ersteren. Pichon stellte hierauf fest, daß seine Bezie­hungen zu Poincarè nicht sehr gut seien. Poin- caré ließ ihn nach vier Monaten rufen und fragte ihn, warum er nicht mehr zu ihm komme, worauf er erwiderte, daß er seine Poli­tik mißbillige. Louis bemerkte, daß er vor einem Jahr im Begriff gewesen sei, den Kampf aufzunehmen, um die Dinge zu sagen, die, wie er jetzt erkenne, in diesem Augerchlick hätten gesagt werden müssen. Er habe geschwiegen, weil er nicht mehr im Amt gewesen sei. Die augenblickliche Lage sei sehr gefährlich. aber er glaube an den Endsieg. Aber unter welchen Opfern müsse man ihn erkaufen! Pichon scheint weniger zuversichtlich gewesen zu sein. Louis erklärte dann, unter den Feinden Frankreichs befände sich auch der deutschfreundliche Vati­kan. Pichon sagte, das sei auf einen Fehler der französischen Politik zurückzuführen, welche die Anzeige der Papstwahl in einem Brief zur Kenntnis genommen habe, aus dem jegliche Höflichkeitsphrase verschwunden sei. Man habe dem neugewählten Papst eine lange Herrschaft wünschen wollen. Viviani habe erklärt, das sei gleichgültig. Streichen wir diesen Wunsch. Hiermit endet vorerst die Veröffentlichung desOeuvre".

Der ReMswirlschaflsminisker über mirlschafsSpolilische Frauen.

München, 16. Novbr. In her Festsitzung im Rahmen des Bundestages des Baverischen B-amten- bnndes, an der Ministerpräsident Held und Minister des Innern Stützel teilnahmen, sprach Henke vormittag in der Tonhalle der Reichswirtschaftsminister Hamni über wirtschaftspolitische Tagesstagen. Er erinnerte zunächst daran, daß der heutige Tag ein Gedenktag in doppeltem Sinne sei. Vor einem Jahr sei die Noten- Presse zum Stillstand aebracht worden. Tas Wunder der Rentenmark sei Wirklichkeit geworden, nicht im Sinne einer Währung?- und Geldicköpmng, sondern im Sinne des Wunsches und des entschlossenen Willens, aus dem Wege der Inflation einmal Halt zu machen. Die zweite denkwürdige Tatsache sei die Wiederher­stellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands durch die heutige Rückgabe der Regiebahnen im besetzten Weste n. Der Minister wies weiter auf die verstümmelte Karte Deutschlands hin, das Gebiete ver­loren habe, die über die Ernährung der eigenenen Be­völkerung hinaus noch 5 Millionen Menschen in Deutschland hätten Nahrung geben können, und kam zu sprechen auf das Ringen um die Begrenzung der

Reparationsleistungen. Er betonte weiter: Wir empfin­den die Dawesgesetze als eine schwere Belastung des deutschen Volkes. Wir werden tun, was irgend getan werden kann, um diese Leistungen auszubringen. Es liegt allerdings nicht allein an uns, sondern auch an den VertragSaegnern, daß wir die geforderten Leistungen aufbringen können. Man bat erkannt, daß man den Zab- lungspflichtigen nicht Arm und Bein einschnüren und ihn nicht auf eine Hungerration setzen darf, wenn er leistungsfähig bleiben soll. Man hat erkannt, daß da? Bdromeker für die Leistungsfähigkeit die Währung ist. Danim der primäre Satz, daß die Reparationsleistungen die deutsche Währung schonen müssen. Daher der Gedanke, die deutsche Währung vom Staate unabhängig zu stellen. In diesem Zusammenhang kam der Minister auch eingehend auf die Handelsvertragsverhandlungen zu sprechen und betonte hierbei, daß die jetzt wieder im Vordergrund stehende 26prozentige Ausfuhrabgabe in ihrer Wirkung mit dem weltwirtschaftlichen Gefüge nicht zu vereinbaren wäre. Zu den Handelsvertrags­verhandlungen habe Deutschland den bellen Willen mit­gebracht, den zu verneinen auch Bei Frankreich bisher kein Anlaß bestehe. Man werde Deutschland den un­gehemmten Eintritt in die Weltwirtschaft wieder frei« geben und einseben müssen, daß Maßnahmen wie die Reparationsabga^e nicht nur den Geist, sondern auch den Erfolg des Dawesplanes aufs ernsteste gefährden müßten.. In feinen weiteren Ausführungen betonte der Minister, daß es gelte, durch tüchtige und gute deutsche Arbeitsleistung wieder auf dem Welmarkt Gel­tung zu gewinnen. Die Wirtschaft sollte des Schutzes nicht entbehren, dessen sic bedurfte. Mit zwangS- wirtschastlichen Maßnahmen sei ein Preisabbau nicht zu erreichen. Der Staat müsse fick bei seinen Bemühungen um einen Preisabbau der inneren Gesetze der Wirtschaft bewußt bleiben. Auch Sei einer Regelung des Einfuhrwesens sei daher zu beachten, daß wir wieder zu einer vernünftigen Eingliederung in die Weltwirtschaft kommen. Wir müßten zu geringerm Zinssätzen, zu einer Einschrän­kung der öffentlichen Ausgaben wie zu einem Abbau der zu hohen Steuern kommen. Zu der Auswertungs- frage hob der Minister den Willen der deutschen RechS- ieyieruna oervor, .Hier j^fesu neu i&jei«eu zu gâu, die die Lage der deutschen Wirtschaft vorsckreibk. Da­rüber werde der neue Reichstag zu sprechen haben. Die Mißstände und Auswüchse auf dem Gebiete des Kartellweiens seien abgestellt worden, ohne daß in allen Fällen das Kartellgericht angerufen werden mußte. Schließlich betonte der Minister, die unge­heure Aufgabe, das deutsche Volk aus seiner traurigen Lage einer besseren Zukunft entgegenzuführen, stelle sich allen Aufgaben der Geschichte in ihrer Größe ebenbürtig zur Seite. Das deutsche Beamtentum könne wesentlich zu ihrer Lösung beitragen. Der Staat trage seine Ehre und Würde in sich. Er werde umso stärker sein, se mehr alle, die ihm angehören, ihm diese Ehre und Würde geben.

Deutschlands Zahlungen nach dem Dawesplan.

Paris, 15. Nov. Der französische Senator Ibe Luberfac hatte an Herriot eine Reihe Fragen wegen der deutschen Zahlungen nach dem Dawesplan und wegen deren Äuteilung gerich­tet. Herriot teilte ihm nun mit, daß der Gene­ralagent für die Zahlungen bisher von Deutsch­land 40 Millionen Goldmark, von den Be­

Die Aebergabe üer Regiebahnen.

Frankfurt a. M., 16. Nov. Wie uns von

der Reichsbahn - Direktion Frankfurt a. M mitgeteilt wird, hat sich in ihrem Bezirk heute die Uebernahme der Regie- bahnen in den Betrieb der deutschen

Reichsciscnbahtt glatt vollzogen

*

Auch die uns vorliegenden Nachrichten aus den anderen Direktionsbezirken besagen, daß der Verwal- tungswecksel bei den Bahnen keinerlei Zwischenfälle gebracht hat. Die endgültige L guidierung des Regie­systems in den Ränmungsllellen, vor allem die Kassenabschlüsse werden voraussichtlich erst im Laufe des Montags möglich sein, doch ist die Mehrzahl der französischen Beamten schon wieder nach der Heimat abgefahren. Rein äußerlich ist die deutsche Arbeitsweise vor allem bereits jetzt durch die Sauber­keit der Bahnhöfe zu erkennen, außerdem sind die Wechselstuben feit gellern abend geschlossen, und die BahnhofSbuchhandlungeu wieder in die Hände Ein­heimischer übergegangen. Der Fahrplan der Regie bleibt außer wenigen Umleitungen vorläufig bis 1. Dezember in Kraft, da es der Reichsbahngesellschaft nicht möglich war, mit dem Tag der Uebergabe neue Fahrpläne ein­zurichten, die den Bedürfnissen des innerdeutschen Ver­kehrs entsprechen. Ab 1. Dezember jedoch soll eine vollständige Neugestaltung des Güter- und Personen- verkehrs nach diesen Gesichtspunkten erfolgen. Lieber gen Bestand der Bahnen werden die Untersuchungen der nächsten Tage erst weiteres ergeben. Die Reichs­bahn hatte verlangt, daß eine richtige Uebergabe m-.t mem Austausch von Bcstandsnachweiien vorgeno.umen werden sollte, die Regie atte es jedoch abgelehnt, mit den Beamten der deutschen Reichsbahn irgendwelche

satzungsmächten 14 800 000 Goldmark, im gan­zen 54 800 Ö00 Mark erhalten habe (vorläufige Ziffern). Dazu komme das Ergebnis des Reco« very Act für September mit 11200 000 Gold­mark und 5 400 000 Goldmark, die requiriert wurden. Ferner kommen dazu die Requisitionen im Werte von 2 000 000 Goldmark, die Be­satzungskosten von 11000 000 Goldmark, Lei­stungen aus dem Ruhrgebiet von 4 500 000 Goldmark, Kosten der Reparationskommission von 600 000 Goldmark. Das alles ergibt zu­sammen mehr als 83 300 000 Goldmark, die Deutschland nach dem Dawesplan im Sep­tember zu leisten verpflichtet war. Andererseits hatte aber der Generalagent für die Zahlungen für Naturallieferungen mehr zu leisten ole diese 83 Millionen, so daß also im Dezember ein Defizit besteht, welches von den Zahlungen im Oktober gedeckt werden soll. Eine Aufteilung dieser Summe konnte noch nicht erfolgen, weil zwischen den alliierten Sachverständigen keine Einigkeit besteht. Lubersac wollte nun wissen, was mit den Naturallieferungen geschche, Herriot teilte ihm mit, daß eine deutsch-alliierte Kommission eingesetzt würde, und andererseits solle ein französisches Büro für die Natural­lieferungen errichtet werden, das Aufträge von den französischen Geschädigten entgegennehmen soll, die von Herriot aufgefordert werden, ihre Kontrakte bereits vorzubereiten, damit diese rechtzeitig durchgeführt werden.

Forderungen des Städlelages zu der Finanz- und Wohnungswirlfchaft.

Dortmund, 17. Novbr. Die Befreiung der Stadt Dortmund von der französischen Besatzung bat die Verbände des Deutschen und Preußischen Städtetages veranlaßt, am 14. und 15. Novem­ber Sitzungen in Dortmund abzuhalten. In nungsfrage im Vordergründe. Zur bevorstehend den Neugestaltung des Reichs-Finanzausgleichs erhob der Deutsche Städtetag nochmals die grundlegende Forderung, daß die auf dem Grund der Selbstoerantwortung ruhende Selbst­verwaltung unter allen Umständen auch durch die Wiederverleihung der Zuschlagshoheit zur Einkommensteuer ihre notwendige Ergänzung findet, wobei es den Ländern überlassen sei, für einen weiteren Ausgleich unter den Gemein­den zu sorgen. In der Aufnahme kommunaler ausländischer Anleihen ist äußerste Zurückhaltung der einzelnen Städte am Platze. Der Städte­tag stimmt dabei durchaus der Reichsregierung und der preußischen Regiemng zu, daß Aus- laudsanleihen nur zu produktiven Zwecken zu­lässig sind und die Verpfändung einzelner Sicherheitsobjekte gänzlich ausgeschlossen ist. Eine allgemeine Aufwertung der städtischen Anleihen läßt sich nach der Auffassung des Städtetages bei der gegenwärtigen Lage der öffentlichen Finanzen nicht rechtfertigen. 2n der Wohnungsfrage ist die Erreichung der freien

Uebergabeverhandlungen vorzunehmen,, und zwar be gründet sie ihre Ablehnung damit, daß sie für Stö­rungen und Beschädigungen im Eisenbahnverkehr nicht verantwortlich gemacht werden könne, da sie die Eisen­ahnen bei Beginn des passiven Widerstandes so über­nommen habe, wie sie sie vorfand. An diesem Zeit­punkt seien aber schon umfangreiche Zerstörungen durch deutsches Personal und vor allem durch die französische Besatzung vorhanden gewesen. Die größten Zerstör­ungen habe sie, die Regie, sofort wieder auSgebessert in dem Maße, wie sie zu einer geordneten Durchführ­ung des Betriebs notwendig geworden sei. Im übrigen bat die Regie Mährens ihrer Herrschaft im Ruhrgebiet an den Bahnen Raubbau getrieben. Anschaffungen und Ausbesserungen, sowie Instand­haltungen auf lange Sicht wurden von ihr nicht vor» genommen, da sie von vornherein wußte, daß sie eines Tages wieder sang- und klanglos abziehen müßte.

Effen, 16. Nov. Heute nacht erfolgte die Uebergabe der Regiebahnen an die deutsche Reichsbahn überall reibungslos ohne daß eine Störung des Betriebes erfolgte. Der Zustand der zurückgegebenen Betriebsmittel läßt aller­dings an verschiedenen Stellen zu wünschen übrig. Ein Bezirk meldete bisher, daß die dortigen Lokomotiven sehr herabgewirtschaftet seien und zahlreiche Maschinen noch in Betrieb behalten wurden, die nach deutschen Grundsätzen in diesem Zustande nicht mehr verwendet werden durften. Die deutschen Beamten und das deutsche Publikum begrüßten die Ueber­nahme der Bahnen durch die deutsche Ver­waltung überall e--»»^^