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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Sana« a. Al.

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BerussvreisflirdieL Wochen vom 3. bis 15. November 1 Goldmark ohne Träserloün. Einzel- nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Gotvorennig. Anzeigenpreise :für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldofeiah. für dir Rsklamezstle (68 mm) 50 EoldvienniqOttertenaebüb r 80 Goldviennig Geschäftsstelle Hammerstrane 9.

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Nr. 262

Donnerstag Sen 8. November

1924

Das Steuere.

Die angeblichen Funde der Kontrollkommission, die der Berliner Korrespondent desEcho de Paris" gestern seinem Blatte meldete, werden heute von zu­ständiger Stelle als unrichtig bezeichnet.

Bei der Kontrolle der verbandsstaatlichen Distriktskommission in der Waffenmeisterei Ingolstadt kam es bei der Abfahrt der Kontrollkommission zu einem bedauerlichen Zwischenfall.

Zwischen derDirektion der NeichSbahn-Aktiengesell- schast und Vertretern der Beamten haben gestern Ver­handlungen über die Personalordnung stattgefunden, die eine Annäherung beider Parteien brachten. Die Besprechungen sind auf heute vormittag vertagt wordeu.

Die Reichsiagsauslözung im Wahlkampf.

Die Reichstagsauflösung vom 20. Oktober und ihre Vorgeschichte kann in der politischen Erörterung nicht zur Ruhe kommen und wird wohl während des ganzen Wahlkampfes noch ' eine große Rolle spielen. Das ist nicht über« raschend, denn es ist wohl noch nie eine Reichs­tagsauflösung so dürftig begründet und den Wählern so unverständlich gewesen wie die letzte. Es fehlte der gewöhnlicke bestimmte An­laß, nämlich ein Konflikt zwischen Regierung und Reichstag, und damit eine handgreifliche Lösung für die Neuwahl. Der Reichskanzler hat am Montag auf dem westfälischen Zentrums­parteitag in Münster ebenso wie vor kurzem auf dem Reichsparteitag des Zentrums in Ber- .tin.aei'agt, bie Siuflöfung sei n o t w e n d i e=

habe. Der Nitrits vo

n a t i o N a -

len Ministern zum Kabinett wäre nach seiner Ueberzeugung geeignet gewesen, das Miß­trauen des Auslandes von neuem zu wecken. JEine frühere Räumung des Ruhrgebiets hätte wohl leicht dadurch in Frage gestellt werden können. Mit der Weigerung der Demokraten, sich weiter an der Regierung zu beteiligen, sei auch für die Zentrumspartei die Erweiterung der Regierung nach rechts untragbar geworden. Eine Koalition aus Deutschnationalen, Deutscher Volkspartei, Bayerischer Volkspartei, Wirt­schaftlicher Vereinigung und Zenirum hätte nur runo zehn Abgeordnete über die absolute Mehr­heit in sich begriffen, eine Mehrheit, die um so weniger gute Aussichten auf sicheren Bestand -er Regierung eröffnet hätte, als es keineswegs sicher gewesen fei, daß bei entscheidenden Abstim­mungen auch wirklich alle Stimmen der ge­nannten Fraktionen der Regierung zugefallen wären.

Bei und kurz nach der Auflösung war zur Begründung nur von der Weigerung der De­mokraten und der Unmöglichkeit einer Mehrheiisbildung die Rede, und wenn aus dem demokratischen Lager Beschwerden darüber laut wurden, daß man ihnen die alleinige Ver­

antwortung für die Auflösung zugeschoben habe, so konnte man später sehen, daß eine innere Berechtigung dieser Beschwerde nicht fehlte. Denn später besann man sich darauf, daß man die innere Verantwortung doch wieder den Deutschnationalen zuschieben müsse. Daß sich zu diesem Zweck der Reichskanzler die Argumente des Herrn Erkelenz zu eigen macht, die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung müsse das Mißtrauen des Auslandes von neuem wecken und hätte eine frühere Räumung des Ruhrge­biets leicht in Frage stellen können, scheint uns vom Gesichtspunkt einer nationalen Real­politik, die die deussche Regierung zu führen hat, nicht eben förderlich zu sein. Wir bedauern diese Worte, denn sie versetzen denMatin", dasEcho de Paris",Daily Mail", dieMor- ning-Post" in die Lage, nach den Wahlen, nach der dann fälligen Regierungsumbildung den bisherigen Reichskanzler Marx als Kronzeugen dafür zu zitieren, daß das Ausland Mißtrauen geen die neue deutsche Regierung hegen müsse! Weiter werden sich Poincarë und Millerand, Vriand und Loucheur die Hände reiben: der »istjerige deutsche Reichskanzler hat die Räu- nung des Ruhrgebietes selbst in Zusammen- jang mit der Zusammensetzung der deutschen Regierung gebracht; hat es als plausibelchinge- teUt, wenn sie auf Grund des durch den Ein- iritt deutschnationaler Minister in die Regie-

âg zu gewärtigenden Mißtrauens des Aus- ondes nicht erfolge. War es nötig, den erbitter­en Feinden solche Argumente füt eine Fort­setzung ihrer Gewaltpolitik gegen IDeutto^nb in die Hände zu liefern?

Es liegt uns nichts daran Gegensätzlichkeiten aufzugreifen und womöglich zu vergrößern, die in der nächsten Zeit vor wichtigen Gesichtspunk­ten zurückzutreten haben, doch die obige Fest­stellungen mußten gemacht werden, um in der Öffentlichkeit kein falsches Bild aufkommen zu lassen. Dies umsomehr, als der Kanzler bereits auf dem Berliner Parteitag eine Aeußerung über die Kriegsschul dfrage getan hat, die wir unwiderfprocyen ließen, auf die wir aber heute doch mit einigen Worten eingehen müssen. Der Kanzler hat damals nach derGer­mania" wörtlich gesagt.Wir erstreben die Befreiung vom Schuldbekenntnis nur aus moralischen und sittlichen Gründen. Es wäre unheilvolle Verblendung, wenn wir annehmen wollten, der Nachweis, daß uns nicht die Alleinschuld (!) am Kriege aufgebürdet werden kann, wevde auch zur Folge haben, daß wir unserer Vervflichtungen aus dem Versailler Friedensvertrag ledig werden würden. Leider ist dieser Irrtum weit verbrei­tet und, wie ich fürchte, für manche Kreise der Hauptgrund, diese Frage mit solcher Leiden­schaftlichkeit zu betreiben, wie es oft der Fall ist. Wir halten daran fest: unsere Ver­pflichtungen aus dem Friedens­vertrag bleiben bestehen, auch wenn jener Nachweis erbracht ist." Mit diesen Worten hat der Kanzler das Seinige getan, um im voraus zu verhindern, daß Deutschland etwa eines Tages aus den ge­nau das Gegenteil besagenden Ausführungen der für die Beurteilung der Versailler Vor­gänge maßgebendsten feindlichen Staatsmänner Folgerungen ziehen körmte^die für die Erettung

sagte am Zs ärz 1921 in London zu dem da­maligen deutschen Außenminister Simons: Für uns Alliierte ist die deutsche Schuld am Kriege der entscheidende Faktor; sie bitbett das Fundament für den Friedensvertragsbau Sollte dieser Faktor angefochten oder als un­haltbar erwiesen werden, dann stürzt der Ver­trag zusammen." Selbst der Vater des Welt­krieges, Poincarè, die Verkörperung des Deut­schenhasses, erklärte in einer Rede am 7. Juli 1922:Der Versailler Vertrag beruht nicht auf Deutschlands Niederlage, sondern auf seiner Schuld am Kriege." Schon früher, am 27. De­zember 1920, hatte Poincars imTemvs" ge­schrieben:In der Tat, wenn es nicht die Zen­tralmächte gewesen sind, die den Krieg verur­sacht haben, warum sollten dann gerade sie ver­urteilt sein, den Schaden zu bezahlen? Aus einer geteilten Verantwortlichkeit folgt notwen­dig und gerechterweise auch eine Aufteilung der Kosten." Der unwiderlegliche Beweis für die Alleinschuld unserer Feinde am Kriege kann bereits heute geführt werden. Nahezu je­der Tag bringt neue gewichtige Unterlagen hierfür ans Licht. Wir können uns auf Lloyd George und Poincars berufen, wenn wir eine unparteiische Untersuchung durch einen neu­tralen Gerichtshof und als selbstverständliche Folgerung aus dem Fortfall des ^^uldbekennt- niffes die Richtigerklärung nur nur auf dieses stützten, niemals erfüllbaren und eben darum zum Zwecke unserer ewigen Versklavung uns auferlegten Verpflichtungen fordern. ' Wir müssen es, wollen wir Deutschland vor dem völligen Untergange retten. Wenn wir es aber tun werden, so werden sich unsere Feinde nun­mehr natürlich auf die Erklärung des Reichs­kanzlers Marx berufen, wonach die uns er­drückenden Versailler Belastungen durch eins etwaige Beseitigung der Kriegsschuldlüge über- hauni nicht berührt werden.

Wir bedauern diese wie jene oben angeführ­ten Worte es wäre besser gewesen,, sie wären unausgesprochen geblieben.

Milikärkvn^rstte ohne Ende.

Alle Truppenteile der Reichswehr in'p'ziert.

Zu den amtlichen Veröffentlichungen über die Tätigkeit der Interalliierten Militärkantroll- lonunission in der letzten Zeit erfahren wir von unterrichteter Seite, daß nunmehr seit dem im September erfolgten Beginn der sogenannten Generolinspektion alle Truppenteile von For­mationen der Reichswehr mindestens einen Kc i= troll besuch der Kommissionen erhalten Halm. Trotzdem an und für sich damit die General- kontrolle der Reichswehr beendet sein müßte, aeht die Kontrolltätigkeit der Kommissionen hinsichtlich der deutschen Heereseinrichtungen ohne Unterbrechung weiter, wie die bereits er­folgte Ankündigung neuer Besuche bei bereits kontrollierten Truppenteilen beweist. Man kann

sich dabei von den Absichten und der Tätigkeit der Interalliierten Kommissionen ein richtiges Bild machen, wenn man bedenkt, daß bei der der Eeneralinspektion vorangehenden letzten Kontrolle einzelne Truppenteile bis zu 11 Malen von den Kontrolloffizierenyeimgesucht" worden sind, manchmal aus ang-blich neuen Anlässen, vielfach aber auch nur, um bereits erörterte Fragen immer wieder zur Sprache zu bringen. Es scheint, als ob sich diese Vorgänge auch bei dieser Eeneralkontrolle wiederholen sollen, so daß es also gar nicht abzusehen wäre, wann diese nun endlich ihr Ende erreichen soll. Dazu kommt die Kontrolle der Fabriken, für die den fremden Offizieren kein Rahmen gegeben ist, auf den sie sich zu beschränken hätten, so daß den Einfällen der Kommissionen, was alles als ehemaliger Heeresbetrieb zu betrachten jein könnte, freier Spielraum gewährt ist.

Ein Zwischenfall bei der Mililür- konirolle.

München, 5. Nov. Die Korrespondenz Hoffmann meidet halbamtlich: Bei der Kon­trolle der verbandsstaatlichen Distriktskommis- fion in der Waffenmeisterei von Ingolstadt kam es heute bei der Abfahrt der Kontrollkommission zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Die er­regte Volksmenge drängte an der Donaubrücke unter Drohrufen an den Kraftwagen heran, ohne daß dies von der Nolizei hätte verhindert werden können. Nach vorläufigen Berichten wurden zwei Enlenteoffiziere insultiert. Die bayerische Skaaksregrerung hat sofort strengste Untersuchung an Ort und Stelle eingeleiket. Der befe^^nbe olizeibeamie rde v

AmMchs Widerlegung der Veröachlissungen.

Berlin, 5. Nov. Der Berliner Korrespondent desEcvo de Paris" Bat, wie bereits gestern gemeldet, eilte Reike von Behauptungen ausgestellt über die Generallnspektcon, die nach Mitteilungen der zustän­digen Stelle unrichtig find. Im Einzelnen wird dazu folgendes bemerkt:

1. Den Mitgliedern der Kontrollkonimission wer­den keine Listen über die Effektivbestände vorenthalten ; sie erhalten vielmehr jeden von ihnen emgefordertm Einblick.

2. Es ist richtig, daß bei einem uncmoemeldeten BesU'b der Kontrollkommission auf dem Schießplatz Rukleben bet Spandau an einem Samstag nach mittag nicht sofort Lirbeitcr der Hecresverwattui, zur Verfügung gestellt werden konnten und sda einige herbeigerufene Zivilarbeiter sich getoeiger haben, die 'Ausgrabungsarbeiten, zu denen sie natürlich nicht gezwungen werden konnten, vorzu­nehmen. Bei dem nächsten Besuch dieses Schießplaees wurden die von der Kontrollkommission angetorderten Arbeiter von der Heeresverwaltung gestellt. Bei den Ausgrabungen wurden jedoch weder ein Maschinen­gewehr, noch eine Pistole, noch sonst eine Waffe, wildern nur einige Rollen verrosteter Stacheldrapr iowie einige unbrauchbare leere Patroncnkästen und

Revolvertrommcln gefunden, die vermutlich vor Jadreu bei den Unruhen in Spandau dort vergraben wurden.

3. Vor einigen Tagen wurde bereits von dem Berliner Berichterstatter desJournal" behauptet, in einer Fabrik bei Berlin würden Granaten bergesteöt. Anlaß zu dieser Behauptung hatte anscheinend die Tat­sache gegeben, daß die Kontrokkomimision in dieser 'abrit in der Herstellung begriffene Stahlflaschcn stst- gestellt Katte. Dieser Sachverhalt ist damal« amtlich festgestellt worden. Trotzdem scheint dieser Vorfall rem Berichterstatter desEcho de Paris" den Vor­wand zu einer Wiederkolung dieser unrichtigen Be­hauptung gegeben zu haben. Es sei deshalb nochmals ausdrücklich festgestellt. daß in keiner Fabrik tn und bei Berlin Granaten hergestellt werden.

4. In Swmemüude.odcr in Cuxhaven wurde kein Kasematte, die zu schleifen ist, crn uert.

5 ES ist richtig, daß seit 1922 keine wesentlichen Abrüstungsmaßnahmen mehr getroff.-n wurden, da die Abrüstung in allen wichtigen Punkten bis zu diesem Je tpunkt bereits duichgcsührt war. Einige im Ver­gleich zur Gesamtabrüstung unerhebliche Einzel­sorderungen, die General Walch im Verlaufe der Generalinspektion gestellt bat. bilden zur Zeit, den Gegenstand eines Schriftwechsels zwischen der deutschen Regierung und der I. K. K.

6. Gegen geheime Milckärvrganisationen ist überall da, wo sie sich wirklich gebildet hatten, von der deutschen Regierung unverzüglich einaeschrltten wodcu. Daß englische Mitglieder der I. K. K wie der fran­zösische Journalist behauptet, erklärt hätten, sie feien davon überzeugt, Tcutichland könne in wenigen Mo­naten über vollständig wièderhergestelltes, Kriegs­material verfügen, erscheint nicht glaubhaft. Diew Offiziere haben geiade im Laufe der Generalinipel- tion einen ko eingehenden Einblick in die Lage des öeut'cheu Hecrive-cns und der deutschen Rüstungs­industrie erkalten, daß sie bei ihrer technischen Schulung über das Fehlen jeder Voraussetzung lür die Neuschaffung" solchen Materials in Deutschland nicht im Zweifel sein können.

Tschechische Angriffe auf DeuifchlanS.

Prag, 5. Nov. I« der Senaksdebatte sprach auch der tschechische Nationalsozialist Senator Llofac, der der erste Nakionalver- keidigungsminister der tschechoslowakischen Re­publik war. titofac erklärte u. a. folgendes: Unsere Armee muß reorganisiert werden. Er, der Redner, sei überhaupt gegen das gegen­wärtige Kontingent; nach feiner Ansicht sei jeder einzelne verpflichtet, das Vaterland zu verteidigen. Unsertz militärischen Kreise müssen das, was in Deutschland vorgehk, beachten, unb wenn auch Deutschland gemäß dem Friedens­vertrag nur 100 000 Mann unter den Waffen hat, so ist doch nicht wahr, daß seine Armee vernachlässigt ist, denn es ist imstande, fünf bis sieben Millionen Mann ins Feld zu schicken. Die ständige Armee Deutschlands ist nur das Jnstruktionskorps, um das sich das waffen­fähige Volk im Bedarfsfälle augenblicklich ver­sammeln kann. Auch wir müssen uns dem an­passen. Bei unserem bisherigen Militärsystem sind bei weitem nicht alle Fähigkeiten unseres Volkes erschöpft. Wir müssen die Dienstzeit herabsehen; im Jahre 1925 werden wir dir ISmonakige Präsenzdiensipflichk nicht zulassen, wir müssen mit der 14monatigen beginnen, um dann, wenn wir entsprechende Ausb.âng vor­genommen haben, zu einer noch weiteren Her­absetzung der Dienstzeit schreiten zu können.

(Die Ausführungen von Klofac reihen sich würdig den Hetzmeldungen gewisser Pariser Zeitungen an. Die Ausrüstung des uns von dem Versailler Bertrag belassenen kleinen Hee­res von 100 000 Mann genügt in keiner Weise

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fei, fünf bis sieben Millionen Mann ins Fest) zu stellen, ist selbst für militärische Laien so ab­surd, ba eine Widerlegung sich erübrigt.)

PvMifcke Brunnenvergiftung.

München, 5. Nov. Unter der Ueberschrist Politische Brunnenvergistung" schreibt die Bayerische Staatszeitung redaktionell an der Spitze des Blattes u. a.: Seit den unheilvollen Novemberereignissen des Jahres 1918 kehren regelmäßig die Märchen von einem neuen Putsch, von der Ausrufung der Monarchie und ähn­lichen Dingen, die mit der bestehenden Staats­ordnung nicht in Einklang zu bringen sind wie­der. Co wurde in der letzten Zeit wieder aller, lei fabuliert von angeblich in Vorbereitung und naher Ausführung befindlichen Plänen, Bayern wieder einen König zn geben. Es ist bereits von anderer Seite mit aller nur wünschens­werter Deutlichkeit festgestellt worden, daß diese Gerüchte, kurz gesagt, blanker Unsinn sind, und wenn gar selbst die Regierung oder maßgebende Mitglieder derselben mit solchen Plänen in Verbindung gebracht worden, dann grenzt das nahezu ans Verbrecherische. Das ist kein Ver­such etwa zu warnen und Unheil zu verhüten, sondern ist politische Brunnenvergistung aller­verwerflichster Art. Die gegenwärtige Regierung steht streng und unverbrüchlich auf dem Boden der Verfassung. Die Regierung denkt ebenso­wenig wie irgend eine der in ihr vertretenen Parteien daran, von der durch die Verfassung gegebenen Linie abzuweichen. Sie lehnt jeden Versuch, die bestehende Verfassung auf nicht gesetzmäßigem oder gar gewaltsamem Wege ab­zuändern, entschieden ab.

Belei-tgungsprozetz Severing.

Berlin, 1. Nov. In den nächsten Tagen wird ein politisch sehr interessanter Prozeß in Berlin stattfinden. Wegen Beleidigung des Ministers Severing ist gegen die Abgeordneten Wulle und Stelter, sowie gegen Major a. D. Weberstädt von der Deutschvölkischen Frei­heitspartei Anklage erhoben worden. Das .Deutsche Tagebl." hatte vor längerer Zeit eine Anzahl Artikel gegen Minister Severing ver- ffentlicht, deren erster die Ueberschrist trug Vie Minister Severing für seine Beamten orgt". Es wurde dem Minister darin zum Zorwurf gemacht, daß er die Schuld an der stassenflucht der Beamten aus dem Polizei - Zienst trage und daß er für seine ihm unter- tellten Beamten nach keiner Richtung hin arge. In einem zweiten Artikel wurde Mini- ter Severing vorgeworfen, daß er Beamte der Polizei ins besetzte Gebiet geschickt hätte, und diese dort von den Franzosen eingekerkert und Monate lang in Haft behalten worden seien. Die Familien dieser Beam^n seien da- durch in Not und Elend gekommen und,Minn ster Severing habe nicht einmal veranlaßt, daß die Anaehöriaen der verhafteten PolMibLem-