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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Eladl- und Landkreis Sana« a. M.
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Ar. 260
Dienslag den 4. November
1924
Keule Wahlta
Am heutigen Dienstag, als dem Dienstag nach dem ersten Montag im November eines Schaltjahres, schreitet das amerikanische Volk zur Urentscheidung darüber, welcher Mann, welche Parteirichtung für die nächsten vier Jahre jene fast unbegrenzte Machtsülle übernehmen soll, die dem amerikanischen Präsidenten nach der heute 135 Jahre alten Konstitution zukommt. Der Wahlkampf ist bis in die letzten Tage hinein außerordentlich heftig gewesen. Im Gegensatz zu der fieberhaften Wahlleidenschaft Englands und zu dem klaren Aufmarsch der dortigen Parteien wird in den Vereinigten Staaten über eine ziemliche Teilnahmslosigkeit der Wähler geklagt. Außerdem hält es auch schwer, jedenfalls viel schwerer als in England, mit einiger Sicherheit den Ausgang der heutigen Wahl vorauszusehen.
Bekanntlich bewerben sich in den Vereinigten Staaten drei Parteieni um den Sitz des Präsidenten: Die R e p u b l i k a n e r, die den bisherigen Präsidenten Coolidge wieder vorschicken, die D e m o k r a t e n, die Davis als Präsidentschaftskandidaten aufgestellt haben und die Fortschrittspartei, deren Gründer und Präsidentschaftskandidat aus eigenem Rechte der bekannte Senator La Follette ist. Man neigt im allgemeinen zu der Annahme, daß Coolidge auf Grund seiner Er- S und namentlich seiner Mitwirkung an der
_ llung der Entschädigungsfrage durch den sogenannten Dawesplan eine Mehrheit bei den heutigen Wahlen finden wird. èacy-â âeie Ansicht nicht so absolut sicher wie der der Glaube an den Sieg der englischen Konservativen.
Die amerikanischen Wähler haben nicht die Aufgabe, den Präsidenten unmittelbar zu wählen, vielmehr gehn aus ihrem Votum zunächst die Wahlmänner hervor, die dann später die Präsidentschaftswahl vornehmen. Um seiner Wahl sicher zu sein, müßte Coolidge 266 Wahlmänner auf seiner Seite haben, d. h. eine Stimme mehr als die absolute Mehrheit. Bis zu einem gewissen Grade läßt sich eine Wahrscheinlichkeitsberechnung aufstellen. In den Vereinigten Staaten sind eine Reihe von Einzelstaaten der Ueberlieferung nach demokratisch oder republikanisch. So hat Davis von vornherein fast unbestrittene Gewinnaussichten im Südosten und im Süden der Vereinigten Staaten, Coolidge als Republikaner ebensolche in einigen Oststaaten wie Ohio, Pennsylvania, Newyork usw. und in einer Reihe von Mittel- . und Weststaaten. La Follette, der sich nicht auf eine Tradition berufen kann, findet seine stärkste Stütze in denjenigen Staaten, in denen die deutsche Bevölkerung den Ausschlag gibt. So läßt sich auf Grund dieser Wahrscheinlichkeitsberechnung annehmen, daß Davis eine ziemlich sichere Minimalzahl von 127 Elektoral- stimmen auf seiner Seite hat. Er kann es aber leicht durch Gewinnung etwas zweifelhafter Staaten auf insgesamt 192 Elektoralstimmen bringen. Rechnet man auf La Follette 50 sichere Stimmen, so gibt das insgesamt 242 gegen Coolidge, der dann immer noch mit 289 Stimmen weit über die erforderliche Mehrheit aus sich vereinigen würde.
Es wird sich heute herausstellen, ob diese Rechnung stimmt. Es ist ziemlich sicher, daß Coolidge Aussicht auf einen leichten Sieg hätte, wenn es sich um eine Zwei-Männerwahl handelte. Das Dazwischentreten La Follettes hat diese Aussicht zweifellos herabgemindert, da dieser Fortschrittskandidat voraussichtlich eine Anzahl von Staaten auf seine Seite bringen wird, die sonst für Coolidge den Ausschlag ge= zeben hätten. Manche vermuten, vielleicht nicht ganz mit Unrecht, daß La Follette seine Aufstellung im Interesse der demokratischen Partei vorgenommen hat, denn wenn es ihm gelingt, so viel Elektoralstimmen auf seine Seite zu ziehen, daß Coolidge nicht die Mindestmehrheit von 266 Stimmen gewinnt, so haben die Demokraten begründete Aussicht, das Präsi- dentenamt zu besetzen. Dies liegt an der ziemlich komplizierten Wahltechnik, die Platz greift, wenn bei der Wahl der Wahlmänner nicht sofort eine Mehrheit bei einem der Bewerber erzielt wird. In diesem Falle geht nämlich die Wahl auf den Kongreß über, und zwar so, daß der Senat den Vizepräsidenten, das Repräsentantenhaus aber den Prä,»deuten zu wählen hat. Der Senat muß den Vizepräsidenten von denjenigen Kandidaten wählen, die die meisten Elektoralstimmen b:mm-
g in Amerika.
men haben. Diese beiden werden zweifellos General Dawes, der Vizepräsidentschaftskandi-' dat der Republikaner und Pate des nach ihm benannten Gutachtens, auf der einen und Charles W. Bryan, der demokratische Mzeprä- sidentschaftskandidat auf der anderen Seite sein. Im Senat ist eine ziemlich sichere demokratische Mehrheit vorhanden, da außer La Follette vier Anhänger dieses Mannes, im Ganzen also fünf Senatoren bei dem Wahlakt die Partei der Demokraten ergreifen und damit deren Uebergewicht sichern werden. Der Senat wird also einen demokratischen Vizepräsidenten wählen. Im Repräsentantenhaus liegen die Dinge so, daß keiner der Präsidentschaftskandidaten eine Mehrheit für sich hat. Hier werden die Stimmen nicht nach den einzelnen Mitgliedern, sondern nach Staatèn abgegeben, und zwar in dem Sinne, in dem sich die Mehrheit der einzelstaatlichen Vertreter entscheidet. Das gibt 20 Staatsstimmen für die Demokraten, 22 für die Republikaner, eine Staatsstimme für La Follette und 5, die nicht zur Geltung kommen, da hier die Einzelstaatsvertreter zur Hälfte demokratisch, zur Hälfte republikanisch sind. Keiner der Kandidaten bringt also hier die notwendige Mehrheit von 25 Staatsstimmen auf. Die Wahl würde also nicht zustande kommen und dann würde automatisch das Amt auf den inzwischen gewählten Vizepräsidenten, d. h. also auf Bryan übergehen.
Auf Grund dieser Berechnung sind die De- »notraren vuoon um. atz sie ans Map- dentschaftsruder kommen, wenn es Coolidge nicht gelingt, eine absolute Mehrheit von Elektoralstimmen, d. h. mindestens 266, heute zu gewinnen. Sie rechnen sogar damit, daß in einem solchen Falle eine Reihe von republikanischen Staatsstimmen im Repräsentanten auf Davis übergehen und ihm die Mehrheit verschaffen würden, nur um zu verhindern, daß Bryan auf dem Umwege über den Senat ins Amt kommt. Die Möglichkeit eines solchen Wahlausganges ist gewiß gegeben, man muß aber doch stark bezweifeln, ob es wirklich so kommt. Die Wahl des Präsidenten durch den Kongreß wäre der dritte Fall dieser Art, seit amerikanische Präsidenten gewählt werden. Die Bürger der Vereinigten Staaten verabscheuen dieses Verfahren, da es, wie man sich denken kann, zu den schlimmsten Intrigen und Schiebungen Veranlassung gibt. Der Amerikaner liebt ebenso wie die Engländer klare und reinliche Entscheidungen und ist deshalb instinktiv Gegner des Drei-Parteien-Systems. Es ist sehr wohl möglich, daß aus diesem Grunde viele nicht für die Wahlmänner La Follettes stimmen werden, da sie befürchten müssen, dadurch eine klare Mehrheitsbildung zu verhindern und die Präsidentenwahl dem Kongreß auszuliefern. Man nimmt auch aus diesem Grunde an, daß Coolüdge heute mit einer sicheren Mehrheit von Elektoralstimmen abschneiden wird.
Eine letzte Mahnung Coolidges.
Stew Uork, 3. Nov. Lafollette» Kandidat für die Vizepräsidentschast, Senator Wheller ist nach New Jork abgereist. Nach dem Abfall der Arbeiterunion sind die letzten Wetten in Wallstreet 12 zu 1 für Coolidge gegen Davis und 25 zu 1 für Coolidge gegen Lafollette. — Präsident Coolidge wird in der Nacht zum Dienstag noch eine letzte Mahnung an die Wähler durch eine kurze Radioansprache ergehen lassen. Alle großen Radiostationen im Lande haben sich zum Empfang und zur Weitergabe der Rede eingerichtet. Wahrscheinlich wird der Präsident nur eine unpolitische Ansprache halten und lediglich an die Wähler die Mahnung richten, am Tage der Wahl ihrer patriotischen Pflicht zu genügen.
Eine Rede Kergts.
Am Samstag abend sprach in Tübingen vor etwa 2000 Zuhören Staatsminister a. D. Hergt, der u. a ausführte: »Der Nimbus der Arbciterregiernng in England und der radikalsozialistischen in Frankreich, der natürlich auch auf Deutschland abgefärbt bat, ist nach dem AuSgang der englischen Wahlen zum Verblassen gekommen. Als Verhandlungsgegner einer komincnden konservativen englischen Negierung ist in Deutschland eine Regierung der Mitte nicht am Platz. Außerdem muß eine solche entweder mit der Rechten oder mit der Linken marschieren, weil sie allein zu schwach ist. WaS bei dem Marsch mit Links herausgekommen ist, haben wir gesehen. Was bei der Reichstagsauflösung heraus kommen sol.te, wissen wir nicht, denn jetzt stagniert acht Wochen lang alles und dabei hätten die Steuergesetze und daS Washingtoner Abkommen erledigt werden müssen. Die Deutsche Voltspartei hat ihr im
August gegebenes Versprechen durchaus loyal gehalten und es ist nur bedauerlich, daß sie den Wahlkampf nicht an unserer Seite ausgenommen hat, dies wäre eine Verbindung gewesen, die auch über den 7. Dezbr. hinaus Bestand gehabt hätte. Dadurch wäre Schwung in die Wahlen gebracht und den deutschen Wählern das Rückgrat gestärkt worden. Diese Hoffnungen können aber in den letzten Wochen vielleicht doch noch zu einem Ergebnis kommen, An der Aufwertungsfrage, die aus dem Wahlkampf nicht herausgenommen werden darf, fordern wir auch für die Kriegsanleihen nicht eine Wohlfahrts-, sondern eine gesetzliche Regelung. Jedoch darf dadurch der Spekulationserwexh der letzten Jahre nicht zu seinem Raub kommen-Auch müssen die mündelsicher angelegten Gelder zuerst aufgewertet werden, da das Gesetz zu einer solchen Anlage zwang. Ueber die Meinungsverschiedenheiten in unserer Partei ist zu sagen, daß sie, da wir eine Weltanschauungspartei sind, unbedingt entstehen mußten. Um diese Zweifel in der Partei zu beheben, habe ich mich selbst geopfert und heute ist die Geschlossenheit und Zuversicht der Partei wiederbergestellt. Der Redner schloß feine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede mit dem Ruf: »Auf zum Endkampf und zum Endsieg!"
Die -eulfchnalionalen Kandidaten des Wahlkreises Franken.
Nürnberg, 4. Noobr. In einer Vertretersitzung der Drutschnationalen Volkspartei, Wahlkreis Franken, wurden folgende Kandidaten für die Reichswahlliste in Vorschlag gebracht: Großadmiral v. Tirpitz, Oekonomierat Bachmann, Professor Dr. Strathmann, Rittergutsbesitzer Fromm-Koburg, Geheimrat Franz Sachs- Afchaffenburg, Fabrikbesitzer vor dem Feld, ebenda.
Berlin, 4. Nos. Reichswchrminister Dr. Geßler der bisher die fünfte Stelle auf der demokratischen Reichsliste einnahm, bat sich, wie wir aus parlamentarischen Kreisen kören, endgültig dahin entschieden, keinerlei Kandidatur weder für die demokratische Reichsliste noch für eine Kreiswahlliste anzunehmen.
Der Vorstand der Demokratischen Partei Berlins wählte gestern einstimmig zum demokratischen Spitzenkandidaten für Berlin den Parteivorsitzenden Koch, nachdem ihm mitgeteilt worden war, daß der frühere Minister Fischbeck einen sicheren Platz auf der Reichsliste erhalten würde.
EinheitsstiMmzeltel im ganzen Reich.
Der Reichsrat beschäftigte sich in seiner Vollsiitz- ung vom Montag vormittag mit einer Abänderungs- Verordnung zur Reichsstimmordnung. Es handelt sich dabei einmal um die Ermöglichung eines be sonderen Wahlverfahrens für Seeleute und zum anderen um den Ausbau des Einheits-Stimmzettels. Für Seeleute wird die Möglichkeit geschaffen, daß sie bereits 10 Tage vor dem amtlichen Wahltag oder auch 10 Tage nachher noch wählen dürfen. Bei dem Einheitsstimmzettel erstreckte sich die Einheitlichkeit bisher nur auf die einzelnen Wahlkreise. Die Verordnung dehnt nunmehr die Einheitlichkeit über das ganze Deutsche Reich aus. Rach der neuen Vorlage solle« die Kreiswahlvorschläge der Parteien, die bisher im Reichstag vertreten waren, einheitlich in allen Wahlkeifen auf dem Einheitsstimmzettel die gleiche Nummernfolge der Reichs- wahlvorfchläge haben, die sich wiedernm danach richtet in welcher Stärke die Parteien Abgeordnete in den letzten Reichstag entsandt haben. Hiernach tragen die einzelnen Parteien folgende Nummern Sozialdemokraten 1, Deutchnationale 2, Deutsche: Zentrumspartei 3, Liste der Kommunisten 4, Deutsche- Volkspartei 5, Deutschvölkische Freiheitspartei 6, Deutschdemokratische Partei 7, Bayrische Volkspartei 8, Bayrischer Bauernbund 9, Landliste 10, Deutsch-Hanooersche Partei 11, Deutschsoziale Partei 12..
Das Reichsbanner mit Stahlrulen und Gümmiknüppeln!
Für Sonntag nachmittag hatte das Reichsbanner Schwarz-rot-gold feine Anhänger nach Spaydau gerufen, um dort die Fahnenweihe vorzunehmen. Als nach diesem Festakt die Beteiligten durch die Pichelsdorfer Straße zogen, sprangen plötzlich aus dem Zug eine ganze Anzahl junger Leute heraus und fielen über drei Studenten, die dem jungdeutschen Orden angehören, her. Mit Stahlruten und Gummiknüppeln wurden die Ueberfallenen niedergeschlagen und schwer verletzt. Einer der Niedergeschlagenen, der Student Herbert Koch, wurde schließlich noch von den Reichsbonnerleuten durch die große Scheibe des Zigarrenhändlers Nowack in der Pichelsdorfer Straße 92 in den Laden geschleudert. Alle drei Ueberfallenen mußten'zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen und in ärztliche Behandlung gegeben werden. Mehrere der Exzedenten wurden festgenommen; als Haupttäter wurde ein Hans Herzberg aus Spandau festgestellt und
verhaftet. Er sowohl wie seine Genossen sagen aus, daß sie sich durch das provokatorische Tragen des Abzeichens des Jungdeutschen Ordens, das die Studenten in ihren Knopflöchern hatten, beleidigt gefühlt hatten!
Ausgezeichnet, diese Reichsbannerjünglinge mit Stahlruten und Gummiknüppel, deren emp- indUche Augen den Anblick von Abzeichen an« lerer Verbände nicht ertragen können. Die Behörden lassen sie gewähren, gestatten ihnen Umzüge, die anderen Leuten verboten tn ebben und ermuntern sie immer mehr dazu, sich als „die" Obrigkeit zu fühlen, die in Preußen zum mindesten, unter wohlwollender Patronage der Herren Severing und Hörflng, die Straßen be« herrscht. So kommt es, daß wer ihnen nicht pariert, einfach fliegen muß — durch die Schaufensterscheibe!
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Bei einer Reichsban ne r-Kundgebung in Magdeburg betonte das Mitglied des Bundesvorstandes, Rechtsanwalt Bärensprung, die Ueberparteilichkeit des Reichsbanners. Das Reichsbanner werde sich' bei der Wahl am 7. Dezember für die Parteien ein* setzen, die sich für d i e Republik erklär! haben. Die parteipolitischen Gegensätze zwischen der Sozialdemokratie und der Demokratischen Partei und dem Zentrum existieren für das Reichsbanner nicht. Nur der Kampf gegen die Gegner der Republik ist es, was es mit den drei Parteien verbindet.
Wir glauben sehr gern, daß die parteipolitischen Gegensätze zwischen den Sozialdemokraten und den Demokraten für das Reichsbanner nicht bestehen, denn letzteres ist ja eine sozial« demokratische Organisation. Die Demokraten sind wohl gut zum Zahlen, sie haben aber den Mund zu halten und sich mit den ihnen zugewiesenen Rollen zu begnügen, sobald es große Entscheidungen zu fällen gibt. Welche Muster- exemplare im übrigen im Reichsbanner „Schwarz-rot-gold" wirken, kann man aus den Reden entnehmen, die auf den verschiedenen Tagungen dieses Banners gehalten wurden. Vernimm, deutsches Bürgertum, u. a. das Bekenntnis des Stuvienrats Dr. phil. Robert Niemann-Leipzig aus Anlaß der Republikanertagung vom 14. September in Plauen. Der Herr Studienvat erklärte: „Die Republik bedarl eines „erzenen Ethos" (!!??) . . . D ei Goethe- und Bismarckkult müsse verschwinden. Goethe war kein Republikaner und Bismarck brach dem freisinnigen Bürgertum das Rückgrat; er kämpfte gegen Sozialdemokratie, Zentrum und Demokratie und brachte nur (!!) eine militärische und Zolleinbeit. Er war ein Hemmschuh der freiheitlichen Entwickelung." Jedes Wort der Kritik würde die Wirkung dieses geradezu klassischen parteipoliti- schen Ergusses beeinträchtigen.
Rskchsral und Skeuermilderung.
Wie die Blätter melden, beschäftigte sich das Reichs' kabinett gestern nachmittag in einer Sitzung mit den Vorschlägen deS Reichsfmanzmmisters auf Herabsetzung der Einkommensteuer, der Umsatzsteuer und der Körperschaftssteuer. Mehreren Blättern zufolge wird sich heute der Reichsrat mit der Steuermilderung beschäftigen.
Verminderung der Reichsfchulden.
Berlin, 4. Nov. Die „Vossische Zeitung" meldet, daß sich die Reichsschulden seit dem Vorjahr um 500 Millionen vermindert haben. Die Reichsschuld beträgt 2338 Millionen aeqen 2840 Millionen tm Voriahl und etwa 5000 Millionen im letzten Friedensjahr.
WiedfelSls Rückkehr zu Krupp.
Berlin, 4. Nov. Der bisherige Botschafter in Wasbington, Geheimrat Wiedfeldt, wird, wie die „Voss. Ztg.' berichtet, demnächst seine frühere Tätig- r'eit als Vorsitzender der Gesamtdirektion der Friedrich Krupp A.-6. in Essen wieder aufnehmen. Dr. Bruhn scheidet demnächst auS dem Vorstand der Friedrich Krupp A.-G. aus, um in Berlin anstelle des in den Ruhestand tretenden Dr. Kurt Sorge die Krupp-Vertretung zu übernehmen.
Abbau von Devisenvorschriften.
Eine Verordnung des ReichsprSfidente«.
Berlin, 3. November. Von maßgebender Seib wird mitgeteilt : In der nächsten Nummer des Reichs- gesetztzlatteS erscheint eine Verordnung deS Reichspräsidenten über das Außerkrafttreten von Devisen- vorfchristeu, durch die das Ausfuhrverbot, der Tevisen- kommissar und die Devisenversassung beseitigt uud m der die Reichsregierung ermächtigt wird, weitere Devisenvorschriften außer Kraft zu setzen. Dies geschiehi durch eine Verordnung zur Aenderung der Deviien- gesetzgebung, in der zugleich die bestehenblcibenden 2t«r» lchrrften zusammcngefaßt werden. Der zukünftige Rechtszustand läßt sich furibaäin lufammcnfafj^bap