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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 215 Freitag den 12. September 1924

Das Neueste.

Gestern wurde die zweite Rate der Reparationszahlungen von 20 Millionen Gold­mark an den Agenten für die Reparations­zahlungen abgeführt.

Wie aus Brüssel gemeldet wird, be­ginnen Ende dieser Woche in Berlin die deutsch­helgischen Wirtschaftsverhandlungen.

Der Reichsstädtebund eröffnete gestem in Lad Harzburg seine vierzehnte Mitgliederver­sammlung mit einer Sitzung des Gesamtoor- standes. Zu der Mitgliederversammlung sind über 1000 Städtevertreter erschienen.

Der Brand im fernen Osten.

Ein neuer Weltkrieg?

Der Bürgerkrieg in China scheint nun plötz­lich Format zu bekommen. Länger als die Ken­ner der unruhigen chinesischen Verhältnisse er» wartet hatten, blieben die Kämpfe um Schang­hai lokoBisiert. Und das, obwohl man wußte, daß auch die Mliitär-GvuVerneure der übrigen Provinzen sich bereits seit acht Tagen heftig regten. Jetzt aber scheint ganz China in Be­wegung zu kommen. Der Militärgvnverneur von Mulden, der viel genannte Dschangtsolin, hat der Pekinger Regierung Men den Stieg erklärt und damit sind alle Teile des Roiches der Mitte sozusagen gezwungen, offen Partei zu ergreifen. Handelte es sich anfangs nur um eien Kompotenzstreit zwischen den beiden an­liegenden Provinzen um den Besitz der Stadt Schanghai, so hat dieser Konflikt sich jetzt zu einem Kampf der beiden großen chinesischen Parteien ausgewachsen, nämlich der Anifu- ge­gen die Tschiti-Partei. Für den Ausländer ist es nicht gang leicht, die Ziele dieser beiden Par- »feien zu definieren. Ursprünglich _ war die Mchili-Partei wohl mehr das Asyl der Mli- »fürs, nachdem sie aber durch den letzten Um­sturz ans Ruder gekommen ist und ja auch den : Präsidenten der Republik gestellt hat, haben sich ' diese U ter schiede doch stark verschoben und die Militär-Gouverneure der einzelnen Provinzen . verteilen sich in ihrer Parteizugehörigkeit heute auf beide von ihnen. Wenn man die Stärke beider Parteien gegeneinander abzuschätzen sucht, so gewlinint man den Eindruck, als wenn die Anfu-Partei, die nach dem Umsturz ziem­lich von der Bildfläche verschwunden war, heute bereits wieder so starken Boden unter den Füßen habe, daß sie den Tschili-Leuten gefähr­lich wird.

So stehen die Dinge im Innern. Aber es gibt für die Beurteilung der Lage in China auch noch eine andere Perspektive, die sich aus der Ausdehnung des Kampfes ganz von selbst entwickelt. Zwischen den Zeilen der Tele- gramme liest man deutlich, daß sich im fernen Osten ein gewaltiges Ringen der Großmächte abspielt. Amerika, England und Japan sind die Verfechter des Gedankens, China zu zer­schlagen. Nur ein uneiniges Reich der Mitte dient ihren Absichten. Ihr Werkzeug ist der Verteidiger Schanghais, der Rebellengensrat Lu-Pungh -Slangs, der zusammen mit dem gleichfalls der Anfu-Partei angehörenden Miki- tärgouvereur von Tschekiang durch die Pekin­ger Regierung abgesetzt worden ist.

Der Widersacher Lu-Aungh-Siiangs, der Mlitärgouverneur von Kiangsu, ist beauftragt, eine scharfe Strafexpeditivn gegen die Rebellen zu unternehmen. Er kämpft für die Einheit Chinas. Hinter ihm stehen Frankreich und Rußland. Seine Armee verfügt denn auch über französische Waffen und russische Offiziere und Flugzeuge. Frankreich befürchtet ein zu star­kes Anmachsen des angelsächsischen Einflusses m Ostasien, während Rußlands letztes Ziel die Pertreibung der Großmächte aus dem fernen Vften ist.

Die Großmächte, die hinter den chinesischen »Rebellen" stehen, betreiben, wie gesagt, die Aufteilung Chinas in Einflußgebiete. England sucht dabei seine Beute im Süden, Japan die PW in der Mandschurei, insbesondere in der ostchinesischen Eisenbahn. Der bekannte Sunjat- len, Präsident von Südchina, hat ein Manifest erlassen fräs sich aufs schärfste gegen den eng» uy)en Imperialismus ausspricht. An Macdo- richtet er einen Protest gegen die Absicht oer Mächte ihre Flottenkräfte in das Kamps- getnet.ju schicken. Tatsächlich hat die englische, lapanische und amerikanische Regierung den chinesischen Außenminister, Dr. Wellington Koo, «nachrichtigt, sie würden nicht dulden, daß eine ^ttlchlacht im Hafen von Schanghai stattfinde. Pie Seeschiffs der Mächte sind bereit, sofort umgreifen, wenn die Chinesen trotzdem ver­

suchen sollten, zur See zu kämpfen, wobei nicht übersehen werden darf, daß die chinesische Kriegsflotte nicht viel mehr rechnet als etwa die von Marokko oder Montenegro, daü aber Schanghai riesige Docks und Marinewerkstätten sowie das größte Kriegsarsenal Chinas, das Kianiguan-Arfenal, besitzt. Während sich also die chinesischen Zwerg-fische streiten, rücken die Schwäne heran, um die großen Brocken weg- züschnappen.

Dies die militärisch-politische Lage. Und nun beachte man folgendes: Ein China-Engländer, derTimes"ârrsfpondent in Hongkong, teilt der europäischen Oesfentlichkeit mit, daß Sun- jatsön, der seine Truppen nordwärts zur Un­terstützung der Tschekiang-Regierung entsandte, deutsche und russische Ratgeber" habe. Die vor einiger Zeit albgehaltene Transportarbeiterkon­ferenz inKanton sei von einem Deutschen organi­siert worden ... Sv wird also versucht, das unglückliche Deutschland in die chinesischen Wir­ren hineinzuziehen.

Gegenüber diesem Manöver ist festzustellen: Deutschland hat, allerdings genau wie Rußlcmch seinen Frieden und seinen Vertrag mit China gemacht. Sich politisch zu einer der Mächtepar­teien im fernen Osten schlagen zu lassen, besteht auf deutscher Seite sicherlich nicht die mindeste Neigung. Der deutsche Chinahandel ist wieder erfreulich im Aufblühen begriffen. Im bedroh­ten Schanghai befinden sich 1500 deutsche Landsleute. Wer schützt sie? Im großen Pangse-Becken sind in den letzten zwei Jahren häufig die bedenklichsten Angriffe auf Fremde verübt worden. Engländer wurden im Vangtse- Tale vor kurzem erschlagen. Amerikanische Schiffe werden alle paar Jahre beschossen. Ja­panische Schiffsofsiziere sitzen fest dreiviertel Jahren in Haft gegn Lösegeld. Als Ergebnis des Weltkrieges und der ebenso unvernünftigen wie unbegreiflichen Herabseßuna der Deutschen in China durch -alle Ententeangehörigen ist das Anseben der Weißen gesuân. Bei dem Kampf um Schanghai kann es zu Zwischenfällen kom­men, bei denen auch die Deutschen leidend be­teiligt sind.

Schanghai, 11. Sept. Der Regen hindert immer noch die militärischen Operationen. Chi- Si-Vung hat den Schwerpunkt seiner Offensive von Lou-Hv nach Huangu, etwa 24 Km. von Schanghai entfernt, verlegt. Seine Versuche, an dieser Stelle die Front zu durchbrechen, die er während der ganzen Nacht fortgesetzt hat, sind gescheitert, jedoch erwartet man, daß die entscheidende Schlacht sich bei Huangu abspielen dürfte. Die europäischen Freiwilligentruppen lind für heute nacht vollkommen mobilisiert, da man die Krisis schon in allernächster Zeit erwartet. Fünf weitere amerikanische Zerstörer sind im Hafen von Schanghai angenommen. In der Stadt erhält sich hartnäckig das aller» dinas nicht nachzuprüfende Gerücht, daß Cch- Si-Bung sich in aller Eile nach ^canking be­geben habe, wo der Ausbruch einer Meuterei befürchtet wird.

Schanghai, 11. Sept. Infolge des heftigen Gewitters, das am Sienstag über das Schlacht­feld nied erging, fanden Mittwoch nur einige kleine Scharmützel statt. Ein ausländischer Sachverständiger, der Gelegenheit hatte, ' die Stelluna der beiden Armeen kennen au lernen, behauptet, daß der Fall Schanghais nur noch etwa 14 Tage auf sich warten lassen wird. Der General Chi, der Kommandant der Armee Kiang-su, versucht weiter, bei Hwang-tu durchMbrechen. Aber gerade an dieser Stelle nehmen die Trupvon von Chekiang eine seh­gut zu verteidigende Stellung ein.

Der deutsche Archivartag fordert Oeff- nung der Archive der Kriegsgegner.

Münster, 11. Septbr. Der in Münster tagende 16. deutsche Archivartag hat folgende Entschließung an­genommen: Die in Münster versammelten staatlichen Archivare erheben vor den französischen Kollegen und der ganzen Welt feierlich Einspruch gegen die Behaup­tung, daß Deutschland und seine Verbündeten die Ur­heber des Weltkrieges seien. Vierzig Jahre lang. Hat Frankreich gelehrt, daß verantwortlich für den Krieg nicht der ist, der ihn erklärt, sondern der ihn unver­meidbar macht. Wenn aber die beweiskräftigen Ver­öffentlichungen aus den deutschen, österreichischen und russischen Archiven unterdrückt, wenn man die Oeffnung der französischen und englischen Archive hartnäckig ver> weigert und sich statt dessen auf die causa judicata beruft, so erblicken wir darin den deutlichsten Beleg dafür, daß man die restlose Feststellung der wirklichen Zusammenhänge fürchtet. Wir fordern demgegenüber die Kollegen aus Frankreich und den vormâls feind­lichen Ländern auf, mit uns einzutreten für eine wissen­schaftliche und unparteiische Erschließung der Quellen, die unerläßlich sind zur Erforschung der Wahrheit und zur Verwirklichung der Gerechtigkeit.

Frei erfunden.

Berlin, 11. September. Nach dem diplomatischen Korrespondenten des LondonerDaily Telegraph" soll der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Freiherr von Maltzan erklärt haben, daß alle deutschen Gesandte« im Ausland die angekündigte Notifizierung der KriegS- schuldnote als unratsam bezeichnet hätten, und, daß die Reichsregierung mit ihrem Widerruf der Kriegs­schuldlüge erst hervortreten könnte, wenn die Anmel­dung des Beitritts von Deutschland zum Völkerbund von Frankreich mit der Aufforderung zur bedingungs­losen Annahme des Vertrages beantwortet worden wäre. Wie wir erfahren, ist diese Behauptung ebenso frei erfunden, wie die zahlreichen übrigen in der letzten Zeit dem Staatssekretär in den Mund gelegten Aeußerungen zur Kriegsschuldfragt.

Einberufener Kritiker".

Herr Chrispien hat in Breslau eine seiner salbungs­vollen Hetzreden gehalten und im Sinne seiner Aus­führungen wurde dann die übliche Resolution ange­nommen, in der der Reichsregierung der Vorwurf ge­macht wird, sie bedrohe die kaum begonnene Verständi­gung mit dem uns so wohlwollenden Ausland,indem sie ebenso unzeitgemäß wie plump die Krieglschuldsraae zur internationalen Debatte stellen will". Ein Mann, der angesichts der Vergewaltigung unseres Volks das gewiß sehr zeitgemäße und so wenig plumpe Wort sprach,ich kenne kein Vaterlaxd, das Deutschland beißt" und der jetzt den traurigen Mut aufbringt, Deutschlands Kampf gegen die Schuldlüge alsHetz, und Katastrophenpolitik" zu beschimpfen, ist wahrlich ganz besonders dazu berufen, der deutschen Politik die Wege zu weisen.

DerDaily Kerald" über das Gift der Kriegsschuldlüge.

London. 10. Sept. DerDaily Herald", 5er beute das offizielle Organ der britischen Ge- merftoaften und damit indirekt der Sirbeiter» regieruna ist, macht im Leitaufsatz über die Art des beutißen Geschichtsunterrichts in den Schu­len folgende Anmerkungen zur deutschen Auf- I rolluna der Schuldfrage, die er bisher ignoriert Ml WSy&$®^^ aller Völker Mm allgemeinen Besten hoffen, folange falsche Anschauungen über solche Sachen, wie Ursprung des großen Krieges, um« laufen. Unsere Imperialisten und unsere .b- fichMch unmifsende Presse fchi^mpft auf die Deut­schen, weil sie die Lüge von ihrer Alleinich.ild zurückweisen wollen, und viele, die wissen, daß es Lüge ist, fragen ungeduldig:Warum kön­nen mir die Lösung dieser Sache nicht der Nach­welt überlasten?" Aber diese Lüge vergiftet die Beziehungen zwischen Deutschland und den an­deren Völkern. Sie ist wie ein Kadaver im Fluß, der alle vergiftet, die daraus trinken. Solange die KriogssäMdlülge nicht tot ist, kann es keinen guten Willen unter den Menschen geben." Und unsere deutschen Sozialisten möchten am stellten die Aurrollung der Kriegs- schubdfrage preisgeben, nur um so rasch wie möglich in den Völkerbund zu gelangen. D. Red.l

Memunpsverschredenhoiten über die Auslegung der Londoner Amnestie.

Zweibrücken, 11. Sept. Zur Zeit be- finden sich in pfälzischen Gefängnissen noch 81 politische Gefangene und zwar in Zweibrücken 58, in Germersheim 20 sowie je einer in Lud­wigshafen und Frankenthal und Reustadt a. d. Hardt. Ueber den BegriffPollkifche Ge­fangene", bestehen zwischen den französisa-en Besahungsbehörden und den einfchlämgen deut­schen Stellen große MeiüungsverfchiNenheilen. So werden von den 58 Zweibrücker Gefangenen nur 20 als politische Gefangene betrachtet und als solche zur fctitiaffung kommen. Begreiflicher- werfe hat sich der Gefangenen eine große Auf­regung bemächtigt, sodaß sie in Zweibrücken so­gar in den Hungerstreik eingetreten waren, um eine für sie günstigere Entscheidung herbeizu­führen. Rach einer Verfügung des komman­dierenden Generals in Landau werden alle Ge- fangenen bis zu drei Monaten Strafzeit sofort entlassen. Dementsprechend erhielten am 10. September sechs Gefangene des Militärgefäng- niffes Zweibrücken die Freiheit wieder. Ueber die Entlassung der mit mehr als drei Monaten bestraften politischen Gefangenen hat sich Gene- rat Degoulte die endgültige Enkicheidung Vorbe­halten. Es besteht die Befürchtung, daß sie als Kompensationsobjekt in der Separalistenfrage zurückgehalten werden. 3m Militärgefängnis Zweibrücken befinden sich auch noch 41 soge­nannte Deportierte, d. h. die Rhein- und Ruhr­gefangenen. die während des passiven Wider­standes nach französischen Strafkolonien ver­bracht worden waren und auf deutsche Vor­stellungen wieder zurückgeführt wurden.

Dortmund. 11. Sept. In Durchführung der Amnestie sind bisher in Dortmund 47, in Eike» 10 politische Gesonnene entlassen worden.

Die Schandjustiz gehl lrvtzdem weiter.

Stecklinghausen, 11. September. Das Kriegs­gericht der 7. Infanteriedivision fällte in seiner Sitzung vom SamStag folgende Sprüche: Die Taglöhnerin Auguste Neuste aus Mülbeim vierzehn Monate Ge­fängnis, der Tagelöhner Albertz aus Mülbeim vier Monate Gefängnis, der RegiervngSangestellte K. Toepfer aus Mülheim acht Monate Gefängnis. Wegen Waffenbesitzes wurde in einem anderen Fall ein Monat Gefängnis erteilt. Ferner wurden mehrere Strafen wegenMithilfe zu schweren Diebstählen" mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren und zehn Jahren Aufenthaltsverbot verhängt. Wegen einfachenDieb­stahls" wurde eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und fünfhundert Franken Geldstrafe verhängt. Ein Regie­angestellter erhielt für einen einfachenDiebstahl" fünf Jahre Gefängnis und 3000 Franken Geldstrafe. Ein schwererDiebstahl" wurde mit fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Aufenthaltsverbot be­straft. Außerdem wurden noch weitere schwere Zucht' hausstrafen wegenDiebstahlvergehen" verhängt.

Der Abbau im Ruhrgebiet.

Essen. 11. Sept. Gemäß einem Befehl Ler kommandierenden Generals des 32. A.-K. soll die dritte französische Division, die den Dort­munder Bezirk- belegt hat, aus der Besatzung­zone herausgezogen werden; das 24. Infani-- Regiment in Recklinghausen soll bis zum 27. September abgezogen sein. Für diese Truppen kommen diejenigen Teile des 18. Dragner-Re- giments nach Recklinghausen, die zurzeit in Dortmund liegen. Die Z'.vildienshstöllen, wie Recriestahn usw., sollen im Re^mnghausener Be­zirk bis zum 20. Oktober vollständig ab-gebaut sein, während der Abbau der Zollverwaltungs- ftellen vom 15. September ab erfolgt.

Hörde, 11. Sept. Wie verlautet, werden bk Zollbeamten des Zollamts Hoerde spätestens am nächsten Sonntag aus Hörde zurückgezogen werden. Ein großer Teil der französischen Be- se.tzungstruppen ist schon vor längerer Zeit 'b» befördert, worden. Wann der Rest der fe^urogstruppen, der etwa nock> 50 Mann er­trägt, abgehen wird, ist noch nicht bekannt.

Zahlung der zweklen Dawes-Rale.

Berlin, 11. Sept. Die nach dem Londoner Protokoll ant bentigen Donnerstag fällige zweite Rate der NeparationSzabliingen von 20 Millionen Goldmark ist heute an den Agenten für die Reparationszahlungen abgesührt worden.

Der Generalagent für die Reparationszahlungen. Owen Aoung, erklärte anläßlich der Zahlung der zweiten teutschen Reparationsrate von 20 Millionen Goldmark amerikanischen Pressevertretern, daß Deutsch­land wahrscheinlich in diesem Monat keine weiteren Zahlungen zu leisten habe. Bekanntlich ist nach dem Londoner Abkommen im September eine Gesamt­summe von 83 Millionen Goldmark aufzubringen. Da gleichzeitig die französisch-belgischen Regiezahlungen begonnen haben, so dürfte wahrscheinlich der Rest von den 83 Millionen durch diese Zahlungen noch irr Laufe dieses Monats aufgebracht werden.

Eine Entschließung des Reichs- landbundes.

Der Vorstand und die Vertreterversammlung deS Reichslandbundes hat erneut eine Entschließung ge­faßt, in der auf die Notlage der gesamten deutschen Landwirtschaft, die durch die vernichtenden Witterungs­schäden teilweise bis zum vrohenden Untergang ge­steigert sei, hingewiesen wird. Die von der Regierung getroffenen Maßnahmen (Stenerstuudung und Kredit­beschaffung) seien ungenügend. Es wird Verlängerunx der bisherigen und Schaffung weiterer Kredite ge fordert. Es wird die umgehende Durchführung bot Lokalbesichtigungen durch Beauftragte der Zentralsteller für geboten gehalten.

Abbau des Berliner Oberfladlschulrals Paulsen.

In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde gestern mit 113 gegen 82 Stimmen bei fünf Enthaltungen der Abbau des Oberstadtschulrats Paulsen (Soz.) beschlossen. Gegen den Abbau stimmten nur die Sozialdemokraten. Mit 102 ^egen 92 Stimmen wurde die Beibehaltung der Stelle des OberstadtschulratS beschlossen. Ferner sprach sich die Versammlung für den Abbau zweier sozialdemokra­tischer Stadträte' und eines kommunistischen Stadt­rats aus.

Neue Frankslützung Surch Morgan.

Paris, 11. Sept. Di- Banque de France ver­öffentlicht folgende Note: Morgan L Company in New Dork haben in ihrem Namen und im Namen der mit ihnen verbundenen Banken beschlossen, den der Baugue de France zur Verfügung gestellten Kredit von 100 Millionen Dollar, der ant 12. September abläuft und dessen benutzter Bruchteil übrigens von der Banque de France seit mehreren Monaten voll­ständig zurückgezahlt worden war, aufrecht zu erhalten. DerTcmps" bemerkt dazu, daß von dem Kredit feiner Zeit nur etwa 40 bis 45 Prozent benutzt worden seien. In finanziellen Kreisen habe man vor Bekanntwerden der obigen Entschließung der Bank­hauses Atorgan erklärt, daß eine solche Verlängerung es Frankreich erlauben würde, sich jeden wettere« Ver­such, ein neues Sinken des Franken hervorzsruken tu widersetzen.