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200. Jahrgang.

anauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 256 Donnerstag den 23. Oktober 1924

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der BM«M

Truppenkommando zurückgeblieben ist. Wenn diese beiden Besatzungsstationen auch an Kopfstärke nur gering find, so kann doch auf keinen Fall von einerBefreiung, von der Besetzung" gesprochen werden. Hierunter ist naâ deutschem Sprachgebrauch nur eine restlose Zuröckziehung der Besatzungstruvven zu verstehen. Die Zurückziehung ider französischen Truppen ist deshalb nichtgemäß den Londoner Vereinbarungen" erfolgt.

Auch der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. H o e f l e, hat an den Oberbürgermeister von Dortmund und an den badischen Staatspräsidenten Telegramme gesandt.

Der preußische Ministerpräsident hat namens der preußischen Staatsregierung an die Oberbürgermeister in Münster und Koblenz und die Regierungspräsidenten in Arnsberg, Düssel­dorf. Köln und Wiesbaden Telegramms gesandt

Der Obervräsident von Westfalenwird sich am 23. d. Mts. nach Dortmund begeben, um die geräumten Gebiete der Provinzen Westfalen, Hessen-Nassau und der Rheinprovinz namens der preußischen Staatsregierung zu begrüßen.

Herabsetzung öer Kohlen - Reparationslieferungen

Düsseldorf, 23. Ottbr. Die Reparations- kohlenlieferungen, die im September 1778 Millionen Tonnen (darunter 612000 Tonnen Koks und 616000 Tonnen Kohlen) betragen haben, find in Auswirkung des Londoner Ab­kommens nach den am 13. Oktober beim Ruhr- bergbau eingetroffenen Mitteilungen auf 1114 Äw1« Ä forderungen für Oktober um rund ein Viertel der Ziffer für September haben die Kokspro­duzenten in eine kritische Lage gebracht. Da die alten Werke wegen der ungünstigen Kon­junktur nur einen geringen Koksbedarf haben, find bei der plötzlichen starken Ermäßigung der Reparations-Kohlenlieferungen eine Reihe von Kokereien augenblicklich jeder Absatzmöglichkeit beraubt und genötigt, die ganze Erzeugung auf Lager zu nehmen. Gegenwärtig werden Ver­handlungen geführt, um eine Aenderung dieser einseitigen starken Verkürzung der Kokslieferungen herbeizuführen.

Der alle Reichslag Ein Rückblick.

Der eben aufgelöste Reichstag ist am 4. Mai d. J. gewählt worden, hat also nur eine Lebensdauer von fünfeinhalb Monaten aufzuweisen. Er zählte insgesamt 472 Mitglieder. Zur Deutschnationalen Fraktion ge­hörten 106 Abgeordnete, zu den Sozialdemokraten 100, zum Zentrum 65, zu den Kommunisten 62, zur Dtsch. Volkspartei 44, zu den Nationalsozialisten 32. Die Demokraten weisen 28 Mitglieder auf, die Bayerische Volkspartei 16, die Wirtschaftliche Vereinigung 15, die Deutschsozialen 4. Die Nachwahlen in Oberschlesien brachten keine erheblichen Veränderungen der Mandat- ziffern; nur die Kommunisten verloren ein Mandat. Zm übrigen kamen innerhalb der Fraktionen klein. Verschiebungen vor. So trat der Abg. Dr. Böhme von den Demokraten zur Deutschen Volkspartei iber und zwei deutschsoziale Abgeordnete schlossen ich den Nationalisten an. Der Reichstag hat in der kurzen Zeit seines Bestehens wenig positive Arbeit leisten können. DaS Hauptstück seiner Tätigkeit war die nach großen Schwierigkeiten erfolgte Annahme der Dawcsgutachtengesetze, die schließlich mit großer Mehr­heit Annahme fanden, nachdem das Schicksal der Vor­lagen vorher mehr ungewiß war. Die Aufwertungs- sragc, die vielfach im Reichstage angeschnitten war, ist zu keiner Entscheidung gebracht worden, nur in einem Unterausschuß des Aufmertungsausschusses wurden bisl ec Richtlinien verschiedener Art eingehend erörtert. Auch diese Arbeit fällt unter den Tisch. Unerledigt ind u. a. vor allen die Schutzzollvorlage, der deutsch- panische Handelsvertrag und sie zahlreichen Anträge auf Revision der dritten Steuernolverordnung.

Parteitage.

Der Parteitag des Zentrums, der vom 26. bis 28. Oktober in Frankfurt stattfinden 'ollte, ist in Rücksicht auf die innerpotitische Lage nach Berlin verlegt worden.

*

Der geschäftsführende Ausschuß der Deut- chen Volkspartei beschloß, den Neichs- rarteitag für den 15. November nach Dortmund einzuberufen.

Die Deutsche Demokratische P a r- : e i hat einen von ihren Vorstandsmitgliedern Koch, Erkelenz und Fischer unterzeichneten Auf­ruf erlassen, in dem sie zu einem außerordent­lichen Parteitag, der am 1. November in Ber­lin ftattfinden soll, einladet.

Die Mems m

Vohwinkel, Remscheid, Wipperfürth, RLnderolh.

Elberfeld, 22. Okt. Heute wurde das Gebiet von Vohwinkel, Remscheid, Wipperfürthund Ründeroth sowie die Gebieksslreisen nordöstlich und östlich der Grenze des Brückenkopfes von Köln geräumt. Aus Remscheid zogen die Truppen in der Frühe och. Die Truppen aus Vohwinkel fuhren mit der Bahn nach Koblenz. Einige französische Eisenbahner blieben zurück, die jedoch im Laufe des Tages abziehen werden.

Auch Limburg geräumt

Limburg, 22. Off. Heute mittag haben die Franzosen die Skadk Limburg endgültig ge- räumt. Um 1 Uhr 45 wurde als letztes der be- schlagnahmtm Gebäude das als Kaserne be­nutzte Gymnasium dem Rlagistraksral Klocke übergeben. Irgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ereignet.

Limburg, 22. Okt. Die Ueber g -a b e der Bahnhöfe L 4 m b u r g und Eschhofen der Strecke Gießen-Koblenz von der sccmzösisch- belgischen Regie an die ReichsbahndirLktion Frankfurt vollzog sich am 19. Oktober plan­mäßig und reibungslos. Bis zur völligen Rück- übevtragung der Rsg-ebahn an die deutsche Reichsbahngesellschaft, die am 16. November er­folgt, bleiben die Personen- und Gütertarife der Regie weiter deMhkk; jedoch erfolgt die Ein­ziehung der Fahrgelder und Frachten nicht in Fraäu. sondern in deutschem Gelde. Im übri- W ist das französische Personal auf der Strecke Frankfurt-Limburg abgelöst und wird M Strecke von deutschem Personal, das der Reichs­bahndirektion Frankfurt unterstellt ist. gefahren. Zurzeit herrscht eine achttägige Sperre für die Annahme von Waggontransporten mit Aus­nahme von Mehl; auch die Annahme von Stückgütern ist für acht Tage beschränkt. Lim­burg und Eschhofen gelten vom 23. Oktober, 1 Uhr mittas ab zum unbesetzten Gebiet- hörend.

Dortmund wieder frei.

Dortmund, 22. Oft Heute mittag waren der Stadt- und Landkreis Dortmund Hörde von den französischen Truppen frei, deren Abzug sich überall reibungslos vollzog. In der Stadt Dortmund ist der Abmarsch fast «nmerklich vor sich gegangen.. Auf dem Dienstgebäude deS Reichskommissariats, in dem die Franzosen die Kommandantur errietet hatten, weht heute wieder die schwarz-rot-goldene Reichsflagge.

Dortmund, 22. Okt. Anläßlich der Befreiung Dortmunds von der französischen Besatzung hat der Magistrat 25 000 Mark zur Unterstützung für kinder­reiche und bedürftige Familien zur Verfügung gestellt.

Dortmund, 22. Okt. Bei einem großen Teil »er Bevölkerung des unbesetzten Gebietes, hauptsächlich des östlichen Deutschlands, ist die Meinung verbreitet, daß nach dem Abrücken der Besatzungstruppen in Dortmund eine günstige Gelegenheit zur Erlangustg don Arbeit und Unterkunft vorhanden ist. Diese Meinung ist durchaus irrig. Der Zuzug von woh- nungS- und arbeitslosen Leuten nach Dortmund ist äußerst stark. Im Dortmunder Asyl für Obdachlose sind durchschnittlich allnächtlich 200 Personen und zwar sowohl alleinstehende Personen, als auch Familien mit Kindern untergebracht. Es kann daher nicht genug davor gewarnt werden, nach Dortmund zu verziehen, ohne dort feste Arbeits- und Wohngelegenheit erhalten zu haben.

Glückwünsche an die befreiten Gebiete.

Der Reichspräsident hat aus Anlaß aer Räumung des Gebietes von Dortmund und Hörde an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ein Glückwunsch-und Danktelegramm gerichtet. Ebenso hat der Reichspräsident auch die Bevölkerung der geräumten Teile der Rhein- provinz und der Provinz Hessen-Nassau durch Telegramme an die Oberpräsidenten dieser Provinzen und die Bewohner des geräumten badischen Gebietes durch ein Telegramm an den badischen Staatspräsidenten unter dankbarer Anerkennung ihrer treuen und festen Haltung während der Zeit der Besetzung begrüßt.

Der Reichskanzler hât an den Ober­bürgermeister von Dortmund, Dr. Eichhoff, ein ähnliches Telegramm gerichtet. Dem badischen Staatspräsidenten sandte er eine Depesche, in der er von bet Zurückziehung der Besatzungs­truppengemäß den Londoner Vereinbarungen" und von der Befreiung von der Besetzung" spricht. Es ist an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen worden, daß sowohl im Mannheimer wie im Karlsruher Hafenaebiet ein französisches

anschickt, den Wahlkampf Seite an Seite mit 8« Sozialdemokratie aufzunehmen, geben ihr Män­ner wie Schiffer und Keinath, Dominicus und Grund den Laufpaß, Männer, die sie in bett Jahren, die hinter uns liegen, stets und ständig in vorderster Reihe mit für die Durchführmm der demokratffchen Politik ins Treffen geschickt hat. ,

DieDeut sche A l l a e m. Ztg." mÄnt:

Der Massonaustritt dieser Prominenten ist von geradezu durchschlagender Wucht und besiedelt das Schicksal der von Kleingeistern und Nörg­lern wie Koch und Erkelenz glücklich in den Sumpf geführten Partei.'

DerTag" schreibt: Die Krffe bei den De­mokraten ist die erste Quittung, die die Partei für ihren Verrat am Bürgertum erfaßen hat.

In ähnlicher Weffe äußern sich auch die Deutsche Tageszeitung" und dieKreuzzei­tung".

DieVossifche Zeitung" ist öer An­sicht, daß dieser Schritt der drei Abgeordneten und ihrer Gesinnungfreunde aus der Landtags- fraktion nicht auf die leichte Achfel zu nehmen sei, weil eine fkupellose Agitation diesen Auftakt zur Wahlschlacht dazu benutzen wird, daraus Kapital zu schlagen gegen die demokratische Par, tei. Die übrigen demokratischen Blätter be­schränken sich auf die Wiedergabe der partei­amtlichen Stellungnahme.

Das Verfahren gegen die hommu* niflischen Reichslagsabgeordneten.

Zu dem Vorgehen des Untersuchungsrichters beim Etaatsgerichtshof, Landgerichtsdirektor Bogt, gegen die in verschiedene Hoch- und LandeSverratsveifahren verwickelten kommunistischen ReichstagSabgeordneten erfahren wir noch, daß das bei den Haussuchungen in den Wohnungen der verschiedenen Abgeordneten beschlagnahmte Material ßur Zeit der Prüfung durch Landgerichtsdireüor Vogt unterliegt. ES hwâlt sich um Schriftstücke nNd Dokumente, die auf bte Hochverratsverfahren Bezug haben, wie auf der ande­ren Seite auch mit den neuesten Enthüllungen über die Tätigkeit der kommunistischen Paßfälscherzentrale in Verbindung stehen. Die Durchsuchungen haben nämlich weitere gefälschte Ausweispapiere von kommu­nistischen Führern anS Licht gefördert. Und zwar stammen diese Fälschungen, wie aus den seiner Zeit aufgefundenentechnischen Einrichtungen" hervorgeht, zweifellos aus der Paßfälscherzentrale. U. a. fand man am DienStag auch mehrere gefälschte Pässe in der Wohnung des ReichstagSabgeordneten Remmelc, darunter einen, auf dem Remmele bereits Reifen in die Schweiz unternommen hat. Remmele selbst, wie auch die übrigen von der Polizei gesuchten kommw nistischen Abgeordneten sind noch immer flüchtig und konnten bisher noch nicht gefunden werden. Wie wir weiter erfahren, ist die von kommunistischer Seite aufgestellte Behauptuiig, daß Landgerichtsdirektor Vogt erneut beim Rcichstagsburcau die Erlaubnis zur Durchsuchung des ReichstagsgebäudeS erbat, un­zutreffend. Beim Reichstagsbureau ist bisher ein derartiger Antrag nicht eingelaufen.

Wettere Kommunisten verhastet.

Rach derRoten Fahne" ist gestern w Stuttgart der bisherige kommunistische Reichs- tagSabgcordnete MaslowSki, in Bremen der bisherige kommunistische ReichstagSav- geordnete Eppstein verhaftrt worden.

Wahlvorbereikunge«.

Amtlich wird gemeldet: Der Reichsmrnkßtt des 3«e nern bat zum Reichswahlleiter den Präsidenten des Statr» stischen ReichsamtS, Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Wagemann, und zu seinem Stellvertreter da» Mit­glied der Statistischen ReichsamtS, Geheimen Regie- rungSrgts Meisinger ernannt. Die Geschäfts­räume deS ReichSwahlleiters befinden sich Berlin 5& 10, Lützowstr. 8; Fernruf Berlin Kurfürst 9609; Tele­grammadresse ReichSwahlleiter Berlin W. 10.

Das Lauölagspleuum billigt bie Auflösung.

In der Mittwochssitzung der preußischen Landtages wurde über den Antrag ans Auflösung der preußischen Haukes verbandelt. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Aullösungsbeschluß lautet: Nach­dem das Staatsministerium im Einvernehmen mit dem Aeltestenrat als Tag der Neuwahl des preußischen Landtages den 7. Dezember bestimmt hat, löst sich der Landtag am 6. Dezember 1924 auf.' Der kommu­nistische Antrag auf Aufhebung des Belagerungszu­standes und Haftentlassung aller Kandidaten für die Neuwahlen wurde abgelehnt. Von deutschnationaler Seite wurde der Antrag gestellt, auch Provinzialland­tage neu zu wählen, da von ihrer Zusammenfetziing Zusammenstellung de» Staatsrates abhängt. Der alsbaldige Znsammentritt des neuen Landtages müsse auch die Umformung der StaatSregierung mit sich bringen. Die inzwischen verbleibende Regierung wird nur noch als Gescbäftskabinett bestehen bleiben.

Die deutschnationale Fraktion des preußiichen Landtages hat ein MißtrauenSvotiün gegen den Mi­nisterpräsident Braun, den Innenminister Sevenng und den Landwirtschaftsmixister Dr. Wendorff gereicht.

Die Dèutschnatironale Vsltspar- t e i hat auf Montag den Parteivorstand, die Mitglieder der bisherigen Reichstagsfraktion, die Mitglieder der Lanidtagsfraktion und die Vorsitzenden der Landesverbände M einer ge­meinsamen Sitzung einberufen, in der die Kan­didatenliste besprochen werden soll. Laut D. A. Z. soll ferner in dieser Sitzung der eigentliche Wahlaufruf abgefaßt werden. Der gestern ver­öffentlichte Aufruf, der übrigens von der volks- parteMchenZeit" wegen des darin zum Aus­druck kommenden Gegensatzes zwischen der Po­litik der Deutschnationalen Volkspartei in den letzten Wochen einer scharfen Kritik unterzogen wird, ist nicht als ein Wahlaufruf, sondern als eine abschließende Aeußerung zur Auflösung des Reichstages zu werten.

Die Vakerlandifchen Verbände haben einen Wahl-aufruf erlassen, der mit der Aufforderung schließt: Nie wieder So­zialdemokratie!

Das KLudigungsschreiben der aus- geschiedene« Demokraten.

Das Schreiben, das die aus der Deutschen Demokratischen Partei ausgeschiedenen Reichs­tags- und Landtagsabgeordneten an den Par- teivorftand richteten, hat folgenden Wortlaut:

Durch die Entwicklung, die die Deutsche Demokratische Partei in der letzten Zeit genom­men, hat sie sich mehr und mehr von der Grundlage entfernt, auf der sie errich­tet worden ist. Sie wurde nach dem Umsturz in der Absicht geschaffen, durch Begründung einer großen liberalen Partei die vielbeklagte Zer­splitterung des deutschen Liberalismus endlich zu überwinden und eine verfassungstreue bürger- MWWMWMn , . gründer und ersten Mitglieder gewollt. Es lag durchaus in der Richtung, daß die Partei jahre­lang mit der Sozialdemokratie zusammenarbei­tete und auf ihre Heranzanhung zu den Staats­geschäften ausschlaggebenden Wert legte.

Dagegen fehlte eine entsprechende Hal­tung nach der anderen Seite. Die Zu­rückweisung des Zusammenwirkens mit der Deutschnationalen Volkspartei wurde geradezu zum Grundsatz. Sie erfolgte, wie sich gerade jetzt deutlich gezeigt hat, auch dann, wie diese Par­tei sich bereit erklärte, auf dem Boden der Ver­fassung und der von den Mittelparteien bisher getriebenen Politik zu treten und durch die Bei­behaltung der für diese Politik maßgebenden Personen hierfür Garantie zu leisten. Diese einseitige Entwicklung zeigte sich auch in der Stellungnahme zu den großen sachlichen Problemen der Politik. Nach außen trat ein übertriebener, fürberechtigtenatio n ale Empfindungen oft verständnislo- s e r u n d s i e n i ch t s e l t e n v e r l e tz e n d e r Pazifismus, nach innen ein abstrakter Dogmatismus und die Hinneigung zu einer einseitigen Konsumentenpo- litikin den Vordergrund und entfremdete der Partei in stets steigendem Maße alle die Ele­mente, die sich von der Grundlage einer ge­schichtlich und wirtschaftlich bodenständigen Poli­tik nicht -abdrängen lassen wollten. Zu ihnen gehören wir; und weil wir uns der Erkenntnis nicht länger verschließen können, daß die Gegen­sätzlichkeit unserer Anschauungen nicht sowohl in den Grundsätzen als vielmehr in der Haltung der Partei zu groß geworden ist, als daß ein wahrhaftiges und befriedigendes Zusammen­arbeiten in und mit ihr auch fernerhin möglich erscheine, sehen wir uns genötigt, unseren Aus­tritt aus der Partei zu erklären."

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Die Abgeordneten des Preußischen Land­tages Dominicus und Schiffer erschienen am Mittwoch vormittag in der Sitzung der de­mokratischen Landtagsfraktion, um offiziell ihren Austritt -aus der Demokratischen Par­tei mitzuteilen und sich zu verabschieden. Auch beim Landtag selbst sind am Mittwoch morgen zwei Schreiben eingelaufen, die dem Präsiden­ten Mitteilung von dem Austritt der genannten Abgeordneten macfan. Auch der Abgeordnete Dr. Grund hat, wie bereits bekannt, seinen Austritt aus der Demokratischen Partei ooll= zogen, bisher aber noch keine offizielle Mittei­lung der Landtagsfraktion oder dem Landtag gemacht.

Berlin 22. Okt. DerB e r l i n e r Lokal­anzeiger" schreibt: Die Entschließungen der Abgeordneten Schiffer usw. bedeuten nicht mehr und nicht weniger als den völligen Zu­sammenbruch der demokratischen Partei. Sn dem Augenblick, in dem sie sich