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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 167
Freitag den 18. Juli
1924
Sie ersten Kommissionssthungen.
Amerika beseitigt sich a« der Repko. — Erster Erfolg -er Franzosen.
London, 17. Juli. Die drei Kommissionen haben gestern ihre Arbeiten bis spät in die Macht fortgesetzt. In der ersten Kommission, dem politischen Ausschuß, der auch die Sank- Aonsfrage zu behandeln hat und dessn Vorsitzender der Engländer Snowden ist. wurde so« fort die Frage einer deutschen Verfehlung besprochen. Das amerikanische Mitgliè Logan gab folgende Erklärung ab:
Die amerikanische Regierung werde keinen Einspruch dagegen erheben, daß ein ; amerikanischer Staatsbürger in der Repara- I tionskommission Sitz und Stimme für den M hätte, daß die Kommission eine etwaige i schwere Verfehlung von feiten Deutschlands festzusiellen hätte.
Darüber, wer den amerikanischen Staats-
iürger zu ernennen haben werde, sind zwei verschiedene Auffassungen zum Ausdruck gekom- men: nach der einen hätte die Reparationskommission selbst unmittelbar, nach der anderen ler Vorsitzende des Internationalen Schieds- gerichtshoses im Haag die Ernennung vorzunehmen. Nach gründlicher Auseinandersetzung, in deren Verlauf insbesondere Peretti della Rocca und Snowden das Wort ergriffen hatten, hat sich der letztere Standpunkt durchge- etzt. Jedenfalls ist durch die gestrige Aussprache die Teilnahme Amerikas zu einer vollzogenen Tatsache geworden. Im ganzen bedeuten die Arbeiten der ersten Kommission in« D folge der Haltung Amerikas im wesentlichen
ssolg der französischen Auffassung
m Sinne der Pariser Vereinbarung. Die Frage »er S a n k t i o n e n ist in der gestrigen Sitzung »es ersten Ausschusses noch nicht geprüft wor- >en. Ihre Prüfung steht für heute nacymittag bevor, und in gewissen Konferenzkreisen verlautet, daß man bald zu einer ähnlichen Ko m- promißlösung wie für die Feststellung der eventuellen deuffchen Nichterfüllung gelangen werde. Wie verlautet wird der französische Vertreter della Rocca dem ersten Ausschuß heute einen Plan für die Anwendung von Strafmaßnahmen im Falle eines deutschen 23er« Mgs unterbreiten. Die Verhandlungen der zweiten Kommission, die sich mit der Wiederherstellung der wirtschaftlichen und fiskalischen Einheit Deutschlands befassen wird, waren kurz.
Franzosen sprachen ihre Bereitwilligkeit ^us, die wirtschaftliche Einheit ohne Verzögerung wiederherzustellen. Das von Snowden in dieser Frage entworfene
Memorandum über die wirtschaftliche Ruhrräumung
!chlägt vor, daß die wirtschaftliche Räumung in «»ei oder drei Stufen vollzogen werden soll, è erste Stufe soll eintreten, nachdem der ^lchstag die Gesetze angenommen hat und die sweite, nachdem die neue Kontrolle errichtet ™ verschiedenen neuen Körperschaften ein» sind. Das Eisenbahnproblem wurde nicht Indessen wurden die Schwierig- «I ueinerAnleihe betont, solange die wirtschaftliche Einheit nicht wiederhergestellt sei. ^ englische Aufafssung ist, daß die Anleihe be» "gungsweise von den Banken vorläufig ga- wird, daß sie aber nicht ausgegeben ^oe, bevor die wirtschaftliche Räumung nicht 2 vollendete Tatsache sei. Die Ar- v ^^^ Kommission stehen also im eng- L, Zusammenhang mit den fünf Punkten der Di-Beschlüsse der Reparationskommission. f9^>Be Bedeutung dieser Frage für den Ver- nE Konferenz liegt auf der Hand. Die [ Angelegenheit war denn auch schon ge- " Gegenstand zahlreicher privater Dcspre- ( zwischen dem amerikanischen Bankier "Nd dem französischen Finanzminister ! lanae " r' ^ns ^^ militärische Räumung an- Swi!^' ^^se in privaten Unterredungen den un*5 "nd Herriot besprochen worden “^ 3u einer Verständigung zwischen sran^ml" Mächten geführt haben solle. Die dioen i , n und belgischen Militärsachverstän- de^uaben ihre gemeinsame Auffassung nie« Die hr'ts' ^cr di? aber bisher nichts verlautet. I j e s p e Kommission, die sich mit den Sach- die m « "? 6 e n befaßt, wird einen Plan für RoS- 9 dieser Leistungen aufstellen. Die "wsslon geht davon aus. daß die Sachliefe
rungen in den ersten Jahren zum größten Teil den deuffchen Leistungen angerechnet werden.
Gin Memorandum der Reichs- regierung?
Berlin, 17. Juli. Der Londoner Korrespondent des „Sozialdemokratischen ParlamentSdiensteS" teilt Einrelbeiten ans einem Memorandum mit, das die Reichsreaierung dem englischen Ministerpräsidenten habe überreichen lassen. Darin fordere die ReichS- reaierung als Grundbedingima für die Annahme der Gutachtens eine endgültige Zusage über den Termin der Wiederherstellung der politischen Einheit Deutschlands, namentlich über die Zurückziehung der Besatzungstruppen im Ruhrgebiet und über die militärische Räumung von Düsseldorf und DuiSburg- Rubrort, Wie dazu berichtet wird, ist es richtig, daß die Reichsregierung sowohl dem englischen Ministerpräsidenten wie dèn Ministerpräsidenten der anderen alliierten Länder ihren Standpunkt in dieser wie in anderen Fragen unterbreitet hat, indessen geben die von dem Korrespondenten der „Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes" berichteten Einzelheiten, wie bekannt wird, den Standpunkt der Reichsregierung nicht zutreffend wieder.
Um -re Liqui-ierung -es Ruhrabenteuers.
London, 18. Juli. Die für gestern! anasfeßte Sitzung der zweiten Kommission, in der das sogenannte Seydou r-Memonandum über die wirtt-bastliche Regelung des Ruhrgebiets erörtert werden sollte, wurde auf Freitag verschoben, einmal wegen der Notwendigkeit, den Mitgliedern dieser Kommission, die gleichzeitig zu ermöglichen, an den Sitzungen der letzteren teilzunehmen, in der Hauptsache aber, weil die zu behandelnde Frage zwischen den französischen und belgischen Wi rffchastssachvers bändigen und MWÄvsachverständigen, darunter Seydoux selbst, nochmals besprochen würde. Auch Sir Eyre Erowe hatte mit Seydoux ebenfalls eine Besprechung. Der wichtigste Streitpunkt ist, so sagt der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph", daß die Engländer ein Datum, womöglich den 15. August, für die Jn- krafffetzung des Dawesberichtes festfetzen wollen, . während die Franzosen in Etappen vorgehen und sich nicht an bestimmte Zeiten, sondern an bestimmte Ereignisse binden wollen. Im übrigen ist das Verlangen nach Liquidation des Ruhrunternehmens jetzt offen zur Erörterung zugelassen worden. Man tritt dafür ein, daß es an der Zeit sei, von dem Kriegszustand, wie ihn die Ruhrbsfetzung tatsächlich bedeute, zu einem Friedenszustand, wie er im Dawesbericht gefordert wird, zu gelangen. Die AM- ierten geben auch zu, daß die voraussichtlichen Anleihegeber Recht hätten, Garantien zu fordern, damit das Land, in dem sie Geld anlegten, nicht zerstört werde. Es haben nun gestern weitere französisch-belgische Besprechungen statt- gefunden über die beiden Formeln, von denen die e ne sich auf den künftigen Verzug Deutsch- lands beziehe, während die andere, die von Peretti della Rocca ausgearbeitet, und unter die Mitglieder der Kommission verteilt worden ist, das Problem der Sanktionen behandelt. Die gegenwärtige Hauptfrage ist demzufolge, welche Aufnahme diese Formeln, besonders die zweite, finden werden, und ob, falls die damit verbundenen Schwierigkeiten überwunden werden könnten, die Franzosen immer noch geneigt sind, den Deutschen wenig mehr zu gestatten, als das Recht, sie zur Unterzeichnung und zu Bemerkungen über gewisse Einzelpunkte und evtl, zu den künftigen Verhandlungen zuzulassen.
Bankrotterklärung -er Politik Pvinearös.
Paris, 18. Juli. Der Sonderberichterstatter des „Chronicle" meldet um 1 Uhr nachts aus London, nach dem von Macdonald den Delegierten gegebenen Abendessen hätten wichtige Verhandlungen stattgefunden.. Es, seien präzise Vorschläge gemacht worden, die die Schwierigkeiten beseitigen und ein Abkommen begünstigen könnten, namentlich in den Fragen, die der ersten Kommission unterbreitet seien, die Frage der Verfehlungen und der Sanktionen. Nachdem gleichen Berichterstatter kann die Aufgabe dieser Kommission dahin präzisiert werden: Die Konferenz müsse gewissermaßen die politische Erbschaft aus dem Ruhrkampf liquidieren, bevor sie ihre Arbeiten fortsetze. Die Ruhrbesetzung habe Frankreich gezwungen, den Sach-
verständigenplan anzunehmen, der weniger günstig sei, als der Plan Bonar Laws vom Januar 1923. Die Lage im Ruhrgebiet, die Beunruhigung hervorufe, müsse beseitigt werden, bevor man den Plan zur Ausführung bringen könne. Das fei eine fast tragische Lage, aus der es nur einen Ausweg geben könne, nämlich, daß man offen und feierlich anerkenne, daß die isolierte Aktion bans rott gemacht habe, und daß nur die Zusammenarbeit der Alliierten es ermöglichen könne, die bis jetzt unlösbar erscheinende Reparationsfrage zu regeln, um Europa zu retten.
Die Aufgaben -er Ausschüsse.
London, 17. Juli. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt über die Zusammensetzung und die Aufgaben der Ausschüsse: Für den ersten Ausschuß ist bezeichnend, daß die
Macdonald, Vorsitzender der Londoner Konferenz
amerikanischen Delegierten gugeftimmt haben, vertreten zu sein, und daß die kleineren Mächte, nämlich Serbien, Rumänien, Griechenland und Portugal nur eine gemeinsame Vertretung, bestehend aus zwei Personen, erhalten haben. Es ist wahrscheinlich, daß diese Kommission sich in eine Anzahl von Unterausschüssen, je nach den zu behandelnden Fragen, auflösen wird. Beispielsweise könnte ein Unterausschuß von Juristen ersucht werden, zu erwägen, ob die Ausarbeitung eines Protokolls zur Durchführung des Dawesberichtes eine Neuerung des Versailler Vertrages bedeuten würde, und wenn ja, ob es nötig sein werde, die Deutschen einzuladen, damit sie sich dazu äußern. Bezüglich der Methode, durch die die Deutschen in Verzug erklärt werden sollen, werden zwei, wenn nicht drei Formeln untersucht werden. Die allgemeine Tendenz im alliierten Lager geht auf die Berufung eines Amerikaners als Generalagenten für die Reparationsleistungen, um als Schiedsrichter zu handeln. Die Belgier werden es vielleicht vorziehen, daß, statt einen Amerikaner einzuladen, nur um in der Reparationskommission über die Frage des Verzugs zu beraten und abzustimmen, die Reparationskommission, wenn ein Verzug festgestellt wird, in Uebereinstimmung mit dem beim Dawesbericht angewandten Verfahren einen ad Hoc-Ausschuß von fünf Personen, einem Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener und Belgier einlädt, um sich über diesen Punkt zu äußern. Das heikelste Problem aber ist zweffellos, ein Mittel zu finden, um jede unabhängige Aktion in der Frage der Sanktionen in Zukunft unnötig zu machen. Die Franzosen und Belgier wünschen die Frage der Sicherheit der Besatzungstruppen aufzuwerfen. Auch hier würden wohl zwei verschiedene Formeln unterbreitet werden. Die erste gehe dahin, nur die Befugnisse, die den interalliierten Militärkommandos durch Art. 10 des Rheinlandabkommens gegeben sind, zu verstärken. Die Rheinlandkünlmission könnte in ihrer früheren Form wieder hergestellt werden und in der Art wie vor dem Ruhrunternehmen auf dem linken User in Verbindung mit -den Militärbehörden die Kontrolle auf zwei oder drei Linien, die eine größere strategische Bedeutung besäßen, auszuüben. Die zweite, die ein gut Teil weitergehe, besage, daß die rheinischen Eisenbahnen zu einer ^ir^H dem deutschen Generalleiter zusammengefaßt werden, der eine gewisse alliierte technische Unterstützung erhalten und dem eine Anzahl von französischen und
belgsschen Effenbahnern zugeteilt werden solle. Diese fremden Eisenbahner würden mit dem Betriebe genügend vertraut sein, um auf zwM oder drei Hauptlnnen den für die Sicherheit bee Besatzungsheeres von 130000 Mann Uttum« gänzlich notwendigen Eisenbahndienst zu gewährleisten. Es sei schwierig, einzuschen, wie diese Formeln mit dem Dawesbericht vereinbart werden könnten. Me der Korrespondent weiter berichtet, haben die Belgier eine sehr sorgfältig« Prüfung der Transferprobleme, die mit bett deutschen und auswärtigen Waren zusammen» hängt, mitgebracht.
London, 17. IM. Die erste KvsnmWM unter dem Vorsitze von Snowden und die dritte Kommission unter dem Vorsitze von Sir Robert Kindersley ist heute nachmittag 3% Uhr zu- fammengetreten. Die zweite Kommission tagte heute nicht, sondern wird morgen vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze von 3. H. Thomas zusammentreten.
Boung will nur drei Monate Generalagent bleiben»
Pari», 18. Juli. Der Sonderberichterstatter bei „Petit Journal" will erfahren haben, Ovm Dounz werde die Stellung eines Generalagenten für bi< Zahlungen nur für 3 Monat« annehmen, und zwa, mit dem Beistände eines Mitarbeiter», der nach ih« den Posten entgültig übernehmen wirb. Oven Dou«- habe in Amerika zu große Interessen, um auf du Dauer seinen Wohnsitz in Europa nehmen zu können, Auch die „Chicago Tribune" bringt die Meldung, daß Oven Doung den Posten des Generalagenten für kurze Zeit, döchsten» für 3 Monate, auf Drängen bei Staatssekretärs Hughes anzunehmen bereit sei.
Der belgisch-französische Plan.
Paris, 18. Juli. Nach dem Sonderbenchterstatte« de» „Journal" in London liegt ein stanrösisch-belgischer Plan vor, die Eisenbahn im besetzten Gebiet, b. h. einige der wichtigsten Linien durch 3000 alliierte Eisenbahner ständig bewachen zu lassen. Der Berichterstatter sagt voraus, daß die Engländer Widerspruch gegen dieftn Vorschlag erheben werden.
Unterredung mit einem Dmoer- Sachverständige«.
London, 17. Juli. Ein amerikanisches Mit» glieb des Dawes-Komitees, eine Persönlichkeit, die schon wiederholt als möglicher Schiedsrichter bei Streitfragen aus dem Dawesbericht genannt wurde, antwortete dem Vertreter bet „B. Z. am Mittag" auf verschiedene Fragen:
1. Frage: Welche Mitarbeit der Vereinigten Staaten und ihrer Regierung ist für die Durch- führung des Dawesplanes zu erwarten?
Antwort: Die Regierung der Vereinigten Staaten kann sich auf nichts einlassen, was nicht dem authentischen Sinne des Dawesplanes entspricht und sie kann bei Durchführung des Da» wesplanes keinerlei positive Bindungen in den Versailler Vertrag oder an dessen Organe am nehmen.
2. Frage: Wird die erste Anleihe von 800 Millionen Goldmark aufgebracht werden können?
Antwort: Zweifellos sind alle geschäftlichen Vorbedingungen, wie sie in dem Plane aufgezählt sind, geschaffen worden. Wir haben für die Anleihe nicht ausdrücklich Priorität gefordert, wir haben aber ausdrücklich vorgesehen, daß die für den Schuldendienst der Anleihe erforderlichen Beträge vorweg von den Eingän-« gen auf das Reparattonskonto bei der neuen! Reichsbank abgezogen werden.
Wahrscheinlich wird von vornherein ein eigener Sicherheitsfonds für den Anleihedienst von diesen Eingängen angesammelt werden. Das genügt als Sicherheit für die erste Anleihe, bi« dann sicher schnell untergebracht werden kann, zum Teil wohl auch aus dem Londoner Markt:
3. Frage: Wie stehen die Sachverständigen zu den versuchen Auslegungen, die die ganze Durchführung des Dawesplanes erst dann fest- gestellt wissen wollen, wenn auch die 11 Milliarden Eisenbahnhypothekenpfandbriefe und die 5 Milliarden ersthypochekarischeu Industrie- Schuldverschreibungen auf dem Weltfinanzmarkt untergebracht worden sind?
Antwort: Ich glaube nicht, daß die offiziellen Delegierten eines Landes eine solche Auslegung des Dawesberichtes versuchen wollen. Die Sachverständigen stehen auf beth Standpunkt, daß ihr Bericht keiner Auslegung bedarf und keiner zugänglich ist. Nach unserer Ansicht schreitet Deutschland dann zur Ausführung des Planes, wenn es einen balanzierenden'Haushalt ausgearbeitet, die erforderlichen Reichsgesetze durchgeführt und die Eisenbahn- pfandbriefe und Jndustrieschuldverschreibungen ausgestellt hat. Wir haben aber im Bericht seh