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Hanauers Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana« a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287 und 1238.

B er u g s v re i s für die 2 Wochen vom 22, Sevt. b. 4. Okt. 1 Goldmark ohne Trägerlohn. Einzel- nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Goldofennig. Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldofennig. für dis R e kl a m e z e i l e (68 mm) 59 Goldofennig O f f e r t e n a s b ü b r 30 Goldofennig Geschäftsstelle Hammerstraße 9.

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Kr. 234

Samstag den 4. Oktober

1924

Die Parteien bei

Die vom Reichskanzler eingeleiteten Be­sprechungen über die Frage der Regierungs­erweiterung sind gestern fortgesetzt worden. Um 11 Uhr empfing der Kanzler die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Müller-Franken, Wels und Dr. Hilferding. Ueber diese Be­sprechung ist folgende Mitteilung vereinbart worden:

In der Aussprache, die heute vormittag zwischen Führern der sozialdemokratischen Fraktion und dem Reichskanzler über die Frage einer Regierungsumbildung stattfand, wurde von sozialdemokratischer Seite fest gestellt, daß die sozialdemokratische Partei sich bei der Entscheidung über die Frage der Erweiterung der Reichsregierung nicht von parteitaktischen Erwägungen bestimmen lasse. Ohne der Stellungnahme der sozialdemokrati­schen Fraktion vorgreifen zu wollen, wurde be­tont, daß eine grundsätzliche Ableh­nung der Erweiterung im Sinne des Reichskanzlers von seiten der So­zialdemokratie nicht in Frage komme, daß aber vor abschließender Stellungnahme völlige Klarheit geschaffen werden müsse über die Hal­tung der Deutschnationalen zum Schutze der republikanischen Reichs­verfassung, zur Durchführung des Washing­toner Abkommens und zu den entschei- venden Fragen der deutschen Außenpolitik.

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Die Eoz eld-mokraren scheuen offenbar aus taktischen Gründen den Vorwurf, daß sie die MkwJ|ü Mit dM grundsätzlich ablehnen. Nach den völlig eindeutigen Erklärungen ihres Parteiorganes erscheint dies jedoch als vergebliches Bemühen.

Nachmittags erschienen in der Reichskanzlei die deutschnationalen Verhandlungsführer Hergt, Graf Westarp, Schiele und Behrens zu der Bespechung mit dem Kanzler. Vom Kabinett wohnten der Aussprache außer dem Kanzler der Vizekanzler Dr. Jarres, der Außenminister Dr. Stresemann und Ernährungsministev Graf Kanitz bei.

Ueber den Verlauf der Verhandlungen meldet der amtliche Bericht:

Heute nachmittag fanden die Besprechungen zwischen den Beauflagten der deutschnationalen Reichstagsfraktion und dem Reichskanzler über die^geplante Erweiterung der Reichsregierung

Die deutschnationalen Vertreter bezeichneten den Plan der Einbeziehung der So­zialdemokratie in die Regierung als eine völlig neue Tatsache. Die bei einer Er­weiterung der Regierung in Betracht kommen­den Gesichtspunkte wurden eingehend be­sprochen.

Die endgültige S t e l l u n g n a h m e zu den erörterten Fragen wird die deutschnationale Reichstagsfraktion ebenso wie die Fraktionen der anderen Parteien in der nächsten Woche treffen."

Die anschließende Kabinettssitzung beschäftigte sich nicht mit der Regierungsumbil­dung, sondern mit anderen Dingen.

Ueber dein Verkauf der Verhandlungen in der Reichskanzlei wird von gutunterrmueter Seite noch folgendes gemeldet:

Wenn die deutschnationalen Vechandkunas- fuhrer die geplante EiNbeziehUna der Svzial- demarraten in die Rsichsregierung alseine neue a t f ach e' bezeichneten, so sei das so aufzufassen: Sw Vechandlungsführer hatten E chrer Fraktion nur Vechandkungsvollmâ am Grund derjenigen Tatsachen, die bis zum Dienstag, wo die Fraktion auseinander ging, vorlagen. Sias Anerbieten der Semiten Dolkspartül steht immerhin auf ganz anderer Basis als das Programm von Marx, das erst amMittwocd durck das bekannte Interview in Die Oeffentlichkeit getragen wurde.

Der Kanzler hat gestern den deutschnatio­nalen Delegierten weder die von den Sozial- vemovraten an sie gerichteten sogenannten G e - w t s f e n s s r a g e n vorige! egt, noch hat er an sie das Ansinnen gerichtet, die Vergangen- Heitspolitik bis zur Londoner Konferenz zu akzeptieren. Die DeutschnauonÄen scheinen übrigens auf dem Standpunkt zu stehen^ daß man scharf unterscheiden müsse Mi­schen der Dergaingenheitspolitik und der Cini-

m Reichskanzler, gung über das, was weiter zu geschehen habe. Nach ihrer Ansicht ist eine Prüfung ihrer Ge­sinnung gegenüber der VevgangeicheitspMtik etwas ganz Ueberflüssiges. Wohl aber ist eine Einigung über das, was jetzt zu ge­schehen hat, nicht allein notwendig, sondern nach den Erklärungen der DeutschnaUonalen Volkspartei auch k e inesfalls schwieria.

Die Eröffnungen des Kanzlers über feinen Man scheinen im übrigen die Deutschnationalen chon deswegen abgesehen von ihren be- chrankten Vollmachten zur Zurückhaltung bewogen zu haben, weT sich in keiner Weise übersehen läßt, wie sich das Kabinett die Zu­sammenarbeit mit den Sozialdemokraten in den politischen Hauptfragen denke. Hierüber seien vom Kanzler nach der Auffassung der Deutschnationalen keine klaren und substanti­vierten Angaben gemacht worden. So z. B. nicht über die konfliktreiche Frage der christ­lichen Volksschule, über die Zollpolitik und andere außerpolitische Fragen.

Die Deutschnationalen erklärten, trotz der zurzeit noch ersichtlichen Schwierigkeiten eines Zusammenarbeitens mit den Sozialdemokraten, in ihrer Fräktionssitzung am Mittwoch, den ganzen Fragenkreis sorgsam prüfen zu wollen. Am gleichen Tage tagten Zentrum, Deutsche Volkspartei und Sozialdemokraten, am Diens­tag schon die Demokraten.

Aeußerungen des Reichskanzlers.

London, 3. Oktbr. Der Reichskanzler betonte in einer Unterredung mit dem Berliner Sonder­berichterstatter desDaily Expreß" in London die Frage der Reparationen Fr von einem rein ge­schäftsmäßig wirtschaftlichen Standpunkt aus be­trachtet und dem politischen Hader entzogen worden. Das deutsche Volk sei bereit, die schweren Lasten, die ihm der Dawesbericht auferlege, bis an die Grenze des Möglichen auf sich zu nehmen in .der Erkenntnis, daß es gelte, durch Sammlung aller Kräfte und Aufbringung einer kollektiven Leistung des ganzen Volkes das eigene Vaterland in ab­sehbarer Zeit frei zu machen. Auch liege sowohl der deutschen Regierung wie dem deutschen Volk daran, die gemeinsame Arbeit zur Befriedung der Welt in demselben Geiste fortzusetzen, wie sie in London begonnen worden sei.

Das deutsche Volk habe hierbei bisher keinen Grund gehabt, eine Beteiligung an dem Völker­bund zu erstreben, von dessen Leistungen es natur­gemäß nur für Deutschland Negatives empfand. Daß der Völkerbund in wichtigen Fragen auch positive Arbeit leiste, werde wohl von einzelnen erkannt. Doch könnte man von der großen Masse des deutschen Volkes nicht erwarten, daß es an­gesichts der Entscheidung über Oberschlesien, um nur ein Hauptbeispiel herauszugreifen, besonders geneigt wäre, durch die Mitglied­schaft im Völkerbund Aktionen zu sanktio­nieren, deren Kosten das deutsche Volk selber zu zahlen hatte. Nachdem nunmehr das Repara­tionsproblem geregelt sei, glaube die deutsche Re­gierung angesichts der wichtigen Fragen, die der Entscheidung des Völkerbundes unterlägen, ihre bisherige Haltung aufgeben zu müssen. Die deutsche Regierung habe es jedoch für eine Pflicht der Auf­richtigkeit gehalten, bevor sie ihren Antrag zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund "stellte, sich Gewißheit über einige Punkte zu verschaffen, deren Bedeutung für die zukünftige Stellung Deutschlands zum Völkerbund ausschlaggebend sei Diese Punkte habe die deutsche Regierung in einem Memorandum formuliert, welches den im Rate des Völkerbundes sitzenden 10 Nationen zugestellt wurde. Die deutsche Negierung verlange auf dieses Memo­randum weniger eine bestimmte Zu- oder Absage, sondern betrachte es als eine einseitige Erklärung, die sie aus Gründen der Loyalität vor Stellung des Antrages abgeben zu müssen glaubte. Ueber die einzelnen Punkte des Memorandums sei in der Oeffentlichkeit viel gesprochen worden.

Deutschland liege un wesentlichen daran, seine zukünftige Stellung als Hauptmacht anerkannt zu sehen. Die deutsche Regierung tönne nicht umhin, ihre Besorgnis über die Anwendung einer dem britischen Recovery Act analogen Sondersteuer in anderen alli­ierten Ländern auszudrücken. Nach Auffassung der deutichen Regierung lasse sich diese einseitige Repara- tionseintrcibung nicht in Einklang mit den Bestimmun­gen des Tawesplancs bringen. Der Dawesplan lege ganz besonders Gewicht auf die Frage der llebertra- gung von Reparationsleistungen aus Deutschland auf die reparationsberechtigten Länder. Bei dieser Ueber- tragung sei größte Rücksicht auf die Stabilität der deutschen Währung zu nehmen. Aus den in Deutsch­land auskomnienden Markbeträgen, die für Reparations- zwecke zur Verfügung stündcip dürfen nach Ansicht der Verfasser des DawesplancS fremde Devisen nur in dem Maße erworben werden, als nicht eine Erschütter­ung der dentschen Währung zu befürchten sei. Die Anwendung des Recovery Act dagegen durch eine An­zahl, ja vielleicht Mehrzahl der reparationsberechtigten

Länder würde in den Konsequenzen dazu führen, daß ein Devisenbetrag in Höhe von mehreren hundert Millonen Goldmark der deutschen Wirtschaft von vorn­herein entzogen werde, daß die deutsche Regierung die entsprechenden Summe« im Innern zur Entschädigung der deutschen Exporteure aufzubringen hätte, und daß dadurch die deutsche Reparationsfähigkeit sowohl in hohem Grade geschwächt würde als auch neue Gefahren für die Stabilität der deutschen Währung herausbe­schworen werden.

Eine neue Aklenpublikativn.

WTB. meldet: Am 20. Oktober d. Zs. wird im Auftrage des Auswärtigen Amtes, herausgegeben von Friedrich Stieve, im Verlage der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin eine neue vierbändige Aktenpublikation zur Vorgeschichte des Weltkrieges erscheinen. Diese Publikation faßt unter dem ArtikelDer diplo­matische Schriftwechsel Iswolskis" das gesamte bisher erreichbare geheime Dokumentenmaterial der russischen Staatsarchive über die Beziehungen zwischen dem zaristischen Rußland und der französischen Re­publik der Zeit 1911 bis zum 30. Juni 1914, d. h. vom Beginn der Botschafter-Tätigkeit Iswolskis in Paris bis zum Morde von Serajewo zusammen.

Die Anlwork auf das DölKerbunds- Memorandum.

Paris, 4. Okt. Ueber die Absendung einer ge­meinsamen sranzösisch-englisch-belgischen Antwortnote an die deutsche Regierung in der Frage des Völker­bunds-Memorandums werden heute unmittelbar nach Rückkehr Herriots aus Lyon Besprechungen stattfinden. Wenn die Absicht, eine einzige Antwortnote abzu- schicken, sich als undurchführbar erweisen sollte, so be­steht auf französischer Seite, wie zuverlässig gemeldet wird, der lebhafte Wunsch, daß gleichlautende Ant­worten von den drei Regierungen an Deutschland ge­richtet werden. DerTemps" setzte sich gestern abend mit wesentlichen Punkten des deutschen Memorandums auseinander und versucht, die Antwort der Mächte varauszmaaen: Es steht, fest, daß die Regierungen die Bitte Deutichlands um Schaffung eines Sitzes int Völkerbundsrat nicht abschlagen werden, wenn Deutsch­land den Antrag auf Aufnahme vorschriftsmäßig stellen wird. Zu den Mandaten über die früheren deutschen Kolonien bemerkt derTemps", daß diese Frage nicht dem Völkerbund angehe. Das Blatt fährt fort: Selbstverständlich kann eine Ableugnung der Schuld am Kriege nicht geduldet werden und der Paragraph des Versailler Vertrags, der feftfteHt, daß Deutschland und feine Verbündeten ihre Verantwort­lichkeit zugeben, woraus sich die Reparationsverpflich­tungen ergeben, muß in seiner gesamten Tragweite aufrecht erhalten bleiben. Die deutsche Regierung hat cs in der Hand zu bestimmen, ob Deutschland in den Völkerbund eintreten will, wenn sie den Pakt in der Form unterzeichnet, wie er für sämtliche Mitglieder­staaten des Bundes besteht.

Diese Auslassungen desTemps" können, wenn sie sich auch zum größten Teil mit den Ansichten der Pariser Diplomatie decken, nicht a s offiziös gelten. Es ist zu beachten, daß sich das Blatt seit dem Aus­scheiden seines bisherigen Leitartiklers Jean Herbette immer mehr in der Richtung der Opposition orientiert.

Die Schlußsitzung des V3!kerbmrdsra!es.

Genf, 4. Okt. Der Rat des Völkerbundes beschloß int Verlaufe seiner gestrigen Vormittagssitzung nach Nilhören des Berichtes des Italieners Salandra seinen Vorsitzenden zu beauftragen, im Einverständnis mit den Mitgliedern des Rates eine Kommission von Juristen einzusetzen, die eine Stelle in der Sicherheits-, Schiedsgerichts- und Abrüstungsfrage zu dem Zwecke prüfen soll, daß damit die Form von Zusatzanträgen zuni Völkerbundspakt gegeben wird. Ueber die Frage der Grenzrcgeluug zwischen Albanien und Jugoslawien, die abermals zur Sprache kam, berichtet der albanische Delegierte: Der Rat beschloß, die Botschastcrkonfercnz zu ersuchen, die Festsetzung der albanischen Grenze nach Möglichkeit zu beschleunigen und unter allen Umständen noch vor Beginn des Winters festzulegen. Beiden interessierten Staaten wird dringend ge­raten, sich zu diesem Zeitpunkt für die Ausrechterhal- tuug der Regelung an den Grenzen zu sorgen und jeden lokalen Streit in einem Geiste der Versöhnlich- Uchkeit zu prüfen. Als letzter Gegenstand der Tagesordnung ivurden die Vorbereitungen für die internationale Abrüstungskonferenz getroffen. Von dem tschecho - slowakischen Außenminister Dr. Benesch wurde ein langer Bericht herausgegeben, der schon in einer geheimen Sitzung von gestern vormittag Gegen­stand der Aussprache genieselt war, und nunmehr vom Rat angenommen wurde. Der Rat beschließt, dem Bericht zufolge ein Komitee zu ernennen, dem die 10 Mitglieder des Rates oder einige Ersatzmänner angehören sollen. Dieses Komitee wird zum ersten Male am 10. November zusammentreten unb einen allgemeinen Plan seiner Arbeit entwerfen. Der General­sekretär wird beauftragt, die im Rat nicht vertretenen Mitglieder aufzuforvern, ihre Auregungen dein Komitee zur Kenntnis zu bringen. Um die Arbeiten ces Komitees zu erleichtern, wird die nicht zuständige Abrüstungs-Kommission in einen Sachver- ständigcn-Nusschnßvc>.wanvelt, der aus demKomitee und einer Diethe Don Beisitzern bestehen wird. Als Letztere sind vorgesehen, je 2 Mitglieder der wirtschaftlichen, der finanziellen und der Lerkebrsksmmission des

Völkerbundes, 6 Mitglieder der ständig beratenden Militär-Kommisflon, weitere 4 Mitglieder des Verwal« tungSrates, des internationalen Arbeitsamtes und zwar 2 Vertreter des Arbeitsgebers- und 2 Vertretet des Arbeitnehmer-Verbandes, sowie juristische und andere Sachverständid«. Der Rat selbst behält sich baS Recht der Entscheidung in allen Fragen vor.

Nach Erledigung diese? Dunstes der Tagesordnung wurde die 30. Sitzungsperiode des Rater von deck Vorsitzenden Hy man ns für beendet erklärt. Wie bestimmt verlautet, wird der Rat seine nächste Sitzung, die am 7. Dezember beginnt und etwa 810 Tage dauern wird, in Rom abhalten. Der Rat beabsichtigt damit, einem Wunsche der italierüschen Regierung nach« zukommen.

Amerika und die Genfer Beschlüsse,

Washington, 4. Okt. Der diplomatische Mit­arbeiter DerWashington Post" berichtet: Es war schon sei geraumer Zeit bekannt, daß Japan und Frankreich Hand in Hand gehen. Offenbar sei ein Einvernehmen erzielt worden, das im wesentlichen darauf hinauslaufe, daß Japan und Frankreich sich allen Landabrüstungsplänen entschieden widersetzen werden. Der einzige Fortschritt zu einer Abrüstung sei auf der Konferenz in Washington erzielt worden. Die Konferenz, die jetzt der Völkerbund plane, werde schwerlich ebensolche praktischen Ergebnisse erzielen. Gerade darum aber hätten Frankreich und Japan Interesse daran, der von Coolidge geplanten neuen Konferenz in Washington zuvorzukommen. Die zu­ständigen Stellen des Staatsdepartements lehnen eS ab, irgendwie öffentlich zu den Beschlüssen des Völker- bnndes in der Schiedsgerichts- und Sicherheitsftage Stellung zu nehmen. Die Gegner des Völkerbundes erklären, Amerika würde sich nie und nimmer eine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten etwa durch Aufrollung der Einwanderungsfrage von außen her gefallen lassen. Noch viel weniger könne ernsthaft erwogen werden, daß Amerika etwa Truppenkontingente nach Europa senden sollte, um an einer Militär­exekution des Völkerbundes gegen irgend ein Volk teilzunehmen. Kurz, das ganze Genfer Protokoll, wie cs ^tzt oorliegt, sei für Aeierila »»n A bis Z -an- diskutabel.

Der Transfer-Agenl gegen die 26prvzeniige Abgabe.

Die Erhebung der 26prozentigen Reparations« abgabe durch Frankreich hat auch in Kreisen, die dem Transfer-Agent nahestehen, lebhafte Be­unruhigung hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß durch die Erhebung dieser Abgabe die Durch­führung des Dawes-Planes in höchstem Maße ge­fährdet erscheint, um so mehr, als sich eine ganze Reihe anderer Staaten dem Vorgehen Frankreichs anschließen wollen. Damit dürfte der Transfer- Agent den Standpunkt teilen, den die deutsche Re­gierung in ihrer bekannten Note an Frankreich zum Ausdruck gebracht hat. Der Transfer-Agent hat in der Tat auch bereits Schritte unternommen, um die französische Regierung zu einer anderweitigen Regelung zu veranlaßen.

Jarres will wieder Oberbürger­meister werden.

Dortmund, 4. Okt. Wie verlautet, hat det Reichslnnenminister Dr. Jarres den Wunsch ge­äußert, sein Amt niederzalegen und den früher von ihm bekleideten Posten eines Oberbürger­meisters von Duisburg wieder anzutreten. Die Besatzungsbehörde hat dem Minister zwar die Einreise in das besetzte Gebiet gestattet, ni^t aber die Wiederausnahme seiner Dienstgeschäste. Augenblicklich finden mit der Besatzungsbehörd« Verhandlungen über diese Frage statt, deren Verlaus als aussichtsreich bezeichnet wird.

Zum Mainzer Eisenbahnunglück.

Paris, 4. Okt. Ueber das Ergebnis der Unten suchung, 'die zur Feststellung der Verantwort- lichkeit für das Eisenbahnunglück im Mainzer Tunnel eingeleitet worden ist, verlautet heute, daß der deutsche Angestellte, der mit der Siche- rung des D-Zuges betraut war, bei seiner Ver-. nehmuug angegeben habe, daß er die nötige Zeit gehabt hätte, um das rote Licht anzustecken. Dieser Angestellte habe als Grund für seine Un­terlassung angegeben, daß er mit der Wieder­instandsetzung der Bremse beschäftigt gewesen sei. Gegen diesen Beamten soll mit aller Strenge vorgegangen werden.

Darmstadt, 4. Okt. Von unterrichteter Seitewird uns mitgeteilt, daß die von der fraw zösischen Regie als Grund für den Unfall ange­gebene Unterlassung der rückwärtigen Beleuch­tung des Tunnel zum Halten gezwungenen D- Zuges mit dem Unglück an sich garnichts zu tun habe. Der Personenzug durfte unter keinen Um« ständen dem D-Zug folgen, solange er nicht von. Mainz-Süd zurückgemeldet war. Eine Rücken-^ deckung eines plötzlich zum Halten gezmungenj gekommenen Zuges ist selbstverständlich vorge-, schrieben, so sie kann aber erfahrungsgemäß erst! nach dem fahrplanmäßigen Halten eines Zuaerh