Hanauers Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Ak. 194
Dienstag den 19. August
— H*
1924
Das Neueste.
— Gestern fand eine Kabinettssißung über die Londoner Konferenz statt. Daran an- fchließend wurden die Parteiführer vom Reichskanzler empfangen.
— Der Reichstag wird voraussichtlich erst M Freitag zusammentreten.
— Die Räumung von Offenburg und Appenweier ist gestern reibungslos vor sich gegangen.
— Nach einer Havasmeldung aus Le Havre wütet dort feit heute nacht ein heftiger Sturm, der bedeutende Schäden verursacht hat. Der Schiffs-Passagierverkehr nach verschiedenen Richtungen ist eingestellt worden.
DieProphelen der „Menschheit"
Es gibt einen Pazifismus, der lauter und rein ist wie die Sehnsucht im Daseinskampf nach einem stillen Lebensabend. Es läßt sich ein Pazifismus denken, der sanft ist wie der palmentragende Friedensengel. Es läßt sich selbst ein Pazifismus begreifen, der streitbar ist als eifernder Zelot. Aber ein Pazifismus, dessen Waffe die Lüge und die Verleumdung ist, ist ein ekelhaft schmutziges Unding. Und dennoch Wirklichkeit. Es ist „Die Menschheit", die in Wiesbaden von Fritz Röttcher herausgegeben und als das „Publikationsorgan des deutschen pazifistischen Studentenbundes (Vorsitzender und Geschäftsstelle: Wolfgang Med- ding, Freiburg i. Br.) sowie der deutschen Friedenspartei, Ulm, Hirschgasse 12 II., bezeichnet wird.
Steht „Die Menschheit" im Solde? Ist sie käuflich? Es sind 5 Jahre verflossen, seitdem ffMms: Und es sind erst wenige Monate vergangen, seitdem sie aus dem unbesetzten ins besetzte Gebiet nach Wiesbaden hinüberwechselte. Es ist eine Tatsache, daß sie auf deutscher Seite alles schwarz, auf französischer Seite weniges im Zwielicht, das meiste im rosigsten Scheine malt. Am 25. Juli d. J. gab sie eine Sondernummer (Nr. 21) heraus zur Erinnerung an den Kriegsbeginn unter dem Schlagwort: „Nie wieder Krieg!" In dieser Nummer befindet sich ein Aufsatz: „Deutschland als Sieger". Dort wird von L. Persius ein Buch von Dr. Stillich besprochen. In welcher Weise? Es wird auf den Frankfurter Frieden von 1871, auf den Frieden von Brest Litowsk und den von Bukarest aus dem Weltkrieg Bezug genommen und ihnen gegenüber der Friede von Versailles als ein Kinderspiel bezeichnet. Wir wollen unser Deutschgefühl nicht zu Worte kommen lassen, wenn wir folgenden Satz von Persius in der „Menschheit" lesen: „Jst's möglich, so wird sich jeder Unvoreingenommene fragen, daß sich heute ein verantwortungsvoller Deutscher findet, der, blickt er zurück auf die Friedensschlüsse von Frankfurt, Brest-Litowsk und Bukarest, noch ein Wort der Klage über den Friedensschluß von Versailles laut werden läßt?" Und weiter: „Schweigen ist das Gebot für jeden halbwegs anständig Fühlenden gegenüber den fraglos harten Bedingungen, die uns in Versailles diktiert wurden, die aber, vergleicht man sie mit denen, die von deutschen Militärs den Franzosen, Russen und Rumänen aufgezwun- SM wurden, wahrlich leicht zu tragend? Lasten bedeuten." Wir fragen demgegenüber die Deutschen im besetzten Gebiet von der holländischen bis an die elsässische Grenze; euch, die ihr unter Beschlagnahmen, vor den Kriegsgerichten, in den Gefängnissen und unter den Ausweisungen seelisch und körperlich gelitten habt und noch leidet, wir fragen euch, Männer, Frauen und Kinder, die ihr fünf lange Jahre !hon die Fremdherrschaft erduldet und von dem Geist, der Frecheit, die euch versprochen war, noch keinen Hauch verspürt habt, die ihr aus euren Wohnungen vertrieben, von der schrankenlos waltenden Separatistenplage gequält wurdet, die ihr euch rechtlos fühlt und von Spitzeln umgeben wißt — wir fragen euch, wie chr über den Vergleich des Frankfurter Friedens Bismarcks und des Versailler Diktats Poincares denkt! Wir fragen jeden, der die Fremdherrschaft im Rheinland kennt, ob es denkbar ist, daß einem General Degoutte bei seinem Abzug aus dem besetzten Gebiet ein Dankeswort folge, wie es Thiers dem preußischdeutschen General Manteuffel spenden mußte, ols nach kurzen zwei Jahren der Okupation die deutschen Truppen in die Heimat marschierten! Hingegen haben — Frankreich sagt es selbst —
die Besatzungstermine im Rheinland trotz bald 6 Jahre noch nicht zu laufen begonnen. Es ist, als lebte Persius in einer umgekehrten Welt, wenn er die Frankfurter Friedensbedingungen Bismarcks geradezu „sadistisch" nennt.
„Die Unmoral", so sagt „Die Menschheit" und in ihr Persius weiter, „um den Ausdruck Bestialität zu vermeiden — feierte Orgien in der Frage der Behandlung der Bevölkerung des Cholmer Landes... Denn sie entfesselte (na* Stillich, dessen Worte sich Persius zu eigen macht) einen Entrüstungssturm in Polen gegen diese neue Teilung. „Man fragt sich, hat Stillich, hat Persius das Versailler Diktat miterlebt, oder befanden sich beide jenseits der angeblich besten aller Welten und spielten mit dem Mann im Monde einen Friedensskat? Das völlig deutsche Tondern wurde losgerisfen vom deutschen Vaterlande, im Osten wurden Millionen deutscher Bürger an Polen und Tschechen aus- geliefent, das gänzlich deutsche Danzig wurde aus dem Reichskörper herausgeschnitten, im Süden mußten die Deutschen Oesterreichs auf ihr Selbstbestimmungsrecht und auf den Anschluß an Deutschland verzichten, das deutsche Südtirol wurde unter fremde Gewalt getrieben, und im Westen mußten abertausend Deutsche ohne Abstimmung ins wellige Regime hènüberwc blâ. Das alles ist an deutschen Stammesgenossen, deutschen Blutsverwandten geschehen, und Stillich und Persius Wagen über die Teilung des Cholmer Gebietes!
Es ist ein wunderlicher Trost für die feit bald 6 Jahren leidende Bevölkerung des besetzten Gebietes, wenn Stillich-Persius behaupten, daß die Fremdherrschaft im Rheinland wohl verdient sei, weil Rumänien eine deutsche Besatzung hatte. Denn, „so wird man sagen
DaMiiteu-
Heiligen, „mit dem Maß, mit dem ihr andern messet, ist euch wieder gemessen worden, wenn auch (so wird schüchtern aber wirkungslos hinzugesetzt) dieser Satz der Einschränkung selbst in diesem Punkte bedarf. Denn in Wirklichkeit ist dieses Maß für Deutschland ein wesentlich geringeres als dasjenige, das es selbst Rumänien zugedacht hatte." Teuflischer samt auch das unbarmherzige Achselzucken nicht sein, mit dem der Satan an den Leiden der gequäkten Menschheit vorübergeht.
Selbstverständlich kann, damit das Drei- geftirn voll werde, auch Friedrich Wilhelm Förster im Aufsatz von Persius nicht fehlen. Dieser verweist darauf, daß Förster am 5. März 1924 in der „Menschheit" schrieb, der deutsche Geisteszustand sei an den drückenden Bedingungen des Vexsailler Diktates schuld-. Persius fügt seinem Wunsch hinzu, das Buch von Stillich möge „zur Wandlung dieser Mentalität beitragen". Im Grunde lauert hinter diesem Wunsche der Gedanke, daß das deutsche Volk im Ganzen und die Bevölkerung des besetzten Gebietes im Besonderen ihre Leiden tnalx verdient haben, aus erzieherischen Gründen. Auch hier verbirgt sich die ganze kâ MMeiolvsigLeik des pazifistischen Propheten mit dem unsagbaren Elend der Deutschen im Reich und im besonderen am Rhein und Ruhr -hinter ein paar Schluß- akkobden, die Friedensgefühle vortäuschen sollen, in Wirklichkeit aber der Gleichgültigkeit gegenüber dem Unglück der Deutschen entspringen.
Es ist der Haß gegen alles Deutsche, der Haß, der das eigne Volk demütigt und verrät und den Kreuzzug gegen die deutsche Ration predigt, der hier triumphiert. Es beleuchtet ferner mit blitzartiger Helligkeit den engen Zusammenhang zwischen der Propaganda der „Menschheit" und dem französischen Interesse, wenn „Die Menschheit" vom 25. Juli und der von der französischen Pressestelle in Düsseldorf herausgegebene „Nachrichtendienst" vom 6. August d. J. übereinstimmend einen Aufsatz „Die deutsche Kriegsführung in Belgien" bringen, der die ältesten Beschuldigungen der anfänglichen Kriegspsychose enthält.
Mit der „Menschheit" ließen sich im unbesetzten Deutschland keine Geschäfte machen. Also siedelte Fritz Röttcher nach Wiesbaden über. Und log und frevelte am Heiligen Gut des Friedens. Ein solcher „Pazifismus" wäre gemeinster Landesverrat, wenn diese „Menschheit" überhaupt ein Vaterland hätte. Wäre es den Propheten der „Menschheit" wirklich um die Wahrheit zu tun, so böten ihnen die russischen Archive Stoff genug zu Anklagen gegen Iswolsky und Poinoare.
M Md Sarti
Berlin, 19. Aug. Gestern nachmittag 3 Uhr fand eine Sitzung des Reichskabinetts statt, an der sämtliche in Berlin anwesenden Minister teilnahmen. Die aus London zurück- ge kehrten Minister gaben einen eingehenden Bericht über den Verlauf der Konferenz. Hierbei wurde dm Blättern zufolge ^gestellt, daß die deutsche Delegation zum ersten Mal nach dem Kriege vöWg gleichberechtigt mit den Alliierten verhandeln konnte. Das Kabinett billigte einmütig die Haltung seiner Vertreter in London, und wird, wie es in mehreren Blättern heißt, den Reichstag Nicht in Zweifel darüber lassen, daß es den beschrittenen Weg unter allen Umständen weiter verfolgen wird. Der Zusammentrittdes Reichstags soll nicht für Donnerstag, sondern erst für Freitag zu erwarten fein. Es wird damit gerechnet, daß die parlamentarische Entscheidung über das Ergebnis der Londoner Verhandlungen in der zweiten Hälfte der nächsten Woche fallen werde, und daß, falls die erforderliche Mehrheit für die Gesetze zur Durchführung des Dawesberichtes nicht erreicht werden sollten, asbald die Auflösung des Reichstags ausge- sprochm werden dürfte. In diesem Falle würde dann, wie in mehreren Blättern betont wir, die für den 30. August vorgesehene Vollziehung der Londoner Abmachung nicht mik- n sein, und es würden sich dann auch alle vorgesehenen Fristen für die wirtschaftliche Räumur- des Ruhrgebiets automatisch verlängern.
Nach der Kabinettssitzung fand die Besprechung d er P a r t e i f ü h r e r b e i m Reichskanzler statt, die sich bis zum -späten Abend nachmittags
Parteien gepflogen. Von diesen waren erschienen die Abg. Dr. Curtius und Dr. Becker- Hessen von der Deutschen Dolksoartei, Dr.< Koch und- Erkelenz von den Demokratm, sowie Becke r-Arnsberg und Dr. S p a h n vom Zentrum. Danach erschienen als Vertreter der Sozialdemokraten die Abgeordneten Wels, L o e b e und Dr. Hilfe r d i n g und schließlich für die Deutschnationale Volkspartei deren Führer Dr. H e r g t und Abg. Dr. H o e tz s ch und Dr. Steiniger. Auch hierbei wurde von dm deutschen Delegierten über den Verlauf der Londoner Verhandlungen Bericht erstattet. In den langen, teilweise persönlichen Verhandlungen hätten die deutschen Delegierten von dem französischen Ministerpräsiden - t e n d e n E i n d r u ck o o n e i n e m M a n n e erhalten, der überaus hohe Ideale vertritt und vom besten Willen Beseelt ist. Seinen Worten könne man vertrauen entgegen- ibringen, da man der Ueberzeugung sein müsse, daß er tatsächlich das Allerbeste für die Befriedigung Europas beabsichtige. Bezüglich der Räumungsfrage habe in den Kreisen der deutschen Dolegaiivn die Auffassung vorgsherrscht, daß Herriot nicht nur persönlich zu weiter,gehendem Entgegenkommen bereit gewesen sei, sondern auch eine wetter-gehende Ennacyrigung durch den Mnisterrat hatte. Die Eutiweldung sei dann durch Loucheur gefallen, der für den Fall der Gewährung weitergehender Zugeständnisse an Deutschland mit der Entziehung der Unterstützung seiner ^ Mann starken Kammergruppe gedroht hat. Es sei also Die Rüa - sicht auf die in n erpokitische Lage gewesen, die Herriot wider feinen Willengezwungen habe,uchaufdie einjährige Maximalfrist festzulegen. (Und wer nimmt Rücktet auf die deutsche innenpolitische Lage? D. Red.) Das gegenseitige Vertrauen, daß sich während der Londoner Erörterungen zwischen Herriot und dem Reichskanzler -angebahnt habe, werde dadurch praktisch zur Auswirkung kommen, daß künftighin bei etwaigen Beschwerden im besetzten Gebiet der Reichskanzler Prrvatbriefe an Serri oh richten werde, um eine Abstellung der ebelstände herbe izuführen. Herriot habe. sich hiermit bereits einverstanden erklärt. 1
Alle Delegationen verzichteten auf die Abgabe von Erklärungen. Indessen konnte man aus der Art der Fragen, die vom Kanzler, Dr. Stresemann oder Dr. Luther beantwortet wurden, ersehen, daß die Deutsche Volkspartei und mehr noch die Deutschnationalen mit b£n Londoner Abmachungen wenig zufrieden sind. Aeußerte sich dies schon beim Empfang der Koalitionsführer in den Fragen der volks- parteilichen Abgeordneten, fo-veit mehr noch bei der Konferenz mit den -Deutschs
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nationalen. Diese erhoben vor allem gegen die SBerlängerung der Besetzung um ein weiteres Jahr schwereBedmken. Daß ihnm die Trans- ferbedingungen völlig unklar sind, darf nicht weiter Wunder nehmen, da selbst die Urheber jener Paragraphen, wie sich in London gezeigt haben soll, sich im unklaren über ihre eigene Schöpfung befinden. Alles in allem halten die Deutschnationalen die Londoner Beschlüsse für eine wesentliche Verschlechterung des Dawes-Berichtes. Erne präzise Stellungnahme tonnen die Deutschnationalen aber erst zeigen, wenn sie die Beschlüsse selbst in der Hand haben.
Die Besprechungen trugen demnach einen rein informatorischen Charakter. Die nächsten Tage, bis zum Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses und des Reichstagsplenums werden von Sitzungen der Fr-akttonen ausgefüllt werden, in denen sie sich auf die in der Vollsitzung abzr^ ebenden Erklärungen zu einigen haben werden.
Schwierigketten in -er Anleihefrage.
New Nhkk, 18. Aust. In seiner Antwort auf die Benachrichtigung des Botschafters Kellogg über die Einigung auf der Londoner Konferenz bezeichnete Präsident Coolidge dies als das wichtigste Ergebnis seit dem Waffenstillstand. Er befürchtet jedoch einige Schwierigkeit in der Erlangung der nötigen Gelder von den amerikanischen Privatleutev.
Wae-onal-s Brief gegen -ie Ruhrbesetzung.
London, 18. Aug. Amtlich wird der Brief besannt gegeben, den Macdonald anschließend an den Briefwechsel zwischen den Ministe rprä- fiöemen von Frankreich E- BâW M& und dem deutschen Reichskanzler andererseits bezüglich der Ruhrbesetzung an Herriot und Theunis gerichtet hat. Der Brief lautet:
Mein lieber Premierminister!
Im Hinblick auf das neue Abkommen, welches bezüglich der Besetzung der Ruhr erreicht wurde auf den Notenwechsel zwischen den drei in der Hauptsache beteiligten Regierungen, ist es notwendig, daß ich sckMstlich die Stellung der britischen Regierung erneut darlege. Die bri- ttsche Regierung hat die R e ch t m ä ß i g k e i t der Ruhrbesetzung oder die Auslegung der Klauseln im Versailler Vertrag, auf Grund deren ihre Alliierten handelten, niemals anerkannt. Sie -hofft, daß die Besetzung, da sie lediglich für wirtschaftliche Zwecke unternommen wurde, alsbald na* dem Inkrafttreten des Dawesberichtes zurückgezogen wird. Der Sachverständigenausschuß hatte, da seine Zuständigkeit beschränkt war, davon Abstand zu nehmen, Anempfehlungen bezüglich dieser militärischen Besetzung zu machen, hat aber deutlich zu verstehen gegeben, daß die wirb schoftliche Wirkung der Besetzung nicht zu übersehen sei, wenn und sobald seine Berichte in die Tat umgesetzt würden. Die besetzenden Mächte und die deutsche Regierung- sind übereingekom- men, eine Vereinbarung anzunehmen, wonach die Besetzung nicht über -zwölf Monate hinaus von -heute ab gerechnet fortbauern soll, aber früher beendet werden kann.
Die britische Regierung, die, ohne die von ihr und ihren Vorgängerinnen bezüglich der Auslegung des Vertrages eingenommene Haltung zu präjudizieren, den dringenden Wunsch hegt, daß der Dawesbericht in Kraft gesetzt wird, nimmt lediglich Kenntnis von dem Abkommen und bringt auf das nachdrücklichste darauf, daß die beteiligten Regierungen jeden möglichen Schritt Unternehmen mögen, um die Räumung zu beschleunigen, da nach Ansicht der britischen Regierung die Fortsetzung der Besetzung die Wirkung des Dawes- planes schädlich beeinflussen und die in London vereinbarten Uebereinkommen gefährdenkann.
Die Räumung von Offenburg und Appenweiler.
Offenburg, 18. Aug. Der neu ernannt» Kommandant des Brückenkopfes Kehl, General B o q u e t, hat heute dem Oberamtmann von Offenburg und einem Vertreter des Stadtrates von Offenburg mitgeteilt, daß das neu besetzte Gebiet von Offenburg und »ppenmeilet heute geräumt wird. Gleichzeitig wird eine gemischte Kommission zur Uebergabe des Inventars und der Offizierswohnungen zusammentreten. Die in Offenburg stationierten französischen Truppen sind bereits heute morgen in feldmarschmäßiger Ausrüstung angetreten.