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Hanauer S Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

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Nr. 264

Samstag den 8. November

1924

Das Neueste.

Das Reichskabinett arbeitet in der Auf- ivertungSfrage neue Vorschläge aus.

Wegen des bedauerlichen Zwischenfalls in Ingolstadt hat der bayerische Ministerpräsident dem Chef der verbandstaatlichen Distriktskommission in München gegenüber schriftlich das Bedauern der bayerischen Staatsregierung ausgesprochen.

Die österreichischen Eisenbahner befinden sich seit Mitternacht im Generalstreik. Die Regierung hat demissioniert.

In Algier haben sich vorgestern abend 9 Ubr und gestern früh */«6 Ubr neue Eldbebenstäße ereignet. Einige Gebäude sind beschädigt. In mehreren Dörfern stürzte die Bevölkerung, von Angst gejagt, auf freies Feld.

Zum 9. November.

Zum 6. Male jährt sich morgen der schmach­volle 9. November, der schwärzeste Tag in der deutschen Geschichte, an dem das deutsche Heer nach gewaltigen, heldenhaften Kraftanstrengun­gen in einem Riesenkampfe gegen fast alle Völ­ker der Erde von den Fronten weichen mußte, weil dieHeimatarmee" meuterte. Spenglkr sagt: Das war die sinnloseste Tat der deutschen Geschichte. Ein Staatszusammenbruch erfolgte mit katastrophalen Begleiterscheinungen. Ein Wirrwarr entstand, den Schreihälse mit sozia­listischen WahnideenRevolution" nannten. Zu einer jeden Revolution gehört Geist. Was man an sogenanntem Geist in den November­vagen TstâjAy, «âvUri, wmfr â einem Teil aus Osteuropa, wie das unselige Rätesystem, zum anderen Teil aus der west­lichen Demokratie, wie die Völkerbundidee. Deutscher Geist war überhaupt nicht vorhanden. Spengler spricht sogar von derRevolution der Dummheit". War denn aber ein revolutionärer Wille in Deutschland vorhanden, bestand ein solcher schon vor dem Krieg? Die Erinnerung an den 1. August 1914 in seiner prachtvollen Sturmschönheit muß jede Behauvtung von dem Dasein eines revolutionären Willens Lügen strafen. Doch die Partei der rechtgläubigen Marxisten bildete sich ein, ihre Zeit, die Zeit der Erfüllung des Erfurter Programms sei gekom­men. Darum gab sie dem freien Staat der Deut­schen den Laufpaß und setzte alles auf die eine Karte des Internationalismus ihrer Genossen in den feindliche Ländern. Darum entsandten sie Reiseprediger durch die deutschen Lande, die den letzten Rest mannhaften Widerstandes nie­derpredigten und das Fallstaff-Evangelium ver­kündeten: Was ist Ehre? Kann Ebre ein Bein ansetzen? Und wie es so beliebig weitergeht! Sie, die internationalen Marxisten, waren eben der Meinung, ihre Vorsehung,die ökonomische Entwicklung", würde für sie besser sorgen,, als die staatlich anerkannte Vorsehung für Wil­helm II. gesorgt hatte. Die Sozialdemokratie glaubte, den Staat, nach dem Heimtückisck'en Rat seiner Todfeinde, vor Abschluß des Kamp­fes noch so formen zu müssen, daß er in die alleinseligmachende Lehre vom völkerbeglücken­den Internationalismus paßte. Deshalb durfte kein Widerstand mehr geleistet werden, deshalb ließ man den Staat, dem wir unser Leben ge­opfert hatten, im dümmsten Augenblick im Stich. Deshalb zerstörte man das deutsche Volksheer, statt es aus der Berührung mit der Heimaterde neue Kraft ziehen zu lassen, noch rasch, bevor Deutschlands Zukunft gesichert war.

Rein a u ß e n p o l i t i s ch betrachtet ist der 9. November der Tag der Zertrümmerung des Lismarckschen Kaiserreiches, der Erinnerungs­tag an die würdelose Selb^entmanwmg, die die Zerstörung des Heeres bedeutete, eine schmäh­liche Tat nationaler Schwächung, wie sie selbst das bolschewistische Rußland klug vermieden hat. Vom 9 November an datiert der Beginn des jammervollen Leidenweges des deutschen Vol­kes, der uns über Versailles, Spa, London usw. geführt hat. Seit jenem düsteren Tage war Deutschland ausgeschaltet aus dem Rate der Völker, wurde ^"m Objekt der Launen und ^er Willkür rachegieriger Gegner berabgedrückt, hatte schwer zu seufzen unter der Sklavenpeitsche seiner Bedrücker. Und wenn es in der neueren Zeit etwas besser geworden ist, dann ist dies wahrlich nicht das Verdienst iener Revolutions­macher, jenerHeimathelden", sondern jener vernünftigen Realpolitiker, die versucht haben unter großen Opfern für das deutsche Volk das wieder gut zu machen, was jene gesündigt hatten. Jnnerpolitifch hat die Revolution nicht die Befreiung aus angeblichen Fesseln be-,

MM der WWW» Wen«.

Generalstreik der Eisenbahner.

Wien, 7. Nov. (Meldung der Amtlichen Nachrichtenstelle.) Die Verhandlungen zwischen der Bundesdirektion und den Organisationsver- tretern wurden bis 10.30 Uhr abends weikerge- führt. Da auch ein neuer innerhalb des Rah­mens der bisherigen finanziellen Zugeständnisse gemachter Vorschlag des Präsidenten Günther abgelebnt wurde, scheiterten die Verhandlungen endgültig. Infolgedessen überreichte der Präsi­dent Günther dem Bundeskanzler sein Rück- triklsgesuch. Die Regierung trat nochmals zu einem Ministerrat zusammen und unterbeitete dem Bundespräsidenten ihre Demission; sie führt einstweilen die Geschäfte weiter.

Die Vorgeschichte.

Wien, 7. Nov. In den Verhandlungen der Bundesbahnverwaltung mit den Eisenbahnern konnte bis zur Stunde' noch keine Einigung er­zielt werden. Die Lohnforderungen bedeuten eine schwere Belastung der Bahn, deren Sanie­rung bekanntlich in der Weise angestrebt wird, daß die Bahn zu einem selbständigen Wirt- chaftskörper gemacht würde. Das Angebot der Bahnverwaltung beträgt 42 Milliarden, wäh­rend die sozialdemokratischen Vertreter Er­höhungen im Betrage von 50 Milliarden, die Deutschsozialen sogar 83 Milliarden fordern.

Generaldirektor Günther ließ auf eine An­frage der Vertreter der Eisenbahnerorganisa-

machten Angebote nicht herausgehen könne.

Unter diesen Umständen verzichteten dje Ver­treter der Organisationen auf ihr Erscheinen in

deutet, sie ist vielmehr, besonders in einzelnen Ländern, zur Errichtung einer rücksichtslosen Klassenherrschaft mißbraucht worden. Ueberall zeigte die sogenannte Novemberrevolution das typische Bild eines politischen, wirtschaftlichen und moralischen Zusammenbruchs.

Der 9. November 1918 birgt für uns Deutsche Erinnerungen tiefer Trauer und schmachvoller Schande, und dennoch muß es heißen: Immer daran denken! Das deutsche Volk wird in einigen Wochen zur Wahlurne schreiten und da hat es noch einmal Gelegenheit die Quittung auszustellen für das Furchtbare, was ihm vor 6 Jahren von den sozialistischen und kommu­nistischen Parteien angetan worden ist. Am 7. Dezember hat es das deutfckie Volk in der Hand hie Revolution endgültigzu liqui­dieren. Deshalb denke man am morgigen 6. Jahrestag der sogenannten Novemberrevo­lution an das furchtbare Unglück und all das Elend, das dieser Tag über das deutsche Volk gebracht hat und bereite sich vor auf den 7. De­zember, der zum Zahltag werden soll. R. H.

Immer wieder das alle Wärrben.

Paris, 6. Nov. DieDaily News" veröffent­lichten am 22. Oktober ein Interview mit dem Marschall Foch, das derEclair" heute in sen­sationeller Aufmachung nachdruckt. Dieses In­terview verdient tatsächlich weiteste Verbreitung und größte Beachtung. Foch wendet sich gegen die allgemeine Abrüstung, bevor nicht die Ab­rüstung der Geister erfolgt sei. Das amerika­nische, französische und englische Volk wende sich gegen den Krieg, aber in Deutschland und in Rußland herrsche kriegerischer G e i st. Das Deutschland von heute habe den Geisteszustand Friedrichs des Großen, Bis­marcks und Wilhelm II. Das Land von Hans Sachs, Goethe und Heine sei verschwunden. Der Militarismus habe es getötet Die Reichseinheit habe Preußen durchgesetzt, welches mit seinem teutonischen Stiefel zertrete was es an Idealis­mus im deutschen Volke gebe. Deutschland ent­halte unter demokratischer Fassade vielleicht die reaktionärsten Elemente, und werde seine Nie­derlage von 1918 niemals vergessen. Rußland bedrohe den Bestand der jungen Staaten, die nach dem Kriege geschaffen wurden. Deutschland und Rußland haben den Wunsch, nötigenfalls durch Gewalt die Verträge aus der Welt zu schaffen, die der Völkerbund verteidigen soll. In­folgedessen könnte man von einer allgemeinen Abrüstung nicht sprechen. Der russische Bauer und der deutsche Bürger könnten nicht denselben Gedanken haben, wie der franzt "ye Bauer oder der englische Arbeiter. Die ungleiche Er­ziehung werde es für lange Zeit verhindern, daß die Humanitätsgcdanken des Völkerbundes verwirklicht werden.

Reichswir/schaflsminMer Kamm übe den Dawesplan.

Hamburg, 8. November. Der Einfluß des Dawesplanes auf Handel und Industrie bildete das Thema des Vortrags, den der Reicbswirtschastsminüter Hamm im Uebersecklub hielt. Er führte u. a. aus: Wir sind jetzt wieder in die Laqe eines wirtschaftlich jungen Volkes gekommen. Alles, was Sparsamkeit von Generationen aufgespart hat, ist dabin. Wir mußten uns in den Zwang fügen, Echuldverschrei- bunaen für einzelne deutsche Werke den Gegnern zu geben. Die eigentliche Leistung der Arbeit der Sach­verständigen in London liegt in der Lösung des Pro- blems der Uebertraguna, die aber nur möglich ist wenn die deutsche Wirtschaft gesund und leistungs­fähig erhalten ble bt. Der Recovery-Act ist einplampei Machtzugriff, der die deutsche Wirtschaft schädigt, ahnt dem andern zu nützen. DaS gilt auch für die Sach- lieserungen. Seine weiteren AuStührunaen widmete der Minister dann den volkswirtschaftlichen Verände­rungen, die die Rachkriegsjabre für ganz Europa mit sich gebracht haben, und streifte in diesem Zusammen­hang die Frage der Schutzzölle, die er nicht für not­wendig hält, um die Konsumkraft im Innern zu stärken. Wir müssen auf dem Wege der Handels­verträge mit der Welt wieder in Austausch kommen Es gebe keine Trennung von Wirtschaft und Staat, voraus ging der Redner auf die jetzigen Aufgaben der Regierung ein und kündigte an. daß die Einfuhrverbote bis auf einige wcniae demnächst aufgehoben werden Die gegenwärtige Teuerungswelle dürfte man nicht hoch kommen lassen. Trotzdem sei die Beseitigung bei Zwangswirtschaft notwendig.

Bayern und das Reich.

München, 8. Nov. Ministerpräsident Dr. Held betonte in vertraulicher Aussprache mit dem Haushaltsausschuß eine entschieden? iöderalistische Politik Bayerns. Es wäre de .vLuerüch, ogst, noch ich der letzten Zeit, du Zweigstelle Bayern des Reichsoerkeyrsmuui- teriums in ihrer Zuständigkeit ausgehöhlt wurde. Die bayerische Regierung werde dem Reiche gegenüber die Steifnackigkeit bewahren, wie sie im Interesse des bayerischen Volkes notwendig sei. Die Novemderereignisse des Vorjahres hätten leider den Einfluß Bayerns auf das Reich empfindlich geschädigt. Die eigenstaat­lichen Hoheitsiechte, besonders auf dem Gebiete oer Finanzverwaltung, könnten, ohne daß das Reich ge.chäoigt wird, wieder zugestanden wer- oen. Je weiter man in der Verständigung mit Den Einzelstaaten gehe, umso stärker werde bei innere Zusammenhang des Reiches. Der Mu nisterprässident sprach seine Freude über die Wiedererrichtung der preußischen Eesandschast in München aus und behielt sich für die Re- gierung die Errichtung bayerischer Eesandschaften in anderen Staaten vor.

Dotscha isra! von Rintelen bei General von Nalhufius.

Paris, 8. Nov. Der deutsche Botschaftsrat hott Rintelen, der im Äuftraae der deutschen Botschaft seit Mittwoch abend in Lille weilt, hat gestern General von Natbuflus in der Arrestanstalt besucht. Ter Unterredung wohnte auf Veranlaffung des fontman» oiercnd n französischen Generals ein Artillerieleutnant bei. Von Natdusius hat dem Botschaftsrat eine Reihe von Entlastungszeugen namhaft gemacht, die die oeutsche Botschaft herbeizuschaffen versuchen wird.

Paris, 8. Nov. Der Metzer Rechtsanwalt Nicolai, den General von Natbusius mit seiner Ver­leidn ung beauftragt hat, hält sich zurzeit in Paris auf und wird in einigen Tauen nach Lille reifen. Von Rintelen ist gestern abend 7 Uhr nach Paris iurückgekcbrt, um seinen Vorgesetzten Bericht zu er­statten und die deutsche Reaierung über die Lage rmd die eingeleiteten Schritte in einer D peschc zu unter« richten. Bot chiftSrat von Rintelen wird wahrscheinlich beute, Sainrtag, nach Lille zurückkehren. Gestern !üb war General von Natbusius von einem leichten Unwohlsein befallen. Von Rintelen hat vor seiner «bieiie eine Erklärung abgegeben, in der er sagt, b^i ß-ncral von Rathu ms gegen das über ihn ge übte lliteil protestiert. Ueber die dip omatischen Folgen, die die Verhaftung des bentichen Genei als nach sich ziehen kann, e> klärte der BotichaftSrat, daß sie vov den Beschlüssen er beiden Regierungen abhängig sei.

Dar dem Staa sqerlchtsho .

Leipzig, 7. Nov. Vor Lem Staatsgericbtshof zum Schutz der RepubUk hatte sich am heutigen Freitag der verantwortliche Schriftleiter, der Roten Fahne" in Berlin, Fritz Apelt, wegen Hochverrats bezw. Aufreizung zum Hochverrat zu verantworten. In verschiedenen Artikeln satte er zur Errichtung der proletarischen Dik­tatur, und zwar unter Anwendung von Gewalt, aufgefordert. Das Urteil lautete wegen Vorbe­reitung zum Hochverrat unter Zubilligung mil­dernder Umstände auf 1 Jahr Festung und Mark Geldstrafe.

Der Staatsgerichthof verurteilte den Schrift­leiter derRoten Fahne" in Hamm, DuddinL

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der Generaldirektion der Bundesbahnen und beschlossen, die schon ausgegebenen Streikord­nungen um 12 Uhr nicht in Kraft treten zu lassen.

Wien, 7. Nov. Der Präsident der Bundes­bahnen unterrichtete vormittags den Bundes­kanzler über die durch die Ablehnung der bis an die äußerste Grenze gehenden Zugeständ­nisse geschaffenen Lage und kündigte für den Fall des Streikausbruchs seine Absicht, von der Leitung der Bundesbahnen zurückzutreten, an, da er dann die erfolgreich eingeleitete Sanie­rung der Bundesbahnen für bedroht onsehen müsse. Der Bundeskanzler billigte den Stand­punkt des Präsidenten und ersuchte ihn, sich bei seinen Entscheidungen ausschließlich von Erwä- gungen einer Führung der Bundesbahnen nach wirtschaftlichen Grundsäßen leiten zu lassen. Zu­gleich erklärte er, daß die Regierung, wenn ihr bei einem so wichtigen Teil des Sanierungs­werks, wie es die Reform der Bundesbahnen sei, unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht würden, nicht länger im Amte bleiben würde. Der Ministerrat beschloß nachmittags im Sinne der Vorschläge des Bundeskanzlers.

Maffenfluchk der Fremden.

In Wien hat eine Massenflucht der Frem­den eingesetzt. Die abgehenden Züge wurden ge­stürmt, ohne daß annähernd alle Passagiere Mitfahren konnten. Die vornehmen Stadthotels leerten sich M venMachmittagsstundèy. und es blieben nur wenige Fremde, die über Autos verfügen, zurück.

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Um über die Dinge urteilen zu können, wie sie Herr Foch für die Kennzeichnung der Stim- mung in Deutschland anführen zu müssen glaubt gehört immerhin ein klein wenig Beschäftigung mit den deutschen Verhältnissen und ebenso ein klein wenig volkspsychologisches Fingerspitzen­gefühl. An beiden scheint es Herrn Foch gänz­lich zu mangeln. Selbst bei ganz oberflächlicher Beobachtung hätte er feststellen können, daß Deutschland nur von einem Wunsche durch­drungen ist: Ruhe zu haben, um arbeiten zu können. Nur in einem Punkte hat der ehemalige französische Generalissimus recht: das deutsche Volk wird seine Niederlage von 1918 und den ihm aufgezwungenen Friedensvertrag niemals vergessen. Und daß es nicht geschieht, dafür hat Herr Foch mit seinen Gesinnungsfreunden gründlich selber gesorgt. Aber es ist so schon, wenn man seine eigenen Rüstungsgedanken nur irgend wie verhüllen kann, und mag es auch nur mit einem alten, abgetragenen und faden­scheinigen Mäntelchen sein.

Ro ests^ab veil und ^ufwertnnq.

Neue Lage" der öffentlichen Finanzen.

Das Reichskabinett hat durch den damit be­auftragten Reichspostminister Dr. Hoefle dem Hypothekengläubiger- und Sparer', ä,utzver- band für das Deutsche Reich (Sparerbund), wie uns dieser Verband mitteilt, folgende Stellungnahme zu feinen Aufwertungsfocde- rungen übermittelt:

1. Für das Reichskabinett ist durch die An­nahme des Londoner Paktes und durch die Un­terbringung der Anleihe eine vollkommen neue Situation geschaffen, durch die die wirtschaft­liche Lage des Reiches und der Länder maß­gebend beeinflußt wird.

2. Das Reichskabinett ist daher entschlossen, über die Vorschläge des Herrn Reicbsfinanz- ministers im Äufwertungsausschusse des Reichstages hinauszugehen.

3. Entwürfe des Arbeitsministeriums und des Reichsfinanzministeriums sind in Vorberei­tung und werden dem Kabinett demnächst vor­gelegt, über die der neue Reichstag zu beschlie­ßen haben wird."

In der Auslassung über die Kabinetts­sitzung vom Donnerstag war bereits angekün­digt, daß man derMilderung der burd) den Kriegsausgang und die Geldentwertung her­vorgerufenen Nöte nähertreten" werde. Was das für die Aufwertung reutet, geht aus der obigen Mitteilung hervor. Die Börse reagierte gestern bereits, wie gemeldet, mit lebhafter Bewegung in Anleihen, obwohl auch hier ge­wisse Skepsis hinsichtlich solcher Erklärungen in Wühlzeiten obwaltet.