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200. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Lnschluß Nr. 1287 und 1238.

B e r u g s v re i s für die 2 Wochen vom 6. bis 18. Oktober 1 Goldmark ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Goldvfenntg.Anzetgenoretieifür die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldvfennia. für die R e k l a m e z e i l e (68 mm) 50 EoldvfennigOffertenaebüb r 30 Eoldvfennig Geschäftsstelle Sammerstraße 9.

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Nr. 237 Mittwoch den 8. Oktober 1924

Die Richtlinien

Das Mâmerftarvsche fielen umb Trâen nimmt ^éiute im Reichstag wiièr seinem An- fang. Sämtliche Fvaktmnen treten heute zusam­men, um sich mit den vom Kabinett gebtMgten .RichtHinIisn! des Reichskangsers zu besassen. Von den Beschlüssen der Fraktionen wird eg abhän­gen, ob der Reichstag in der nächsten Woche mit einiger Aussicht auf die M-ügllichkE sach- licher Arbeit seine Beratungen Meder ansneh­men kann, oder ob es nach einer Lebensdauer von etwas mehr als einem hâen Jahre einem frühzeitigen Tode verfällt. Die Richtlinien des Kanzlers, die uns in ihrem Wortlaut noch nicht vorlisgen, da sie erst heute morgen den Fraktionen übrersicht worden sind, bezeich­nen nach einer Berliner Ankündigung als selbst­verständliche Boraussetzung für eine Koalition der Volksgemeinschaft das grundsätzliche Be- kenntNrs zur gegenwärtigen Staatsform mb zur Weimarer Verfassung. Die wichtigste Grund­lage für die Führung der äußeren Politik soll das Londoner Abkommen fein, die loyale Durch­führung der Dawesgesetze ergibt sich daraus als selbstverständlich. Auf der anderen Seite soll der Inhalt des den Mächten überreichten Me­morandums über den Völkerbund seintritt im Vordergründe stehen. Weiter soll eine gerechte VerteKumg der steuerlichen Lasten erfolgen un­ter Berücksichtigung der sozial l-bmäche-en Schichten der BeoMerung. Auch auf die Zoll­tarife und Wirtschasitssragen erstrecken sich die Richtlinien. Das Programm ist nur in ganz

Umrissen gezeichnet. Die Detaftverband- sind eventuell für ein späteres Stadium Vorbehalten.

Die leere Pause, die iht die Verhiandlungen über die Regierungsbilldung singeschMet wor­den ist, ist von den verschiedenen Parteien, auch denen der bisherigen Koalition, dazu benutzt worden, um Merhcmd Fehden untereinander auszutragen, die immer hitziger u. hämischer ge­führt wurden und die für das Futtktionie- en einer Regierung der Volksgemeinschaft von Hergt bis Hilferding die allererfreulichsten Aus­sichten erwecken. Daneben hat man vielfach ge- fudjit, das Wasser zu trüben und durch Ver- breiten zufällig oder absichtlich falscher Nachrichten im Sinne der eigenen Wünsche zu arbeiten. Einer solchen Ente, die man soeben hat auffliegen lassen, sei der Lebensfaden durch­schnitten: der Behauptung die Deutsche Volks- Partei sähe keinen anderen Ausweg als die R e i ch sta g s a u f l öf u n g für den Fall, daß die Volksgemeinschaft des Herrn Marx nicht zustande käme. Das ist selbstverständlich falsch. Richtig ist, daß sie überwiegend eine verbind­liche Stellungnahme liegt ja noch nicht vor der Ansicht ist, an einer Reichstagsau ftö sung werde sich nicht vorbeikommen lassen, wenn we­der die Volksgemeinschaft noch die Kabinettser- weiterung durch Hinzuziehung allein der Deutschnaltionalen zu ereichen ist.

Der Unterschied läßt sich mit Händen greifen. Denn an das Zustandekommen derganz gw- ßen" Koalition glaubt selbstverständlich nach wie vor kein Politiker, und der Vorwärts hat sich inzwischen im Eifer des Gefechts in einer Po­lemik gegen die bösen Kommunisten bereits das Eingeständnis entlocken lassen, daß das sozial­demokratische Eingehen auf die Anregung des Herrn Marx eitel S ch a u m s ch l ä g e r e i w a r. So dumm, schrieb das Zentralorgan der Sozialdemokratie, wäre selbst Herr Hollein nicht, daß er nicht begriffe, weshalb die Sozial­demokraten auf die Anregung des Herrn Marx eingegangen wären. Der Vorwärts hat voll­kommen recht. So dumm ist Herr Höllein nicht. Er ist nur ebenso perfide wie die Sozial­demokraten und gibt sich um seiner Partei- zwecke willen ebenso gewissenlos den Anschein, an die Ernsthaftigkeit der sozialdenrokratischen Aeußerungen zu glaubten, wie der Birwärts diesen Anschein um der sozialdemokratischen Parteizwecke mitten vortäuscht.

Will man der erregten Auseinandersetzung in der Linkspresse glauben, so sieht es dürch- aus danach aus, als ob mit der RetHstagsauf- lösung in kürzester Frist zu rechnen "märe. Dennoch: Die ziemlich betrüblichen Kaffen- rappo.te, die bei Men Parteien zu erstatten sind, menben sich, wie das menschlich verständlich ist, wohl einigermaßen als Mahnung zur Be- i^nnenheit auswirken. Daß daneben die Sprache jener Rapporte dürfte eindrin^icher sein die ernsthaftesten sachliche n Gründe

öes Kanzlers. gegen eine Auflösung des Reichstages spre­chen, dürfte bekannt fein. Auch das .Bert. Tagebl." ist dieser Ansicht, indem es schreibt: Wir freuen uns, eine Bestätigung unserer An­sichten darüber aus fremdem Lager anführen zu können.

Und all' das, diese iganze für das Land und besonders das Wirtschalftsilebsn ruinierende Krtifenmacherei... in einem Augenblick, wo die Anleihe hereingebracht werden soll, die Han- delsvevträge abgeschlossen werden müssen, die Besprechungen über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im Gange sind, die Verhand- lungen über die Räumung der Kölner Zone be­vorstehen, die deutschen Wirtsjchaftskreise eine Besserung ihrer Lage erwarten, die sich natür­lich nicht inmitten politischer Kabalen und Ver­wirrungen vollziehen kann! Wenn es, wie vor­auszusehen ist, zu Neuwahlen kommen wird, werden die Wähler den unruhestiftenden Par­teien die Antwort erteilen."

Wir sind soweit ganz der Ansicht des ^Ber­liner Tageblattes". Nur daß das Blatt es fertig bringt, Deutschnationale und Deutsche Volkspar­tei als dieunruhestiftenden Parteien" hinzu­stellen. Wir vermuten, das Volk.dürfte nicht dieser Ansicht sein. Es wird schwer fein, ihm ein- zureiden, diejenigen, die eine den gegebenen Kräfteverhältnissen entsprechende Regierung wollen, feien die Unruhestifter, und diejenigen, die die gegebenen Kräfteverhältnisse um jeden Preis, und sei es um den einer so unheilvollen seien die Leute der ruhigen Entwicklung. Wer propagiert die Reichstagauflösung? In der Hauptsache ist es die Sozialdemokratie, und diese Partei rechnet auch ernstlich mit der Auftösung des Reichstages und sei es durch ein Auflösungs­dekret des Reichspräsidenten, d. h. wenn es nicht noch im letzten Augenblick gelingt, die Abnei­gung der Deutschen Volkspartei gegen neue so­zialistische Experimente zu überwinden. Die So­zialdemokratie versucht mit aller Gewalt eine Aufnahme der Deutschnationalen in die Regie- runa zu sabotieren. Triumphierend hat Müller- Versailles in einer Gewerkschaftssitzung bekannt­gegeben,die Person des Reichspräsidenten gebe alle Gewähr, daß auch diesmal der Ansturm der Nationalisten im Reich abgewehrt werde". Ob das deutsche Volk unter einer solchen Politik leidet, ob es dafür büßen muß, wie im vorigen Herbst durch die Verlängerung der Inflation das ist völlig unerheblich. Hauptsache bleibt für die Soziaildsmoknatie, daß dieNationalsten" ausgeschaltet werden.

Wir hoffen, daß die heutigen Fraktionsbe­sprechungen zu einer Einigung und damit zu einer Arbeitsgemeinschaft führen, die der Regie­rung eine feste Stütze gewähren kann. Neuwah­len würden unter dem bestehenden Proportio­nalwahlrecht keine ausschlaggebende Verschie­bung im Stärkeverhältnis der Parteien herbei­führen. Wer sie erstrebt, übernimmt eine ernste Verantwortung. Er sündigt gegen den wahren Gedanken der Volksgemeinsckaft. Wer grund­sätzlich die Erweiterung der Regierung nur nach rechts nach dem Versagen der Sozialdemokraten ablehnt, treibt zyr Reichstagsauflösung. Die Entscheidung liegt beim Zentrum und den De­mokraten.

Der Reichskanzler erbitte! Antwort bis heute abend.

Berlin, 8. Okt. Die Richtlinien des Reichs­kanzlers werden den Fraktionen heute morgen ausgehändigt werden, damit sie sie ihren Be­ratungen zu Grunde legen können. Wie die Telegraphen-Union von zuständiger Stelle er­fährt, hat der Kanzler die Fraktionen gebeten, ihm bis Mittwoch abend 8 Uhr ihre Bescheide mitzuteilen. In politischen Kreisen rechnet man aber kaum, damit, daß bereits am Mittwoch abend eine irgendwie abschließende Klärung der parlamentarischen Situation vorliegen wird. Entgegen anders lautenden Meldungen ist fest­zustellen, daß an eine Veröffentlichung der Richt­linien zunächst nicht gedacht werden kann.

Kein zweites Memorandum.

Berlin, 8. Okt. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, entsprechen die Nachrichten eines Berliner Abendblattes, daß die Reichsregiernng in der Völker­bundsfrage ein zweites Memorandum an die aus­ländischen Mächte abzuschicken beabsichtige, nicht den Tatsachen. Solana« die übrigen Anlivorten noch nicht

Artikel, in dem u. a. ausgeführt wurde, daß mit de» Reichswehr Spiel getrieben werde; sie werde boi ihren Vorgesetzten und der Regierung mißbraucht. Der Artikel forderte die Soldaten auf, der Ausbreftu«g bei völkischen Gedankens in der Reichswehr zum Siege zu verhelfen und Umkehr zu halten. Der Angeklagte be­kannte sich als verantwortlich für den Artikel. Das Urteil lautet anstelle der verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat auf eine Gesamtgeldstrafe von 1500 Mark.

Zur Aufwertungsfrage.

Der Unterausschuß des Aufrvertun^saur« schuffes des Reichstages hat den Antrag des Abg. Hergt (Deutsch.) angenommen, in welchem die Regierung um eine Aeußerung darÄer ge< beten wird, in wieweit die Gemeinden mit der Aufwertungssteuer belegt werden können, um Mittel für die Aufwertung der Reichsanleiheri zu beschaffen und wieweit die Industrie frei« willig ihre Obligationen über den Aufwertungs satz von 15 Prozent hinaus bisher zurückbe zahlte.

Kludenburgs Dank.

Berlin, 7. Okt. Generalfeldmarschall Hindenburg ersucht um Verbreitung folgenden Schreibens: An­läßlich des zehnjährigen Gedenktags an die SchlachI von Tannenberg und anläßlich meines 77 jährigen Geburtstages sind mir zahllose Beweise freundlichen Gedenkens in Gestalt von Telegrammen, Karten, Briefen, Blumen und sonstigen schönen Gaben von Einzelnen wie städtischen Behörden, Vereinen, Tagungen und Körperfchaften verschiedenster Art zugegangen. Alle diese Zeichen wohlwollender Gesinnung haben mich unendlich erfreut. Aber leider geht es weit über meine Kräfte, nach allen Seiten besonders zu ant­worten. Ich muß daher um gütige Nachsicht bitten, daß ich meinen allerherzlichsten Dank lediglich durch Diese Veröffentlichung aussprecheu kaun.

Dom $ R. 3.

Friedrichshafen, 7. Okt. Nach einer Mit­teilung des Kommandanten desZ. R. 3", Dr. Eckener, findet wahrscheinlich morgen, Mittwoch nachmittag die letzte, zwei- bis dreistündige Probefahrt des Luft­schiffes statt, um Gasdruckmessungen an den 14 Gas­zellen vorzunehmen. Von Donnerstag ab liegt das Luftschiff zur atlantischen Fahrt bereit. Möglicher weise findet schon in diesen Tagen die Abfahrt nach Amerika statt. Was bis jetzt über die Fahrtstrecke Friedrichshafen Lukshurst geschrieben worden ist, ge­hört in das Gebiet bet Mutmaßungen ; die Wetterlage allein bestimmt den Weg.

Frankreich und Oie deutsche Anleihe.

Paris, 8. Okt. DasJournal" berichtet über die gestrige Bankierkonferenz, die sich mit der Frage der deutschen Anleihe beschäftigt hat. Nach den Aus­künften die das Blatt erhalten hat, ist man zur Mit­arbeit bereit. In Paris sollen 3 Millionen Pfund Sterling Anleihestücke aufgelegt werden, für die 7% Zinsen gezahlt und zum Kurse von 92 oder 93°|< notiert werden sollen. (Hinsichtlich des^Kurses macht das Journal Vorbehalte). Die Diskussion war sehr lebhaft gewesen. Die Engländer und Amerikaner forderten, daß auch in Paris ihre Stücke in englischen Pfund notiert werden. Es ergeht noch die Frage, ob das französische Publikum Franken in Zahlung geben könne, oder ob es gezwungen wäre in englischen Pfund zu kaufen, um die Anleihe zu zeichnen. Ueber diese Frage scheint eine Einigung nicht erzielt worden zu sein, deshalb hat sich eine Delegation nach London begehen, um über die Pedingunge» der Emissionen sich endgültig zu verständigen. Angesichts der Dringlichkeit glaubt man, daß di« Frage in »tefen Tagen geklärt wird.

Keule Slurz Macdonalds?

London, 7. Okt. Hier wird allgemein da« mit gerechnet, daß die Regierung Mac Donald am Mittwoch gestürzt wird. Man nimmt an, daß dann das Unterhaus sofort aufgelöst wird und Neuwahlen Nlitte November stattsinden werden.

London, 7. Okt. Die Konferenz der Arbeiter. Partei hat mit erdrückender Mehrheit den Be. schluß angenommen, bei Parlaments- oder Munizipalwahlen keine Kommunisten als Kan­didaten der Partei zuzulassen. Ferner beschloß die Versammlung, das Gesuch der kommunistischen Partei auf Angliederung abschlägig zu beant» warten.

Die Abrüslungssrage vor dem Wett- srieoenskongretz.

Berlin. 8. Okt. Der Weltfriedenskongreß nahm heute zunächst eine Reihe von Anträ­gen an, von denen der erste sich mit den Er­eignissen in China beschäftigt und an die Gefahren, die in jedem Kriegsausbruch, auch in einem fernen Lande, liegen, erinnert. Ein weiterer Antrag fordert alle Friedensfreunde auf, im Interesse wechselseitigen Verständnisses und friedlicher Ausgleichung eine wohlwollende und großzügige Bebandluna der politischen

vorliegen, ist gar nicht abrusehen, welcher Art die nächsten deutschen Schritte sein werden. In diesem Zusammenhänge ist übrigens zu betonen, daß der An­wesenheit Fridjof Nansen? in Berlin weniger politische als stimmungsmäßige Bedeutung zukommt. Der norwegische Gelehrte, der gestern dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler und dem Reichsantzenminister Höf­lichkeitsbesuche abgestattet hatte, wird heute, Mittwoch, Gast des Reichskanzlers fein.

Fochs Krieg gegen den Bolschewis­mus im Jahre 1919.

Hannover, 8. Okt. DerHann. filtrier', die Leipz. Neuesten Nachr." und dieMünch. Neuesten Nachr." beginne« heute Bereits mit der angekündigten Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Gebeim- akten von Versailles. Unter der UeberschriftFochs Krieg gegen den Bolschewismus im Jahre 1919" wird in dem ersten Artikel die Stellungnahme des Versailler Friedenskongresse» zum Bolschewismus behandelt. Prä­sident Wilson unb Lloyd George hielten es für unmöglich, aktiv in die russischen Verhältnisse ein« zugreifen und traten für Verhandlungen mit der Sow- jetregiernng ein. Ohne Wissen der französischen Re­gierung wurde von ihnen ein Vertreter nach Rußland im März entsandt, der mit den Bolschewisten einen Friedensvertrag vereinbarte, dessen Zustandekommen aber am Widerspruch Frankreichs scheiterte. Churchill trat für kriegerische Maßnahmen ein, falls eine Ver­ständigung mit den Bolschewisten nicht zu erreichen sei. Er beantragte am 15. Februar 1919 einen Ausschuß zur Ausarbeitung eines KriegSplaneS einzusetzen. Auch Clemenceau trat aufs eifrigste dafür ein, daß man Rußland nicht sich selbst und Deutschland über­lassen dürfe. Es müßten Schranken um Rußland er­richtet werden, um die Bolschewiki darin einzuschließen und die Stunde abzuwarten, wo es möalich werde, wieder die Offensive aufzunehmen. Am 17. Februar wurde, da die Amerikaner sich gegen jeden Einsatz ihrer Truppen in Rußland aus sprachen, auf Balfours MMW Mj^ â .MML^ii den militärischen Sachverständigen Erkundigungen emzu- holen. Am 25. Februar trat Foch gelegentlich einer Auseinandersetzung über die Entsendung der Haller- Truppen nach Danzig dafür ein, vor allen Dingen zur Vorbereitung des Kampfes gegen die Bolschewiki mög­lichst schnell die Ostgrenze Deutschlands definitiv fest­zustellen. Das könne schon in der nächsten Zusammen­kunft mit Herrn Erzberger geschehen.

Wenn der Friede mit Deutschland geschlossen sei, würde man alle Aktionsmittel im Osten Europas wieder gewinnen. Foch führte weiter aus, mit gewissen Armeen, wie etwa der polnischen, tschechoslowakischen, rumänischen, griechischen (also den Armeen der Rand­staaten, Redaktion) verstärkt durch modernes Material, würde es leicht sein, eine unbestreitbare Ucberlegenheit über den Feind zu gewinnen. Das würde die Kosten der Entsendung einer Armee vom Westen her ersparen. Wie man im Westen den Rhein als Basis habe, der es gestatte, in Deutschland zu tun, was man wolle, so brauche man auch eine gut befestigte Basis, um gegen den Bolschewismus vorzugehen. Vorher müsse aber Deutschland ein Prallminarfriede auferlegt werden. Colonel House wies darauf hin, daß vorher auch die Finanz- und Reparationsfrage erledigt werden müßte. Balfour leitete die Debatte auf die pol­nische Frage zurück In der Sitzung am 17. März kam Foch erneut auf seinen Plan zurück, dem Lloyd George abermals widersprach, da Polen vor Hunger sterbe und unfähig sei, Lemberg gegen eine Kohorte von ukrainischen Rebellen zu verteidigen. Man müßke vielmehr versuchen, die Polen und Ukrainer gütlich zu einigen. Der Oberste Rat versagte darauf dem General fioch die Genehmigung, seine Idee weiter zu »erfolgen. Die Blätter bemerken zu diesen Aufzeichnungen, die Kenntnis solcher Pläne sollten den Rumänen, Tschechen, Slowaken und Polen eigentlich zur Warnung dienen, wessen sie sich von Frankreich auch in Zukunft zu ver­sehen haben werden.

Kommunisttscher Unterricht im Gebrauch von Mordwaffen.

Hannover, 8. Oktober. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Hannover wurden gestern 4 Ange­hörige der kommunistischen Partei wegen Vergebens gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt. Die Strafe lautete für den Schlosser Thoben auf 2 Jahre Zucht­haus, für den Arbeiter Otto Frischmuth auf 1 Jahr 4 Monate Zuchthaus, für die Mutter Frischmuths auf 4 Wochen Gefängnis und für die Schwester Frisch- muths auf 1 Woche Gefängnis. Bei den Angeklagten wurde seinerzeit eine Höllenmaschine gefunden. In der Beweisaufnahme wurde u. a. festgestellt, das in dem Jugendheim auf dem Lindener Berg regelmäßig in der Woche an einem oder zwei Abenden Unterricht im Gebrauch von Schußwaffen, Sprengkörpern, Hand­granaten ec. zwecks Anwendung bei evtl. Aufständen von Angehörigen des OrtSdiensteS erteilt wurde. Auch Vorträge über eingehende Vorbereitungen zum bewaff­neten Aufstand sind dort abgehalten worden.

Beleidigung der Reichswehr.

München, 7. Oktober. Wegen Beleidigung der Reichswehr uns ihrer Vorgesetzten, ferner wegen Auf­reizung zur Wiedersetzlichkeit gegen obrigkeitliche An- orbmmgeu und zum Ungehorsam gegen die Befehle der Vorgesetzten hatte sich vor dem Schwurgericht in München der verantwortliche Schriftleiter des Völkischen Kuriers, Hans M ü l l e r, zu verantworten. Am 20. Mär; erschien in demVölkischen Kurier" ein