zoo. Jahrgang.
anauerW Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M.
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Wr. 244 Donnerstag den 16. Oktober 1924
3. 2t 3 glücklich am Ziel!
Rund 81 Stunden Fahrzeit. — Begeisterter Empfang in Amerika. Neid und Katz in Frankreich.
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Z. R. 3 ist gestern nachmittag 3.11 Uhr in Lakehurst glücklich gelandet. Führer und Mannschaft dieses Luftschiffes, Männer deutschen Geblüts, deutscher Art, umweht heute der Ruhm großer Pionierschaft; die ganze Welt blickt auf diese Männer. Mr aber, wir Deutschen feiern sie als Helden, denn sie sind die Unsrigen. „Von hier und diesem Tage, beginnt ein neues Kapitel der Weltgeschichte und Ähr könnt stolz sein, daß Ihr dabei rnarét!“ Man ist heute versucht, dieses Wort Goethes, das er vor der Kanonade von Dalmy zu den Weimarischen Offizieren sprach, angesichts der geglückten Fahrt des ersten Transozean-Luftschiffes über den Antlantik, zu wiederholen. Zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit hat ein Flugschiff mit einer verhältnismäßig stattlichen Zahl von Personen als Passagiere die weite Wasserwüste eines Ozeans auf dem Wege durch die Luft überquert. Gewiß haben kühne Flieger mit seltenem Wagemut Ozeane überflogen, aber dabei handelt es sich — und das ist das Entscheidende — in der Hauptsache um Sportleistungen. Die große Reise des Transozean-Lustschiffes Z. R. 3 aber war eine ^Zerkehrsreise größten Stils und eröffnet
Luftwege und bedeutet den Beginn von der Menschheit noch vor wenigen Jahren für phantastisch gehaltenen Verkehrs, der Erdteile in einer Reihe von Stunden zu kreuzen vermag. Ist es Zufall oder launiges Spiel des Schicksals, daß die erste Ueberquerung des Atlantischen Ozeans durch Clhristoph Columbus nach fünfunddreißigtägiger Fahrt just in der gleichen Jahreszeit, im gleichen Monat vollendet wurde, in dem das Zeppelinschiff innerhalb 62 Stunden von der Alten zur Neuen Welt flog? Drei Karavellen, winzige Schiffe, unter der Führung eines Genies und Tatmenschen, einer Kämpfernatur großen Stils, vollbrachten vor rund vierundeinviertel Jahrhundert die Erweiterung des Weltbildes. In diesen Tagen hat das Werk eines anderen großen Kämpfers Kontinente durch schnellste Ueberwindung von Zeit und Raum zusammengebracht. Und dieser Kämpfer ist ein Deutscher: Zeppelin. Uralter Menschheitstraum ist erfüllt; kühner erfüllt, als mythenbildende Kraft der Völker, kühner als lodernste Phantasie des Dichters ihn je vorzustellen wagte. Daß dieses Luftschiff die Erfindung eines Deutschen ist, daß es die Arbeit, das Werk unseres Volkes ist, darf alle Deutschen mit Stolz erfüllen. Mit Stolz und Begeisterung dürfen wir Deutsche heute Rückschau halten auf jene Jahre, in denen der greife Graf Zeppelin, den nun der kühle Rasen deckt, das Werk seiner langen Leidensjahre endlich zur Vollendung reifen sah. Rückschau in jene Jahre, in denen in Deutschland wie in der Welt jung und alt wie vor einem neuen Wunder staunte, wenn von weither das große Schiff der Lüfte sich nahte. Wir erinnern uns alle noch jener Zeit, in der vor dem Kriege die ersten großen Deutschlandsahrten gelangen, in denen zum ersten Male ein Zeppelin vom Bodensee bis über die Nordsee fuhr, in der der Neid des Auslandes jene stolzen Nationalen Hoffnungen begleitete, die wir an den Flug des Riesenluftschiffes knüpfen durften. Führend war Deutschland sowohl auf dem Gebiete der großen Luftschiffe starren, als auch Halbstarren Systems, führend war es auch — auf diesem Gebiete freilich in hartem Wettbewerb mit Frankreich — auf dem Gebiete der Luftfahrt mit Flugzeugen. Wurde ein Rekord von einer fremden Nation erreicht, immer wieder war es einer der Unseren, der ihn wieder überholte. Aber über die rein technische Bedeutung der Frage, ob die Zukunft starren oder weniger starren Systems oder dem Aeroplan gehöre, über diese Frage hinaus erhob sich als mittel* bare Folge dieses Wettbewerbs nationaler Kraft die Bedeutung der Ereignisse, nämlich die Entwicklung eines berechtigten Stolzes und berechtigte Begeisterung über die Leistung deutscher Arbeit und deutscher Kraft auf einem Ge
Dem Bezwinger der Meere
Von Rudolf Presber.
Sichtbar gewordenes Wunder flog ein Schiff Hoch durch die Wolken überm Ozeane;
Hingleitend über Wellenberg und Riff, Dem Zweifel trotzend und verzagtem Wahne. Und der dies Werk einst plante und begriff, Daß neuen Pfad er durch die Lüfte bahne,' Das war ein Deutscher. Völker, grüßet ihn!
Und schmückt das Grab des Grafen Zeppelin! Der Wellenweg, den uns Kolumbus wies, Der Schläfer bei Sevillas großen Toten, Als er Kastiliens stolzes Banner stieß
Der neuer Welten Schatze uns verhieß Und kühne Fahrt ins Reich der Antipoden; Der Weg, von dem der Schiffe Wimpel grüßen, Glänzt jetzt, besiegt, den Fliegenden zu Füßen! Du stolze Fahrt zu neuem Menschheitswohl, Allen zum Trotz, die an der Erde kleben, Sei unserm Glauben, hoffnungsvoll Symbol, Daß wir aus Not und Elend uns erheben! Laß jenes böse Echo, dumpf und hohl, Den Widerhall des Leidens laß entschweben! Und lehr', als tapfern Träumers Meisterstück, Des deutschen Kraft uns und sein Recht auf Glück!
biete, dem offenbar die Zukunft zu gehören schien. Das war der große, überwirtschaftliche Sinn jener Zeit, daß er uns deutlich darauf hinwies, welche große Rolle das deutsche Volk auch in dieser Beziehung unter den Völkern der Erde zu spielen berufen war. Genau wie die Leistungen unserer Wissenschaft, unserer Kunst, unseres Handels, unserer Industrie war auch der „Zeppelin" über Europa ein Sinnbild deutscher Leistung für die Welt geworden, ein Sinnbild unserer Kraft und unseres nationalen Willens, die uns dann, als die Prüfung des Krieges ausbrach, zu dem ungeheuren, heroischen Widerstand 4^ Jahre hindurch gegenüber den Heeren und dem Gelde fast der ganzen Erde befähigte.
Das ist in übergeordneter Bedeutung der Sinn einer Rückschau, wie wir sie anstellen können und müssen, nachdem es gestern einem „Zeppelin" gelungen ist, mit 50 Passagieren und einer Riesenbelastung das Weltmeer zu überqueren. Deutschland in der Welt voran! Und dabei liegt unser Volk in schweren Ketten und wird bedrückt und bedroht von allen Seiten. Zu dem berechtigten Stolz gesellt sich die Bitterkeit ob der Fülle des Gemeinen, der Rachsucht und des Neides. Die machtvolle Entwicklung — und gerade diese —, die unsere Luftfahrt vor dem Kriege genommen hatte, an die sich die Namen Lilienthal, Groß Parseval, Zeppelin, Eckener, Jmmelmann, Bölcke, Richthofen usw. knüpfen: auch diese mächtige, riesige Entwicklung, die zukunft- weisend Deutschlands Ruhm verkündete, suchte der Versailler Vertrag und die Schikanen aller Maßnahmen, die sich an ihn hängen, zu unter
drücken. Deutschland, das Land der Zeppeline, das Erfinderland, darf auf Grund des Versailler „Friebens"-Diktates keine Luftschiffe gegenwärtig bauen. Das schwärzeste Dokument der Geschichte fordert in seinen Bestimmungen, daß Deutschland nach Ablieferung des Z. R. 3, des Repartions-Zeppelin für Amerika — bekanntlich forderten die Siegerstaaten, nachdem von den von Deutschland an diese abzuliefernden Zeppelin-Kriegsluftschiffe von der Be. satzung sieben zerstört worden waren, als Ersatz für die Luftschiffe Geld; nur Amerika verlangte die Lieferung eines neuen Luftschiffes, des Z. R 3 — keine Luftschiffwerft mehr in Betrieb haben und keine Halle für Luftschiffe von mehr als 30 000 Kubikmeter besitzen darf.
Doch das Lebendige läßt sich auf die Dauer nicht durch Krankes und Totes in Fesseln schlagen. Aus den Stimmungen voll Bitterkeit weist uns die stolze Fahrt des gewaltigen „Zeppelin" auf die Hoffnung hin, daß die Zukunft des deutschen Volkes wieder groß und mächtig sein wird. Die ganze Welt würdigt das bedeutsame Ereignis und man sollte meinen, daß sich die V ö l k e r d e r E r d e, die das Versailler Schanddokument geschaffen haben, schämen angesichts der technischen Großtat, die in diesen Tagen vor den Augen der Welt geleistet worden ist, und in sich gehen und die Aenderung in der Ausdeutung jener törichten und sinnlosen Bestimmungen des Versailler Vertrages, die die Knebelung unserer Luftschiffahrt betreffen, fordern. Man sollte dies annehmen, ob sich freilich die Welt dazu aufraffen und Vernunft und Einsicht über Haß und Neid, die in erster Linie ihren Sitz in Paris
haben, siegen’ wird, sodaß Re grosse Stiftes« werft von Friedrichshafen, die Geburtsstätts des den Ozean überflogenen Wunderwerkes, von der Zerstörung bewahrt würde, läßt sich noch nicht sagen. Aber das eine steht fest: Die europäische Luftfahrtprobleme sind durch keinerlei zeitbedingten Friedensvertrag auf die Dauer in ihrer Entwicklung zu unterdrücken. Die Zukunft wird wieder dem Tüchtigen gehören. Auch wir werden mit den Völkern dieser Erde wieder in Wettbewerb treten und werden, wie das früher der Fall war, sie hoffentlich wieder in den Ehren der Leistung übertreffen. Das beweist uns die Großtat, die Pioniere deutfcher Technik, deutschen Könnens in diesen Tagen vollbracht haben. Der Stolz über das Wunderwerk überragt weit das wehmütige Gefühl, daß das Luftschiff eine Repara- tionsleiftung ist und daß es nun nicht mehr uns gehört. Nicht, wer ein Werk besitzt, sondern wer es geschaffen hat das ist die Hauptsache. Auch unter amerikanischer Flagge wird der Z. R. 3 unsichtbar und doch weithin verständlich die Marke tragen, die angelsächsischer Handelsneid einst für eingeführte deutsche Waren prägte, und die dann diesen zu einem Ehrenmal wurde: Made in Germany! Die Leistung ist», die wir feiern. Und diese Leistung ist so, daß wir — als Einzelne wie als Volksgemeinschaft — etwas spüren von der befreienden, erhebenden Kraft des Zeppelingeistes. Nationales Erwachen, nationaler Ehr- geiz, tüchtiges Aufwärtsstreben: das sind die Losungsworte, die uns die gelungene Zeppelinfahrt über den Ozean ins Gedächtnis zurückrufen möge! R. H.
Die Landung.
Newyork, 15. Okk. Um 8 Uhr früh überflog Z. R. 3, von Boston kommend, dlè Freiheitsskalue, um sich dann dem Hudsonfluß zuzuwenden. Majestätisch kreuzte er über dem Hafen und über der ganzen langgestreckten Manhattan-Inseln. 3m Hafen entboten Hunderte von Schiffen dem deutschen König der Lüfte ihre Grüße. indem sie die Dampfpfeifen ertönen ließen. In einer großen Schleife nahm dann das Luftschiff den Kurs direkt über das Häusermeer der City, flog die lange Linie des Broadway entlang bis zum WoolworthBuil- ding. Die Begeisterung der Masten kannte keine Grenzen.
Newyork. 15. Okk. Z. R. 3 ist heute nachmittag 3.11 Uhr in Lakehurst, dem künftigen Standort des Luftschiffes glücklich gelandet. — Der Zeppelin zeigte die deutsche Handelsflagge, als er über Newyork flog. Es war das erste Mal, daß die deutsche Flagge über der Stadt zu sehen war. Die Flagge fehlte, als das Schiff in Lakehurst ankam. Der Schiffsingenieur Wiedemann erklärte, daß sie bei dem furchtbaren Wind bei Lakehurst zer. rissen worden sei.
(Die Uebermittlung der Nachricht der Lam dung des Z. R..3 stellt einen Rekord in der Nachrichtenübermittlung dar. Sechs Minuten nachdem das Luftschiff in Lakehurst gelandet, traf die Meldung bereits in Berlin ein. Wenige Minuten später traf die Meldung in Frankfurt ein, von wo aus wir sie telegraphisch übermittelt erhielten, so baß sie noch vor 4 Uhr von uns bekanntgegeben werden konnte.)
Der Empfang.
Newyork, 15. Okt. Bei der Ankunft des Luftschiffes spielten sich enthusiastische Szenen ab. Als das große Luftschiff über Coney Island in Sicht kam und auf das Zentrum Newyorks zusteuerte, reckten zahllose Menschen die Hälse zum Himmel. Der Ruf: „Dort ist er!" lief von Mund zu Mund, als das Luftschiff, von zwei Flugzeugen begleitet, majestätisch über die Stadt segelte. Das Luftschiff steuerte dann schnell über Brooklyn, auch dort von Tausenben begrüßt. Der zahllosen Zuschauer, von denen viele die Hüte in die Luft warfen, bemächtigte sich beim Anblick des silbergrauen Schiffes die,