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OTJBTtff W 25. AMst
picklurrg der Geschichte nicht nach Theorien, ondern nach den realen Machtverhältnissen sichte. (Sehr gut bei der Mehrheit.) Herriot Polite uns durch die sofortige Räumung von Ussenburg und Appenweier einen sichtbaren Semeis seines guten Willens geben und er hat ein Wort gehalten. Das anzuerkennen, nehme % keinen Anstand. (Lärm bei den Rational- />zialisten, Beifall bei der Mehrheit.) Wir Jonnen die Außenpolitik nicht so treiben, daß pür immer den Gegner als wortbrüchigen Schuft bezeichnen. (Beifall bei der Mehrheit.) Die Rechte hat immer behauptet, Frankreick kerbe immer am Poincarismus festhalten. (Sehr richtig! rechts.) Der Londoner Pakt ist jedenfalls kein Ausfluß des Poincarismus. (Widerspruch rechts und Beifall bei der Mchrheit.) Daß der 15. August 1925 der allerletzte Termin für die militärische Räumung ist, daran besteht kein Zweifel (Rufe rechts: Ab warten!) Sie (auf der Rechten) geben ja den Leuten in Frank- .reich das beste Material, die daran herumdeu- steln wollen. (Sehr wahr! bei der Mehrheit). Der Kampf um die Befreiung des Ruhrgebietes ist mit London nicht beendet, sondern er hat damit begonnen. (Lebhafte Zustimmung bei den Deutschnativnalen.) Die deutsche Regierung betrachtet es als ihre Pflicht, auf eine Beschleunigung der Räumung hinzuwirken. Sie handelt damit nicht nur im Einklang mit dem bekannten Brief Macdonalds, sondern auch mit den Erklärungen Herriots. Es ist ganz falsch zu behaupten, das Ruhrgebiet bleibt nod) ein volles Fahr besetzt. Es ist ein unbestreitbarer Erfolg daß ein ganz bestimmter äußerster Endtermin für die Besetzung erreicht worden ist. Von den Leuten, die das erreicht haben, sollte man nicht mit den Worten der „Pommerschen Tagespost" sagen: „Los von den Landesverrätern!" Die Mitglieder des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, die politisch meist weit rechts stehen, haben sich gewiß nicht aus Gefühlsgründen für das Dawesgutachten ausgesprochen, sondern weil der Verstand es ihnen gebot. Das Ruhr- gebiet hört auf, das Reparationsgebiet zu sein. Mufe rechts: Ganz Deutschland wird Reparationsprovinz!) Ja, und das soll so sein. Deutschland hat die Pflicht, für die Reparationslasten zu haften. Es darf das nicht der Bevölkerung des besetzten Gebietes allein überlassen.
Es folgt dann noch die Beratung des Einspruches des Abgeordneten Dr. Schwarz (Kom.) gegen feine Ausschließung. — Der Einspruch wird gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. (Lärm bei den Kommunisten.) — Nächste Sitzung Montag, 25. August, 12 Uhr.
1. und 2. Lesung der Gutachtengesetze.
Die Kalkung -er Deukfchnakivnalen.
„Fort mit der Regierung.!"
Was geschehen wird, wenn di« für das MâchngeW «chirdemche Zweidntkelmchr- Heit im Reichstag nicht zu erzielen ist, darüber Kegen wohl tat Augenblick an den maßgebenden Stellen des Reiches noch keine Endgültigen Be- Wüste vor. Im Gegensatz zu früheren MMei- l-ungen hieß es am Samstag im Reichstag, die Regierung werde die Ablshmrng dieser Vorlage nicht nur mit sofortiger Auflösung des Reichstages beantworten, i andern sie werde trotz der Ablehnung das Londoner Abkommen annch- men und unterzeichnen gemäß der Möglichkeit, die dem Reichspräsidenten auf Grund des Artt- kels 45 der Verfassung gegeben sei. Die Deutch- nationalen lassen keinen Zweifel darüber, daß sie auch nach den Ministerreden vom Samstag beiihremReinverharren wollen. Die offizielle Port erkorrsspondenz veröffentlicht einen „Fortmit der Regierung!" über- ichriebenen Artikel, der mit äußerster Scyärfe den Rücktritt der Regierung wegen ihres Londoner Mißerfolges fordert und „neue Verhandlungen mit neuen Männern", für notwendig erklärt. Die Opposition fühle sich fähig die Verantwortung zu übernehmen, sie fühle sich fähig, neue Verhandlungen mit besseren Ergebrflssen zu führen.
„Die Regierung verlangt von uns einen Wechsel unserer Auffassungen, um ihre Londoner „Erfolge" zu sanktionieren. Wir lehnen das selbstverständlich ab. Wir verlangen einen Wechselder Regierung, um mit neuen Männern wirkliche Erfolge zu erzielen. Weder die Regierung Marx-Slwse- mann ist rmabänderlich, noch das Unheil von London ist unabwendbar. Stirbt die Regierung, jo fällt auch das, was sie von London heimbracht«, dann wird die Bahn für neue Männer und neue Vechandtungen frei. Und das fordern wir in dieser Schicksalsstunde."
Die deutschnationale Reichstags- fraktion hielt sofort nach Beendigung der Plenarsitzung eine kurze Fraktionsberatung ab. Sie beschäftigte sich mit den Dispositionen für dce am Montag beginiwnde große politische Aussprache und bestimmte die Redner für die einzelnen Gesetze. Ueber die Stellungnahme der Fraktion bei der Abstimmung wurde nicht beraten. Am späten Nachmittag versammelten sich auf Einladung der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion die Vertreter der deutschnationalen Parteiorganisationen aus den besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr und Freunde aus dortigen wirtschaftlichen Organi- Wionen. Die Verhandlungen standen unter Vorsitz des Abgeordneten von Dryander. Nach einem einleitenden Referat des Grafen Westarp über die politische Lage wurden in eingehender Aussprache von den Versammelten die wirtschaftlichen und kulturellen Zustände ihrer Bezirke geschildert und Stellung zum 2on= Hover.Pakt genommen. Beschlüsse wur»
den nicht gefaßt, da die Verhandlungen rein beratenden Charakter trugen.
Berlin, 25. Aua. Das „Berliner Tageblatt" und die „Vossische Zeitung" hatten am 24. eine Meldung wiedergegeben, wonach bei einer Frakttonssitzung der Deutschnattonalen Pattei u. a. die Abgeordneten Wallraf und Bazille sich für Annahme der Londoner Beschlüsse er- klätt und das Fraktionszimmer verlasten hätten, als sie auf Ablehnung stießen. — Wie der Tel..Union von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist diese Meldung von Anfang bis Ende frei erfunden.
Die Vaterländischen Verbände fordern Neuwahl.
Am Samstag traten die Vertreter der Vereinigten Vaterländischen Verbände aus dem ganzen Reich in Berlin zusammen, um den Bericht des Geschäftsführers, Abgeordneten Geisler, und des Grafen Westarp über die Londoner Verhandlungen entgegenzunehmen. Es wurde folgende Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: „Die V. V. D. fordern von den nationalen Parteien die Ablehnung der Londoner Vereinbarungen. Ferner fordem sie die Auflösung des Reichstages und Neuwahlen, sowie die endliche Wahl eines Reichspräsidenten, um Raum für eine starke nattonale Regierung, sowie für die Möglichkeit andere Abmachungen zu schaffen, die geeignet find, einen wahren Frieden in der Welt herzustellen".
Vertrauensvotum für Serriot
Parts, 24. Aug. Die Sammer hat die In- lerMattonsdeballe über das Londoner Abkommen beendet und der Regierung mit 33b gegen 204 Stimmen düs Vertrauen ausgesprochen. Hierauf vertagte sich die Sammer auf Montag vormittag 10 Uhr. Die ange- nommene Tagesordnung hat folgenden Wort- laut:
„Die Sammer beglückwünscht die Regierung dazu, daß sie den Grundsatz des Schiedst g e r i ch k s in die Londoner Abmachungen hin. eingebracht und dadurch es den Unterhändlern ermöglicht hat, in liberalem Geist internationaler Zusammenarbeit und Eintracht zur praktischen friedlichen Lösung des Reparation-Problems zu kommen. Sie setzt das Vertrauen in die Regierung, daß sie im Verlaufe der bevorstehenden Sonferenzen über die interalliierten Schulden sofort beim Völkerbund das Werk der Gerechtigkeit und des Friedens. das in seiner Gesamtheit Sicherheit und Wiederaufbau ver- bürgen soll, fortsetzen wird, billigt die Erklärungen der Regierung und geht unter Ablehnung jedes Zusatzes zur Tagesordnung über." *
Paris, 25. Aug. Bei der Abstimmung haben gegen das Vertrauensvotum gestimmt-: 26 Kommunisten. 14 Demokraten. 1 Mitglied der radikalen Linken. 30 Mitglieder n demokratilÄ-repuüli- kanischen Linken, 14 Linksrepublikaner. 99 Mitglieder der demokratisch-republikanischen Union und 20 Wilde. Der Stimme enthalten haben sich 32 Abgeordnete. Alle übrigen Abgeordneten stimmten für das Vertrauensvotum.
Paris, 24. Aug. Aus der Rede Herriots in der Samstag - NachmittagSsitzung ist folgendes hervorzuheben: Auf die Illusionen, daß Deutschland vernichtet werden müsse, damit Frankreich blühe, bat man versucht, den Frieden zu gründen. Man hat sehr rasch bemerkt, daß, wenn Frankreich eine Bezahlung erhalten soll, zunächst Deutschland sein Gleichgewicht wieder- gegeben werden muß. Wollen Sie Frieden? Dann machen sie ihn auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen, machen Sie Frieden durch einen Handelsvertrag; tun Sie es nicht, wird der Frieden nur ein trügerischer sein, aut für schöne Reden, aber nicht imstande, einer ernsten Prüfung zu widerstehen (Beifall links und auf der äußersten Linken). Ich sage Ihnen: Der Dawesplan verwirklicht mit einem einzigen Schlag, das Gleichgewicht und den Frieden Europas; meinen Freunden sage ich: Geben Sie sich keinen Illusionen hin. Wer den Frieden haben will, muß ihn verdienen. Seien wir die Führer der anderen Nationen, unterstützen wir Sie wenn möglich, fordern wir sie auf, uns zu folgen. Aber da wir jenes so kostbare Gut der sicheren Friedens nicht besitzen, laßt uns klug fein, wachsam, und immer auf der Hut, entschlossen, auf die kleinsten Einzelheiten des Zustandes in Europa zu achten und aller, was an kriegerischen Kräften übrig geblieben ist, zu bekämpfen und war an FnedenSelementen sich zeigt, durchzusetzen. (Lebhafter Beifall linlè.s 33 sage Ihnen: Glauben Sie nicht, daß man das Ergebnis, das wir anstreben, erreichen wird auf dem Wege des Zwanges, indem man zur Gewalt Zuflucht nimmt und indem man feinen Willen aufzwingt durch ein System von Ultimaten. Unser Land braucht Ruhe, aas ist der Sinn der Londoner Abmachungen. W-r haben die Hände frei. Sie können die Londoner Abmachungen ablebnen, können den Status qao aufrecht- erbalten, Sie können an die Methosen glauben, die mehrere Jahre hindurch von Enttäuichung zu Enttäuschung geführt haben, all' das können Sie tun, aber lassen Sie sich sagen, daß es eine ernste Sache wäre. Ein Bruch der Londoner Abmachungen bedeutet die Verwirrung auf dem Gebiete der Währung und die Verpflichtung, für Sie, die Gewaltpolitik wieder aufzunehmen, nicht in demselben Grade wie sie jüngst betrieben worden ist, sondern mit aller Schärfe. Wir haben unsere Entscheidung bereits getroffen. Die Regierung/ in deren Namen ich vor Ihnen spreche, macht nicht geltend, daß sie außerordentliche Vorteile erreicht habe und daß sie einen großen Sieg errungen hat, sie behauptet vielmehr, ein ehrenvolles Werk errichtet zu haben, ein Werk der Weisheit und Vernunft. Sie schenkt Ihnen nicht den Frieden, aber sie bringt Ihnen den Gewinn der Hoffnung auf den Frieden. Zweifellos leben wir nicht, wie wir gern möchten, wie die Menschen möchten, wie wir wünschen, daß unser geliebtes Frankreich lebe; zwenellos leben wir noch nicht in dem vollen Lichte ver Sonne, die beruhigt und heiter auf uns hcrab- fchaut und die Arbeit des anständigen und geduldigen Arbeiters begünstigt, aber wenn wir noch nicht das volle Licht jenes Tages sehen, st ist e8 doch der erste
J Schein einer Morgenröte, die uns das Ende einer Nacht ankündigt, die wir mit so viel Schmerz durchschritten Laben und die mit so viel Blut getränkt war. (Lebhafter, stürmischer Beifall auf der Linken, der äußersten Linken nnb bis zur Mitte des Hauses. Die Abgeordneten erheben sich von ihren Sitzen und umdrängen den Ministerpräsidenten, der sich unter den Glückwünschen seiner Ministerkollegen und vieler Abgeordneten wieder auf seinen Platz begibt.
Die Tannenbergfeier in Königsberg.
Königsberg, 23. August. Heute abend fand im großen Saale der Stadtballe die Tannenberg-Gedenkfeier her Provinz Ostpreußen statt, zu der von der Provinz über tausend Einladungen ergangen waren. Zur Feier waren die Bier weilenden Generalselb- marschafle Hindenburg und Mackensen und eine Reche anderer Heerführer erschienen, die an der, Schlacht bet Tannenberg teilgenommen haben. Die preußische Regierung wurde von dem Oberpräsidenten S i e B r vertreten. Nach einem Orgelspiel wurde ha? Niederländische Dankgebet von etwa ROO Königsberger Schulkindern gesungen. Alsdann hielt foer Vorsitzende des ostvrenßischen Provinziallandtages h. Berg hie Festansprache, in der er an die Schicksalsstunde Ost- preustenS vor 10 Jahren erinnerte. Mit den Tagen von Tannenberg, mit den Tagen der Masmenschlacht imb mit der dadurch erreichten Errettung Ostpreußens sei aber das Gedächtnis an unzählige unserer deutschen Brüder Vettnüpft, die auf den ostvrenßischen Schlachtfeldern für die Heimat geblutet haben und gestorben sind. Sie alle, fuhr der Redner fort, rufen uns heute ernst die Mahnung zu, daß das deuttche Volk einst wieder neu erstehe wie er die Welt bei Tannenberg gesehen hatte. In harter Arbeit müssen wir dem deutschen Volke den Rang wieder erkämpfen, bet un» gebührt. Trotz allem aber, was wir durchmachen müssen, wollen wir uns den Blick in die Zukunft nicht trüben lassen. Ostpreußen soll und wird in der ersten Linie stehen. Daher schließe ich heute mit dem Rufe der Gebets, das sich heute aus der Brust jedes Deutschen ttngt: „Herr mach uns frei 1* Die Rede wurde mit lebhaftem und anhaltenden Beifall ausgenommen. Darauf erhöh sich Generalfeldmar- schall v. Hlndenburg zu folgender Erwiderung: Von Herzen danke ich zugleilt im Namen meiner treuen Mitarbeiter für die Worte, die an mich gerichtet wurden und vor allen Dingen für das treue Gedenken an unsere Gefallenen. Wir Ucberlebenden haben nichts getan als unsere Pflicht und Schuldigkeit. Dieses Pflichtgefühl, das alte eiserne preußische Pflicht» gefühl, möge uns geleiten in die Zukunft, daß wir mit Gottes Hilfe wieder besseren Zeiten entgegengehen. Daher richte ich an die ganze Versammlung die herzliche Bitte, dieses Pflichtgefühl zu wecken und zu fördern, damit wir wieder zu Ehren kommen. Nochmals aller- berzliâsten Dank. Die Rede Hindenburgs erweckte stürmischen, anhaltenden Beifall. Dann sang die Versammlung stehend das Deutschlandlied.
Dom S. Deulschen Süngerbundesfesl.
Hannover, 24. Aug. Hannover steht festlich geschmückt im Zeichen des Sängerfestes. 40000 Sänger haben sich eingefunden. Die Reihe der festlichen Veranstaltungen ist am Sonntag mit einer Aufführung im Stadion eingeleitet worden, wo von 10000 Sängern Chöre zu Gehör gebracht wurden. Der Bundesvorsitzende Rechts- danken an die Eefallemen ausklang. Am Nachmittag bewegte sich ein Festzug durch die geschmückten Straßen der Stadt, deffen Vorbeimarsch 4 Stunden dauerte.
AuslieferungderWSrdsrGrzbergrrs?
Budapest, 23. Aug. Nach Mitteilungen der Presse waren die nach den Mördern Erzbergers fahndenden deutschen Kriminalbeamten in de» Zimmer deS Ober« stadthauptmannstellvertrcters, wo die Konfrontierung mit dem verhafteten Förster siattfand, mit verschiedenen Photographien des Mörders Schulz erschienen. Ein deutscher Kriminalbeamter, der Schulz persönlich kannte, trat sofort auf Förster zu und identifizierte ihn als Mörder Erzbergers. Förster versuchte sein Alibi zu beweisen, die deutschen Kriminalbeamten erklärten jedoch den Beweis für hinfällig. Nach der Konfrontierung wurde Förster alias Schulz der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Der ungarische Justizminister hat sich dahin geäußert, daß die Regierung zur Frage der Auslieferung noch keine Stellung genommen habe. Gr vertrete den Standpunkt, daß der Gerichtshof darüber zu entscheiden habe, sobald sich herausstellt, daß es sich t«tsächlich um den Mörder Erzbergers handelt. In diesem Falle würde die Auslieferung ordnungsgemäß eingeleitet werden. Bezüglich der Anwesenheit der deutschen Kriminalbeamten erklärte der Minister, daß es sich hier nicht um Erhebungen fremder Behörden in Budapest handle, sondern ausschließlich um eine Identifizierung.
Am Stai (platz des Amerèka-Jeppelws
Friedrichshafen, 20. Aug. Das Humdert- sechsClndzwunzigste Luftschrft, das die Zeppelin- werft geibaAt hat, der „Z. R. III", wie ihn die AmerikMer nennen, ist heute der deutschen Presse zur Besichtigung frsvgegeben worden. Die Probefahrten werden Anfang nächster Woche beginnen. Der Eindruck des gewaltigen Schiffes, das die größten während des Kne- ges gebauten Zeppelin-Luftschiffe übertrifft, ist außerordentlich stark. Unter dem Bug des Schifes und dicht an den Trwgkörper sich an- schmiegend befinden sich der Führerraunl und daran anschließend
die Fahrgafträume, die bei diesem Schiff, das nicht für den eigens»- lichen transatlantischen Verkehr gedacht ist — denn dafür ist es zu klein —, nach dem Muster der Pull-micmn-Wagen eingerichtet find. Zu beiden Seiten eines Mittelganges liegen fünf sehr geräumige, von einander ^getrennte Abteile, in denM je sechs Fahrgäste Platz finden, die breiten Polsterdänke können dank einer sinn« reichen Klappvorttchtung des Nachts als Betten für st vier Fahrgäste inerten, so daß insgesamt 20 Bettplätze zur Verfügung stechen. Küche, Wasch- und Ankleideräume für Herren und Damen sind noch amerWanischem Borbilde eingerichtet und übertreffen in ihrer praktischen Anordnung und Ausführung weit die Einrichtungen, welche ein verwöhnter Reisender in den Luxuszügen Europas zu finden gewohnt ist.
Die normale Reisegeschwindigkeit
des Amettba-Luftschiffes mit fünf Motoren in Marschfahtt wird etwa 108 Kilometer in der Stunde oder 66 Seemeilen betragen, wahres sie bei voller Leistung der Maschinen auf 1U Kilometer in der Stunde gesteigert merken kann. — Für die Ueberführung von Friedrichs, Hafen nach Amerika ist die Mitnahme von 30 Tonnen Betriebsmitteln vorgesehen^ m( selbst bei den ungünstigsten WetterverhAtniss^ auf der ganzen Strecke für die ununtenbroch^ Fahrt ausreichen dünsten. Welch Vertrauen ber Luftschiffbau Zeppelin selbst in das von i^ erbaute Fahrzeug fetzt, -geht daraus hervor, daß er auf die Bertragsbedingung einging, jmeto gerade die glückliche
Durchführung der Ozeanfahtt als Abnahme, bedingung
vorsah. Mit der FMung des Lufffchiffeg » am Montag morgen begonnen worden, di«M wird sechs bis sieben Tage in Anspruch nehmen da der Gasometer der zur Werft igehorigey Gasanstalt nur 20 000 Kubikmeter faßt und sy. imU nach Leerung desselben die wär 'benötig, seit 50 000 Kubikmeter laufend erzeugt in das Schiff geleitet wenden müssen-. Die Tageser.
Sng der Gasanstalt beträgt etwa 10 (M mster. Wmn öfe Füllung beendet D wird die Außenhülle verschnürt und verkkchj und das Schiff zur ersten Probefahrt vorft, rettet werden. Dies erfordert ein bis zwei Tage, so daß in der ersten^ Hälfte der nächsten Woche -frühestens die erste Probefahrt statt sinken kam. Gleichzeitig mit der Gasfüllung findet die ®v nähme von Wasserballast und von Betrieben* Mn statt, um das Schiff in dem Maße zu ft, lasten, wie es durch das Füllen Austrieb er- HW. Diese gleichmäßige Belastung muß sehr sorgfältig vorgenommen werden, um das Schiss während des Füllens nicht unzulässigen Been« spruchungen auszUsetzm. Im vorstehende ist bereits gesagt, daß das Schiff zur ersten Proft- fahrt nicht von den ersten Tagen der kommenden Woche wird klar sein können. Diese erste Proft, fährt ist eine -reine Werkstatffahr. von kurzer Dauer, an der Fahrgäste nicht teÄnehmen können. Bon dem Ergebnis der ersten ProbefM hängt der Termin der folgenden ab. Wenn sst nicht die Notwendigkeit zu irgendwelchen Abänderungen ergibt, dürfte die zweite Probefahrt ein oder zwei Tage nach der ersten vowennni- men werden, andernfalls könnte eine Verzögerung um wenige Tage notwendig werden, vor- -gesehen sind vorerst insgesamt 3 kurze, vielleicht 3—tftünd'ige, und eine Esgedehnte Probefahrt von 24—30 Stunden, letztere wird
quer über ganz Deuischland
-und wahrscheinlich über Teile der Ostsee ^reit und nach Möglichkeit eine -größere Anzahl von deuffchen Großstädten berühren. Nach ~ riete Fung der Probefahrten wird das LuftschiüIr ote lletffèrfuhrung nach Amerika' Hfr geweift werden. Ein Termin für die Ueberführungr- fahrt läßt sich naturgemäß heute noch nicht an- geben. Wie sich aus dem Vorstehenden er-M, dürste aber kaum vor dem 10. September mit dem Klarmachen für diese Fahrt begonnen werden können. Der Antritt der Fahrt wirb dann selbstverständlich von der allgemeinen Wetterlage abhängig gemacht werden, in der Weise, daß bei ausgesprochen schlechter, d. h. stürmffcher, Wetterlage über dem Atlaintischen Ozean zug-swar^et werden wird, bis sich bie Lage bessert, denn die Dauer der Fahrt hängt selbstoerstänidlich ta hohem Maße von den Windverhältnffsen ab, die das Luftschiff auf der Ueberführungsfahrt über dem Meere antrifff. Die Zeiten können innerhalb sehr wetter Grenzen schwanken, d. h. die Ueberführungsfahr! kann bei sehr günstiger Wetterlage in 60 Stunden amsgeführt werden, während bei ungünstiger Wetterlage, nämlich bei starken Gegen- winden die Ueberführungsfahrt unter Umständen 90—100 Stunden würde dauern können, im übrigen werden erst die Probefahrten ein sehr genaues B® von der Leistungsfähigkeit des SarfifRiffes ergeben.
Aus aller Well.
Des Gattenmordes verdächtig.
Wie gemeldet wird, hat die Berliner Knmü nalpolizei die 55jähttge..Witwe Matte Krueger wegen Verdachts des Eattenmordes verhaftet. Im September 1923 wurde in Hammer in der Nähe von Landsberg a. d. Warthe der 73 Jahre alte Landwirt und Stellmacher Krueger in seinem Wohnzimmer mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Frau Krueger gab an, daß ihr Mann in geistiger Umnachtung Selbstmord begangen habe. Als nun Frau Krueger, die schon dreimal verheiratet war, kaum ein Jahr nach dem Tode ihres dritten Mannes auf Heiratsanzeigen in Berliner Blättern antwortete und dabei, wie schon früher, alte Männner bevorzugte, wurde die Polizei auf sie aufmettsam. Ermittelungen ergaben, daß der letzte ihrer drei Männer, Krüger, von fremder Hand getötet worden ist. Es wird angenommen, daß die Frau ihre beiden anderen Männer durch Gift umgebracht hat, um sie zu beerben.
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