200. Jahrgang.
Hanauer N Anzeiger
***r General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa a. M.
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Nr. 233 Freilag den 3. Oktober 1924
Maeöonalös Regierung gesöhröel.
London, 2. D®L Die gesamte Presse Mt Neuwahlen noch innerhalb des gegenwärtigen Jahres für wahr- scheinKch, manche Matter svMr^ für sicher. Der erste Eindruck war, daß der Sturz der Labour-Regierung zumindest als
höchst wahrscheiiMch angesehen werden muß, Moder nicht übersehen werden darf, daß Mac- dona ldnochverschiedeneAuswege ofsenbleiben, wenn er tat Amte bleiben will, daß aber nach meinen persönKchen Informationen ans Kreisen, die dem Ministerpräsidenten Mhestehen, dies nicht der ^Vf W. Jm Gegenteil, es scheint, als ob Macdonald sehr amtsmüde ist weil er sich zu! großen Schwierigkeiten ^gegenübersiehf, die sich immer mehr häufen und die ihn immer mehr von der Unterstützung der Liberalen abhängig machen, während sein linker Flügel immer vebelliger wird. Anderseits ist die Auswirkung der großen Triumphe, welche der Premier auf dem Gebiete der Außenpolitik zu haben tzvaubte, Nicht ein- getreten. Das Niveau der Partei hat sich noch Nicht so gehoben, wie man in Kabinettskreisen glaubte. Der russische Vertrag erwies sich nicht als Erfolgund die aus der Londoner Konferenz erfolgte Einigung ist den Vorgängern Macdonalds zum Teil zuzuschveiben, daß seine Partei zu früh ans Ruder kam und daß es besser gewesen wäre, zu warten, tos die Partei die absolute Mehrheit gehabt hatte. Was die Liberalen veranlaßte, schon setzt mit Bezug aus den mm neben Vertrag einen so be- stimnAen Standpunkt eiinzunehmen und schon annrkündigen, daß sie gegen die Regierung stimmen werde, ist schwer zu sagen. Es scheint aber, daß die Mèvalen Abgeordneten, welche während der Ferien mit ihren Wählerkreisen m Berührung traten, überall zu der Ueberzeugung gedrängt wurden, daß der russische Vertrag sehr unpopulär fei, besonders wegen der Anleihe. In liberalen Kreisen herrscht die Ueberzeugung, daß das neue veröffentlichte Programm der Labour-Party die eigentliche Ursache ist, weshalb die Führer der Liberalen zu der Ueberzeugung kamen, daß man mit der Arbeiterpartei nicht länger mehr Zusammengehen könne, weil die Regierung, getrieben von ihrem linke n Flüg el der Partei, gezwungen ist, mit der sozialistischen Gesetzgebung ernst zu machen. Aus diese Gefahr wollen die Liberalen sich nicht einla-üen. Der russische Vertra- wird als günstige Gelegenheit zu einem entschiedenen Bruch angesehen. Cs verlautet, daß sich während der gestrigen Versammlung der Liberalen wenig Opposition bemerkbar machte. Einige Mitglieder verlangten, daß der Be^luß definitiv sein müßte und- daß man nicht im letzten Augenblick gezwungen wäre, die Regierung noch einmal zu retten. Macdonald hatte in Derby gesagt, daß, wenn der Vertrag nicht angenommen werden sollte, wie er lautet, die Regierung an das Land appellieren würde. Er hatte vorher bei verschiedenen Gelegenheiten erMirt, daß der Vertrag eigentlich keine Garantie für die Anleihe enthalte, sondern nur als Vorvertrag » zusehen sei, und daß die Bedingungen, unter denen die Anleihe gewährt werden sollte, vom Unterhause festgesetzt werden könnten. Da liegt natürlich der Ausweg. Cs -fragt sich aber, ob der Premier ihn gehen will oder nicht, ob . er amtsmüde list oder ob er, wie einige Leute, darunter auch die „Times" glauben, mit Rücksicht auf die Versprechungen des Gewerkichafts- kongreffes immer noch hofft, bei den Wahlen âe entscheidende Mehrheit zu bekommen.
London, 2. Olf. Die Frage der Wehlaussichten Kldet weiterhin den Mittelpunkt der Presseerörterungen. „Manchester Guardian" nimmt an, daß die Regierung vielleicht schon in der nächsten Woche, sicherlich aber Ende der Monats bei dem Zusammentritt des Parlaments stürzen werde. „Evening Standart' hält es für möglich, daß aus der augenblicklichen Krisis eine liberale Regierung hervorgeht, falls der König infolge des durch die Annahme des konservativen MißtrauenS- antrageS veranlaßten Rücktritts der Regierung statt das Parlament aufzulösen Baldwin zur Regierungsbildung auffordert, und dieser dies angesichts der irischen Lage ablehnt. Aber auch in diesem Falle könnten die Neuwahlen nicht lange hinausgezögert werden. Die Liberalen würden nur solange im Amte bleiben, bis bie irische Vorlage angenommen sei und bis sie ein
Programm ausgestellt hätten, mit dem sie vor die Wählerschaft treten könnten.
Ein entscheidender Beschluß der Arbeiterpartei.
London, 2. Ott. In der innerpolitischen Lage ist plötzlich eine sensationelle Wendung eingetreten. In einer Fraktionssitzung der Arbeiterpartei wurde beschlossen, daß das von der Konservativem Partei angekündigte Mißtrauensvotum gegen den General staatsanwalt als ein Mißtrauensvotum gegen die ge- f a mte Regierung auszufassen sei. Die Partei erklärte sich dadurch mit dem Generalstaatsanwalt solidarisch. Gleichzeitig tagte unter Vorsitz von Asquith die Liberale Partei. Die Mehrheit der Partei ist entschlossen, für einen konservativen Mißtrauensantrag gegen den Generalstaatsanwalt zu stimmen, auch dann, wenn die Regierung die Erklärung abgeben sollte, daß sie die Annahme eines solchen Mßitrauensvotums als Anlaß zur Parlamens- auflösung ansehen werde. Das offizielle Or- gay der Arbeiterpartei erklärt, daß der Beschluß der liberalen Partei baldige Neuwahlen unver- weidlich zu machen scheinen. Macdonald würde dem König die sofortige Aistlösung des Parlaments anraten, falls das Unterhaus am nächsten Mittwoch das konservative Mißtrauensvotum annehmen mürbe. In diesem Falle würden Neuwahlen Ende dieses Monats erfolgen, tat Falle der Verwerfung des russischen Vertrages erst Ende nächsten Monats. Die Liberalen scheinen zu hoffen, daß die Re- gUriuqaiWija^ »
zu ihrem Rücktritt, nicht zur Auflösung des Parlaments führen würde. Regierungskreise glauben, daß hinter den Kulissen eine Art liberal-konservative Verständigung erfolgt ist, die es verursachen will, die Regierung über die relativ unwichtige Affäre des Justizministers zu stürzen, und daß eine neue Koalition zwischen Liberalen und Konservativen im Werden ist. Sie sehen den sich daraus ergebenden Kämpfen mit wenig Besorgnis entgegen.
London, 2. Okt. Wie Reuter meldet, besteht die Möglichkeit, daß sofort Parlamentsneuwahlen stattfinden werden. Ein Mitglied der Arbeiterpartei er» klärte heute, daß seine Partei in organisatorischer Beziehung hervorragend vorbereitet sei. Die Arbeiter würden den englisch-russischen Vertrag verteidigen.
Die Schlußsitzung in Genf.
(Einstimmige Annahme des Protokolls.
Genf, 2. Okt. In der heutigen Vormi-ttags- sitzung der Vollversammlung des Völkerbundes wurde zum Schluß das Protokoll über die Schiedsgerichts-, Abrüftungs- und Sicher^ sitr- frage von den 47 anwesenden Delegierten der hort vertretenen Rationen einstimmig, ohne Vorbehalte und ohne Stimmenthaltungen angenommen. Unter den Zustimmenden befand sich also auch büe japanische Delegation.
Der Versammlung wurden zwei Resolu- t-ivn-en vorgelegt, von denen die erste
1. die Eurpfehiung an bie Regierungen zur Annahme des Protokolls enthält;
2. die Aufforderung zur Unterzeichnung;
3. -soll ein Komitee des Völ-kerbundsrats ein» gefetzt werden, das die infolge dcs Protokolls hervo-rgeru'fenen Abänderungen zum Dö-lker- bundspakt beraten soll;
4. wird der Rat aufgsfordevt, alle Vorbereitungen zur Einberufung der Abrüstungs- kon-ferenz zu treffen.
Die zweite Resolution enthält Mte Anerkennung des Schiedsgerichts als eine obligatorische Institution.
Nach Schluß der Abstimmung über diese beiden Resolutionen wurde dann noch eine dritte Resolution vorgelegt, in der der Rai auf- gefordert wird, 1. tat Statons auf die bevorstehende Abrüstungskonferenz ' ein umfangreiches Abrüftu-ngspro-gramm <tafkellert, und 2. die Lage zu prüfen, in der sich „eine Reihe von Staaten gegenüber dem Abrüstungsprv- Mem -befinden; 3. wird diese Resolution, die Einrichtuna entmilitarisierter Zonen empfohlen.
Zu- dieser dritten Resolution machte jedoch der Präsident des Rates, Hymans, verschiedene Borhebatte, da die Derhandlun gsfreiheit des Rates nicht beseitigt werben dürfe.
Nachdem Präsident Motta f-estgsftelli batte, daß die Devhandlungssreiheit des Rats durch bie Annahme der Resolution nicht beeinträch
tigt und dies tat Derhandlungsbevicht der Der- fommlung verzeichnet werden soll, nahm- die Versammlung auch die dritte Resolution an. Graf Meusdorf fOesterve-ch) schlug vor, den englischen und den französischen Mmperpräsi- deuten teleg-ranhisch von dem Abstimmungsergebnis zu vevständ-ögen. Auf Vorschlag M-ot-tas soll den im Rat staiMg vertretenen Staaten eine derartige Mitte'iilnng zugestellt werden. Darauf vertagte sich die Verfammlung auf heute nachmittag, um bitte Wahl der nichtständigen RatsmAglieder vorzunehmen.
Die Verhandlungen der Parteien mit dem Kanzler.
Als Anstatt zu den Derhandlungen der Parteien mit dem Reichskanzler über ^e ^rage der Regierungserweiterung fanden am Donnerstag vormittag getrennte Sitzungen der Fraktionsvorstände der Regierungsparteien statt. Nachmittags fand dann in der Reichskanzlei eine Aussprache zwischen dem Führer der Regierungsparteien und dem Reichskanzler statt. Erschienen waren vom Zentrum Stegerwald und Spahn sowie von Guerard, von dec Deutschen Volkspartei Dr. Scholz und Dr. Curtius, von der Demokratischen Fraktton Erkelenz. Haas und Keinath. Von der Regierung nahmen außer dem Reichskanzler, dem Vizekanzler Dr. Sattes auch Dr. Stresemann, Reichswirtschafisminister Hamm und der Reichsminister für Ernährung unb Landwirtschaft Kanitz teil. Die Verhandlungen dauerten von 5 Uhr nachmittags bis 7^ Uhr abends. Die Absicht des Reichskanzlers, zum Zwecke der Verbreiterung der Reichsregierung Verhandlungen mltderDeuls^natio- naten V olksparlei unb der S o- zialdemokratischen Partei aufzu- ULhuEU, wurde OchLW. Dou dem Ergebnis dieser Verhängungen wird der Reichskanzler den Führern der Regierungsparteien Mitteilung machen.
Wie wir schon mitte^Men, wird bet Kanzler am Freitag vormittag um 11 Uhr die ^riat» demokratischen -erhcmdlnngssühver und am Di-achmittgig um 5 Uhr die deutschnotionalen Unterhändler empfangen. Es ist anzunehmen, daß noch am gleichen Abend eine kurze Mittei- lung des (Ergebnisses an die Regierungsparteien erfolgt. Eine Besprechung des Kabinetts ist gleichfalls vorgesehen. Diè erneute Aussprache mit den Führern der Koalitionsparteien dürfte frühestens am Sa-mstag stattfinden, da diese naturgemäß über ihre Stellungnahme zu dem ihnen vom Kanzler mitgeteilten Ergebnis feiner Konferenz mit den Deuts-chnationalen und Sozialdemokraten eine Befragung ihrer Fraktionen vorzunehmen wünsche werden, um über die Stimmung in ihren Kreisen möglichst unterrichtet zu sein.
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Eine dem Z ent rum nahestehende Korrespondenz schreibt zu den Mitteilungen über eine Aufgabe der jetzigen preußischen Regi-e- rungsko-nstellation, die im Zusammenhang Mit den Erörterungen über die Regierungsumbildung im Reiche -aufgetaucht sind: Die preunif-che Zentrumsfraktion sehe in diesem gegenwärtigen Augenblick keine De ran-la ssung, die Grundlagen der preußischen Regierung aufzugeben.
Die deutsch-französischen Kandelsverhandlungen.
Paris, 2. Okt. Die deutsch-französischen Handelsverhandlungen haben heute nachmittag im Handelsministerium gegen 3 Uhr begonnen. Die Befprechungen werden von morgen ab geheim gehalten. Mitteilungen an die Presse sollen nur nach Verständigung zwischen den beiden Delegationen erfolgen. Der französische Handelsminister Reynaldy hat heute die Sitzung mit einer langen Ansprache eröffnet, in der er den gegenwärtigen Stand der wirstchaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich charakterisierte und ausführlich die französischen Wünsche darlegte. Sie lassen sich in folgende Worte zusammenrassen: 1. Frankreich bittet um Auskünfte, ob Deutschland den freien Warenaustausch nach endgültiger Festsetzung seiner Tarifsätze wieder herstellen will. Der franko-deutsche Handelsvertrag wird von dieser Antwort abhängen. 2. Frankreich besteht auf der Fortsetzung der zollfreien Einfuhr elsaß-lothringischer Produkte nach Seutf eblanb. 3. Unter vielen anderen Fragen in bezug auf die Wiederaufnahme der deutsch - französischen Wirtschaftsbeziehungen
müssen vor allem Garantien gegen Sonderzoll auf französische Produkte gegeben werden Ruynaldy führte ferner aus: „Frankreich wünscht lebhaft, daß die beiden Völker im Verlauf der kommenden Generation auf wirtschaftlichem Gebiet weitere Fortschritte machen und wieder die Bande zusammentnüpfen, die vor 1914 ihre Tätigkeit begünstigten. Die wirstchaftlichen Jnteressenkämpse dürsten nicht wieder von neuem einen verhängnisvollen Krieg herausbeschwören." In seiner Antwort führte Staatssekretär Trendelenburg aus: „Der Herr Minister hat auf die Zerstörungen hingewiesen, die der Krieg für Frcnckreich zur Folge gehabt hat. Die schweren Verluste, die Deustchland durch den Krieg und seine Fol. gen erlitten hat, sind anderer Art. Wir, bie wir die Nöte bet deutschen Wirtschaft täglich vor Augen haben, können nicht verstehen, daß im Ausland auch heute noch die Meinung verbreitet ist, daß die deutsche Wirstchaft im ganzen gesehen, ihre alte Leistungsfähigkeit auch nur annähernd behalten habe und daß der Wettbewerb seiner Produktion eine Gefahr für die Industrien anderer Länder bedeute."
Kandelsverlragsverhandlungen auch mit Japan.
Japan- hat ta Berlin um HandekSvertrag- verhandlunyM nachgesuchi. Bei diesen bevorstehenden Verhandlungen wird es sich, wie mit erfahren, nicht um den Abfchluß eines Tarifvertrages, sondern um eine ■gegenseitige Ge- rvährung unbeschränkter Meistbegünstigung handâ, die Reichsregierung hat bereits vor mehr als Jahresfvstt Schrite in dieser Richtung unternommeen, die jedoch infolge der oblebnen- den Haltung Japans bis jetzt noch zu f ernem Ergebnis geführt haben. Man hofft, daß es durch diese Derhandkungen gelingen wird,' einige bisher bestehende einseitige Maßnahmen Japans gegenüber Deutschland beseitigen zu können. Die augenblicklichen beut sch-fapan-i-fchen Handelsbeziehungen werden übrigens von zuständiger Berliner Stelle als durchaus gut bezeichnet. Die deutsche Ausiuhr nach Japan betrug während der ersten- 4 Monate dieses Jahres rund 50 Millionen Goldmark, dagegen hat Deutschland während der ersten 7 Monate dieses Jahres allein für 117 Millionen Mark Seide aus Japan eingeführt.
Das Deutsche Memorandum im französischen Mintsierrak.
Paris, 3. Oktober. Ueber die gestrigen Beratungen des Ministerrats, der sich mit dem deutschen Memorandum über Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund befaßt, berichtet der „Mattn', die französische Regierung stehe der Zulassung Deutschlands günstig gegenüber. Es sei tatsächlich wünschenswett, daß das Reich als eine der hauptcontrahierenden Parteien das Protokoll über die Schiedsgerichtsarbeit unterzeichne. Aber das gemeinsame Gesetz müsse Deutschland gegmüber zur Anwendung kommen, wie das Herriot bereits in Genf erkärt habe. Der gestrige Mmisterrat war der Ansicht, daß man versuchen müsse, Belgien und England für die französische Idee zu gewinnen, er habe eine gemeinschaftliche Antwort der alliierten Regierungen ms Auge gefaßt. Herriot wird sich mit Macdonald und Hymans in Verbindung setzen.
Die Mainzer Sisenbahnkalastrophe.
Mainz, 2. Okt. Außer den bereits gemeldeten fünf Todesopfern des Eisenbahnunglückes werden nunmehr die Namen der Schwerverletzten bekanntgegeben. Diese sind: Karl Eckel-Königsbach, Bankbeamter (rechtes Bein amputiert); Karl Müller, Fabrikant aus Pforzheim (Bruch des rechten Beines); Lkartin Könnecke, Kaufmann ans Holzhausen, Kreis St. Goarshausen (Amputation des rechten Beines und starke Quetschungen des linken Beines); Robett Krüger, Reichsbankbeamter aus Berlin-Lichterfelde (Quetschungen am Kopf und am linken Bein). Di« Liste der Schwerverletzten erwähnt außerdem als schwerverletzt einen deutschen Schauspieler und einen Franzosen, die nicht genannt sein wollen.
Trotz der von der Regie herausgegebenen Liste, die lediglich die Namen von fünf Toten und sechs Schwerverletzten enthält, erhalten sich hartnäckig die Gerüchts daß die Zahl der Opfer bedeutend größer sei.
Verurteilung Kommunistischer Radauhelden.
Nach zweitägiger Vcrbandlung ging Donnerstag vor dem Großen Schöffengericht Schöneberg der Kommunistenprozeß Schatz und Genossen, in welchem 12 Angeklagte wegen der Ausschreitung vor den Blüthner-Sälen angeklagt waren, zu Ende. 65 handelt sich bekanntlich um Ausschreitungen während des WahlkampftS. Die „Rote Fahne" hatte ihren Lesern fälschlich mitgete,lt, daß in der Versammlung Ludendorff sprechen werde und hatte zu Gewalttaten gehetzt. Am schwersten belastet erschien der. Anae-