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200. Jahrgang.

Hanauer «Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287 und 1238.

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Nr. 235

Wonlag den 6. Oktober

1924

Krisenstimmung

Die gegenwärtige Regierungskrise droht den gleichen Verlauf nehmen zu wollen, wie die vierzehn anderen, die ihr vorangingen: Es wird innerhalb der Fraktionen in einem lang­wierigen und aufreibenden unterirdischem Kampf um die Entscheidung gerungen werden. Während der Freitag vormittag mit seiner Be­sprechung zwischen Marx und den Sozialdemo­kraten wenigstens insofern ein Ergebnis zei­tigte, als die kaum erwartete Bereiterklärung der Genossen, unter besonderen Bedingungen mit in die Regierung einzutreten, ein neues Bild der Lage schuf, verlief der Nachmittag, wo sich die Deutschnationalen beim Reichskanz­ler einfanden, um so unfruchtbarer. Von unter­richteter Seite hören wir, daß wohl selten eine Besprechung mit wichtigem politischem Kern- mnkt stattfand', die so trostlos im Sande ver- ief wie diese. Schwierig gestaltete sich ange- ichts der Weiterentwicklung auch die Stellung )er Deutschen Volkspartei, die als Mittler den Gedanken der Verlängerung der Koalition nach rechts gefördert hat, dann aber die Initiative in loyaler Denkungsweife in die Hände des Reichs­kanzlers selbst legte. Bis zu diesem Zeitpunkt schien die Aussicht, zu einer Einigung zu ge­langen, leidlich zu sein, bis sich dann plötzlich lenes

Schwanken des Kanzlers bemerkbar machte, deren Auswirkungen jetzt in die Erscheinung traten. Als vor der Annahme

Mn'Deutschnationalen stattfanden und ihr spa­terer Eintritt in die Regierung erörtert und ihnen zugestanden wurde, dachte man weder in der Deutschen Volkspartei noch beim Zen­trum an die Einbeziehung der Sozialdemokra­tie. Diese taktische Linksschwenkung, die nun der Kanzler plötzlich vornahm, ist auf den Druck zurückzuführen, den ein Teil seiner Partei auf ihren Führer ausübt, und dem sich auch bedeutsame Persönlichkeiten anschlossen, die in der unmittelbaren Umgebung des Kanzlers in wichtigen Stellen tätig sind. Marx's Ent­schluß, zunächst die Sozialdemokraten zu sich zu bitten, hat nunmehr zu einer Zuspitzung d e r K r i s i s geführt, deren Bedenklichkeit nicht verkannt werden darf.

Unter diesen verfahrenen Umständen hat es die Deutsche Dolkspartei für notwendig gefunden, elnzugreifen.

Es wird über ihre Stellungnahme zu der durch die Erklärunaen der sozialdemokratischen und deutschnationalen Führer am Freitag ge­schaffene Lage nachstehendes von maßgebender Seite erklärt:

Die Deutsche Volkspartei hat ihre Zu­stimmung zu Vechandlunaen des Kanzlers mit her. Deutschnationalen Volkspartei und der Sozialdemokratischen Partei wegen einer Erweiterung der Reichsregierung nur unter der Voraussetzung erteilt, daß die notwen­dige programmatische und eine taktische Er­klärung unverzüglich erfolgt. Der bisherige Gang der eingeleiteten Verhandlungen läßt befürchten, daß diese Voraussetzung nicht er­füllt wird. Der Verlauf der Verwirklichung einer idealen Konstruktion darf ni^t die real­politische Möglichkeit einer Regierungserwei­terung gefährden. Das angekündigte Frage- und Antwortspiel zwischen den Frak­tionen untereinander und mit dem Kanzler muß so rasch wiemöglicheinEnde nehmen. Das Kabinett darf sich seiner Handlungsfreiheit nicht entäußern.

Die Vertreter der Deutschen Volkspartei haben den Vorschlag gemacht, mit den Frak­tionsvertretern auf Grund eines Regie- rungsprogrammszu verhandeln. Not­wendig ist indessen unverzügliche Feststellung und das Ersuchen an die F r a k t i o - n e n, ohne Rückhalt zu erklären, ob sie auf dieser Grundlage bereit sind, m i t z u a r b e i- t e n und mit welchen anderen Fraktionen sie zusammenwirken wollen.

Scheitert der Versuch der Bildung der Regierung von der Deutschnationalen Volks- Partei bis zu der Sozialdemokratischen Par­tei, so muß alsbald über die Hinzuzie­hung nurder Deutschnationalen Volkspartei verbandelt werden. Auch

Wahlsieber.

wir sind der Auffassung, daß deren' bisherige Stellungnahme noch der Ergänzung und Klä­rung bedarf. Wir hoffen, daß die Deutschna- tivnale Volkspartei in der Lage ist, ihre Mit­wirkung zum Regierungsprogramm in loya­ler Durchführung der außen- und innerpoli­tischen Notwendigkeiten zuzusagen. Erfüllt sich diese Erwartung, so darf die Regierungs­erweiterung durch ihre Hinzuziehung nicht an prinzipieller Ablehnung durchFraktidnenderMitteschei- tern. Angesicht der Haltung eines Teiles der Presse der Zentrumspartei und der Deutschdemokratischen Partei wird man er­warten dürfen, daß die Sitzungen der beiden Fraktionen die notwendige Klärung bringen.

Auf Grund der nach den Maiwahlen zwi­schen den Fraktionen und zuletzt vom Kanz­ler geführten Verhandlungen über die Re­gierungsbildung mit der Deutschnationalen Volkspartei und nach der dieser im August von Zentrumsvertretern gemachten Zusage dürfen wir bestimmt annehmen, daß die bei­den Parteien sich einer Erweiterung der Reichsregierung nach rechts nicht grundfätz- lich versagen. Sollte dies dennoch geschehen, so würde sich die Deutsche Volkspartei ihre Handlungsfreiheit vorbehalten."

Inzwischen ist in den Verhandlungen bis zur Zusammkunst der Fraktionen eine Pause eingetreten. Die Fraktionen beabsichtigen Mitte dieser Woche ihre Enffcheidung zu treffen. Die deren Seite hin ein positives Ergebnis heraus­kommen wird, sind nur gering. In parlamenta­rischen Kreisen herrscht kaum ein Zweifel da­rüber, daß sich die Idee der großen Volksge­meinschaft, an der der ReichskanAer noch im­mer festhält, nicht verwirklicht. Einer Erweite­rung des Kabinetts nur nach rechts stellen aber die Mittelparteien ebenso große Schwierigkeiten entgegen. Auf der bisherigen Basis wird sich die Regierung aber auch nicht behaupten können. Kein Wunder, daß die Reichstagsauf­lösung vielen als einziger Ausweg aus der gründlich zerfahrenen Situation erscheint.

Jede Partei gibt sich natürlich nach außen hin den Anschein, als ob sie Neuwahlen nicht zu scheuen hätte. Im Grunde ist man sich be­reits auf allen Seiten darüber klar, daß auch das Experiment einer Reichstagsauslösung seine großen Bedenken hat. Aus dem Zentrum heraus wird der Gedanke einer gleichzeitigen Wahl zum Reichstag und zum Preußischen Landtag propagiert. Man erblickt darin eine vereinfachte Lösung der gesamten politischen Probleme. Die Session des preußischen Land­tages geht regelrecht spätestens im Februar 1925 zu Ende.

Sollte es sich bewahrheiten, daß die Sozial­demokraten, wie man von ihnen behauptet, im Verfolg ihrer bisherigen Taktik bei den bevor­stehenden Verhandlungen über die drei bisher formulierten Fragen hinaus noch weitere Be­dingungen vorzubringen und eine Stellung­nahme zu diesen nicht nur von den Deutsch- nationalen, sondern auch von der Deutschen Volkspartei zu verlangen beabsichtigen, so würde ein neues Erfchwerungsmoment geschaf­fen sein. Darauf kommt es der Sozialdemokra­tie in der Hauptsache an, denn daß ihre Bereit­willigkeitserklärung für die große Koalition rein taktischen Beweggründen entsprungen ist, darf wohl als ausgemacht gelten.

Die zunehmende Gereiztheit, die sich in den letzten Tagen zwischen d'er Deutschen Volkspar­tei und den übrigen Regierungsparteien be­merkbar gemacht hat, tritt in der Presse heute stark in die Erscheinung. Die Berliner demo­kratischen Blätter greifen das neue Manifest der Deutschen Volkspartei, in welcher sie die unver­zügliche. Durchführung der Regierungsumbil­dung fordert, heftig an und werfen der Partei vor, daß sie sib zum Schrittmacher der Reaktion mache und Sabotage an der Volksgemcui -aft übe, und suchen sie mit der Verantwortung zu belasten für den Fall, daß infolge der deutschen Regierungskrise die außenpolttischen Verhand­lungen, die zurzeit in der Schwebe sind. ^ßr- det werden sollten. Teilweise treten die Strei­tigkeiten bereits sehr auf das persönliche Gebiet herüber. Gegensätze, die namentlich in der Be- «bandluna der KrieasfÄul^fra-ge zwischen dem

Kanzler und Dr. Stresemann bestanden 'haben, werden von neuem 'aufgeuollt. In einer Po­lemik des Berliner Zentrumsorgans gegen die natioalKberale Korespondenz droht dieGer­mania" mitEnthüllungen". Es ist nur zu Hofe n, daß derartige Methoden nicht Play grei- en und daß man sich zu einer sachlichen Gm- techiu^ zurückfindet. Denn wenn man die ver- ' chieoene Aeußerungen in der heutigen Mv-r- genpresse liest, so hat man fast den Eindruck, als ob wir -bereits heute im Wa c^Oampf stünden.

Aufmarsch zu -en Hessischen Sand- lagsmahleu.

Demokratischer LandeSauöschutz.

Frankfurt, 5. Okt. Hier tagte heute der Landes- auSschuß der Deutschen Demokratischen Partei Hessens, der sich mit den bevorstehenden LandtagSwahlen be­schäftigte.

Das einführende Referat erstattete Fmanzmknister Henrich. Er gab für den Wahlkampf die Parole für die derzeitige Koalition aus Sozialdemokraten, Zentru^ und Demokraten aus. Der Landesausschutz beschl die Aufstellung von drei provinziell gegliederten Liste die Kandidaten werden von den Provinzicklvereinne nominiert. Der Rest der Tagung war den Fragen der Agitation gewidmet. Gegen den Bürgerblock wurde folgende Entschließung gefaßt:Die Deutsche Demokratische Partei Hessens lehnt den Bürgerblock ab, weil er zur Durchführung der Außenpolitik unge­eignet ist und das Volk in zwei Klassen von Staats­bürgern trennt. Sie erwartet von der Demokratischen Reichtagsfraktion, daß sie sich an einer einseitigen Erweiterung der Regierimg durch die Deutschnationalen nicht beteiligt und hält für den einzig möglichen Ausweg aus der jetzigen parlamentarischen Situation die Auflösung des Reichstags^. Weitere Entschlie­ßungen fordern Deutschlands Eintritt in den Völker­bund, die Revision des Falles Fechenbach und da AuSsührungsgesetz zu Artikel 48 der Rcichsverfassung

Keynes gegen den Dawesplatt.

London, 4. Oktbr. Der bekannte Volks­wirtschaftler Keynes stellt in einem Aufsatz in der Nation folgende vier Fragen:

1. Ist die Anleihe ein wesentlicher Teil des Sachverständigenplans ?

2. Wird die Anleihe eine unmittelbare und große Wirkung auf die Stärkung der deutschen Konkurrenz auf dem internationalen Markt aus­üben?

3. Ist die Anleihe eine gute Kapitalsanlage?

4. Löst der Dawesplan das Reparations­problem ?

Die erste Frage beantwortet er damit, daß man für die Erklärung der Anleihe nur psycho­logische Momente gelten lassen könne. Die zweite Frage wird verneint. Die dritte Frage kann nach Keynes erst nach dem Bekanntwerden der Anleihebedingungen beantwortet werden. Auch die vierte Frage verneint Keynes und führt hierzu u. a. noch aus: Der Dawesplan gewähre Deutschland keine Erholungsfrist. Auch die Durchführbarkeit des Sachoerständigenplanes sei zweifelhaft, denn er errichte ein System, das weder mit der Zivilisation, noch mit der menschlichen Naturvereinbar wäre. Erbringe eine ausländische Kontrolle über das Bankwesen, das Transport- und fiskalische System Deutschlands, die nur den Zweck habe, das deutsche Volk bis auf den letzten Schweißtropfen auszubeuten. Unter diesen Umständen werde es jeder patrio­tische Deutsche als seine Pflicht betrachten, in Zu­kunft alles zu tun, um dieses System zu beseitigen. Das Deutsche Reich werde stets nur sehr mäßige Summen, die seiner Zahlungsfähigkeit und dem Grundsatz der freiwilligen Leistung entsprächen, bezahlen. Der Dawesbericht versuche aber mehr zu erreichen als dies, und aus diesem Grunde werde er fehlschlagen.

Amerika lehn! die Einmischung des Völkerbundes ab.

Washington, 5. Okt. Bei her Enthüllung des Denkmals für die im Weltkriege Gefallenen der ersten Division der amerikanischen Armee, die als erste nach Frankreich ging und als letzte Deutschland verlassen hat, erklärte Coolidge, in den auswärtigen Beziehungen müsse der Friedensgedanke zur Geltung gebracht werden. Er wies auf das Verlangen Amerika? bin, Mitglied des Weltgerichtshofe? zu werden und die Ab­rüstung weiter zu fördern, erklärte jedoch, daß Simerita nicht beabsichtige, eine andere Macht oder eine Gruppe von Mächten mit der Vollmacht auszusiatten, für Amerika Entschlüsse zu fassen.

New Mork, 5. Okt. Die Beschlüsse der Völker­bundes in Genf erwecken tn den Vereinigten Staaten allgemeines Interesse und werden in der gesamten Presse redaktionell besprochen. Die demokratische Treffe als Worthalterin Wilsonschen Ideen stimmt tcilwciie begeistert zu. Hingegen ur- teikn die republikanischen Blätter völlig ablehnend und bewegen sich auf der von Coolidge angegebenen Linie.

DieChicago Daily Tribune" warnt unter der Ueberschrist:Der Völkerbund gegen Amerika" vor dem Eintrit in den Völkerbund, wo Fremde über ame­rikanische Lebensfragen entscheiden würden. Die Washington Post" betont, daß es unmöglich sei, einer fremden Organisation Befugnisse über ameri* dänische Belange zu übertragen. Das stehe im Wiederspruch mit der Verfassung. DieNew Dark Tribune" bezeichnet Has Genfer Protokoll als eine Drohung gegen Amerika.Philadelphia Public Ledger" ist empört, daß der Völkerbund sich anmaße, über das amerikanische EinwanderungSgesetz und andere für Amerika vitale Fragen zu entscheiden. Das Blatt bezeichnet die von dem französischen Wortführer aus­gesprochene Hoffnung, daß Amerika am Völkerbund als Mitglied teilnehmen werde, all eine Frechheit.

Vor englischen Neuwahlen.

London, 6. Okt.Daily Herold" zufolge ist man in politischen Kreisen der Ansicht, daß die am Mittwoch stattsindende Oder­hausdebatte über den konservativen Mitz» trauensantrag wegen der Durchführung der Anklage gegen die Stedaktion des Kommu­nistischen Blattes und über den liberale« Abânderungsantrag zu Neuwahleu führen werde. Macdonald wird auf der morgigen Zusammenkunft der Arbeiterpartei in London eine wichtig« Rede über die Lage halten.

London, 5. Okt. Lord Beyverock tritt in der Sunday Expreß" für die Regierungsübernahme der Konservativen ein und zwar ohne Neuwahlen, denen sich das Land widersetze und die keine grundlegende Aenderung in der parlamentarischen Lage hervorbringen würden. DieSunday Times", die ebenfalls erklärt, daß das Publikum gegen die Neuwahlen sei, da es von ihnen nur die Bestätigung des augenblicklichen Partei- %WA erwarte* _O Mpch die Neuwahlen für unvermeidlich.

Pariser Sensalionen.

Paris, 4, Okt. DasJournal" veröffentlich? Heute eine ganz phantastische Geschichte aus Maret in der Umgebung von Paris. Dort soll . ' ein Mjähriger Franzose namens Plouin Mitte September verhaftet worden sein, weil er beschuldigt wird, Versuche gemacht zu haben, die Pferde der französischen Rheinarmee zu ver­giften. In dieser mystischen Angelegenheit spiele auch ein Berliner Journalist W., der nicht näher bezeichnet wird, eine Rolle, ferner sollen Briefe beschlagnahm worden sein, die Plouin cm den deutschen Generalstab (?) richtete. Angeblich handelt es sich darum, Gift in das Heu und das Stroh zu mischen, das Plouin für die Rhein- armee lieferte, um dadurch das Attentat auszu­führen. Die ganze Angelegenheit erscheint nach dieser Darstellung ziemlich mysteriös, wird aber natürlich in Frankreich großes Aufsehen er­regen.

Paris, 4. Okt. Ueber b^e mysteriöse, bereits gemeldete Angelegenheit des Armeelieferanten Plouin wird heute abend vomTsmps" aus­führlich berichte. Hieraus -geht hervor, daß Pl-ouin schon seit beim Jahre 1916 verdächtigt war. Er wurde von dem gegenwärtigen Spio­nagedienst des Generalstabes und ber Kriminal­polizei überwacht. Er soll damals schon von Zürich aus Vorschläge zur Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Leut^land gemacht haben. Im Juli d. I. erhielt die Kriminalpolizei drirch den Grenzdienst Kenntnis davon, daß er in Köln und Berlin der deutschen Regierung neue Vorschläge gemacht hätte, um die deutsche Regierung für den Ruhrkampf scharf zu machen. Plouin ist 43 Jahre alt und wohnt, wie fchon berichtet, in MEt im Departement Seine et Marne und versuchte jetzt die gesamten Pferde der französischen Bösatzungstruppen am Rhein zuvergiften". AuH'erdem soll er in Paris der deutschen- Spionage (?) seine Dienste angeboten haben. In feiner Wohnung wurden, wie be­richtet, anscheinend eine ganze Reihebetten­der Schriffftücke" beschlagnahmt. Im übrigen schweigt sich die französische Kriminalpolizei über die ganze Angelegenheit fast vollständig aus. Eine Angelegenheit, die ebenfalls großes Auf­sehen erregt, wird heute abend ausMètz gemeldet: Zu Beginn des Jahres hatten das dortige Kriegsgericht einen ehemaligen deutschen Offizier namens Kepi in contumaciam zu zehn Jahren Verbannung verurteilt, da ei während des Krieges verschiedene Dieb­stähle begangen haben soll. Nunmehr wird bekannt, daß dieser ehemalige deutsche Offizier niemand anderes als der frühere stellvertretend« Bürgermeister von Straßburg und der gegen- wäriige Generalsekretär der Bürgermeisterei von Hagenau ist. Außerdem ist er einer der,