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200. Jahrgang.

Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

Bezugspreis für die 2 Wochen vom 6. bis 18. Oktober 1 Goldmark ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Goldoienntg. -AnzetsenoretieGür die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldoiennig. sät dis Aeklamezeils (68 mm) 50 Goldvtennig Oiiertengebüb r 30 Goldviennig Geschäftsstelle Sammerstraße 9.^

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Samstag den 18. Oktober,

Erfüllungsort und Gerichtsstand für Leide Teile vanau a. Mai«/ Für Blatzvors chriit und E rs ch« i n u n g s t ag « der Anzeigen wird seine GewLtr geleistet, 3m Falle höherer Gewalt Streik usw. Hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise,

1924

Das Neueste.

Dor Reichskanzler hat gestern mit Beauftrag­ten der Deutsch-nationalen Volkspartei zwecks Em- beziehung deutschnationaler Parteimitglieder in die Reichsregierung verhandelt und der Partei vier Ministersitze zugesagt.

Französische, englische und belgische Sachver­ständige werden zur Vorbereitung der interalliierten Finanzkonferenz am 27. Oktober in Paris zusammen- treten.

Der Völkerbundsrat wird zur Prüfung der Mofsulfrage noch in diesem Monat eine außer­ordentliche Tagung abhalten.

Die Amerikaner planen die Einrichtung einer Luftpostverbi ndung nach den sechs zentralamerrka- nischen Hauptstädten und der Insel Shiba.

Der englische Wahlfeldzug.

Während man in Deutschland aus Scheu vor einer raschen Entscheidung die Krisis von einem Tage zum andern hinschleppt, haben sich in EeAand die Parteien und die Partsffuhrer mitten in das Gswvge des Wahlkampfes ge­stürzt. Der bisherige Ministerpräsident Mac­donald hat in Glasgow die richtunggebende Wahlrede gehallten!. Die Führer der bürgerlichen Parteien haben in London in der Queens Hall den Feldzug eröffnet, und zwar Baldwin für die Konservativen und die Dioskuren Asquith und LLoyd George für die Liberalen. Vom ersten Tage an läßt der Wachlfel-dzu-g erkennen, daß das englische Bürgertum von den Liberalen und den Konservativen in gleicher Weise gegen die Arbeiterpartei zum Kampf aufgerufen werden soll. Die beiden bürgerlichen Parteien marschie- ren allerdings getrennt. Sie kümviken in allen (« âwM-ceeien, in denen sie auw nur die geringste ' Aussicht auf einen Parte iersollg haben, mit eigenen Kandidaten. Und so kommt es, daß die Konservativen in den über 600 Wa.^. reifen mit über 500 Kandidaten der Airbärpartei unige- fähr gileichkvmmen, während die ^-ioeralen mit über 300 Kandidaten ihre Hoffnungen von vornherein etwas niedriger gespannt haben. Ein gemeinsames Vorgehen der bürgerlichen Parte-ien kommt nur dort in Fraas, wo weder die Konservativen noch die Liberalen Erfolg-aus­sichten haben und wo sie durch gemeinsames Vorgehen den Arbetterkandidaten aus dem Felde schlagen können. Die Arbeiterpartei hat bei der letzten Wahl in 70 derartigen Wahlkrei­sen gesiegt, weil nach dem englischen Wahlgesetz die relative Mehrheit zur Erringung eines Mandates genügt.

So marschieren die beiden bürgerlichen Par­teien in England getrennt. Sie haben aber die Absicht, dann gemeinsam zu schla-gen. Das geht aus der ganzem Orientierung des Wahlkampfes hervor. Die Frage, die zur Auflösung des eng­lischen Unterlaufes geführt hat, spielt natürlich auch im Wahlkampf eine Rolle und wird von den beiden bürgerlichen Parteien gemeinsam mit derselben Schärfe gegen Macdonald -ausge­beutet. Liberale und Konservative treten für die Aufrechterhaltung der unabhängigen und freien Rechtsprechung ein und weisen an dem Beispiel des kommunèsWchen OrgansWorkers WeeAy" nach daß diese Freiheit unter dem Walten der Arbeiterpartei bedroht ist. Datsü hat Mac­donald auch im Wahlkampf selbst keine befrie­digende Antwort auf die Frage geben können, warum das Verfahren gegen das kommuni­stische Blatt plötzlich eingestellt worden ist Außer diesem Fall wird vor allen Dingen der englifch-Mssische Handelsvertrag, den Macdo- n-a-ld vorbeh-aWch der Zustimmung des Unter- bauses abgeschlossen hat, gegen die Arbeiter­partei ins Feld geführt. Macdonald selbst hat in Glasgow den Vertrag mit der Begründung verteidigt, es handele sich darum, den Russen einen Kredit zu geben, damit die englische In­dustrie davon einen Vorteil ziehe. Die b-ürger- lichen Parteien aber haben die englischen Han- delskammern hinter sich, die vor der Ratifizie­runa des Vertrages gewarnt haben und Asquith hat in der Londoner Versammlung unter stür- miischem Beifall darauf hin-gewiesen, daß man der englischen Industrie auf andere Weisse Kre­dit schaffen könne als durch finanzielle Zuge­ständnisse an eine Regierung, die bisher noch alle ihre Verpflichtungen mißachtet hat. Er hat dabei außerordentlich wirksam auf die Deutung Hingswiefen, die Kameneff in Moskau dem Ab­kommen mit England gegeben hat, eine Deu­tung, die allerdings nur den einen Schluß zu­läßt, daß England bei dem Handel betrogen werden soll. Aber die moralische Einheitsfront der 'heitren bürgerlichen Pa-rteien oebt noch wei­

MW in w

Der Ausweg

Berlin, 17. Off. Nachdem sich die Un­möglichkeit ergeben hat, auf dem Wege der Ver­handlungen mit den Fraktionen des Reichstages zu der notwendig gewordenen Erweiterung der Reichsregierung zu gelangen. Hat der Reichs­kanzler nach Beratung mit den Reichsministern heute abend die Beauftragte der Deutschnationa­len Volkspartei zwecks Verhandlungen über die Einbeziehung deutschnationaler Parteimitglieder in die Reichs­regierung empfangen.

Nach dem Empfang der deutschnationalen Beauftragten durch den Reichskanzler trat die deutschnationale Reichstagsfaktion zu neuen Be­ratungen zusammen, die jedoch »obwohl sie bis in die späte Nacht fortgesetzt wurden, noch zu keinen bestimmten Vorschlägen an den Reichs­kanzler geführt haben.

Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, werden die Deutschnationalen am Samsta'-- vormittag dem Reichskanzler bestimmt die Be­schlüsse ihrer Partei vorlegen. In den Wandel­gängen des Reichstags spricht man davon, daß der Reichskanzler den Deutsch­nationalen vier Sitze im Re ichs - kabinett zugestanden haben soll. Als künftige deutfchnationale Minister werden die Reichtagsabgeordnete Her gl und Leo­pold, der Lanokagsabgeordneke von Kries und Freiherr von G a y l genannt. Angesichts des heute abend erneuerten Beschlusses der de- mokratischen Fraktion, keinem Demokraten die Zugehörigkeit zu einem Saviuett zu gestalten, in dem die Deutschnationalen eine einflußreiche Stellung einnehmen, sind Kräfte am Werk, um trotzdem das Verbleiben des Reichsivehr- ministers Geßler zu sichern. Geßler selbst er-

ter. Macdonald hat sich in Glasgow d-arüber be­klagt, daß man ihn hinterlistig gestürzt habe. Asquith aber rühmte sich in der Londoner Ver­sammlung dieser Tat, die nach seiner Versiche­rung Liberale und Konservative zusammen aus- igeführt haben, um das zu verhindern, was Asquith den Tod der persönlichen Dreiheit und ihre Verbrennung durch die schlimmste Form der Klassenherrschaft nannte: den Sozialismus. Die Verbrüderung geht -aber noch weiter. KriogsevinnerungeN werden wieder wachge- rulfen. Macdonald behauptete in Glasgow, die Konservativen und Liberalen seien infam ge­nug, zusammenzugehen, nur um ihn zu stürzen. Sonst habe man sie nur zuvor Hand, in Hand gesehen. Hat Macdonald, so heißt die Rück­frage, den Krieg vergessen? Damals gab es Leute, die Svldatenräte bildeten, während Kon- servative und Liberale ihre Pavteige-gensätze vergaßen und- in der Verteidigung des Landes fest zu'fammettstanden. So werden hie Tage der innenpolitischen heiligen Allianz wieder herauf- befchwv-ren, um die gemeinsame Front gegen Macdonald fest zu kitten.

Es gibt keine Partei, die im Wahlkampf dem Ministerpräsidenten Macdonald das Sünden- regifter seiner Regierung so unerbittlich vor­hält, wie die Liberalen. Lloyd George hat in seiner agitatorischen so wirksamen Manier in der großen Londoner Versammlung die ein­zelnen Punkte an den Fingern aufgezählt. Vor Macdonald Abnahme der Arbeitslostoksit. nach­her Zun-ahme, vorher Preisrückgang, nachher Steigerung der Preise, vorher Steigerung der Ausfuhr, nachher Rückgang. Auch der Neubau von Häusern hat nach der Behauptung Lloyd Georges während der Zeit her Arbeiterregie­rung nachgelassen. Alle diese innerpolitischen Fragen sind der Kern des englischen Wahl­kampfes und um sie wich- gerungen. Die eng- Kschen Liberalen greifen dabei Macdonald so heftig an, als -hätten sie niemals im Varlamente für ihn gestimmt. Letzten Endes werden sie da­mit aber wohl kaum etwas anderes erreichen, als daß -die Konservativen auf ihre Kosten siegen.

London, 17. Okt. Die Parteien sind fortge- setzt mit der Vorbereitung der ^uwMen 6e= kräftigt. Der konservative Führer Baldwin soll in seinem Wahlkreis Vew-dley (Worce^er-lhire) von den Liberalen nicht bekämpft werden. In allen 7 Wahlkreisen von Sheffie^-o bleiben bie i Paris, 18. Okt. DerTsmps" meldet aus

Liberalen vom Wahlkampf fern, in 6 von die- Brüssel, daß die belgische Re>gi-erung mit den fen werden bie Konservativen einen heißen Vorbereitungen für die Konferenz der alliierten

MiMWdildW.

aus der Krisè.

klärte, daß er Unbedingte Parteidiszipliw wahren wolle.

*

In Mier reSaMotreflien BemZrküllq zu den Nachrichten über die gestrigen Verhandlungen zur Beilegung der Regierungskrise weist die Boff. Ztg. darauf hin ,daß ein Reichskabinett, das" sich aus Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei zusammensetzt mit Unterstützung durch die Wirtschaftspartei und den Bayerischen Bauernbund auf dem Papier eine Mehrheit von neun Stimmen haben würde. Diese habe zur Voraussetzung, daß alle Bänke der Regie­rungskoalition besetzt sind und daß alle Ange­hörige der Regierungsparteien auch geschlossen für die Regierung stimmen. Swon die Stimm­enthaltung einer'kleinen Gruppe von etwa 12 Abgeordneten würde genügen, um ein solches Kabinett zu Fall zu bringen. Aus dieser Fest­stellung ergebe sich, wie sehr entscheidendes Ge­wicht auf die Haltung der Demokraten gelegt werden müsse, für die sowohl dem genannten Blatt, als auch dem Tageblatt zufolge aller- höchstens eine wohlwollende Neutralität gegen­über der Reichsregierung, keinesfalls aber eine offizielle Beteiligung an der Regierung in Frage kommt. Die Blätter nennen als mut­maßliche Reichsminister noch den Reichstagsab­geordneten Schiele, der für das Wirtschafts­ministerium in Frage komme und das Mitglied der BayerMen Volkspartei Emminger, der das ReichchusüMWWrm« übernelMen fall. Die Vizekanzlerschaft werde nach den Vermutungen der Blätter Hergt, das Reichsministerium des Innern dem deutschnationalen Abgeordneten Fchr, v. Gayl übertragen werden.

Kampf mit der Arbeiterpartei zu bestehen haben, während sie in dem 7. auf keine Oppo­sition zu rechnen brauchen. Macdonald verließ heute Birmingham und fetzte seine Reise noch Südwales fort, Seinen Anhängern, die in vie­len Orten auf ihn warten, mußte er mitteilen, daß er unfähig fei. weitere Reden zu halten, da er schon ganz' heiser fei. Der Ministerpräsident kommt heute in Aberavon, seinem Wahlkreis in Südwales, an, wo er voran sstytlick bis zum Wahltag bleiben wird. Es scheint, daß er im allgemeinen in den Industriestädten, die er auf seiner Reise von Glasgow her durch Nord- und Mittelengiland besuchte, gut empfangen worden iilft. Die Liberalen und Konservativen machen große Anstrengungen, um sich die Stimmen der Landwirte m sichern. Die Liberalen verfvrechen den Pächtern, ihre Stellung dadurch zu ver­bessern, daß sie die Pachtbed^mgungen sicher ge­stalten und den Landarbeitern Gelegenheit geben wollen, für sich selbst zu bauen. Der kon­servative Führer Baldwin wird sich heute über die Pläne äußern, die der landwirst-chaftlichen Industrie Hilfe bringen fallen.

London, 17. Off. Der pvlitiläe Berichter­statter des Star schreibt, es sei im liberalen Hauptquartier kein Geheimnis, daß man die Niederlaae Macdonalds, Cl-nnes und Hender­sons in ihren W-ablkreisen für -wohrschoinlich an- lâe. Die Walliser W-ählerschaft des Minister- vräsidenten sei besonders enttäuscht über die Verlchlimmerung der Lage im Bergbau und Industrie seit der Regierungsübernahme durch die Arbeiterpartei.

London, 18. Oktbr. Ein bekanntes Waren­baus in London veranstaltete anläßlich der Neuwahl, ebenso wie im vorien Jahr eine Probeabstimmung unter der Kundschaft, wobei die einzelnen Kunden nach Parteien gesondert abstimmten. Es sind ungefähr 150 0Ö0 Stim­men abgegeben worden. Nach dieser Abstim­mung haben die Konservativen in diesem Jahr 57,70 Proz. gegenüber 52,46 Proz. im Bor« fabr, die Arbeiterpartei 27,20 Proz. gegen 27,31 und die Liberalen 15,42 Proz. gegen 20,05 Proz. erhalten. Der Rest ist zer- ivlittert. Die Konservativen haben nach dieser Probeabstimmung bessere Aussichten als im vorigen Jahre.

Zu der Pariser Finanzminister- Konferenz.

Fnanzminister, die während der Londoner Konferenz beschlossen wurde und im November in Paris stattfinden soll, beschäftigt ist. Die französische, italienische und belgische Regierung haben ihre Sachoerstänldiaen beauftragt, vorher in einer besonderen Konferenz, am 27. Oktober, in Paris folgende Fragen zu erledigen:

1. Die Regelung der Kosten der Ruhrbe- satzung sowie die Reparationen und Einkünfte aus der Besatzung. Es bestehen provisorische Abmachungen zwicken Frankreich und Belgien über die Frage, doch fmb bis jetzt die Einnah­men noch nicht für die Repko gutgeschrieben worden.

2. Erneuerung und Revision des Abkom­mens vom 11. März 1922 .yrU*^ den «Wer­ten Finanzministern. Es handelt fi* hier in erster Linie um die Regelung der BefatzUngs- kosten im Rheinland.

3. Regelung verschiedener Fr-aqiln über die Anwendung des Dawesplanes. Es sollen alle Zahlungen'genau bestimmt werden, die als eigentliche R epar-adious,Zahlungen gelten und diejenigen, die Deutschland nach dem Derfailler -Vertrag sonst noch zu leisten hat

4. Die Regelung der ersten deutschen Äahves- zahlung in Höhe von 1 Milliarde Goldmark unter den Alliierten.

Wie derTemps" mellbet herrscht in Brüssel bie Meinung vor, daß die Konferenz sich bald ihrer verschiedenen Aufgaben entledigen kann.

Die Eisenbahner bünbigen das Lohnabkommen.

Berlin, 17. Oktobdr. Zwischen der Reichrbahn» Gesellschaft und den Eisenbahnarbeitern droht gegen­wärtig ein Konflikt aufzukommen. Die Reichsregierung hatte die Beamten und Arbeite: seinerzeit ersucht, i^e Lohnforderungen noch einige Zeit zurnchnueUen, da die von den zuständigen Stellen eingeleiteten Maß­nahmen zum allsiemeinen Preisabbau noch nicht im Gange waren. Wie wir erfahren, sind alle Beamten- und Arbeitergewerkschasten in den letzten Wochen mit Post, Telegrammen und Resolutionen ihrer Ograni- sationen im Reich förmlich überschüttet worden und von allen Seiten hat man um jeden Preis Lohn- bezw. Gehaltsaufbesserungen verlangt. Die Gewerkschaften haben nunmehr beschlossen, das Lohnabkommen vom 1. November ab zu kündigen und nicht unerhebliche Ausbesserungen der Bezüge für die Beamten und Ar­beiter zu verlangen. Bereits heute wird die Lohn- kündigung dem Lester der Abteilung n der Reichs­bahngesellschaft übermittelt werden.

Der Loeb-Skandal.

Erklärungen des thüring. Finanzministers.

Weimar, 17. Okt. Heute kam im thüringischen Landtag der Fall Loeb zur Sprache. Nach Angriffen des Sozialisten Hartmann antwortete der Finanz- minister Dr. von Klüchtzner in dreistündiger, sehr ge­schickter Rede und wies einwandfrei nach, daß die fristlose Entlassung Loebs durch die Staatsregirmng vollauf berechtigt gewesen ist. Es steht fest, daß Loeb dem Minister die Unwahrheit gesagt hat, all er be­hauptete, es seien erhebliche Auslandskredite in Thüringen im Umlauf. Das ist nicht der, Fall ge­wesen. Es ist ferner durch zweifache Revision ein­wandfrei erwiesen, daß Loeb Verfehlungen begangen hat, für die sich bereits die Staatsanwaltschaft lebhaft interessiert. Der Minister führte ungefähr dreißig Fälle an, in denen die Staatsbank und damit _ das Land Thüringen in allerschwerster Weise geschädigt wurden. Aus der Fülle des Materials sei heute mir ein Fall genannt:

Am 4. Juli 1923 hat Staatsbankpräsident Loeb bei einem Juwelier drei Perlennadeln für die Staats­bank gekauft und zwar für 140 Millionen Mark, die damals einen Goldwert von 3600 Mark hatten. Zwei von diesen Nadeln wurden verschenkt, eine behielt Loch selbst und ließ sie ant 1. August 1924 mit einem Wert von 30 Millionen Mark auf seinem Konto ver­buchen, die damals einen Goldwert von sage und schreibe 85 Pfennigen hatte. Er hat also die Perlen- nadel, die die Staatsbank rund 1000 Mark kostete, für 85 Pfg. erworben. Den Verlust von 1000 Gold­mark trägt das Land Thüringen, ebenso sind durch Zurückdatierungen usw. Verluste entstanden, die in einzelnen Fällen weit über 10000 Goldmark au8» machen.

Die Linke, die zuerst den Minister zu unterbrechen versuchte, wurde unter der Last dieses Materials linmer stiller.- Schon heute steht fest, daß el aller­höchste Zeit war, daß Loeb aus der Staatsbank verschwand.

Deleidigung der Republik und Reichswehr.

Wogen Beleidigung der Republik und del Reichswehr wurde gestern vom grohenSchöffen- gericht Berlin-Mistte der Schriftsteller Ernst Friedrich zu drei Monaten (Sefänguts verur­teilt. Die unter Anklage stechende Straschandlung hat der Verurteilte in einem in der anurcy-qm- schen Freien Jugend veräfsentlichten Flugblatt verüb-.